Vier Gründe für die Erholung des globalen verarbeitenden Gewerbes

Vier Gründe für die Erholung des globalen verarbeitenden Gewerbes

Kernpunkte.

  • Das verarbeitende Gewerbe erholt sich derzeit über Regionen und Sektoren hinweg. KI ist ein wichtiger Grund dafür. Zudem führt eine wettbewerbsintensivere, multipolare Welt zu höheren Verteidigungsausgaben und einer Zunahme der industriellen Aktivität.
  • Die protektionistische US-Handelspolitik hat einen Teil der Fertigung in die USA zurückgeholt. Ausserdem haben andere Länder die Warenexporte und die Produktion erhöht, weil die US-Zollpolitik stabiler ist als im Jahr 2025.
  • Die Kombination aus geopolitischen Spannungen, volatilen Ölpreisen und steigender Energienachfrage bringt Länder dazu, mehr in Energiesicherheit zu investieren.
  • Ein einzigartiger Investitionszyklus in den Bereichen Technologie, Verteidigung, Energie und Infrastruktur führt zu einem breiter abgestützten Wachstum der Unternehmensgewinne. Dies untermauert unsere Übergewichtung in globalen Aktien.

Im verarbeitenden Gewerbe ist eine Erholung im Gange. Sie hat Anfang 2026 in den Schwellenländern begonnen und auch die Industrieländer erfasst. In den USA, Europa und Asien nimmt die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe in verschiedenen Sektoren zu. Das Spektrum reicht von Chemie und Pharma über Maschinenbau und Bauwesen bis zu Verteidigung und Schifffahrt. Die Gründe dafür sind vier unterschiedliche, aber miteinander verbundene Entwicklungen.

Die erste dieser Entwicklungen ist der mehrere Billionen US-Dollar schwere Investitionszyklus im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Die Welt stellt sich auf diese revolutionäre Technologie und ihre Auswirkungen auf die verschiedenen Sektoren ein, und Länder modernisieren ihre Infrastruktur.

KI treibt dadurch einen starken, nachhaltigen Investitionsboom an. Dies fördert die Bautätigkeit sowie den Ausbau der Energiekapazitäten und -verteilnetze. Die Zahl der Rechenzentren weltweit sowie der Computer, der Server und der Ausrüstungsgüter für diese Rechenzentren steigt ebenfalls.

In einer stärker zersplitterten, wettbewerbsintensiveren Welt werden diese Modernisierungen für Länder zu einer strategischen Priorität. Dadurch erholt sich die industrielle Aktivität nicht nur auf regionaler Ebene, sondern weltweit. Nach Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation im Jahr 2001 konzentrierte sich der industrielle Boom auf China. Dieses Mal sind dagegen zahlreiche Regionen die Nutzniesser des durch die KI-Investitionen angetriebenen industriellen Booms.

Bedarf an Verteidigung und Heimatschutz … Exporteure von Verteidigungsgütern dürften eine weitere Zunahme der Aufträge verzeichnen

Steigender Sicherheitsbedarf

Ein zweiter Grund für die Erholung steht in Zusammenhang mit den stärker konfliktgeladenen internationalen Beziehungen. Diese führen zu höheren Verteidigungsausgaben und einer Zunahme der industriellen Aktivität. Staaten, die in Konflikte verwickelt sind, darunter die USA, drängen Hersteller, ihre militärischen Kapazitäten zu steigern. Länder mit fiskalpolitischem Spielraum wie Deutschland erhöhen ihre Verteidigungsausgaben in einer Zeit, in der Europa zunehmend selbst Verantwortung für die eigene Sicherheit übernimmt. So dominierten in letzter Zeit staatliche Grossaufträge für Transportausrüstung den Auftragseingang im deutschen verarbeitenden Gewerbe.

Wie das kürzlich zwischen Pakistan, der Türkei und Saudi-Arabien geschlossene Verteidigungsabkommen zeigt, besteht weltweit Bedarf an Verteidigung und Heimatschutz. Exporteure von Verteidigungsgütern dürften eine weitere Zunahme der Aufträge aus dem In- und Ausland verzeichnen. Die Schätzungen zum Anteil der Verteidigungsgüter an der globalen Industrieproduktion liegen inzwischen bei 4% bis 5%. Rechnet man Ausrüstung hinzu, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke verwendbar ist, könnte der Anteil sogar bei 8% bis 10% liegen.

