Von WILD zu CLIC™.

Bei Lombard Odier sind wir der Ansicht, dass die Nachhaltigkeitsrevolution nicht mehr nur ein Ideal ist, sondern bereits alle Sektoren und Branchen betrifft. Für uns gibt es keine wichtigere oder dringendere Entwicklung als die grundlegende Neugestaltung unseres Wirtschaftsmodells. Wir müssen zu einer nachhaltigeren, regenerativeren Alternative übergehen – zu einer Zukunft, die auf einem kreislauforientierten, effizienten, integrativen und sauberen Modell basiert. Wir nennen es die CLIC™-Wirtschaft.

Die CLIC™-Wirtschaft wird jeden einzelnen Sektor betreffen und Anlagechancen im Wert von USD 5,5 Bio. pro Jahr schaffen

Von WILD …

Mit unseren Aktivitäten haben wir Menschen zahlreiche der planetaren Grenzen überschritten, die den biophysikalisch sicheren Raum definieren, in dem die Gesellschaft gedeihen kann.1 Bei der gegenwärtigen Politik der Regierungen steuern wir auf eine Erderwärmung von über 3°C zu. Das liegt erheblich über dem Ziel des Pariser Abkommens, die Erwärmung auf deutlich unter 2°C zu reduzieren und gar eine weitere Begrenzung auf 1,5°C anzustreben. Dieses Ziel zu verfehlen, wird verhängnisvolle Folgen für die Wirtschaft haben – die selbst ein Teil der biophysikalischen Systeme der Erde ist.2

Der Ursprung des Problems ist unser ständig steigender materieller Konsum, der zu Ressourcenabbau, Umweltverschmutzung und Abfall in nie gekanntem Ausmass geführt hat. Dieses Modell ist „WILD“: Wasteful (unwirtschaftlich), Idle (ineffizient), Lopsided (ungleich) und Dirty (verschmutzt).
 

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Wir verhalten uns heute unwirtschaftlich. Die Recyclingquoten sind nach wie vor niedrig und verbessern sich in den verschiedenen Sektoren ungleichmässig. Wir ignorieren die Endlichkeit unserer Ressourcen. Nehmen wir Plastik als Beispiel: 79% des produzierten Plastiks sind auf Mülldeponien gelandet. Von allen Materialien werden nur 43% durch Wasseraufbereitung, Kompostierung, Bodenausbringung/Landanwendung, Recycling und weitere Formen der Rückgewinnung wieder dem Kreislauf der Wirtschaft zugeführt. Dieses Verhalten bringt unser Ökosystem an den Rand seiner Regenerationsfähigkeit.

79% des produzierten Plastiks sind auf Mülldeponien gelandet

Unsere Wirtschaft ist zu ineffizient. Wir konsumieren und akkumulieren mehr, als wir brauchen. Pkws sind schätzungsweise 92% der Zeit parkiert, Büros stehen 50%–65% der Zeit leer.3 Die Ausrüstung des Staates bleibt geschätzte 70% der Zeit ungenutzt. Dieses lineare Modell der Wegwerfwirtschaft erzeugt eine Nachfrage nach nicht nachhaltigen und ineffizienten Produkten.

Die Welt ist ungleich. Der Wohlstand ist ungleichmässig verteilt. Teile der Weltbevölkerung sind zunehmend entrechtet und haben keinen Zugang zu einer erschwinglichen Gesundheitsversorgung. Das hat zu verstärkten Ungleichheiten geführt, die soziale Spannungen schaffen. Die untere Hälfte aller Erwachsenen der Welt besitzt zusammen weniger als 1% des Weltvermögens. Überdies gerät die Mittelschicht unter Druck und die Ungleichbehandlung der Rassen und Geschlechter verhindert, dass die Gesellschaft ihr wirtschaftliches Potenzial voll ausschöpft.

