Bankaktien können noch weiter zulegen

Patrick Kellenberger - Equity Strategist
Patrick Kellenberger
Equity Strategist
Claudia von Türk - Senior Equity Research Analyst, Bankensektor
Claudia von Türk
Senior Equity Research Analyst, Bankensektor
Bankaktien können noch weiter zulegen

Kernpunkte.

  • Grosse US-Banken haben herausragende Gewinne gemeldet, und auch die Bewertungen sind gestiegen. Dies wirft Fragen in Bezug auf die Nachhaltigkeit beider Trends auf
  • Einige Gründe für die guten Ergebnisse im zweiten Quartal bestehen künftig nicht mehr. Wir erwarten aber solide steigende Gewinne für US-amerikanische und europäische Banken. Dazu dürften ein gutes Konjunkturumfeld, ein stärker werdendes Kreditwachstum sowie positive Faktoren für die Aktivität an den Kapitalmärkten beitragen. Wir sehen zudem Potenzial für höhere Kapitalrückflüsse
  • Risiken für den Sektor sind das zunehmende Engagement im Bereich künstliche Intelligenz und die durch den Konflikt zwischen den USA und Iran neu entfachten Stagflationsängste. Der Konflikt ist jedoch nicht Bestandteil unseres Basisszenarios
  • Wir gehen davon aus, dass die günstigen Rahmenbedingungen für Banken bestehen bleiben, und sehen auch den breiteren Finanzsektor positiv. Dieser dürfte weiterhin von einer auf weitere Sektoren ausgeweiteten Marktperformance jenseits der Technologiebranche sowie von einer Rotation in zyklische Unternehmen profitieren.

Könnten die herausragenden Gewinne grosser US-Banken einen Höhepunkt für den Sektor markieren? Wir untersuchen die Gründe für die aktuelle Stärke, die Auswirkungen für europäische Kreditinstitute und unseren insgesamt positiven Ausblick.

Grosse US-Banken verzeichneten ein sehr gutes zweites Quartal. Für unerwartet positive Impulse sorgten die Einnahmen aus dem Aktienhandel vor dem Hintergrund hoher Marktvolatilität im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt und Schwankungen im Marktsentiment gegenüber künstlicher Intelligenz (KI). Die Zunahme von Fusionen und Übernahmen sowie der Aktien- und Anleihenemissionen wirkte sich vorteilhaft auf die Gebühren im Investment Banking aus. Die grössten Unternehmen erzielten dadurch Renditen auf das materielle Eigenkapital von mehr als 20%. Zugleich waren die Kreditbedingungen weiterhin günstig, und das Kreditwachstum legte zu. Die sechs grössten US-Banken übertrafen die Gewinn- und Ertragsschätzungen der Analysten. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Gewinne um insgesamt 40% und die Umsätze um 20%. Die meisten Banken gaben einen überwiegend optimistischen Ausblick auf den Rest des Jahres.

Die sechs grössten US-Banken übertrafen die Gewinn- und Ertragsschätzungen der Analysten

Die grossen US-Banken verzeichnen seit mehreren Quartalen hohe Umsätze aus dem Handelsgeschäft, doch die Zahlen des letzten Quartals waren aussergewöhnlich gut. Dies lag zum Teil an einmaligen Effekten wie grossen Börsengängen und einer ausgezeichneten Profitabilität durch Dienstleistungen für Hedge Funds in Asien. Hinzu kamen Indexneugewichtungen, die zu einem hohen Handelsvolumen in Aktien bei passiven Fonds und benchmarkorientierten Anlegerinnen und Anlegern führten. Es wäre daher unklug, diese Entwicklung einfach fortzuschreiben, denn dieses aussergewöhnliche zweite Quartal wird sich wahrscheinlich nicht wiederholen. Auch dann nicht, wenn das Volumen wegen der anhaltenden Unsicherheit über die Geopolitik und die Gewinner und Verlierer im KI-Bereich erhöht bleibt. Vor allem dürften in einem stark konzentrierten Markt nur einige der grössten US-Banken von rekordverdächtig hohen Gebühren aus dem Handelsgeschäft profitieren.

