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Zehn Anlageüberzeugungen für das zweite Halbjahr 2026
Das Interimsabkommen zwischen den USA und Iran beseitigt zu Beginn der zweiten Jahreshälfte 2026 eine grosse Unsicherheit an den Märkten. Eine Normalisierung des Ölpreises, der Inflation und der Anleihenrenditen dürfte die Aktienmärkte unterstützen. Die über dem Ziel liegende Teuerung in den USA wird für die US-Notenbank Fed eine Priorität bleiben. Zugleich schaffen ein robustes globales Wachstum und unterstützende Liquiditätsbedingungen ein positives Umfeld für Risikoanlagen. Allerdings erwarten wir in den kommenden Monaten mehr Volatilität, nicht zuletzt im Vorfeld der US-Zwischenwahlen.
Die Markt- und makroökonomischen Bedingungen bieten Risikoanlagen weiterhin Unterstützung. Wir halten an einer Übergewichtung globaler Aktien fest, die wir über Engagements in Schwellenländern umsetzen. In den Emerging Markets sind die Bewertungen attraktiver und die Gewinnaussichten solider als in den Industrieländern. Für die Industrieländer sehen wir die interessantesten Chancen in US-Small-Caps – amerikanischen Aktien mit niedriger Marktkapitalisierung. Wir erwarten weiterhin, dass China in einer Welt nach dem Irankonflikt von einer breiter abgestützten Performance der Schwellenländer profitieren wird, und haben unsere Präferenz auch auf den Onshore-Markt ausgeweitet.
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Auf Sektorebene ist unser Ausblick für Technologietitel nun neutraler. Dem Sektor kommen weiterhin solide Fundamentaldaten zugute, darunter ein robustes Gewinnwachstum und eine anhaltende KI-Nachfrage. Doch wir erwarten eine breiter abgestützte Marktentwicklung und bevorzugen nun in der zweiten Jahreshälfte Finanzwerte.
Bei festverzinslichen Anlagen haben wir das Engagement in globalen Staatsanleihen auf neutral erhöht, um die hohen Renditen zu sichern, während der Inflationsdruck nachlässt. Bei staatlichen Schuldtiteln aus Industrieländern sehen wir weiterhin die attraktivsten Chancen bei britischen und australischen Staatsanleihen.
Ein stabiler Ausblick für die Fed und eine robuste US-Wirtschaft dürften den US-Dollar unterstützen. Wir beurteilen die US-Währung nun neutral gegenüber niedriger verzinsten Währungen von Industrieländern wie dem Euro und dem Schweizer Franken. Gegenüber höher verzinsten Währungen, darunter Schwellenländerwährungen, bleiben wir positiv. Wir bringen diese Präferenzen gegenüber dem Schweizer Franken oder dem Euro zum Ausdruck.
Die Märkte treten in die zweite Jahreshälfte ein, nachdem sie einen geopolitischen Konflikt, einen Energieschock und Inflationssorgen bewältigt haben. Wir beurteilen Risikoanlagen weiterhin positiv, doch die Volatilität wird anhalten. Zusätzlicher Inflationsdruck, eine restriktivere Fed, geopolitische Spannungen, die US-Zwischenwahlen und politische Schocks wie Zölle erfordern Wachsamkeit.
