Wenn Sie unsere Website besuchen, können Informationen auf Ihrem Gerät gespeichert oder abgerufen werden. Dies geschieht vor allem in Form von Cookies. Wir nutzen notwendige Cookies für die korrekte Funktion der Website. Daneben verwenden wir Analyse-Cookies und Marketing-Cookies zur Messung der Besucherzahlen und zur Personalisierung unserer Inhalte. Wir nutzen Google für Analyse- und Marketing-Cookies, um die Leistung der Website zu messen und relevante Werbung anzuzeigen. Weitere Informationen finden Sie auch in der Google-Richtlinie Verantwortungsvoller Umgang mit Geschäftsdaten.
In den Cookie-Einstellungen können Sie festlegen, welche Cookies verwendet werden: Sie können bestimmte Kategorien zulassen oder ablehnen, alle zulassen oder alle ablehnen. Ausführliche Informationen zu allen verwendeten Cookies dieser drei Kategorien finden Sie in unserer Cookie-Richtlinie.
Bitte beachten Sie, dass die Blockierung bestimmter Cookies Ihr Nutzererlebnis und die angebotenen Dienste beeinträchtigen kann.
Notwendige Cookies
Die notwendigen Cookies tragen zur korrekten Funktion der Website bei. Sie aktivieren wesentliche Funktionen wie die Navigation und den Zugriff auf geschützte Bereiche. Sie können in unseren Systemen nicht deaktiviert werden.
Analyse-Cookies
Analyse-Cookies helfen uns zu verstehen, wie Besucherinnen und Besucher mit unserer Website interagieren, indem sie Informationen zum Surfverhalten erfassen und übermitteln. Sie ermöglichen es uns, besonders häufig oder selten aufgerufene Seiten zu identifizieren und die allgemeine Performance der Website zu verbessern.
Marketing-Cookies
Wir verwenden Marketing-Cookies, um relevante Werbung anzuzeigen und die Performance der Kampagnen zu messen. Wenn Sie diese Cookies nicht aktivieren, sehen Sie weiterhin Werbung. Sie ist aber weniger auf Ihre Interessen ausgerichtet.
Wählen Sie aus, zu welchem Zweck wir Ihre Daten mithilfe von Google-Produkten erfassen und nutzen dürfen.
Nutzerspeicherung: zur technischen Umsetzung der Werbefunktionen.
Nutzerdaten für Werbung: zur Optimierung unserer Werbekampagnen.
Personalisierte Werbung: zur Ausrichtung unserer Werbung auf Ihre Interessen.
Autonome Fahrzeuge sind ein Paradigmenwechsel für Versicherer
Mauro Carli
Senior Equity Research Analyst, Insurance and Asset Management
Kernpunkte.
Die Entwicklung autonomer Fahrzeuge birgt Herausforderungen und strategische Chancen für die globale Motorfahrzeug-Versicherungsbranche
Zeitpunkt und Ausmass der Auswirkungen sind kaum präzise vorherzusagen. Doch es zeichnet sich ein Konsens ab, wonach der traditionelle Schadenpool der Motorfahrzeugversicherungen langfristig schrumpfen dürfte
Eine Verlagerung der Haftpflichtdeckung von der privaten zur gewerblichen Versicherung dürfte Partnerschaften zwischen Versicherern und Herstellern fördern und die Geschäftsmodelle der Versicherer verändern
Gut diversifizierte Schaden- und Unfallversicherer mit starker Marktposition sowie technologisch fortschrittliche Motorfahrzeugversicherer mit skalierbaren Modellen dürften bei der künftigen Entwicklung der Motorfahrzeug-Versicherungsbranche eine führende Rolle spielen.
Die Integration fortschrittlicher Technologien in die Automobilindustrie definiert Fahrzeugdesign und -funktionalität neu. Sie treibt den Übergang von konventionellen zu autonomen Fahrzeugen voran und verändert den Motorfahrzeug-Versicherungssektor grundlegend.
Versicherer, Automobilhersteller und Branchenfachleute sind sich einig, dass autonome Fahrzeuge (Autonomous Vehicles, AVs) die Motorfahrzeug-Versicherungslandschaft verändern werden. Die Versicherer werden Innovationen umsetzen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wie rasch wird dieser Wandel erfolgen, und mit welchen strategischen Antworten lässt sich dieser technologische Paradigmenwechsel bewältigen?