Eine CO2-intensive, verschmutzte Wirtschaft gefährdet unser Ökosystem. Der Klimawandel und der erhöhte Lebensmittelbedarf setzen das Ackerland unter immensen Druck. Die Lieferketten sind komplex, was den Bedarf an Transportkapazitäten und Energie erhöht. Der übermässige Einsatz von Chemikalien, einschliesslich Düngemittel und Pestiziden, verschlechtert die Böden und gefährdet die menschliche Gesundheit, die Biodiversität und die globale Lebensmittelkette. Wir können in Zukunft weder materielle Ressourcen so schnell abbauen wie bisher noch im gegenwärtigen Umfang Emissionen und Abfall erzeugen.

… zu CLIC™

Wir glauben jedoch, dass unsere Wirtschaft bereits mit einer Reihe wertorientierter Strategien zu einem Modell übergeht, bei dem sich das Wachstum von seinen sozialen und ökologischen Belastungen abkoppelt. Wir bezeichnen dies als das CLICTM-Modell: Es ist Circular (kreislauforientiert), Lean (effizient), Inclusive (integrativ) und Clean (sauber).

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LOGreen-Page2-CLIC-4-Icon1.pngUm zu einer besseren Zukunft überzugehen, müssen wir eine Kreislaufwirtschaft aufbauen. Sie ist darauf ausgerichtet, die Nachfrage nach Gütern zu verringern, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und Abfall zu reduzieren. Lediglich leicht resorbierbare Stoffe wie Wasser und Kompost sollen in die Umwelt zurückgeführt werden. Eine Kreislaufwirtschaft bedeutet die Neugestaltung von Produkten und Geschäftsmodellen, um die Reduktion, Reparatur, Wiederverwendung, Wiederverteilung und Wiederverwertung von Produkten zu fördern. Wir müssen unsere Produktionsweise ändern. Plastik ist ein gutes Beispiel. Plastikabfälle lassen sich auf vielerlei Weise reduzieren, wiederverwenden und steuern. Dazu zählen Sanierungsprojekte, ein besseres Lagermanagement, intelligente Verpackungen und Technologien für die Abfallsortierung und -verarbeitung.

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Unabdingbar für diese neue Wirtschaft ist, dass wir lernen, effizient zu sein. Das heisst vor allem, effizient zu produzieren und zu konsumieren und nur nachhaltige oder erneuerbare natürliche Ressourcen abzubauen. In diesem Sinne können wir danach streben, höherwertige Produkte mit weniger Ressourcen zu produzieren. Wir werden in Zukunft von persönlichem Eigentum zu einer Wirtschaft übergehen, die auf dem Teilen von Gütern wie Transportmittel, Wohnraum oder Büroraum basiert. Die Mobilisierung ungenutzter Vermögenswerte über diese „Sharing Economy“ ist ein wichtiger Schritt zu vernünftigeren Konsum- und Produktionsformen.

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Eine integrative Wirtschaft berücksichtigt erschwingliche Lösungen für alle. Das bedeutet, dass die Unternehmen sowohl ihren Gewinn als auch die Menschen und den Planeten im Auge haben. Es ist jetzt an der Zeit, Produktivitätsgewinne über faire Löhne und Aufstiegsmöglichkeiten mit den Mitarbeitenden zu teilen. Die Regierungen müssen in Bildung investieren, Gesundheits- und öffentliche Dienstleistungen zugänglich machen und grüne Städte schaffen. Technologien wie die künstliche Intelligenz werden es ermöglichen, intelligente Lösungen aufrechtzuerhalten und zu entwickeln, und das Gesicht der Belegschaft ändern.

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Eine saubere Wirtschaft zu schaffen, ist von grundlegender Bedeutung. Sinkende Kosten und die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit nicht subventionierter erneuerbarer Energien sowie die Elektrifizierung der Mobilität sind wichtige erste Schritte. Für eine unter dem Strich emissionslose Zukunft brauchen wir zusätzlich eine massive Verbesserung der Energieeffizienz, Verschmutzungskontrollen und CO2-Preise, eine auf eine saubere Wirtschaft ausgerichtete Politik, eine Revision der Märkte, die Beseitigung unwirtschaftlicher und ineffizienter Subventionen, ein nachhaltiges Lebensmittel- und Landnutzungssystem sowie Technologien mit negativen Emissionen. Eine sauberere Wirtschaft mildert Klimarisiken, senkt die gewaltigen sozioökonomischen Kosten der Verschmutzung und schafft Anlagechancen, die mit der Nachfrage nach CO2-armen Produkten und Infrastruktureinrichtungen verbunden sind. Der Übergang zu einer sauberen Wirtschaft erfordert weniger Emissionen und eine nachhaltigere Beziehung zur Natur.

