Unsere Geschichte.

Die sieben Innovationen.

Gründung von Lombard Odier: mit Bedacht getroffene Entscheidung oder Notwendigkeit?

Kapitel 1.

Seit dem Mittelalter profitiert Genf von seiner günstigen geografischen Lage als klassischer Handelsplatz. Dies war der Grund, weshalb im 15. Jahrhundert das berühmte Bankhaus der Medici, nach Florenz und Avignon, in Genf eine Niederlassung eröffnete. Umgeben von Savoyen, Frankreich, Österreich und der Schweiz, nutzt die Stadt am Genfer See geschickt ihre Möglichkeiten aus und gewinnt an internationalem Renommee, dank ihrer Handelsmessen, die in gleicher Weise geschätzt waren wie die von Brügge.

Als sich Genf im Jahr 1536 der Lehre von Jean Calvin öffnete, siedelte sich dort eine große Anzahl von Protestanten an, die vor religiöser Verfolgung flohen. Italiener (wie die Familie Lombard), Niederländer und Engländer, es waren Kaufleute und qualifizierte Handwerker, die sich rasch in das Leben in Genf integrieren. Nach der Widerrufung des Edikt von Nantes im Jahre 1685, kam es zu einem ein großer Zustrom von Flüchtlingen nach Genf. Man spricht von über viertausend französischen Hugenotten (darunter die Familie Odier aus Valence).

Im Verlaufe des 18. Jahrhundert wächst aus diesen hugenottischen Familien die erste Generation von Genfer Bankkaufleuten heran. Es war die Zeit, in der der Eroberungsdrang und die Ruhmsucht von Ludwig XIV den französischen Staat in den Ruin treibt. Aus diesem Grunde, Ironie der Geschichte, sieht sich Ludwig XIV genötigt, sich an eben jene Hugenotten zu wenden, die er einst gnadenlos verfolgt hatte, um mit deren Hilfe die leeren Staatskassen zu füllen und die in Italien und Süddeutschland stehenden Armeen besolden zu können. Dieses Einvernehmen ermöglicht den spektakulären Aufstieg von Bankkaufleuten, wie die Mallet, die Lullins und die Gallatins – Erbauer von prachtvollen Palais, die die Stadt Genf noch heute prägen. 100 Jahre später wird die Französische Revolution von 1789 dieser blühenden Epoche ein gewaltsames Ende setzen. Das gesamte Vermögen, das die mächtigen Bankiers als Darlehen der Monarchie und der französischen Aristokratie gewährt haben, ist verloren. Sie sind ruiniert. Der Wahn der Französischen Revolution geht aber weiter. Tödlich trifft er den traditionellen Exporthandel mit Seide, Luxusgütern und Baumwollprodukten. Die Handelspartner sind tot, im Gefängnis oder im Exil.

In diesen schwierigen Zeiten, als die erste Generation der Genfer Bankiers scheitert und der traditionelle Handel eine beispiellose Krise durchlebt, gründet Henri Hentsch im Jahre 1796 das Bankhaus Hentsch & Cie, Zwei Jahre später schließt sich Jean-Gédéon Lombard der Bank an, die fortan als Henri Hentsch & Lombard firmiert. War das Ergebnis einer Entscheidung, um mit Bedacht die Fehler der Vorgänger zu vermeiden oder ist sie aus der Notwendigkeit der gegebenen Situation gegründet worden?

Mit Bedacht getroffene Entscheidung oder Notwendigkeit?  Wir werden es niemals erfahren. Was wir aber sicher wissen ist, dass unsere Gründer einen angeborenen Geschäftssinn für den Umgang mit Geld haben und einen tiefen Glauben, der in der neuen protestantischen Kultur wurzelt. Sie sind sich einig in der Wertung von Fleiß, geistiger Offenheit und Bescheidenheit. Mit dieser eigenständigen Bank, die sich ausschließlich aus der Kommission der Kundschaft finanziert, begründet Sie die erste Neuerung unserer langen Geschichte.

Lombard Odier unter Napoleon: auf Kurs bleiben

Kapitel 2.

Am 15. April 1798 unterzeichnet Genf den Vereinigungsvertrag mit Frankreich. Als nunmehriges Département du Léman wird Genf in das französische Zollsystem eingegliedert und damit vom Handel mit dem Ausland abgeschnitten. Gleichwohl gehört Jean Gédéon Lombard zu den 11 Genfer Honoratioren, die den Vertrag unterschreiben. Was hat diese politische Positionierung motiviert?

