Solides Gewinnwachstum trotz volatiler Aktienmärkte

Patrick Kellenberger - Equity Strategist
Patrick Kellenberger
Equity Strategist
Corinne Maillet de Boursetty - Senior Equity Strategist
Corinne Maillet de Boursetty
Senior Equity Strategist
Solides Gewinnwachstum trotz volatiler Aktienmärkte

Kernpunkte.

  • Die Aktienmärkte haben sich volatil entwickelt, doch die zugrunde liegenden Fundamentaldaten der Unternehmen bleiben stark. Das Gewinnwachstum hat sich im zweiten Quartal beschleunigt und die Erwartungen übertroffen
  • Künstliche Intelligenz treibt die Gewinne in den USA, Japan und einigen Schwellenländern weiter an, doch das Gewinnwachstum hat sich deutlich auf weitere Sektoren und Branchen ausgeweitet
  • Das Finanzwesen, Grundstoffe und Versorger leisten einen immer wichtigeren Beitrag zum Gewinnwachstum. Dahinter stehen bedeutende Investitionsausgaben, der Trend zur Elektrifizierung und eine widerstandsfähige Wirtschaftsaktivität
  • Wir beurteilen globale Aktien weiterhin positiv und bevorzugen Schwellenländer, Japan sowie die Sektoren Gesundheitswesen, Grundstoffe, Finanzwesen und Versorger.

Trotz der jüngsten Marktvolatilität untermauern robuste Unternehmensgewinne weiterhin unsere positive Einschätzung von Aktien. Wir beleuchten die Gewinndynamik sowie unsere Sektor- und regionalen Präferenzen.

Seit Anfang Juli haben sich die globalen Aktienmärkte turbulent entwickelt. Sie schlossen den Monat weitgehend unverändert, obwohl die Unternehmensgewinne auf ein erneut starkes Quartal hindeuten. Die Sektoren Energie und Finanzwesen sowie Unternehmen ausserhalb des KI-Bereichs haben eine Outperformance erzielt, da sich die Marktrenditen über den Technologiesektor hinaus ausweiten. Zugleich belasten der Konflikt im Nahen Osten, höhere Ölpreise sowie die Unsicherheit über die US-Geldpolitik und die Zwischenwahlen in den USA die Marktstimmung.

Die Sorgen über die Nachhaltigkeit der Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) sind wieder aufgeflammt. Anlegerinnen und Anleger fragen sich, welche Renditen diese Investitionen letztlich abwerfen werden. Für weitere Bedenken sorgten Hinweise auf die zunehmende Konkurrenz durch chinesische Technologieunternehmen sowie negative freie Cashflows bei Hyperscalern infolge der rasch steigenden Investitionsausgaben. Zudem richtete sich die Aufmerksamkeit des Markts wieder auf die Tatsache, dass KI-Unternehmen gegenseitig Transaktionen finanzieren. In diesem Umfeld hatten viele Aktienmärkte im Juli Mühe, an Boden zu gewinnen. Bei grossen US-Unternehmen reichten selbst übertroffene Gewinnerwartungen für das zweite Quartal nicht für eine überdurchschnittliche Aktienkursentwicklung aus. In Europa wurden Aktien von Firmen, welche die Gewinnerwartungen der Analysten verfehlten, stark abgestraft. Dies deutet darauf hin, dass in der laufenden Berichtssaison mit anhaltender Volatilität zu rechnen ist.

Allerdings bleiben die zugrunde liegenden Fundamentaldaten der Unternehmen robust, und das Gewinnwachstum beschleunigt sich von bereits hohen Niveaus aus. Die Analysten erhöhten die Gewinnschätzungen für die Unternehmen im S&P 500 vor dieser Berichtssaison um mehr als 3%, während üblicherweise Abwärtsrevisionen von 2% bis 3% zu beobachten sind. Die bislang vorgelegten Ergebnisse für das zweite Quartal haben diese hohen Erwartungen dennoch übertroffen. Nachdem rund zwei Drittel der Firmen die Zahlen ausgewiesen haben, sind die Gewinne der Unternehmen im MSCI World Index auf Kurs, um im Vorjahresvergleich um rund 38% zu steigen. Zwar trugen einmalige Höherbewertungen von Beteiligungen zu diesen starken Zahlen bei, doch bleibt auch die operative Performance sehr solide. In den USA steigerten die Unternehmen im S&P 500 die zugrunde liegenden Gewinne im zweiten Quartal durchschnittlich um fast 30%. Treiber waren ein Umsatzwachstum von 11% sowie eine kräftige Ausweitung der Margen.