US-Zölle und Handelsprotektionismus

Die protektionistischere Haltung der USA, die eine neue Handelspolitik verfolgen, ist der dritte Grund für die höhere Industrieaktivität. Die US-Zölle haben die wirtschaftlichen Bedingungen sowie Anreize für die Rückführung industrieller Aktivitäten geschaffen, wie am ISM-Index ablesbar ist. Im April 2025 verkündete die US-Regierung am „Tag der Befreiung“ die Einführung von Zöllen. Daraufhin investierten zahlreiche internationale Unternehmen, die ihre Produkte auf dem grössten Konsummarkt der Welt absetzen wollen, in Produktionskapazitäten in den USA.

Überraschenderweise hat die US-Politik auch anderswo zu einer stärkeren industriellen Aktivität beigetragen. So versuchten einige Länder, nach dem unruhigen Jahr 2025 von stabileren US-Zöllen zu profitieren. Chinas Warenexporte sind stark gestiegen; verantwortlich waren vor allem Fahrzeuge sowie Elektrogeräte und -ausrüstung.

Die US-Politik hat auch anderswo zu einer stärkeren industriellen Aktivität beigetragen

Selbst kleine exportorientierte Länder wie die Schweiz mit US-Zöllen von zunächst 39% und dann 15% verzeichneten eine Belebung der Industrie und der Exporte. Im zweiten Quartal leisteten die Sektoren Chemie und Pharma den grössten Wachstumsbeitrag, während das Wachstum im breiteren verarbeitenden Gewerbe bei 4,5% lag. Die Unternehmen wollten die vorübergehend besser vorhersagbaren Zölle nutzen, um ihre Produktion und ihre Exporte zu steigern. Das Ergebnis war eine aussergewöhnlich starke Wachstumsbelebung mit einem Anstieg des realen BIP-Wachstums in der Schweiz um 1,5% im zweiten Quartal.

Energiesicherheit und Ölpreisvolatilität

Viertens ist durch die Ölpreisvolatilität und die Bedrohungen für wichtige strategische Transportrouten und Engstellen die Energiesicherheit auf der Agenda der Staaten nach oben gerückt. Der Konflikt im Nahen Osten ist noch immer ungelöst, und der Krieg zwischen Russland und der Ukraine hat die Lieferketten für Energie in Europa verändert. Die Rohölpreise bewegen sich wieder auf den gleichen Niveaus wie im Februar 2022.

Sobald sich das Volumen der Transporte durch die Strasse von Hormuz erholt, könnten die Ölpreise zügig sinken, wenn auch nicht unbedingt bis auf die Vorkriegsniveaus. Für Staaten bestehen dennoch weiterhin Anreize, von fossilen Brennstoffen unabhängiger und energieautarker zu werden. Geopolitische Spannungen treffen auf einen steigenden Energiebedarf, unter anderem für KI. Zugleich werden die Preise für Lösungen auf Basis erneuerbarer Energien wettbewerbsfähiger. Diese Kombination von Faktoren hat Investitionen in die Energiesicherheit gefördert, unter anderem in erneuerbare Energien, Atomenergie sowie Gas- und sogar Kohlekraftwerke. Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge werden die weltweiten Investitionen in den Energiesektor im Jahr 2026 den Rekordwert von USD 3,4 Bio. erreichen.

Eine wettbewerbsintensive, multipolare Welt, in der die Investitionen steigen, kann einem breiteren Spektrum von Unternehmen und Sektoren zugutekommen

Auswirkungen auf die Aktienmärkte

In den letzten drei Jahren waren für die Wertentwicklung an den Aktienmärkten über weite Strecken wenige Sektoren und Unternehmen verantwortlich, vor allem US-Technologieunternehmen. Die Aktienmarktrally von 2026 ist jedoch viel breiter abgestützt und wird von deutlich mehr Unternehmen getragen. Die Gewinne im zweiten Quartal sorgten für grosse positive Überraschungen in zahlreichen Sektoren und Regionen. Neben dem KI-Bereich leisteten vor allem das Finanzwesen und der Energiesektor positive Beiträge zur Gewinnentwicklung.

Die wichtigste Lehre ist, dass eine wettbewerbsintensive, multipolare Welt, in der die Investitionen steigen, einem breiteren Spektrum von Unternehmen und Sektoren zugutekommen kann. Trotz erheblicher Risiken und Unsicherheiten gibt ein einzigartiger Investitionszyklus in den Bereichen Technologie, Verteidigung, Energie und Infrastruktur den Unternehmensgewinnen kräftige Impulse.

Die soliden Gewinnaussichten stützen unsere Übergewichtung in Aktien aus Industrie- und Schwellenländern in den Portfolios. Steigende Anleihenrenditen haben jüngst zu einem Bewertungsrückgang geführt. Dieser bietet Aktien unseres Erachtens ein gutes Polster für einen weiteren Anstieg, falls die Gewinnerwartungen in den nächsten Monaten und im Jahr 2027 realisiert werden.

CIO Office Viewpoint

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Wichtige Hinweise.

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