Trotz einiger Proteste verläuft der Anschluss an Frankreich relativ problemlos. Zwar ziehen sich einige traditionsbewusste Familien auf das Land zurück, doch akzeptiert die Mehrheit die französische Administration und heuert in der kaiserlichen Armee an. Jean Gédéon kämpft nicht nur darum, sein auf 4,4 Millionen Florins geschätztes Vermögen bei der Stadt Genf zu belassen, sondern setzt sich auch dafür ein, dass die jungen Leute vom Militärdienst freigestellt werden. Die große Hoffnung ruht auf einem wirtschaftlichen Aufschwung dank der Öffnung des französischen Marktes.

Die Zugehörigkeit zu Frankreich hat Auswirkungen auf das Geschäftsmodell der Bank. Hentsch, der aus der Welt des Handels kommt, hegt große Projekte mit der neuen Regierung, während Lombard sich wesentlich zurückhaltender verhält. Zwei Jahre nach Gründung der Bank trennen sich die Partner wegen ihrer unterschiedlichen Auffassungen. Lombard wünscht ein ausschließlich kundenorientiertes Geschäftsmodell während Hentsch, gestützt auf das Bilanzergebnis, sein eigenes Geschäftsmodell entwickeln möchte.

Während der italienische Feldzug in vollem Gange ist, wird die nunmehr eigenständige Bank Hentsch Bonapartes Hausbank. Sie verwaltet die Staatsfinanzen, übernimmt die eigenverantwortliche Finanzierung der Grande Armee und wagt sich in das Geschäftsfeld französischer Staatsanleihen. In der Zwischenzeit verbündet sich Jean Gédéon im Jahr 1800 mit seinem Schwager Jean-Jacques Lullin. Die Bank wird in Lombard, Lullin et Cie umbenannt und konzentriert sich auf das private Geschäft  mit Genfer Unternehmen.

Die französische Besatzung bringt leider nicht den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung. Genf leidet unter den Einfuhrbeschränkungen und die Textilindustrie sieht sich der harten Konkurrenz von Lyon und Mühlhausen ausgesetzt. Die Exporte sind durch zahlreiche Einschränkungen behindert. Die internationalen Märkte, wie England und Russland, sind durch das französische Embargo für Luxusartikel, wie etwa die Uhrenindustrie, unerreichbar geworden. Statt sich zu erholen geht die Wirtschaft zurück. Die Geschäfte schließen nach und nach und die Arbeitslosigkeit in der Genfer Bevölkerung nimmt zu.

Im vorigen Jahrhundert hatten die ständigen kriegerischen Unternehmungen von Ludwig XIV den Genfer Bankleuten Erfolg und Wohlstand beschert. Unter Napoleon wiederholte sich das nicht. Anders als England, das sich bei der Bank of England verschuldet hatte, finanziert Frankreich seine Kriegsschuld durch Steuererhöhungen. Finanzierungsmöglichkeiten werden selten. In die Enge getrieben, sieht sich Hentsch genötigt, sich in Paris niederzulassen, wo er sich als Gesellschafter einer neuen Bank, der Hentsch, Blanc et Cie, anschließt. In der Zeit der Restauration der französischer Monarchie erwirbt sich diese Bank bei der Haute Banque ein beachtliches Renommee.

In Genf leidet Lombard, Lullin & Cie unter der schlechten Konjunktur. 1801 ruiniert der Konkurs von Corsange in Lyon Jean Jacques Lullin und kostet Lombard die beträchtliche Summe von 30.000 Livres. Gleichwohl führt die Bank, bei eingeschränkter Rentabilität, die Geschäfte weiter.

Trotz des jahreslangen Verfalls und der komplexen wirtschaftlichen Situation, halten unsere Gründerväter straff Kurs und konzentrieren sich auf den Aufbau eines dauerhaften Unternehmens. Die ersten Grundsätze werden bestimmt, die von 1815 an Markenzeichen einer eindrucksvollen Entwicklung werden. Eine Entwicklung, die Genf zur finanziellen Drehscheibe werden lässt und seinen Markt in die ausländischen Märkte einbindet.