Die Fundamentaldaten der Unternehmen bleiben robust, und das Gewinnwachstum beschleunigt sich von hohen Niveaus aus

KI treibt das Gewinnwachstum weiter an

Technologieunternehmen beflügeln weltweit weiterhin das Gewinnwachstum, da sich die KI-Investitionen nach wie vor beschleunigen. Erstmals dürften bei US-Hyperscalern die Investitionsausgaben höher liegen als die operativen Cashflows bzw. die durch das Kerngeschäft generierten Mittelzuflüsse. Doch das Wachstum der operativen Cashflows dieser Unternehmen beträgt immer noch rund 35%. Ihr Verschuldungsgrad bleibt im Allgemeinen niedrig, und die Monetarisierung der KI schreitet voran.

Das Umsatzwachstum im Cloud-Geschäft beschleunigt sich weiter, und die Margen erreichen neue Höchststände. Zudem sorgen grössere Auftragsbestände für vorhersehbare künftige Gewinne. Hinzu kommt, dass die KI-Einführung durch Unternehmen an Dynamik gewinnt. Dafür sprechen unter anderem der markante Anstieg kostenpflichtiger Abos für Microsoft Copilot. Ausserdem hat sich laut dem US-Softwareunternehmen ServiceNow die Zahl der Kunden, die agentenbasierte KI-Lösungen einsetzen, in den letzten neun Monaten verneunfacht. Diese Entwicklungen mindern die Sorgen über die Nachhaltigkeit der KI-Investitionen.

Die KI-Einführung durch Unternehmen gewinnt an Dynamik

Die Gewinne der Halbleiterproduzenten und des Rohstoffsektors haben einigen grossen Schwellenländern bedeutenden Rückenwind verliehen. Das jährliche Gewinnwachstum des MSCI Emerging Markets Index ist auf Kurs, um mehr als 50% zu erreichen; dazu tragen insbesondere Südkorea, Taiwan und Südafrika bei. Dies hat die schwächere Entwicklung in Indien, Indonesien und den Vereinigten Arabischen Emiraten teilweise ausgeglichen.

Der prominenteste Beitrag zum Gewinnwachstum der Schwellenländer stammt derzeit von Südkorea und seinen führenden Herstellern von Speicherchips. Zwar hat der Sektor jüngst stark korrigiert. Auslöser waren der Abbau von fremdfinanzierten Anlegerpositionen, die geringe Liquidität im Sommer und Druck aufgrund der Stimmung. Die zugrunde liegenden Fundamentaldaten bieten jedoch weiterhin Unterstützung. Der Markt für Speicherchips dürfte auf absehbare Zeit angespannt bleiben, während die Gewinnerwartungen weiter steigen. Dies steht in deutlichem Kontrast zu den rekordtiefen Bewertungen, die gemessen an der Stärke des zugrunde liegenden KI-Infrastrukturzyklus zu niedrig scheinen.

In Japan entfällt mittlerweile rund die Hälfte des gesamten Gewinnwachstums von 35% gegenüber dem Vorjahr auf Unternehmen mit KI-Bezug. Ein günstigeres makroökonomisches Umfeld und ein schwächerer Yen bieten zusätzliche Unterstützung.

In Europa ist das Gewinnwachstum deutlich moderater. Es beträgt rund 13% und liegt etwa 3% über den Konsensschätzungen. Dafür verantwortlich sind die geringere Exponierung gegenüber KI und Gegenwind durch einen stärkeren Euro. Hinzu kommen die Herausforderungen im Automobilsektor infolge der zunehmenden Konkurrenz aus China und einer schwachen chinesischen Nachfrage. Rund drei Fünftel des Gewinnwachstums stammen aus dem Energiesektor. Zusätzliche Beiträge leisten die Bereiche Industrie, Technologie und Finanzwesen. Im Vereinigten Königreich beträgt das Gewinnwachstum rund 35%, wovon rund drei Viertel auf den Energiesektor entfallen.

Finanzwesen, Grundstoffe und Versorger als Gewinntreiber

Auf Sektorebene haben sich neben KI insbesondere Finanz- und Energieunternehmen als wichtige Gewinntreiber etabliert. Steigende Ölpreise aufgrund des Nahostkonflikts beflügeln kurzfristig die Gewinne von Energieunternehmen. Das Gewinnwachstum im Finanzsektor scheint nachhaltiger: Die Ergebnisse für das zweite Quartal übertrafen die Erwartungen deutlich, wozu ein starkes Kreditwachstum, die Aktivität an den Kapitalmärkten und robuste Nettozinserträge beitrugen. Wir erwarten, dass diese Dynamik anhält, wobei allmähliche KI-bedingte Produktivitätsgewinne zusätzlichen Rückenwind liefern dürften.

