Der Konflikt bedeutet höhere Priorität für nachhaltige Lösungen

Sophie Chardon - Head of Sustainable Investments, Private Bank
Sophie Chardon
Head of Sustainable Investments, Private Bank
Der Konflikt bedeutet höhere Priorität für nachhaltige Lösungen

Kernpunkte.

  • Angriffe auf die Öl- und Gasinfrastruktur im Nahen Osten sowie die fast vollständige Schliessung der Strasse von Hormuz verschärfen die globalen Sorgen über die Energiesicherheit
  • Trotz politischen Gegenwinds in den letzten Jahren sind die Investitionen in erneuerbare Energien weltweit weiter gestiegen. Solar- und Windtechnologie wird rasch ausgebaut und liefert kostengünstige Energie
  • Im Bereich nachhaltige Infrastruktur, darunter Elektrifizierung und naturbasierte Lösungen, entstehen langfristige Anlagechancen, da Resilienz für Regierungen und Investoren Priorität hat
  • Die geopolitischen Spannungen bedeuten auch zusätzliche Gelegenheiten in den Segmenten Ernährungs- und Wassersicherheit sowie bei der Versorgung mit kritischen Rohstoffen.

Der Nahostkonflikt hat den Bedarf an diversifizierteren Energiequellen und sichereren Lieferketten erhöht. Nachhaltige Lösungen rücken daher auf der Agenda der Länder weiter nach oben. Da geopolitische Spannungen auf eine höhere Energienachfrage treffen, dürfte der Ausbau erneuerbarer Technologien weiter an Dynamik gewinnen. Dies festigt unsere Überzeugung in Bezug auf nachhaltige Energie. Künftig werden wirtschaftliche Bedürfnisse und das Streben nach mehr Unabhängigkeit Investitionen in Energie-, Ernährungs- und Wassersicherheit fördern.

2025 waren nachhaltige Investitionen vermehrt politischem Gegenwind ausgesetzt. Die USA traten aus dem Pariser Abkommen aus, die Europäische Union schwächte die Nachhaltigkeitsberichterstattung ab, und der COP30-Gipfel der Vereinten Nationen enttäuschte. Doch angesichts des Strombedarfs für künstliche Intelligenz (KI) und höherer Investitionsausgaben von „Hyperscalern“ sind die weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien weiter gestiegen. Infolgedessen übertrafen Aktien aus dem Bereich saubere Energie bzw. Clean Energy im Jahr 2025 den globalen MSCI World Index; dies belegt die Rendite von 33% des Bloomberg GS Clean Energy Index. Das Segment ist auch seit Jahresbeginn widerstandsfähig geblieben.

Schon vor dem aktuellen Konflikt war die Energiesicherheit eine strategische Priorität. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 zwang Europa, sich von russischem Gas abzuwenden sowie auf Flüssigerdgas (LNG) und vermehrt auf erneuerbare Energien und Atomenergie zu setzen. China weitet die Stromproduktion seit über 15 Jahren aus, um seine strategische Autonomie zu stärken und eine reichliche Menge an günstigem Strom bereitzustellen. Dies hat China bereits einen wichtigen Vorteil im strategischen KI-Wettbewerb mit den USA verschafft.

Der heutige Konflikt im Nahen Osten verstärkt die Risiken der Energiesicherheit. Dies gilt vor allem für Volkswirtschaften in Europa und Asien, die fossile Brennstoffe importieren und damit anfällig für Lieferstörungen oder Preisschocks sind. In unserem Basisszenario erwarten wir, dass der Konflikt relativ begrenzt bleiben wird. Doch Schäden an der Energieinfrastruktur können längere Auswirkungen und Volatilität verursachen. Letzte Woche erklärte der Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA), dass die Krise weltweit zu politischen Anpassungen führen werde. Dies sei vergleichbar mit den Entscheidungen der 1970er-Jahre, vermehrt in die Atomstromproduktion zu investieren. Er betonte die Rolle, die dezentralisierte, kohlenstoffarme Energie bei der Stärkung der Unabhängigkeit spielen kann.