Französische Investmentbank

Kapitel 3.

Während der Wiener Kongress 1815 die Grenzen in Europa neu festlegt, erholt sich Genf langsam von dem französischen Zwischenspiel.  Politisch ist die Stadt in den Schweizer Bundesstaat eingegliedert und ihre Neutralität anerkannt. Wirtschaftlich ist die Situation in den 20 Jahren, den napoleonischen Kriegen folgen, eher bescheiden. Die Textilindustrie kann der starken englischen Konkurrenz nicht standhalten. Etwas besser steht es um die Uhrenindustrie. Mit einigem Erfolg wird das Uhrwerk und Schmuck verarbeitet, sodass die durch die napoleonische Zeit verlorenen Märkte zurückgewonnen werden können.

In Frankreich verschafft die Restauration unter dem Bourbonen Louis XVIII dem Land eine neue Stabilität. Gleichwohl bleiben die weitgreifenden napoleonischen Reformen, wie die Einführung von Departements, das Fiskalsystem, die Schulreform, die Bank von Frankreich oder der Code Civil unangetastet, sodass die nationale Ordnung gesichert ist. Unter der wohlwollenden Führung des Souveräns nimmt die Wirtschaft schließlich neuen Schwung auf.

Die Hentsch und Odier, die seit den Zeiten des Empire in Paris Fuß gefasst haben, nutzen die wirtschaftlichen Gegebenheiten und finanzieren im Norden des Landes die ersten Kanäle und Eisenbahnlinien, die die Kohlelagerstätten mit dem Stahl produzierenden Standorten in Paris und Lyon verbinden. Zugleich verbinden sie sich mit der neu sich entwickelnden Generation von Geschäftsbanken, die die Haute Banque in Paris bilden. Überdies übernehmen sie Führungspositionen bei der Banque de France und sind maßgeblich bei der Gründung von Hypothekenbanken beteiligt, die industrielle Entwicklungsprojekte finanzieren. Ein Zweig der Familie Hentsch gehört zu den Mitbegründern der BNP Paribas, der Bank Indosuez, der Société Générale und mehrerer Sparkassen.

Während der französische Zweig der Bank in Paris gedeiht und führend an der Erneuerung des Finanzsystems beteiligt ist, verändert in Genf 1830 die Fusion von Jean Eloi Lombard mit Charles Odier das traditionelle Business-Modell unserer Bank. Charles Odier bringt nicht nur ein Kapital von 80.000 Livres ein, sondern darüber hinaus seine nicht hoch genug zu bewertenden französischen Verbindungen. Gestärkt durch die französischen Erfahrungen beteiligt sich Lombard Odier aktiv an der industriellen Revolution mit Investitionen in Frankreich und in der Ffranzösisch sprechenden Schweiz.

In wenigen Jahren steigt Lombard Odier zur führenden Geschäftsbank auf und ihr Ruf wird bald auch jenseits der Grenzen wahrgenommen. 1850 ist sie an der Gründung der Genfer Börse und der Versicherungsgesellschaft, La Genevoise, beteiligt. Sie bildet ein Syndikat, das Aktien und Obligationen im Ausland verteilt. Zum Ende des 19. Jahrhunderts ist Lombard Odier der bedeutendste Zeichner von in Europa angelegten amerikanischen Schuldscheinen.

Bei all dem bleibt unsere Bank gleichwohl zutiefst konservativ ausgerichtet, wohlversehen mit Eigenkapital und straff risikoorientiert geführt. Als 1857 und 1889 der französische Zweig hohe Verluste einfährt und Konkurs anmeldet, führt der Schweizer Zweig, solide und gut kapitalisiert, ein „check and balance-System“ unter Gesellschaftern ein.

Einmal mehr haben es unsere Gründerväter verstanden, sich den veränderten ökonomischen Gegebenheiten zu stellen und ihr Geschäftsmodell entsprechend anzupassen. Das Ergebnis ist eine dynamische Genfer Geschäftsbank, die in vielfacher Weise zur Entwicklung unserer Zivilgesellschaft beigetragen hat. Dass dies ohne hohe Risikoübernahme möglich war, ist überdies beachtlich.

Eine transatlantische Investmentbank

Kapitel 4.