Bankaktien haben zudem bereits ein sehr gutes Jahr erlebt. Der KBW Bank Index, der 24 grosse US-Banken enthält, notiert etwa 15% höher als zu Jahresbeginn und der MSCI World Banks Index rund 16%. Trotz erheblicher Bewertungsunterschiede sind US-Banken jetzt im Durchschnitt mit etwa dem 1,75-Fachen ihres Buchwerts bewertet – so hoch wie zuletzt vor der globalen Finanzkrise. Mehrere Fragen beschäftigen die Anlegerinnen und Anleger: Wird das zweite Quartal einen Höhepunkt der Bewertungen und Gewinne markieren? Kann die Kapitalmarktaktivität auf den aktuellen Niveaus bleiben? Werden kleinere, regionale Kreditgeber und Banken in Europa in den nächsten Wochen ähnlich gute Ergebnisse erzielen wie die grössten US-Banken?

Wir bleiben zuversichtlich für Banken in den USA und Europa. Der Finanzsektor – in dem Banken gemessen an der globalen Marktkapitalisierung knapp die Hälfte ausmachen – hat in letzter Zeit von zwei Faktoren profitiert: davon, dass die Entwicklung an den Aktienmärkten nicht mehr nur auf den Technologiesektor zurückgeht, und von einer Rotation in zyklische Unternehmen. Dies ist seit Anfang Juni besonders deutlich zu erkennen, und wir erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzen dürfte. Aufgrund der sehr guten Gewinne im zweiten Quartal erscheinen die Erwartungen für das Gesamtjahr 2026 für US-Banken nun weniger anspruchsvoll. Zudem bleiben die Gewinnkorrekturen positiv. Der breitere Finanzsektor dürfte dieses Jahr ein solides Gewinnwachstum verzeichnen, vor allem unterstützt durch Banken und US-amerikanischen Kapitalmarktunternehmen.

Der Finanzsektor hat in letzter Zeit von zwei Faktoren profitiert: davon, dass die Entwicklung an den Aktienmärkten nicht mehr nur auf den Technologiesektor zurückgeht, und von einer Rotation in zyklische Unternehmen

Die Gewinndynamik bei Banken hat unseres Erachtens mehrere Gründe. Erstens gehen wir davon aus, dass das weltweite Wachstum solide und die makroökonomischen Fundamentaldaten robust bleiben dürften. In den USA rechnen die Märkte nun – über einen längeren Zeitraum – mit höheren Leitzinsen der US-Notenbank Fed. Das wäre vorteilhaft für den Nettozinsertrag, also für die Differenz zwischen den Einnahmen aus Krediten und den auf Einlagen gezahlten Zinsen. Die Finanzierungsbedingungen sind nach wie vor freundlich, und es sind bislang kaum Anzeichen für Probleme bei Verbraucher- oder Unternehmenskrediten erkennbar. Tatsächlich fiel auf, dass die Aktivaqualität bei der Veröffentlichung der Gewinnberichte kein Thema war.

Zweitens gehen wir von einem fortgesetzten Kreditwachstum aus. Die Gründe dafür sind eine solide Nachfrage nach gewerblichen Krediten, teilweise im Zusammenhang mit KI, und eine sich abzeichnende Zunahme der Fusions- und Übernahmeaktivität. Dieses Wachstum muss finanziert werden, was zu einem gewissen Wettbewerb auf der Einlagenseite führt. Doch insgesamt lagen die Nettozinserträge der sechs grössten US-Banken weitgehend im Rahmen der Analystenschätzungen oder leicht darüber. Ausserdem nutzen die Banken ihre gesunden Kapitalpolster zur Finanzierung dieses Wachstums und zur Aufrechterhaltung ihrer Dividenden. Laut einem im Juni veröffentlichten Stresstest der Fed hielten die teilnehmenden US-Banken überschüssiges Kapital in Höhe von fast 10% ihrer Marktkapitalisierung. Tatsächlich sind die Aktienrückkäufe und Dividenden von US-Finanzunternehmen gegenüber dem Vorjahr um rund 50% gestiegen, begünstigt durch regulatorischen Rückenwind und die positive Gewinnentwicklung. Die Gesamtausschüttungsrendite liegt damit bei rund 5%, wobei weiteres Steigerungspotenzial besteht.

Wir gehen von einem fortgesetzten Kreditwachstum aus. Die Gründe dafür sind eine solide Nachfrage nach gewerblichen Krediten, teilweise im Zusammenhang mit KI …

Wir sind zudem der Auffassung, dass eine Erholung der Kapitalmarktaktivität länger anhalten könnte als ein einziges Quartal. Der Ausbau der KI-Infrastruktur ist ein mehrjähriger positiver Impuls für Investmentbanken. Der weltweite Investitionsboom könnte auch die Kreditaufnahme von Unternehmen in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Verteidigung weiter ankurbeln. Die sich bessernden Bedingungen könnten dazu führen, dass grosse Private-Equity-Fonds ihre Aktivitäten verstärken, zumal der Bestand an zu veräussernden Unternehmen recht gross ist. Doch die Kapitalmarktaktivität schwankt in der Regel von Quartal zu Quartal.