Wir beurteilen auch die Sektoren Grundstoffe und Versorger positiv. Sie bieten ein Engagement in den Themen KI, Elektrifizierung und Industrieinvestitionen. Im Grundstoffsektor sorgt die Nachfrage nach den für die Energiewende benötigten Metallen, unter anderem Kupfer und Aluminium, für ein starkes Gewinnwachstum. Der Konflikt im Nahen Osten unterstützt zudem vorübergehend die Gewinnentwicklung in Teilen der Chemieindustrie. Höhere Ölpreise haben den Kunststoffpreisen Auftrieb gegeben, während die vergleichsweise stabilen Erdgaspreise in den USA, ein wichtiger Kostenfaktor für Chemiefirmen, die Profitabilität erhöht haben.

Im Grundstoffsektor sorgt die Nachfrage nach den für die Energiewende benötigten Metallen, unter anderem Kupfer und Aluminium, für ein starkes Gewinnwachstum

Das Gewinnwachstum bleibt weltweit über die Sektoren hinweg breit abgestützt. Eine Ausnahme bildet das Gesundheitswesen. Hier ist das zugrunde liegende Gewinnwachstum zwar positiv, wurde im zweiten Quartal aber durch einmalige buchhalterische Belastungen im Zusammenhang mit Fusionen und Übernahmen gedämpft. Wir bevorzugen den Gesundheitssektor weiterhin aufgrund einer sich verbessernden Gewinndynamik. Zusätzliche Unterstützung bieten in den USA die mögliche Aufnahme von Medikamenten gegen Adipositas in die Medicare-Erstattung, die zyklische Erholung in der medizinischen Ausrüstung, Innovationen bezüglich Adipositas, Onkologie und Immunologie sowie nachlassender Preisdruck.

US-Konsumausgaben und -Arbeitsmarkt unter Beobachtung

Die Ergebnisse des zweiten Quartals enthielten auch Signale, die zu Vorsicht mahnen. So erwähnten grosse US-Unternehmen den Begriff Stellenabbau in ihren Ergebnispräsentationen etwas häufiger. Zudem verwiesen mehrere Firmen auf die fortwährende Zurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie auf ein ausgeprägteres Kostenbewusstsein.

Wir rechnen mit weiteren volatilen Phasen

Doch insgesamt sind die US-Konsumausgaben im Quartalsverlauf robust geblieben, während die Investitionsausgaben weiter an Dynamik gewinnen. Die Investitionen reichen zunehmend über den Technologiesektor hinaus und führen zu positiven Effekten, beispielsweise in Branchen wie Transport und Logistik sowie im Bau- und Ingenieurwesen. Laut den Konsensschätzungen der Analysten hat sich für S&P-500-Unternehmen das Wachstum der Investitionsausgaben von 33% gegenüber dem Vorjahr im ersten Quartal auf fast 40% im zweiten Quartal beschleunigt.

Die Unternehmensprognosen sprechen für eine anhaltende Gewinnstärke in den kommenden Quartalen. Die Konsensschätzungen für das Gewinnwachstum im MSCI World dürften nahe bei 20% bleiben, gegenüber 40% bis 70% für die Schwellenländer. Danach dürfte sich die Dynamik bis Mitte 2027 allmählich abschwächen.

Insgesamt beurteilen wir globale Aktien weiterhin positiv und halten eine Übergewichtung, die wir hauptsächlich via Schwellenländer umsetzen. Hinzu kommt eine positive Einschätzung Japans sowie der Sektoren Gesundheitswesen, Grundstoffe, Finanzwesen und Versorger. Das robuste Gewinnwachstum bleibt der wichtigste Treiber unseres konstruktiven Ausblicks. Zugleich zeigt die jüngste Marktvolatilität, dass Anleger KI-bezogene Investitionen sowie die operative Umsetzung durch Unternehmen weiterhin genau beobachten. Die Geopolitik und die Zinsentwicklung in den USA sorgen weiterhin für Unsicherheit, was die Bewertungen belastet. Wir rechnen daher mit weiteren volatilen Phasen. Doch das breit abgestützte Gewinnwachstum über Sektoren und Regionen hinweg begünstigt unseres Erachtens die Renditeaussichten an den globalen Aktienmärkten in den kommenden Quartalen.

CIO Office Viewpoint

Solides Gewinnwachstum trotz volatiler Aktienmärkte

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig ist, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende.

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