Seit mehr als einem Jahrhundert bilden Motorfahrzeugversicherungen einen profitablen Risikopool für die globale Versicherungsbranche. Gemäss dem Versicherer Allianz entfielen Ende 2025 rund USD 920 Mrd. der weltweit insgesamt USD 2,3 Bio. an Prämien in der Schaden- und Unfallversicherung auf Motorfahrzeugversicherungen. Davon stammten rund 80% aus Motorfahrzeugversicherungen für Privatpersonen und der verbleibende Anteil aus Nutzfahrzeugversicherungen.
Newsletter abonnieren
Das US-Verkehrsministerium gliedert die Fahrzeugautomatisierung in fünf Stufen. In der Praxis konzentriert sich die Diskussion über autonome Fahrzeuge meist auf die Stufen 3 und 4. Stufe 5 bezeichnet Fahrzeuge, die unter sämtlichen Bedingungen vollständig fahrerlos verkehren. Diese drei Kategorien, die von „automatisiert“ bis „autonom“ reichen, werden als Katalysatoren wirken und die Motorfahrzeugversicherer dazu veranlassen, ihre Geschäftsmodelle neu auszurichten.
Weniger Unfälle, höhere Schadensummen
Im Laufe von mehr als einem Jahrhundert haben Motorfahrzeugversicherer umfangreiche Daten zum Fahrverhalten, zur Unfallhäufigkeit und zu den Schadenkosten gesammelt. Einer der beständigsten Trends ist die laufende Verbesserung der Fahrzeugsicherheit und der damit verbundene Rückgang der Unfallhäufigkeit. Laut der US-amerikanischen Verkehrssicherheitsbehörde National Highway Traffic Safety Administration wurden 1923 in den USA 80 Verkehrstote je 100’000 Fahrzeuglenkende verzeichnet. Ein Jahrhundert später, im Jahr 2024, waren es rund 18 Verkehrstote je 100’000 Fahrzeuglenkende. Diese Reduktion beruht auf einer Kombination aus: sichererem Fahrzeugdesign, einer optimierten Strasseninfrastruktur, besserer Beleuchtung, strengeren Anforderungen für den Erwerb des Führerausweises, einer fundierteren Fahrausbildung, einem stärkeren Bewusstsein für die Risiken des Fahrens unter Alkoholeinfluss sowie gesetzlicher Sicherheitsgurtpflicht.
… die Unfallhäufigkeit dürfte erheblich sinken
Der Faktor Mensch ist jedoch relativ konstant geblieben. Laut Swiss Re waren 2024 mehr als 90% der Verkehrsunfälle auf Fehler der Fahrzeuglenkenden zurückzuführen. In jüngerer Zeit können Fahrzeuge dank Fortschritten bei modernen Fahrerassistenzsystemen im Falle von Fehlern der Lenkenden eingreifen. Dadurch sinkt sowohl die Unfallhäufigkeit als auch die Zahl der Verkehrstoten deutlich. Da sich bei Fahrzeugen der Automatisierungsstufen 3, 4 und 5 der Bedarf an menschlichen Eingriffen schrittweise verringert, dürfte die Unfallhäufigkeit erheblich sinken. Einer KPMG-Studie zufolge könnte die Unfallhäufigkeit in den USA bis 2040 um bis zu 80% zurückgehen. Dies würde die Schadenquote der Motorfahrzeugversicherer, definiert als Verhältnis der angefallenen Schadenaufwendungen zu den gebuchten Nettoprämien, stark verbessern. Die Branche rechnet derzeit damit, dass die Schadenkosten in den kommenden Jahrzehnten jährlich um 3% bis 6% zurückgehen.
Dagegen dürfte die durchschnittliche Schadenhöhe markant steigen. Angesichts der zunehmenden technologischen Komplexität der Fahrzeuge erhöhen sich die Reparaturkosten. Nach Schätzungen von Swiss Re kostet die Reparatur eines Fahrzeugs der Automatisierungsstufe 5 derzeit etwa 3,4-mal so viel wie jene eines vergleichbaren, manuell gesteuerten Fahrzeugs der Stufe 0.
Parallel dazu dürfte die schrittweise Verbreitung teilautonomer und vollständig autonomer Fahrzeuge den globalen Automobilmarkt grundlegend verändern. Motorfahrzeugversicherer dürften in den kommenden Jahrzehnten vor drei grossen Herausforderungen stehen: einer geringeren Zahl von Unfällen, technologisch komplexeren und teureren Fahrzeugen mit höheren Schadenkosten sowie der Entstehung bedeutender Ökosysteme für gemeinsam genutzte Mobilität (Mobility Sharing). Letztere würden die Eigentumsstrukturen im Fahrzeugmarkt verändern und den adressierbaren Gesamtmarkt für private Motorfahrzeugversicherungen verkleinern.
