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    Die CLIC®-Chronik: Ein Treffen mit Glowee, dem Start-up, das nachhaltige Beleuchtung aus biolumineszenten Bakterien schafft

    Früher endete die Zeit, in der die Menschen aktiv sein konnten, mit dem Sonnenuntergang. Mit der explosionsartigen Verbreitung elektrischen Lichts seit Anfang des 19. Jahrhunderts ist nun alles überall und jederzeit möglich. Dieser grosse zivilisatorische Sprung hat jedoch seinen Preis.

    Heute leben über 80% der Weltbevölkerung und 99% der Amerikaner und Europäer unter einem strahlenden Himmel. Die schiere Intensität des Lichts in einigen städtischen Gebieten kann unseren Biorhythmus stören; dies führt zu verminderter Melatoninproduktion, Müdigkeit, Stress und anderen gesundheitlichen Problemen. Und es kann den zirkadianen Rhythmus von Tieren sowie Verhaltensweisen wie die Orientierung stören. Desorientierung bis hin zum Tod von Tieren wie Vögeln und Meeresschildkröten können Folgen sein.1 Zudem entsteht bei der Beleuchtung eine beträchtliche Menge physischen Abfalls: Selbst die neuesten LED-Lampen, die wesentlich umweltfreundlicher sind als die alten Glühbirnen und Leuchtstoffröhren, enthalten einige Bestandteile, die nicht recycelt werden können.2

    Was aber, wenn man zumindest einige dieser Leuchtmittel ersetzen könnte? Durch weniger intensive, die aber hell genug sind und die keinen Abfall verursachen?

    Entdecken Sie unser CLIC® Shapers-Video mit Sandra Rey, Gründerin und CEO von Glowee:

    Der Funke des Lebens

    Über diese Möglichkeit dachte die französische Designstudentin Sandra Rey 2013 nach, als sie Videos von biolumineszenten Wasserbakterien entdeckte, die die Ozeane erleuchten. Wenn das natürliche Licht der Sonne nicht das einzige natürliche Licht ist – warum sollten dann diese mikroskopisch kleinen Lebewesen nicht einen Teil der derzeit benötigten künstlichen Beleuchtungstechnik ersetzen können? Rey erkannte, dass eine auf biolumineszenten Bakterien basierende Beleuchtungstechnik beide Kriterien erfüllen würde: Sie wäre weniger intensiv – im Gegenteil sogar schön. Und da Bakterien ohnehin Teil der Biosphäre sind, entstünde kein Abfall.

    Unser Ziel ist es, die Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf die Biodiversität zu verringern und mehr Schutz für Lebewesen wie Insekten und Vögel bieten zu können

    Rey war entschlossen, ihre Vision umzusetzen. Sie gründete Glowee, ein Beleuchtungs-Start-up, dessen Produkte ausschliesslich auf dem von biolumineszenten Bakterien erzeugten Licht basieren. Da die heutigen Strassenbeleuchtungstechnologien viele Probleme bergen, konzentriert sich Glowee auf städtische Infrastruktur, die derzeit künstliche Beleuchtungstechnik – wie Schilder oder Umgebungsbeleuchtung – enthält. Die von Glowee kreierten Varianten enthalten stattdessen einen biolumineszenten Bakterienbehälter, der entsprechend gross und von der Form her passend ist. Das Ergebnis ist ein exquisites, natürliches Leuchten, das dem städtischen Umfeld ein faszinierendes Ambiente verleiht.

    Rey meint dazu: „Unser Ziel ist es, die Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf die Biodiversität zu verringern und mehr Schutz für Lebewesen wie Insekten und Vögel bieten zu können.“

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    Wie man lebendiges Licht schafft

    Biolumineszente Lebewesen erzeugen Licht mit nur zwei Proteinen. Reagiert ein Paar dieser Proteine mit Sauerstoff, senden sie ein Lichtphoton aus. Wenn viele dieser Reaktionen gleichzeitig ablaufen, so entsteht das typisch schöne, biolumineszente Leuchten.

    Biolumineszente Lebewesen gibt es in vielen Formen und Grössen. Für Rey aber war klar, dass die neue Technologie von Glowee auf Bakterien beruhen sollte. Rey erläutert: „Bakterien sind selbstverständlich biologischen Ursprungs – also auch biologisch abbaubar. Wir können sie im Labor züchten, sodass wir nicht auf die begrenzten Ressourcen der Erde zurückgreifen müssen. Aus einer einzigen Bakterie können wir im Labor Hunderte Milliarden von Bakterien herstellen.“

    Bakterien sind selbstverständlich biologischen Ursprungs – also auch biologisch abbaubar. Wir können sie im Labor züchten, sodass wir nicht auf die begrenzten Ressourcen der Erde zurückgreifen müssen