Der Direktor der Internationalen Energieagentur erklärte, dass die Krise weltweit zu politischen Anpassungen führen werde

Schub für saubere Energie in Europa und China

Im früheren Monatsverlauf hat die Europäische Union eine Clean-Energy-Investitionsstrategie und den Industrial Accelerator Act lanciert. Ziel ist, die Finanzierung erneuerbarer Energien zu stärken, Projektrisiken zu mindern und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Cleantech-Industrie zu steigern. Der im Dezember 2025 verabschiedete RESourceEU-Aktionsplan, der auf der Verordnung zu kritischen Rohstoffen basiert, zielt darauf ab, die Abhängigkeit von China zu verringern; Europas Kapazitäten für Energiespeicherung und Batterierecycling sollen ausgebaut werden. Und gerade diese Woche hat die EU ein Handelsabkommen mit Australien unterzeichnet, um sich einen besseren Zugang zu wichtigen Mineralien zu verschaffen.

China bekräftigte diesen März im Nationalen Volkskongress sein Engagement für erneuerbare Energien. Das Land strebt ein „neues Energiesystem“ an und will bis 2030 25% seines Energieverbrauchs aus nicht fossilen Quellen decken. Bereits 2024 entfielen 56% der gesamten installierten Stromkapazität Chinas auf erneuerbare Energiequellen. Dieser Anteil dürfte im Laufe dieses Jahrzehnts weiter steigen.

Allgemeine Lieferkettensorgen könnten die Nachfrage nach anderen Energiequellen antreiben. Länder, die zur Stromerzeugung auf Gas angewiesen sind – wie Indien, Indonesien und Vietnam –, könnten vorübergehend auf Kohle umstellen. Japan hat im Januar das weltweit grösste Kernkraftwerk wieder hochgefahren. Die IEA geht in einigen Szenarien davon aus, dass die globale Nuklearkapazität bis 2050 mehr als doppelt so hoch sein könnte.

Allgemeine Lieferkettensorgen könnten die Nachfrage nach anderen Energiequellen antreiben

Doch Alternativen werden immer wettbewerbsfähiger. So erzeugten beispielsweise im Januar Solarenergieprojekte in Saudi-Arabien Strom zu weniger als einem Fünftel der Kosten von Erdgasstrom in den USA oder Europa. Auch in vielen afrikanischen Ländern steigt die Zahl der Solaranlagen. Dank Skaleneffekten dürften die Kosten weiter sinken, analog zur Kostenreduktion von rund 90% bei Lithium-Ionen-Batterien in den letzten zehn Jahren.

Steigende Treibstoffpreise und Elektrofahrzeuge

Die Verbreitung von Elektrofahrzeugen entwickelte sich 2025 je nach Region unterschiedlich. Während China bei den Neuzulassungen bereits eine Elektroauto-Quote von über 50% erreicht hat (Plug-in-Hybride und Batterie-Elektrofahrzeuge), stagnierte der europäische Markt wegen reduzierter Subventionen und Bedenken bezüglich der Erschwinglichkeit. In den USA kühlte sich der Markt ab; angesichts von Unsicherheit in Bezug auf die Ladeinfrastruktur gewannen Hybridfahrzeuge Marktanteile. Eine längere Phase erhöhter Benzinpreise würde das Interesse an Elektroautos beleben, während die strukturelle Unterstützung für Ladeinfrastruktur und Batterien anhalten dürfte.

Bei Elektrofahrzeugen für Alltagsfahrer in den USA gilt: Ab einer Schwelle von rund USD 4 pro Gallone nähern sich laut BloombergNEF die Gesamtkosten, einschliesslich Kauf und Betrieb, jenen von Benzinautos an. Die Treibstoffpreise für Autofahrer in den USA haben letzte Woche im Bereich dieser Schwelle notiert, nachdem sie seit Anfang März um mehr als 30% gestiegen sind. Die USA sind als weltweit grösster Ölproduzent somit nicht vor den Folgen des Konflikts geschützt, und anhaltende Störungen am globalen Ölmarkt dürften das Interesse an Elektrofahrzeugen beleben.