Den Wandel steuern: Kurzfristige Herausforderungen für Versicherer
Diese Faktoren wirken sich unterschiedlich auf die Profitabilität des Versicherungsgeschäfts aus. Eine geringere Unfallhäufigkeit ist grundsätzlich vorteilhaft, während höhere Schadensummen die entsprechenden Kosten belasten. Zugleich würde ein kleinerer globaler Fahrzeugbestand aufgrund des Mobility Sharing das gesamte Prämienvolumen reduzieren.
Fahrzeuge lassen sich in vier Kategorien einteilen: 1. Gewerblich genutzte Fahrzeuge wie Lastwagen und Logistikfahrzeuge – zunehmendes autonomes Fahren dürfte sie kaum wesentlich betreffen. 2. Hochleistungsfahrzeuge, deren Fahrer Eigenschaften wie Beschleunigung und Fahrverhalten schätzen – sie dürften nur begrenzten Veränderungen ausgesetzt sein. 3. Luxusfahrzeuge, deren Besitzer Autos als Statussymbole, Sammlerstücke und langfristige Investitionen betrachten – die Nachfrage in diesem Segment dürfte weitgehend unverändert bleiben. 4. Transportfahrzeuge – sie dienen hauptsächlich der Fortbewegung von einem Ort zum anderen. Als grösstes Massensegment unterliegt diese Kategorie Veränderungen durch gemeinsam genutzte autonome Mobilitätslösungen am stärksten.
… der globale Risikopool der Motorfahrzeugversicherungen dürfte sich zwischen 2035 und 2040 stabilisieren. Danach dürfte ein struktureller Rückgang einsetzen
Laut einem Basisszenario für 2025 bis 2050 wird der globale Fahrzeugbestand bis etwa 2035 zunehmen. Hauptgrund dafür dürfte die wachsende Mittelschicht in den Schwellenländern sein, die den Besitz eigener Fahrzeuge anstrebt. In den Industrieländern könnten die Fahrzeugbestände hingegen ab etwa 2030 zurückgehen, da Plattformen für Shared Mobility, einschliesslich Robotaxis und verbesserter öffentlicher Verkehrssysteme, die Zahl der Neuzulassungen verringern dürften. Ab 2040 dürfte der Rückgang der Unfallhäufigkeit den Anstieg der durchschnittlichen Schadenhöhe kompensieren, da die wachsende Zahl teilautonomer und autonomer Fahrzeuge erhebliche Skaleneffekte ermöglicht. Folglich dürfte sich der globale Risikopool der Motorfahrzeugversicherungen zwischen 2035 und 2040 stabilisieren. Danach dürfte ein struktureller Rückgang einsetzen, wodurch sich der adressierbare Gesamtmarkt der Branche bis 2050 verkleinert.
Private Motorfahrzeugversicherungen umfassen im Allgemeinen zwei übergeordnete Deckungskategorien: Sachschäden und Haftpflichtschäden, einschliesslich Personenschäden und Kosten für Ansprüche Dritter. Die breite Einführung autonomer Fahrzeuge könnte die Verteilung der Schadenkosten und die Zuweisung der rechtlichen Haftung verändern. Insbesondere könnte sich die Haftung für Unfälle mit der zunehmenden Verbreitung autonomer Fahrzeuge von den Fahrzeuglenkenden auf die Fahrzeughersteller und Softwareanbieter verlagern.
Dieser Übergang hätte mehrere bedeutende Folgen. Erstens könnten die Kosten der Haftpflichtversicherung in den Kaufpreis autonomer Fahrzeuge einfliessen. Strategische Partnerschaften zwischen Versicherern und Herstellern dürften daher zum wirksamsten Modell werden.
… die Kosten der Haftpflichtversicherung könnten in den Kaufpreis autonomer Fahrzeuge einfliessen
Zweitens dürfte der adressierbare Gesamtmarkt schrumpfen. In der Vergangenheit machten haftungsbezogene Ansprüche einen grösseren Anteil an den gesamten Schadenaufwendungen in der Motorfahrzeugversicherung aus als Sachschäden; rund 80% der gesamten Schadenkosten in der Motorfahrzeugversicherung entfallen auf Verletzungen und die damit verbundenen Prozesskosten. Eine Verlagerung der Haftungsrisiken auf die Hersteller würde daher den Rückgang des adressierbaren Gesamtmarkts der Versicherer beschleunigen und die Erträge belasten.