1. Revival der Schwellenländer
Der Konflikt im Nahen Osten hat Vermögenswerte aus Schwellenländern – Anleihen und einige Aktien – vorübergehend belastet, doch sie bleiben attraktiv. Die im Vergleich zu Aktien aus Industrieländern niedrigeren Bewertungen bieten Anlegerinnen und Anlegern jetzt einen guten Einstiegspunkt, um von einem höheren Gewinnwachstum zu profitieren. Eine Normalisierung der Ölströme aus dem Nahen Osten und tiefere Rohölpreise dürften ölimportierende Schwellenländer, namentlich in Asien, unterstützen. Südkorea, Südafrika und China bleiben unsere bevorzugten Aktienmärkte. Technologieunternehmen aus Schwellenländern kombinieren attraktivere Bewertungen mit einem stärkeren Gewinnwachstum als ihre Pendants in den Industrieländern. Schwellenländeranleihen bieten unter festverzinslichen Anlagen weiterhin die attraktivsten Renditechancen im Verhältnis zur Kreditqualität, während die öffentliche Schuldenquote und die Aussenbilanzen im Vergleich zu den Industrieländern solider bleiben. Die Währungen der Schwellenländer dürften gegenüber dem US-Dollar wieder an Boden gewinnen. Wir erwarten, dass sich die US-Währung abschwächen wird, nachdem die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten den Höhepunkt überschritten hat.
Aufgrund nachlassender geopolitischer Risiken dürfte sich die Gewinnentwicklung über den Technologiesektor hinaus auf zyklische Branchen ausweiten. Viele von ihnen haben die Hauptlast des Energieschocks getragen. Wir bevorzugen Finanzwerte aufgrund ihrer soliden Gewinne, attraktiven Bewertungen und robusten Kapitalrenditen. Die derzeit höheren Zinsen, begrenzte Kreditrisiken und Aktienrückkäufe stützen diese Einschätzung. Die Risiken scheinen limitiert und umfassen eine stärkere Konjunkturabschwächung, Auswirkungen der KI-Finanzierung auf die Kreditqualität, eine schnellere Margenkompression sowie eine strengere Regulierung. In anderen Sektoren gefallen uns ausgewählte Teilbereiche wie das Luxussegment. Letzteres bietet eine hohe Preissetzungsmacht und bedeutende Margen, während sich die Nachfrage im Zuge einer Erholung in China und im Tourismus stabilisiert. Zu den Hauptrisiken gehören eine schwache Erholung in China, Gegenwind durch Währungsentwicklungen sowie eine sinkende Nachfrage von aufstrebenden Verbraucherinnen und Verbrauchern.
Die Gewinnentwicklung dürfte sich über den Technologiesektor hinaus auf zyklische Branchen ausweiten
3. Anhaltende Chancen in China, nun auch im Onshore‑Markt
Die chinesischen Aktienmärkte sind jüngst hinter anderen Schwellenländern zurückgeblieben. Doch wir halten nach dem Höhepunkt der geopolitischen Unsicherheit einen breiteren Ansatz für angemessen. Daher bevorzugen wir nun neben den Offshore‑Märkten auch Onshore‑Aktien. Onshore‑Aktien bieten ein direkteres Engagement in KI‑Infrastruktur, der Lokalisierung der Halbleiterproduktion sowie staatlich gesteuerten Investitionen, die ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum begünstigen. Die Offshore‑Märkte bieten weiterhin attraktivere Bewertungen sowie Aufwärtspotenzial dank einer sich aufhellenden Marktstimmung, schneller wachsenden Cloud‑Einnahmen, der KI-Monetarisierung sowie einer Erholung der Konsumnachfrage. Hinzu kommen eine starke politische Unterstützung, ein rasch wachsendes KI‑Ökosystem, ein robustes Exportwachstum und eine Verschiebung des Vermögens privater Haushalte von Immobilien in Finanzanlagen. Diese Kombination spricht unseres Erachtens für eine ausgewogene Allokation zwischen chinesischen Onshore‑ und Offshore‑Aktien.