Ein anderes Umfeld in Europa

In Europa besteht ein ganz anderes Markt- und regulatorisches Umfeld, und wir rechnen für das zweite Quartal nicht mit ähnlich beeindruckenden Ergebnissen. Einige Banken werden zwar vom Aktienhandel in Asien profitieren. Doch die Kapitalmarktaktivität hat bei europäischen Banken im Allgemeinen weniger Einfluss auf die Gewinne. Der Handel mit Anleihen schlägt sich stärker nieder als der Aktienhandel, und die Handelsaktivität war solide, aber nicht aussergewöhnlich.

Ebenso wie die US-Kreditinstitute verzeichnen aber auch die europäischen Banken in einigen Regionen und Segmenten ein Kreditwachstum. Das makroökonomische Umfeld erscheint stabil, wenngleich unspektakulär. Die Zinsen in der Eurozone sind in diesem Jahr einmal gestiegen; im September könnte eine weitere Zinserhöhung folgen. Die Banken haben die Gelegenheit genutzt, um fällig werdende festverzinsliche Anlagen zu höheren Zinsen zu reinvestieren. Alle diese Trends kommen dem Nettozinsertrag zugute.

Die Kapitalausschüttungen an die Aktionärinnen und Aktionäre erscheinen attraktiv: Die Dividendenrendite beträgt durchschnittlich 5%, und weitere Aktienrückkäufe sind möglich. Wir sind der Auffassung, dass die Bewertungen europäischer Banken die steigenden Eigenkapitalrenditen im Allgemeinen noch nicht widerspiegeln. Europäische Banken sind nach wie vor mit einem Abschlag von knapp 30% gegenüber US-Instituten bewertet.

Wir sind der Auffassung, dass die Bewertungen europäischer Banken die steigenden Eigenkapitalrenditen noch nicht widerspiegeln

KI-Engagement ist ein zweischneidiges Schwert

Wir sehen zudem Potenzial für den Bankensektor, von KI-bedingten Kosteneinsparungen zu profitieren, da veraltete IT-Systeme und manuelle Prozesse grundlegend modernisiert werden können. Einige Banken dürften jedoch unter Druck geraten, diese Einsparungen an Kundinnen und Kunden weiterzugeben. Das zunehmende Engagement von Banken im Thema KI stellt aber auch ein Risiko dar. Im zweiten Quartal war es ein überaus bedeutender Gewinntreiber für die grössten US-Banken, vor allem, weil sie die Finanzierung von Unternehmensinvestitionen mit KI-Bezug unterstützten. Auch der Handel mit KI-bezogenen Aktien und die Vermögensbildung im Zusammenhang mit KI trugen wesentlich zum Ergebnis bei. Ein Stimmungsumschwung gegenüber KI ist daher ein reales Risiko. Aufgrund der Bedeutung des Themas für die breiten Aktienmärkte betrifft dies jedoch nicht nur den Finanzsektor.

Zudem wächst die Besorgnis, dass der Wettbewerb um Bankeinlagen durch KI zunehmen könnte, wenn Agenten, die das Anlageuniversum durchsuchen und Gelder automatisch auf die höchstverzinsten Konten umschichten können, auf breiter Basis zum Einsatz kommen. Dies belastet bereits die Bewertungen einiger Kreditinstitute.

Ein weiteres bedeutendes Risiko für den Sektor wäre eine Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran. Schwerere Störungen in der Strasse von Hormuz würden Befürchtungen eines langsameren Wachstums und einer steigenden Inflation neu entfachen. Dies ist jedoch nicht unser Basisszenario, und insgesamt erwarten wir, dass die positiven Bedingungen für Banken anhalten dürften. Ein stabiles makroökonomisches Umfeld und eine Erholung der Kapitalmarktaktivität dürften das Gewinnwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich stützen. Zugleich bleiben die Markttrends vorteilhaft. Dazu zählen eine Ertragsentwicklung, die nicht mehr nur auf Technologieunternehmen zurückgeht, und eine anhaltende Rotation in zyklische Titel, die dem breiteren Finanzsektor weiterhin zugutekommen dürfte.

CIO Office Viewpoint

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Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig ist, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende.

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