Von 1740 bis 1915 verzeichnen die Vereinigten Staaten ein nie da gewesenes Wirtschaftswachstum. In nur 125 Jahren verwandelt sich eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte Gesellschaft von etwa 4 Millionen Menschen in eine Industriegesellschaft von 100 Millionen Menschen mit dem weltweit größten Bruttoinlandsprodukt. Sie wird führend im Ingenieurwesen, Telekommunikation, Stahl- und Ölproduktion, sowie Stromerzeugung.

Dieser enorme Aufschwung wurde durch einen jungen dynamischen Markt – unterstützt durch ein modernes Steuersystem – finanziert. Ohne von einer haftungsbestimmten Gesetzgebung eingeschränkt zu sein, wie dies im Vereinigten Königreich der Fall war, können Aktiengesellschaften frei gegründet und freier Handel in beinahe allen Staaten betrieben werden. Hieraus wird verständlich, dass 1792 die Börse in New York gegründet wurde. Dieser aufstrebende Markt bedeutet eine äußerst attraktive Investitionsmöglichkeit im 19. Jahrhundert und ermöglicht den ausländischen Investoren, ihr Portefeuille, das überwiegend aus europäischen Staatsschuldverschreibungen bestand, durch Ankauf von Wertpapieren von Kanal-, Eisenbahn- und Minengesellschaften zu diversifizieren. Nur zu verständlich, dass unsere Bank diese Chance wahrnahm, die sich in Amerika  zwischen den Unabhängigkeitskriegen und dem Ersten Weltkrieg bot.

Mit dem Eintritt von Charles Odiers wird unsere Bank eine klassische Geschäftsbank mit leicht frankophonem Stil. Doch ist es Charles Odier, der Alexandre Lombard, einen seiner Partner, ermutigt, sich für den amerikanischen Markt zu interessieren und seine in Übersee erworbenen Kenntnisse zugunsten der Kunden einzubringen. Während seiner Zeit als erfolgreicher Baumwollhändler in Le Havre lernt Charles Odier, im Alter von 22 Jahren, die Familie Iselin kennen, deren Bank eine der erfolgreichsten Geschäftsbanken von Nordamerika werden sollte. Nur wenig wissen wir über die näheren Beziehungen zwischen Lombard Odier und der Bank  Iselin & Co, außer, dass ein häufiger Austausch zwischen den Partnern stattfand (sowohl James Odier wie auch Alexis Lombard sind nach New York gereist) und dass die Bank Iselin die Korrespondenzbank von Lombard Odier in den Vereinigten Staaten war.

Durch die Schriften von Alexandre Tocqueville beeinflusst, schreibt Alexandre Lombard, der niemals die Gelegenheit hatte, die Vereinigten Staaten zu besuchen, mehrere brillante Bücher über die finanzielle Situation Nordamerikas. Ein weiterer Grund für das besondere Interesse von Alexandre Lombard für Amerika ist seine geistige Affinität zur amerikanischen Kultur. Puritaner, Presbyterianer und andere Protestanten teilen seinen Arbeitsethos. Bei seinem Tod ist die Hälfte seines persönlichen Kapitals in amerikanischen Wertpapieren angelegt.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts ist Lombard Odier der bedeutendste Zeichner von in Europa angelegten amerikanischen Schuldscheinen, noch vor der Société Bancaire Suisse in Basel oder dem Crédit Suisse in Zürich. Wie jeder aufstrebende Markt, erfährt auch der wenig regulierte amerikanische Markt seine Krisen. Lombard Odier verstand es jedoch, die Risiken vorsichtig zu managen und so ein beständiges Geschäftsmodell zu etablieren. Das Wichtigste aber war, dass diese Geschäftsphilosophie für die Kunden der Bank von Vorteil war als die Werte der deutschen, österreichischen, russischen, türkischen oder französischen Titel mit dem Ersten Weltkrieg abstürzten.

1923 schreibt Henry Ordier: „Wenn durch den Krieg nicht 50% aller Genfer Portefeuilles vernichtet worden sind, so ist dies zum großen Teil Alexandre Lombard zuzuschreiben. Unsere Gründerväter gehören zu den bedeutendsten Anbietern amerikanischer Wertpapiertitel, weil sie ihre Portefeuilles europäischer Schuldverschreibungen diversifizieren wollten, was sich als großartige innovative Geschäftsidee auf diesem Geschäftsfeld erwies. Wieder einmal haben sie ihr Business model überdacht und wurden dadurch zu einem vertrauenswürdigen und wertvollen Bindeglied zwischen Europa und Amerika, bei der Suche nach sicheren Investitionen für ihre Kundschaft.