4. Qualitätsaktien aus Industrieländern mit attraktiven Dividenden
Die Wiederanlage von Dividenden zählt zu den zuverlässigsten Strategien für Vermögenserhalt und -wachstum in Aktienportfolios. Erstklassige Dividendenaktien aus Industrieländern können interessante Cashflows, eine geringere Kursschwankung als der Gesamtmarkt und starke Bilanzen bieten. Sie stammen aus Branchen wie Finanzwesen, Energie, Industrie, Gesundheitswesen, Basiskonsumgüter, Versorger und Immobilien. Diese Sektoren können auch ein Engagement in Technologie beinhalten, was das Dividendenwachstum unterstützt und branchenspezifische Risiken reduziert. Erstklassige Dividendenaktien können in volatilen Zeiten in Portfolios einen Anker bilden und die Performance bei Unsicherheit schützen. Nach dem Abkommen zwischen Iran und den USA erwarten wir sinkende Renditen, was sich positiv auswirken dürfte.
Erstklassige Dividendenaktien können in volatilen Zeiten in Portfolios einen Anker bilden
5. Erholung von Small Caps
Small Caps aus Industrieländern haben sich im zweiten Halbjahr 2025 erholt. Sie haben von einer gelockerten Geldpolitik, besseren Gewinnerwartungen und höheren Investitionen profitiert. Wir sehen weiteres Aufwärtspotenzial, da ihnen attraktive Bewertungen, Gewinnwachstum und die Exponierung gegenüber einer möglichen Erholung im verarbeitenden Gewerbe zugutekommen dürften. Small Caps sind gut ins Jahr gestartet. Sie haben jedoch seit Beginn des Nahostkonflikts eine Pause eingelegt, die auf ihr unterdurchschnittliches Engagement im US-Technologiesektor zurückzuführen ist. Wir erwarten, dass ihre Outperformance wieder einsetzt, wenn sich das Wachstum auf zyklische Sektoren ausweitet. Unterstützung bietet ein sich beschleunigendes und im Vergleich zu Mid und Large Caps höheres Gewinnwachstum zu attraktiven Bewertungen. Zusätzlichen Rückenwind erwarten wir durch KI-basierte Produktivitätssteigerungen, zunehmende Fusions- und Übernahmeaktivitäten sowie mögliche Anpassungen der US-Importzölle. Historisch betrachtet führen diese Titel in Phasen der Gewinnerholung tendenziell das Feld an. Die Anlegerpositionierung ist gering, sodass Potenzial für Zuflüsse in dieses Segment besteht. Eine Normalisierung der Benchmarkrenditen und Energiepreise sowie eine Verbesserung des Zyklus im verarbeitenden Gewerbe sind mögliche Impulse.
6. Hochverzinsliche Staatsanleihen
Während die Spreads von Unternehmensanleihen, also die Renditeaufschläge gegenüber Staatsanleihen, historisch eng sind, bieten ausgewählte hochverzinsliche Staatsanleihen attraktive risikobereinigte Erträge. Zehnjährige britische Staatsanleihen (Gilts), unser bevorzugtes Engagement, waren jüngst von politisch bedingter Volatilität geprägt. Doch wir erwarten weiterhin, dass die Bank of England den Leitzins im Jahr 2027 senken wird und im laufenden Jahr unverändert lässt. Dies dürfte zu rückläufigen langfristigen Renditen und zu attraktiven Gesamtertragsperspektiven für Gilts führen. Auch australische Staatsanleihen gefallen uns: Die jüngst höheren Renditen bieten eine attraktive Einstiegsmöglichkeit. Die erwartete geldpolitische Straffung scheint nicht den wirtschaftlichen Fundamentaldaten zu entsprechen. Das Wachstum bleibt robust, während eine höhere Produktivität und eine Abkühlung bei den Lohnstückkosten auf eine nachlassende Inflation hindeuten, ohne dass eine deutlich restriktivere Geldpolitik erforderlich wäre.