Anhaltende Störungen am globalen Ölmarkt dürften das Interesse an Elektrofahrzeugen beleben

Ernährungssicherheit

Der Nahostkonflikt heizt nicht nur die Treibstoffpreise an. Er könnte auch die globalen Lieferketten für Nahrungsmittel stören, da Düngemittelknappheit die landwirtschaftlichen Erträge bedroht. Es könnte mehrere Monate dauern, bis diese Effekte auf die Weltmärkte durchschlagen. Rund ein Drittel der global gehandelten Harnstoffdünger, die den Boden mit Stickstoff versorgen, passieren die Strasse von Hormuz.

Düngemittelknappheit ist eine weitere Herausforderung neben dem langfristigen Trend der Bodenverarmung und verminderter Ernteerträge, die eine Folge industrieller Landwirtschaftspraktiken und des Klimawandels sind.

Regenerative Methoden und Werkzeuge der Präzisionslandwirtschaft bieten kombiniert interessante langfristige Chancen für Anlegerinnen und Anleger. Sie können negative Umweltauswirkungen verringern und die Ernteerträge steigern. Präzisionslandwirtschaft integriert Technologien wie Big-Data-Analysen, Bodensensoren, Drohnen, Robotik, KI, Internet-of-Things-Werkzeuge und prädiktive Modelle. KI und maschinelles Lernen helfen Landwirten dabei, Flächen mit Bodenverdichtung, Nährstoffmangel, zu geringer oder zu hoher Feuchtigkeit oder Schädlingsbefall zu erkennen. In Abhängigkeit vom Standort lässt sich die erforderliche Menge an Dünger, Pestiziden und Wasser berechnen. Dies verbessert die Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Produktivität. 2024 hatte weltweit mehr als die Hälfte der Landwirte mindestens eine Technologie der Präzisionslandwirtschaft eingeführt oder plante dies.

Positionierung nachhaltiger Anlagen

Der Energieschock von 2022 belastete die Indizes für saubere Energie während 18 Monaten schwer. Heute sind die Bedingungen ganz anders. Die Unterstützung durch die Geldpolitik ist grösser, auch wenn die Notenbanken letzte Woche angesichts der Auswirkungen des aktuellen Konflikts auf die Inflation mehr Vorsicht signalisierten. Sie dürften dieses Jahr Zinssenkungen hinausschieben oder die Zinsen unverändert lassen. 2022 standen die Notenbanken am Beginn eines globalen Straffungszyklus, der durch robuste Arbeitsmärkte gerechtfertigt war.

Die Bewertungen sind weniger anspruchsvoll

Die Bewertungen sind zudem heute weniger anspruchsvoll als 2022. Des Weiteren haben in den letzten Wochen Hedge Funds Positionen abgebaut. Damit kann die aktuelle Volatilität attraktive Chancen für den Einstieg in einen langfristigen strukturellen Trend bieten, der durch öffentliches und privates Kapital gestützt wird.

2026 dürfte das Gewinnwachstum im Bereich Elektrifizierung anziehen – von Versorgern über Komponentenhersteller bis zu Smart-Grid-Entwicklern, Anbietern von Energiespeichern und Betreibern erneuerbarer Infrastruktur. Bereits vor Ausbruch des Konflikts unterstützten eine beispiellose, KI-getriebene Stromnachfrage sowie die Investitionsausgaben grosser Cloud-Anbieter und anderer „Hyperscaler“ diese Entwicklung. Die meisten dieser Unternehmen verfügen über hohe Liquiditätsreserven und dürften über kurzfristige Unsicherheiten hinwegsehen. Die aktuellen geopolitischen Spannungen unterstreichen den Wettbewerbsvorteil alternativer Energiequellen.

Die Störungen in der Versorgung mit essentiellen Energieressourcen aus dem Nahen Osten sind für die Weltwirtschaft zur Priorität geworden. Regierungen und Investoren dürften sich vermehrt bemühen, resiliente Energie-, Ernährungs- und Wassersysteme aufzubauen. Dies wird den Übergang zu alternativen Energien und nachhaltigen Lösungen weiter beschleunigen.

CIO Office Viewpoint

Der Konflikt bedeutet höhere Priorität für nachhaltige Lösungen

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig ist, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende.

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