Den Wohlstand in Kriegszeiten

Kapitel 5.

Die Zeit von 1914 bis 1945 ist für die Bank die schwierigste seit ihrem Bestehen. Es ist eine Zeit von wirtschaftlicher Misere, die mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs beginnt und mit dem Sieg der Alliierten Streitkräfte im August 1945 endet. Die beiden Weltkriege und die wirtschaftliche Depression der 30er Jahre bremsen nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung Europas und ihre weltweite Einbindung ein, sonder führen auch zu massiven Verlusten auf Seiten der Investoren.

Nach dem 1. Weltkrieg brechen die österreichischen russischen und ottomanischen Reiche ein, ohne je wieder ihre Kriegsschulden bedienen zu können. Wenige Jahre später stürzt Deutschland in eine Hyperinflation mit völliger Entwertung der Reichsmark. Auch die Devisen der Siegernationen, wie Frankreich oder Italien, werden bis zu 80% entwertet. Verschont bleiben lediglich Anlagen in Pfund, Dollar und Schweizer Franken, die ihren Wert behalten. Die große Depression der 30er Jahre hat katastrophale Auswirkungen auf jede Form von Investition. Von 1929 bis 1932 stürzt der Dow Jones um 85 % ab. Englische Aktien liegen knapp dahinter. Zwischen allen großen Ländern werden Handelsbarrieren errichtet und im Fernen Osten münden die Spannungen zwischen Japan und China in einen Krieg.

Der 2. Weltkrieg, der darauf folg, ist vermutlich der Krieg mit dem größten Zerstörungspotential, das die Menschheit bis dahin je erfahren hat. Die darin verwickelten Nationen werden ihre sämtlichen verfügbaren Ressourcen mobilisieren und ihr wirtschaftliches Potential dem Kriegsgeschehen widmen. Während die amerikanische Industrie sich zunächst unter dem Vorwand der weiten Entfernung heraushält, wird die Wirtschaft der Achsenmächte – Deutschland, Italien und Japan – völlig zugrunde gerichtet. Mit Ausnahme für die Vereinigten Staaten, ist der 2. Weltkrieg eine Katastrophe für jede Form von Investment. Hunderte von Milliarden an Werten sind vernichtet.

Unsere Bank ist gleichfalls von den Weltkonflikten betroffen, und das vom ersten Tag an. Unsere Partner sowie zahlreiche unserer männlichen Mitarbeiter werden zum Militär einberufen, um unsere Grenzen zu schützen. Ohne unsere weiblichen Mitarbeiter hätten wir unsere Bank schließen müssen. Infolge der Einschränkungen des freien Wechsels, gehen die Geschäfte zurück und die Gewinnmargen werden geringer. Darüber hinaus verhängen die Regierungen extrem einengende Regelungen für Finanztransaktionen sodass eine profitable Portefeuilleverwaltung so gut wie unmöglich ist. Die Jahre zwischen den Kriegen sind nicht viel besser. Vielen Genfer Familien gelingt es, ihr Vermögen dank amerikanischer Wertpapiere zu erhalten, die sie vor 1914 erworben haben. Aber mit dem Kriegsende kommt es zu einem weiteren Geschäftseinbruch. Lediglich in den Jahren zwischen 1925- 1928 stabilisiert sich der Markt ein wenig, aber der „Crash“ von 1929 macht alles wieder zunichte.

Gleichwohl sehen unsere Geschäftspartner hoffnungsvoll in die Zukunft. Sie fusionieren mit anderen Bankhäusern und erweitern ihren Kundenstamm. 1923 errichten sie einen Geschäftssitz in der Corraterie Nr. 11 und statten die Bank angesichts finanzieller Herausforderungen mit neuem Kapital aus. Lombard Odier ist eines der ersten Unternehmen in der Schweiz, das 1926 eine Pensionskasse für seine Mitarbeiter einrichtet. In der Zeit der großen Depression, als die Arbeitslosigkeit hoch war, wird kein Mitarbeiter entlassen.