Wandelanleihen kombinieren eine Anleihe mit einer Kaufoption für Aktien bzw. dem Recht, die Anleihe in Aktien umzuwandeln, falls der Kurs stark steigt. Die Anleihenkomponente bietet ein Polster gegen Verluste, während das Aktienelement die Partizipation an steigenden Aktienmärkten ermöglicht. Wandelanleihen profitieren in einem Umfeld mit moderatem Wirtschaftswachstum und Marktvolatilität. Sie bieten Diversifizierung und die Möglichkeit, grössere Aufwärts- als Abwärtsrisiken zu nutzen. Globale Wandelanleihen sind in bedeutendem Ausmass in der Region Asien-Pazifik sowie in Sektoren wie Versorger, Immobilien und Grundstoffe vertreten. Die derzeit erhöhte Volatilität steigert den Wert der Aktienoptionen trotz eines Anstiegs der Anleihenrenditen. Die Ausfallraten der Emittenten von Wandelanleihen sind 2025 im Zuge niedrigerer Zinsen gesunken. Wir überwachen weiterhin die Risiken, die sich aus KI-bedingten Übertragungseffekten für Emittenten von Wandelanleihen ergeben könnten.
8. Schweizer Immobilien
Schweizer Immobilienanlagen bieten Anlegern mit Schweizer Franken als Basiswährung weiterhin eine attraktive alternative Renditequelle. Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank die Zinsen dieses Jahr unverändert lässt.
9. Hedge Funds und Private Equity
Um die Diversifizierung zu verbessern, sollten Anleger in Hedge Funds und Private Equity investiert bleiben. Hedge-Fund-Strategien, die auf Unternehmensereignisse ausgerichtet sind, wie Event-driven-Strategien, sowie Strategien, die Kursverwerfungen nutzen, wie Relative-Value- oder Arbitragestrategien, können Renditen unabhängig von der allgemeinen Aktienmarktentwicklung erzielen. Private-Equity-Anlagen können dieses Engagement ergänzen. Hier bevorzugen wir Strategien, die auf mittelgrosse Unternehmen mit angemessenen Bewertungen setzen, da sie im Vergleich zu Mega-Cap-Buyouts weniger Fremdmittel nutzen und durch operative Verbesserungen Wert schaffen. Co-Investitionen und Private-Equity-Sekundärtransaktionen können geringere Gebühren, mehr Flexibilität und ein besseres Cashflow-Timing bieten. Insgesamt können diese alternativen Anlagen unabhängige Renditequellen erschliessen, in Phasen von erhöhter Volatilität der öffentlichen Märkte zusätzliche Widerstandskraft bieten und die Portfoliodiversifizierung stärken.
… alternativen Anlagen können unabhängige Renditequellen erschliessen und Widerstandskraft bieten
10. Währungen mit klaren inländischen Impulsen, Finanzierung durch niedrig verzinste Devisen
Wir bevorzugen weiterhin unterbewertete Währungen mit positiven Impulsen. Doch da der US-Dollar gegenüber niedriger verzinsten Währungen besser unterstützt bleiben dürfte, bringen wir diese Einschätzung gegenüber dem Schweizer Franken oder dem Euro zum Ausdruck. In den Industrieländern bevorzugen wir weiterhin den australischen Dollar (AUD), dem günstige Terms of Trade und attraktive Zinsdifferenzen zugutekommen. Wir erwarten, dass der chinesische Yuan (CNY) weiter moderat aufwerten wird. Er dürfte von einem grossen Handelsüberschuss sowie einer zunehmenden Toleranz von offizieller Seite gegenüber einer anhaltenden Währungsaufwertung profitieren. Ansonsten gefallen uns in den Schwellenländern weiterhin der südafrikanische Rand (ZAR) und der brasilianische Real (BRL). Letzterer könnte sich aufgrund der näher rückenden Wahlen im Oktober kurzfristig volatil entwickeln. Er verfügt aber weiterhin über ein Bewertungs- und Zinsdifferenzpolster. Der ungarische Forint schliesslich hat infolge positiver politischer Entwicklungen gut abgeschnitten, was zu besseren makroökonomischen Ergebnissen führen könnte.
CIO Office Viewpoint
Zehn Anlageüberzeugungen für das zweite Halbjahr 2026
Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig ist, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende.
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