    In Meerwasser kann man die Lebewesen selbst nicht sehen – nur ein gleichmässiges Leuchten. Die Beleuchtungsprodukte von Glowee enthalten einen Behälter mit dem bakterienhaltigen Meerwasser. Dieser ist an eine Luftpumpe angeschlossen, die den Sauerstofffluss aufrechterhält. Sofern man das Wasser regelmässig mit Hefe nährt, dürften die Bakterien so lange leuchten, wie man sie braucht. Die Produkte von Glowee sind ausserdem so konzipiert, dass sie an städtische Wasserwirtschaftssysteme angeschlossen werden können. Sollte beispielsweise ein Temperaturschock die Bakterien abtöten, kann der Inhalt des Behälters in die Umgebung gespült werden. Dort werden die toten Bakterien auf natürliche Weise abgebaut. Um das Licht zu ersetzen, fügt man nur Meerwasser, Hefe und ein paar Bakterien hinzu und lässt ein paar Stunden vergehen – bis die Bakterien erneut gewachsen sind.

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    Das Glühen verbreiten

    Glowee steckt noch in den Kinderschuhen. Aber das Start-up weiss bereits, wie es die biolumineszente Beleuchtung in vielen unserer Städte etablieren will.

    Die jüngste Installation von Glowee in der französischen Stadt Rambouillet entstand in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung: Die städtische Infrastruktur leuchtet hell, weil sie lumineszierende Meeresbakterien enthält, die einen azurblauen Schimmer verbreiten. Hier beleuchtet man nicht nur Stadtbezirke von Rambouillet auf natürliche Weise, sondern man führte sogar noch ein energieeffizienteres Modell ein. In den nächsten fünf Jahren möchte Glowee seine Konzepte vermehrt international expandieren: Man plant Informationskampagnen zur Technologie und Funktionsfähigkeit sowie zu den Umweltauswirkungen und möchte so die öffentliche Akzeptanz dauerhaft gewährleisten.

    Abgesehen von den Problemen, die die Beleuchtung für die Umwelt und die Gesundheit mit sich bringt, beschloss Glowee, sich zunächst auf die städtische Beleuchtung zu konzentrieren. Denn diese ist der Witterung ausgesetzt ist, was für ein auf lebenden Organismen basierendes System eine grosse technologische und wirtschaftliche Herausforderung darstellt. Ist das städtische Umfeld gemeistert, kann die nächste Phase der Strategie von Glowee starten. Sie umfasst zwei Projekte. Erstens wird das Team die im städtischen Raum gewonnene Erfahrung nutzen, um biolumineszente Beleuchtungsprodukte für einfachere Innenräume zu entwickeln. Das kann etwa Umgebungsbeleuchtung in Museen oder entspannendes Licht für Hotels und Bäder sein. Zum anderen wird Glowee die Produkte und Dienstleistungen entwickeln, die andere Hersteller benötigen, um biolumineszentes Licht in ihre eigenen Konzepte zu integrieren. Innerhalb von fünf Jahren möchte Rey dies ebenfalls anbieten können.

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    Könnten wir auch nur einen Teil unserer kalten künstlichen Beleuchtung durch biolumineszentes Licht ersetzen, würden wir nicht nur die natürliche Welt vor den Auswirkungen von Lichtverschmutzung und Abfall schützen; wir könnten auch die menschliche Zivilisation schöner gestalten

    Nachhaltige Magie

    Die Schönheit von biolumineszentem Licht ruft ein Gefühl der Magie hervor. Reys Vision von der Zukunft, die Glowee schaffen könnte, erhält dadurch eine besondere Note: eine Zukunft, in der wir alle Licht „züchten“ können, ohne Abfall zu produzieren – jede beliebige Menge, immer und überall. Vielleicht sogar im Weltraum. Rey formuliert das so: „Ich finde, der beste Abfall ist der, der nicht existiert. Das ist der Fall, wenn man lebende Systeme nutzt. In der Natur gibt es keinen Abfall. Nur Ressourcen.“ Könnten wir auch nur einen Teil unserer kalten künstlichen Beleuchtung durch biolumineszentes Licht ersetzen, würden wir nicht nur die natürliche Welt vor den Auswirkungen von Lichtverschmutzung und Abfall schützen; wir könnten auch die menschliche Zivilisation schöner gestalten.


     

    National Geographic (o. D.) „Light Pollution“. Hier verfügbar.
    Amit, K., Kuppusamy V. K., Holuszko M., Song S. und Loschiavo A. (2019) „LED lamps waste in Canada: Generation and characterization“, Resources, Conservation and Recycling, Bd. 146, Juli 2019, S. 329–336. Hier verfügbar.

    Wichtige Hinweise.

    Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG oder einer Geschäftseinheit der Gruppe (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig wäre, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende Abgabe rechtswidrig wäre.

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