Während des 2. Weltkriegs ist die Situation um nichts leichter. Mit dem durch das nationalsozialistische Deutschland abgeblockten Geldverkehr und den durch die amerikanische Regierung in den Vereinigten Staaten eingefrorenen Schweizer Guthaben bleibt wenig Raum für einen normalen Geschäftsbetrieb. Dieser wird durch weibliches Personal aufrechterhalten, da die männlichen Kollegen zum Wehrdienst eingezogen sind.

Während dieser schwierigen Jahrzehnte entwickeln unsere Geschäftspartner ein neues Geschäftsmodell, das sich für Lombard Oder als die bedeutendste Geschäftstätigkeit herausstellen sollte: die Kundenberatung. Aus dem Wunsch heraus, in schwierigen Zeiten in Vermögensangelegenheiten beraten zu werden, stehen unseren Kunden nunmehr Experten zu Verfügung. Notwendigkeit oder Innovationsbestreben? Wahrscheinlich beides! Sicherlich aber handelt es sich hier um eine unserer herausragenden Innovationen.

Aufbau eines „Sicherheitsnetzes“ für unsere Bürger

Kapitel 6.

Mit dem zweiten Weltkrieg werden die Koordinaten der Welt neu definiert. Asien und Europa liegen in Trümmern. Amerika schlägt seinen eigenen Weg ein und lebt seinen „amerikanischen Traum“. Die Vereinigten Staaten werden weltweit die reichste Nation. Rasch wachsen schöne und ausgedehnte Vorstädte, Eisenbahnverbindungen zwischen den einzelnen Staaten werden ausgebaut, jedermann kann sich ein Auto leisten, die Kinder werden aufs College geschickt, eine wohlhabende weiße Mittelschicht wächst heran.

Während Amerika seinen Traum lebt, setzt in Europa und Asien der Wiederaufbau ein. Die Währungsreformen 1948/49 sind das Startzeichen. Innerhalb von zehn Jahren gelingt es Deutschland und Japan mit ihren „Wirtschaftswundern“ den Rückstand aufzuholen. 1957 wird die Europäische Union gegründet. Im Jahr darauf werden die Kontrollen über den Kapitalverkehr aufgehoben, was den Warenaustausch und die internationalen Investitionen fördert.

Die ausgeglichene Handelsbilanz Amerikas ermöglicht es ihren Bürgern zu konsumieren und zu sparen. Große Geldmengen fließen in Pensionskassen, in Lebensversicherungen und Fondsanlagen. Diese institutionellen Kapitalanlagen stützen den blühenden amerikanischen Kapitalmarkt, dem wiederum die Reformen zugute kommen, welche nach der großen Depression 1929/39 eingeführt worden waren. Das amerikanische Finanzsystem wird führend. Bei der Konferenz von Bretton Woods 1944 wird eine neue Währungsordnung für die Nachkriegszeit festgelegt. Der Dollar ersetzt das Gold und wird zur Weltwährung.

In dieser Zeit sind der amerikanische Dollar und der Schweizer Franken die einzigen frei konvertierbaren Währungen. Unsere Bank hat amerikanische und kanadische Titel im Angebot. 1950 richtet Lombard Odier in Montreal ein Büro ein. Als in den Jahren 1950-1960 die europäischen Börsen ihren Geschäftsbetrieb wiederaufnehmen, führt unsere Bank die amerikanischen Investmentmethoden in Europa ein und erleichtert so den Amerikanern den Zugang zum europäischen Markt. Überdies bringt Lombard Odier transatlantische Wertpapiertitel auf den Markt, öffnet 1973 ein Büro in London und ist 1979 die Erste ausländische Bank mit Zulassung zur Börse in New York.

1971 beschließen die schweizer Bürger nach einem Referendum, das System der Altersversicherung nach Pflichtverrentung zu stärken. Lombard Odier verfügt aus der eigenbetrieblichen Altersrente (1926 eingeführt) sowie aus den Geschäftsverbindungen mit den institutionellen amerikanischen Investoren über reichlich Erfahrungen auf diesem Gebiet. Das Büro in London wird personell verstärkt und mit Nominalfonds erweitert. 1996 hat Lombard Odier 100 Mitarbeiter in London und verwaltet Kapitalanlagen von über 10 Milliarden Schweizer Franken. Unsere Bank findet alsbald hohe Anerkennung auf dem internationalen institutionellen Markt. Ein neues Geschäftsmodell ist entstanden.

