Der potenzielle Umfang menschlichen Fortschritts, ja sogar das Überleben unserer Spezies, hängt von den Ressourcen der Natur ab. Dazu zählen die geologische Beschaffenheit der Erde, Boden, Luft und Wasser, ganz zu schweigen von allen Lebewesen und ihrer Funktion im Ökosystem, wie der Bestäubung1 durch die Bienen. Für unsere Wirtschaft und Gesellschaft ist das Naturkapital wichtiger denn je.

Der potenzielle Umfang menschlichen Fortschritts, ja sogar das Überleben unserer Spezies, hängt von den Ressourcen der Natur ab
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In Gefahr: unsere Wirtschaft und unser Naturkapital.

Heute wird unser Naturkapital strapaziert wie nie zuvor.

Derzeit entnimmt unsere Gesellschaft der Erde jährlich rund 100 Milliarden Tonnen an natürlichen Ressourcen5. Gleichzeitig produzieren wir jährlich etwa 70 Milliarden Tonnen Abfall, wovon über die Hälfte auf Emissionen und nicht rückverfolgte Formen von Abfall und Verschmutzung entfällt6. Ein grosser Teil dieses Ressourcenabbaus und Abfalls geht auf Produkte zurück, die uns kurzfristig nützen, aber während des grössten Teils ihrer Lebensdauer nicht benutzt werden.

Derzeit entnimmt unsere Gesellschaft der Erde jährlich rund 100 Milliarden Tonnen an natürlichen Ressourcen

Anders ausgedrückt ist unser heutiges Wirtschaftsmodell WILD: Wasteful (unwirtschaftlich), Idle (ineffizient), Lopsided (ungleich) und Dirty (verschmutzt). Und es bringt unser Naturkapital in Gefahr.

Beispielsweise ist zurzeit nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen über ein Drittel der Bodenressourcen der Erde mittelschwer bis schwer degradiert7 – infolge von Erosion, Versalzung, Verdichtung, Versäuerung und chemischer Verschmutzung. Allgemeiner ausgedrückt haben wir von den neun planetaren Grenzen, innerhalb derer wir auf sichere Art und Weise operieren können, bereits vier überschritten: Klimawandel, Unversehrtheit der Biosphäre, biogeochemische Kreisläufe und Landnutzungsänderung8.

Paradoxerweise kommt die Gefahr für das Naturkapital von der Wirtschaft. Obwohl viele Sektoren in hohem Masse auf Naturkapital angewiesen sind, zerstören dieselben Branchen mit ihren nicht nachhaltigen Geschäftspraktiken genau die Ressourcen, von denen sie abhängen. Im Endeffekt zerstört sich unsere Wirtschaft selbst.

Obwohl viele Sektoren in hohem Masse auf Naturkapital angewiesen sind, zerstören dieselben Branchen mit ihren nicht nachhaltigen Geschäftspraktiken genau die Ressourcen, von denen sie abhängen

Nutzung und Erhaltung von Naturkapital schliessen sich nicht gegenseitig aus.

Wir sehen deutlich, dass der menschliche Wissensausbau eine Fülle neuer Gelegenheiten eröffnet, unser Naturkapital effizient zu nutzen und gleichzeitig diese wertvollen Ressourcen zu erhalten und zu regenerieren. Viele dieser Gelegenheiten bieten sich schon heute, andere zeichnen sich am Horizont ab.

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Beispielsweise werden Naturmaterialien wie Bio-Polymere und -Verbundmaterialien bereits für Konsumgüter verwendet und dürften verschiedene Sektoren revolutionieren, von Bauwesen und Chemie bis hin zu Textilien und Verkehr. Und der bei der Herstellung dieser Materialien entstandene Abfall muss nicht weggeworfen werden. Denn er kann zur Erzeugung von Bioenergie verwendet werden, welche unser Naturkapital ebenfalls schützt.

... Einige Investitionen in unser Naturkapital würden einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die Emissionen unter dem Strich auf null zu senken

Derweil würden einige Investitionen in unser Naturkapital einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die Emissionen unter dem Strich auf null zu senken. Wiederaufforstung, Landmanagement und Bodenbewirtschaftung, Wiederherstellung der Biodiversität und die richtigen Bioenergiesysteme würden dazu beitragen, die CO2-Emissionen zu verringern und CO2  aus der Atmosphäre zu binden. Tatsächlich hat unser Naturkapital das Potenzial, jährlich rund 16 Mrd. Tonnen CO2  zu binden – ungefähr so viel, wie Asien zurzeit freisetzt.