Die CLICTM-Wirtschaft weist uns den Weg zu einer emissions- und abfalllosen Wirtschaft, deren Ökobilanz die Regenerationsfähigkeit unserer Umwelt nicht überfordert und die dennoch Fortschritte für unsere wachsende Bevölkerung vorantreibt. Wir stehen an einem Wendepunkt und die Unternehmen müssen sich entscheiden. Es gibt bedeutsame Gelegenheiten zu grünem Wachstum, disruptiven Geschäftsmodellen und innovativen Lösungen. Unternehmen mit einem starken, vorausschauenden Management und der Vision, die dem Übergang zugrunde liegenden Trends zu verstehen und zu nutzen, werden zu Vorreitern der neuen Wirtschaft.

Unseres Erachtens wird sich der Übergang dank positiver Wechselwirkungen zwischen Markt- und wirtschaftlichen Kräften weiter beschleunigen. Dieser Wandel wird jeden einzelnen Wirtschaftssektor durchdringen und Anlagemöglichkeiten im Wert von USD 5,5 Bio. pro Jahr schaffen.4 Um diese Gelegenheiten zu nutzen, müssen wir den traditionellen Ansatz, CO2-intensive Sektoren auszuschliessen, überdenken. Die globale Wirtschaft kann nicht ohne sie wachsen, auch wenn die Nettoemissionen auf null gesenkt worden sind.

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Unsere Überzeugung

Wir bei Lombard Odier setzen auf Anbieter von Lösungen zur CO2-Reduktion sowie auf Übergangskandidaten aus CO2-intensiven, aber wirtschaftlich essenziellen Sektoren. Die Fokussierung auf die unbereinigte CO2-Bilanz kann irreführend sein. Deshalb konzentrieren wir uns auf Zusätzlichkeiten, um CO2-intensive Unternehmen zu identifizieren, die CO2 in anderen Teilen der Lieferkette vermeiden oder binden. Wir suchen auch nach Unternehmen, die von der Notwendigkeit zur Anpassung an eine zunehmend CO2-geschädigte Welt profitieren.

Unsere Priorität ist es, die langfristigen Ziele unserer Kunden zu erreichen. Gleichzeitig fördern wir die Einführung von Wirtschaftsmodellen, die mit den Zielen der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung vollständig vereinbar sind. Es ist unsere Pflicht, unsere Kunden dabei zu unterstützen, die Risiken zu verringern und die Chancen zu nutzen, während der Übergang zu einer CLICTM-Wirtschaft voranschreitet.


Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (2015). Vier von neun „planetaren Grenzen” bereits überschritten. Im Internet unter https://www.pik-potsdam.de/de/aktuelles-archiv/pressemitteilungen/vier-von-neun-planetaren-grenzen201d-bereits-ueberschritten?set_language=de
2 OECD (2020). Beyond Growth: Towards a New Economic Approach. Im Internet unter https://www.oecd-ilibrary.org/economics/beyond-growth_33a25ba3-en;jsessionid=UCdHj6LwRFmv9cM-s0gYPISS.ip-10-240-5-108
3 Ellen MacArthur Foundation (2015). Towards a Circular Economy: Business Rationale for an Accelerated Transition. Im Internet unter: https://www.ellenmacarthurfoundation.org/assets/downloads/TCE_Ellen-MacArthur-Foundation_9-Dec-2015.pdf
4 Siehe PDF „CLIC™” Mobility: A Climate Transition for Transport in a Post-COVID World

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