Neue Modelle für Schadenmanagement und Preisgestaltung
Partnerschaften mit Herstellern werden Versicherern Zugang zu Fahrzeugdaten in Echtzeit verschaffen und damit zunehmend differenzierte Modelle für die Preisgestaltung und Risikobewertung ermöglichen. Zugleich wird die Komplexität von Unfällen mit autonomen Fahrzeugen – bei denen Hardwareausfälle, Softwarefehler oder menschliche Interaktionen eine Rolle spielen können – neue Rahmenbedingungen für die Schadenregulierung erfordern.
Autonome Technologien werden über selbstfahrende Fahrzeuge hinaus auch in autonomen Schifffahrtssystemen, der Robotik und KI-gestützten Maschinen zum Einsatz kommen. Diese Technologien bringen zwar neue Risiken mit sich, eröffnen Schaden- und Unfallversicherern aber auch neue Wachstumschancen. Die neuen Risikopools gliedern sich in technologische Risiken wegen Hardwareausfällen sowie Risiken infolge von Software- und Cybersicherheitslücken und der damit verbundenen finanziellen Verluste. Aufgrund ihrer starken Vernetzung unterliegen autonome Fahrzeuge des Weiteren dem Risiko von Datenschutzverletzungen, wodurch Cyberversicherungen an Bedeutung gewinnen. Zudem entstehen durch gemeinsam genutzte autonome Fahrzeugflotten operative Risiken, darunter Netzwerkunterbrechungen. Und schliesslich werfen autonome Systeme ethische und regulatorische Fragen auf, etwa wie sie bei einem unvermeidbaren Unfall reagieren und die Sicherheit der Fahrzeuginsassen gegenüber jener von Fussgängern abwägen sollen. Dadurch könnte eine Nachfrage nach neuen Kategorien von Haftpflichtversicherungen entstehen.
Langfristig dürften nur stark diversifizierte Schaden- und Unfallversicherer mit skalierbaren Modellen zu den Gewinnern zählen
Autonome Fahrzeuge werden daher nicht nur die Grösse des Markts für Motorfahrzeugversicherungen verändern. Sie werden sich auch auf sämtliche Komponenten seiner Wertschöpfungskette auswirken, von der Produktentwicklung über das Risikomanagement, die Preisgestaltung und die Schadenregulierung bis zum Vertrieb. Die Branche dürfte etwa ein Jahrzehnt Zeit haben, um sich anzupassen, bevor sich die deutlichsten Rückgänge bei den Schadenfällen abzeichnen. Eine erfolgreiche Steuerung dieser Übergangsphase – die durch eine sinkende Unfallhäufigkeit bei steigender Schadenhöhe gekennzeichnet ist – wird für die Profitabilität des Versicherungsgeschäfts entscheidend sein. Langfristig dürften nur stark diversifizierte Schaden- und Unfallversicherer mit skalierbaren Modellen zu den Gewinnern zählen. Diese Unternehmen könnten eine zunehmend wichtige Rolle bei der Branchenkonsolidierung spielen, die Wettbewerbslandschaft neu prägen und die durch autonome Fahrzeuge ausgelösten technologischen Veränderungen bewältigen.
Die Verbreitung autonomer Fahrzeuge dürfte sich jedoch nicht einheitlich auf den Schaden- und Unfallversicherungssektor auswirken. Führende etablierte Anbieter mit breit diversifizierten Prämienportfolios über verschiedene Geschäftsbereiche und Regionen hinweg dürften die Rolle der Konsolidierer übernehmen. Sie könnten kleinere Versicherer und auf einzelne Sparten spezialisierte Anbieter, die von den Veränderungen durch autonome Fahrzeuge besonders betroffen sind, übernehmen oder unterstützen.
Technologisch fortschrittliche Motorfahrzeugversicherer mit grossen, etablierten Kundenportfolios und Zugang zu umfangreichen Fahrerdaten dürften gut positioniert sein, um sowohl mit Erstausrüstern (Original Equipment Manufacturers, OEMs) als auch mit Softwareanbietern zusammenzuarbeiten. Diese Versicherer dürften ihre Fachkompetenz und ihre Daten nutzen können, um die Zukunft des Motorfahrzeug-Versicherungsmarkts zu prägen und sich an die sich wandelnde Mobilitätslandschaft anzupassen.
CIO Office Viewpoint
Autonome Fahrzeuge sind ein Paradigmenwechsel für Versicherer
Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig ist, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende.
teilen.