Unseres Erachtens ist dieses Potenzial keine blosse Hypothese. Denn eine der wertvollsten Eigenschaften unseres Naturkapitals ist die, dass es sich selbst regeneriert, wenn wir es achtsam nutzen und in seine Erhaltung investieren. Und die Regeneration zu unterstützen, ist das Beste, was wir für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt tun können.

... eine der wertvollsten Eigenschaften unseres Naturkapitals ist die, dass es sich selbst regeneriert, wenn wir es achtsam nutzen und in seine Erhaltung investieren

Investitionen in unser Naturkapital sind zweifellos das Richtige für unsere Wirtschaft. Wenn aber unsere nicht nachhaltige Wirtschaftsweise unser Naturkapital gefährdet, können wir seinen Nutzen nur durch den Übergang zu einem völlig neuen Wirtschaftsmodell erzielen.

Investitionen in die CLIC™-Wirtschaft sind Investitionen in unser Naturkapital.

Wir haben Belege dafür, dass ein Übergang zu einem kreislauforientierten (Circular), effizienten (Lean), integrativen (Inclusive) und sauberen (Clean) Wirtschaftsmodell, der CLIC™-Wirtschaft, bereits im Gange ist. Eine solche Wirtschaft schafft nützliches Wirtschaftswachstum, ohne unsere natürlichen Ressourcen auszubeuten.

Diesen Übergang können wir aber nicht erreichen, wenn wir so weitermachen wie bisher. Deshalb suchen und bevorzugen wir Unternehmen, welche die von uns benötigten Produkte und Dienstleistungen auf eine neue Weise bereitstellen, die unser Naturkapital schützt und pflegt; beispielsweise durch die CO2-Abscheidung aus der Atmosphäre oder die Regeneration unserer Wälder und Meere.  

Dieser Übergang erfordert weit mehr als eine kleine Prozessänderung oder das Installieren eines Windrads. Der Übergang von einer WILD- zu einer CLIC™-Wirtschaft ist ein fundamentaler Paradigmenwechsel, der die Unternehmen aller Sektoren verändern wird. Wir sind jedoch überzeugt, dass der immensen Herausforderung eine ebenso grosse Chance gegenübersteht: Investitionen in den Übergang zu einer CLIC™-Wirtschaft haben höhere finanzielle Renditen und niedrigere Risiken als Investitionen in Lösungen, die diesem Wandel nicht gerecht werden. Deshalb ist die CLIC™-Wirtschaft der Prüfstein unserer Core-Conviction-Anlagestrategie: Bei dieser Strategie bevorzugen wir Unternehmen, die den Übergang zu einer nachhaltigeren Zukunft aktiv angehen.

Um die mit unserem Naturkapital verbundenen Chancen zu maximieren, sollten sich die Anleger unseres Erachtens vier wichtiger wirtschaftlicher Revolutionen bewusst sein:

1

Die Bio-Kreislaufwirtschaft

2

Ressourceneffizienz

3

Von Privateigentum zu Resultaten und Erfahrungen

4

Die abfallfreie Wirtschaft

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World Forum on Natural Capital (kein Datum) „Was ist Naturkapital?“.
2 Patridge, E., Gareiss, P., Kinch, M. S., Hoyer, D. (2016) „An analysis of FDA-approved drugs: natural products and their derivatives“, Drug Discov Today, Bd. 21, Nr. 2, S. 204–207.
World Wildlife Fund (2015) „Reviving the Ocean Economy: The Case for Action“.
4 Weltwirtschaftsforum (2020) „Nature Risk Rising: Why the Crisis Engulfing Nature Matters for Business and the Economy“.
Circle Economy (2020) „The Circularity Gap Report 2020“.
Idem
Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (2015) „Status of the World’s Soil Resources“.
Steffen, W., Richardson, K., Rockström, J., Cornell, S. E., Fetzer, I., Bennett, E. M., Biggs, R., Carpenter, S. R., de Vries, W., de Wit, C. A., Folke, C., Gerten, D., Heinke, J., Mace, G. M., Persson, L. M., Ramanathan, V., Reyers, B. und Sörlin, S. (2015) „Planetary boundaries: Guiding human development on a changing planet“, Science, Bd. 347, Nr. 6223.

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