Der Weg in die digitale Welt:

Kapitel 7.

Bei Millionen von Kunden und Finanzdienstleistungen war die Anforderung an Datenverwaltung und Datenspeicherung seit je her groß. Schon in den 20iger Jahren finden die ersten Buchungsgeräte Eingang in das Back Office. Nur folgerichtig, dass sich die Banken in den 50iger Jahren mit Computern ausrüsten. Bald übernehmen Computer Scheckbearbeitung, Zins- und Provisionsberechnungen, Abwicklung von Wertpapiertransaktionen und weitere Infrastrukturprozesse.

Lombard Odier ist Pionier bei der Einführung neuer Technologien. Für die Verwaltung von Kundenkonten wird 1957 der erste Großrechner in 11, rue de la Corraterie installiert. Nach knapp zwölf Jahren wird er durch den neuen Rechner 360/30 von IBM, ersetzt, der bei der Abwicklung von Wertpapiertransaktionen und der Performancekalkulation der Kundenportfolios eingesetzt wird. Lombard Odier ist eine der ersten Schweizer Banken, die ihren Kunden Monatsberichte über die Performance ihres Portfolios ausdrucken konnte.

Mit der zunehmenden Speicherkapazität der Mikrochips, stellt Lombard Odier von Großrechnern auf Minicomputer um. 1987 kauft die Bank die erste VAX von Digital Equipment. VAX verleiht der Bank eine erweiterte operative Flexibilität und ermöglicht ihr dadurch die Entwicklung eines Profils, welches die rechtliche Struktur der Bank perfekt widerspiegelt. Einige Jahre später ersetzt Lombard Odier alle Terminals durch Personal-Computers (PC). Wir bewegen uns nun in Richtung einer weitgehend dezentralisierten technologisierten Welt.

Noch bedeutender sollte die Entscheidung der Bank sein, ein modernes Portfoliomanagement zu entwickeln, das dem Kunden bei der Verwaltung des eigenen Vermögens helfen soll. Das erste rudimentäre System wird 1980 noch auf unserem Großrechner entwickelt und einfach „Gestion“ genannt. Es wird zwölf Jahre später durch G1 (Gestion 1) ersetzt, das die Annahme elektronischer Order und die automatische Wertstellung von Wertpapieren ermöglicht.

Mit der Einrichtung von G2 im Jahre 2002, wird ein dynamisches Portfolio angeboten mit täglicher Renditeübersicht, Wertanalyse und übersichtlicher Grafik. Dieses System wird von den Kunden so gut angenommen, dass die Bank sich entschließt Bildschirme in den Besprechungsräumen zu installieren.

Als Valiant, eine Privatbank in Bern, im Jahre 2001 anfragt, ob sie sich der technologischen Infrastruktur von Lombard Odiers anschließen könne, anstatt ein eigenes System zu entwickeln, war die Entscheidung leicht. Valiant wird als nicht konsolidierte Tochtergesellschaft in unser System eingegliedert und hat dadurch sofort Zugriff auf die gleichen Produkte und Dienstleistungen wie Lombard Odier. In weniger als 6 Monaten hat sich Valiant eingegliedert. Ein neues Geschäftsmodell ist entstanden und heute bietet Lombard Odier zwölf weiteren Banken seine Technologie an.

Durch den Zusammenschluss mit der Bank Darier profitiert Hentsch & Cie im Jahre 2002 auch von unserem innovativen Modell. Statt zwei unterschiedliche IT Systeme zu fusionieren, werden die Kunden- und Transaktionsdaten von Darier Hentsch & Cie integriert, so als handle es sich um eine neue Filiale. Der teuere Aufwand, zwei Systeme zu integrieren, ist vermieden und die neuen Kunden profitieren sofort von der anspruchsvollen Produktpalette von Lombard Odier.

Heute konzentriert sich Lombard Odier auf die Mobilität und macht ihr Geschäftsmodell auf Tablets und Smartphones verfügbar. 2017 sollen unsere mobilen Modelle „G2 mobiles“ und „MyLO“ anlaufen und unseren Kunden erlauben, zu jeder Zeit und an jedem Ort online verbunden zu sein.

seit 1796.

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