Lombard Odier etabliert sich in der islamischen Finanzwelt

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Lombard Odier etabliert sich in der islamischen Finanzwelt

Islamic Business & Finance im Gespräch mit Arnaud Leclercq, Teilhaber mit beschränkter Haftung der Lombard Odier Gruppe über die Einführung eines zertifizierten Scharia-konformen Mandats für Einzelanleger aus den VAE

Islamic Business & Finance hat den Artikel am 16. August publiziert.

Lombard Odier hat ein Scharia-konformes Vermögensverwaltungsmandat aufgelegt – das erste in der 222-jährigen Geschichte der Bank. Das exklusive Vermögensverwaltungsmandat wurde vom bedeutenden Shari‘ah Supervisory Board of Amanie Advisors, das im Februar eine Fatwa erteilte, offiziell als Scharia-konform zertifiziert.

Als unabhängige Familienbank mit langer Tradition folgen wir mit dem neuen Angebot einer Kultur sozialer Verantwortung und setzen zugleich einen Schwerpunkt auf die Entwicklung nachhaltiger und verantwortungsbewusster Anlagelösungen.

Als unabhängige Familienbank mit langer Tradition folgen wir mit dem neuen Angebot einer Kultur sozialer Verantwortung und setzen zugleich einen Schwerpunkt auf die Entwicklung nachhaltiger, verantwortungsbewusster Anlagelösungen. Das Scharia-Angebot hat zum Ziel, Vermögen und Werte der Kunden im Kern zu wahren, und setzt die 50-jährige Tradition von Lombard Odier im Nahen Osten fort“, heisst es in einer Stellungnahme der Bank.

Arnaud Leclercq, Teilhaber mit beschränkter Haftung der Lombard Odier Gruppe, kam zur Einführung, die in den heiligen Monat Ramadan fiel, nach Dubai.

Leclercq zufolge wurde das Angebot vor sechs Jahren als massgeschneiderte Lösung für einen Kunden konzipiert. Mittlerweile hat es sich von USD 10 Mio. auf Hunderte Millionen ausgeweitet und richtet sich primär an Anleger im Nahen Osten.

Die Anlagen bestehen aus einer Mischung von Sukuk und Aktien. Die Aktien werden aus dem MSCI Islamic Index ausgewählt. Zusätzlich suchen die internen Experten und Ökonomen von Lombard Odier nach Aktien, die ihrer Gesamtanlagestrategie entsprechen, wie Leclercq CPI Financial erläuterte. Leclercq zufolge ist es das Ziel, in den nächsten drei bis fünf Jahren islamische Anlagen im Gesamtwert von USD 1 Mrd. aufzulegen.

„Angesichts der Verwurzelung von Lombard Odier in der Region sind die Scharia-konformen Angebote Ausdruck unseres Wachstumsbestrebens in den VAE, die zu den stärksten islamischen Finanzmärkten zählen. Da Finanzierungen nach islamischem Recht exponentiell an Bedeutung gewinnen, wird die Verknüpfung zwischen Scharia-konformen Anlagen und der Förderung sozialer Verantwortung immer deutlicher. Dies gilt unserer Auffassung nach besonders für die VAE, wo ein starker Fokus auf Philanthropie, Innovation und Nachhaltigkeit bis hin zur Vision 2021 das Wachstum von Islamic Finance fördert“, so Christohpe Lalandre, Managing Director der Niederlassung von Lombard Odier in Dubai.

Die Lombard Odier Gruppe, die seit 50 Jahren im Nahen Osten tätig und mit einer Niederlassung in Dubai vertreten ist, verwaltet ein Vermögen von rund USD 280 Mrd. Die Lancierung folgt auf die Ankündigung von Lombard Odier, Scharia-konforme Anlagelösungen speziell für Kunden in den VAE anbieten zu wollen.

Lesen Sie im Folgenden das exklusive Gespräch von Islamic Business & Finance mit Arnaud Leclercq über die Hintergründe des Scharia-konformen Angebots von Lombard Odier:

 

Mussten Sie das Angebot ändern, damit die Fatwa erteilt wird?

Zunächst bestand unser Ansatz, der speziell auf der Nachfrage eines Kunden und dann einiger weniger anderer beruhte, darin, gezielt Scharia-konforme Produkte auszuwählen. Es war einfach, Sukuk zu finden, aber wir benötigten auch Aktien. Wir entschieden uns für die auf dem MSCI Islamic Index beruhende Methode, die unserer Analyse zufolge strikter ist als einige andere. Daher wählten wir diese Methode. Dann war uns das nicht genug – wir mussten auch über einige Themenfonds verfügen. Das erforderte eingehende Analysen und viel Arbeit, denn es gibt viele islamische Fonds, die aber nicht immer die entsprechende Qualität in Bezug auf das Research und die Anlagemethodik haben. Es geht nicht nur darum, einen islamischen Fonds auszuwählen – es geht darum, etwas auszuwählen, was Qualität bietet und den Kunden Performance bringt.

Es geht nicht nur darum, einen islamischen Fonds auszuwählen – es geht darum, etwas auszuwählen, was Qualität bietet und den Kunden Performance bringt.

Wir entschieden uns für die SEDCO-Kapitalfonds mit Sitz in Saudi-Arabien, die auch Scharia-konform sind und unserer Analyse nach zu den besten für bestimmte Themen zählen. Einige andere Kunden sind offen für islamische strukturierte Produkte. Einige wenige Banken legen Scharia-konforme strukturierte Produkte auf, auch wenn nicht alle Kunden sie akzeptieren, aber wir müssen sie anbieten. Wir wählten die Banken aus, die in dieser Hinsicht an der Spitze liegen.

Wenn Sie all diese Anlageblöcke betrachten, so hat jeder seine eigene Methode, um die Scharia einzuhalten. So sah unser Angebot 2012 aus. Es war für unsere Kunden in Ordnung, da jedes Produkt konform war. Das Mandat selbst – die Struktur, die Methode und unser damit verbundener Name – musste erst konform gestaltet werden. Darum haben wir das alles durchlaufen. Wir arbeiteten mit unserem Gelehrtengremium zusammen, um dieses Ergebnis zu erzielen und sagen zu können, dass das gesamte Produkt Scharia-konform ist. Darum war man auch bereit, uns eine Fatwa zu erteilen, die die Konformität des Portfolios bestätigt. Es ging dabei wirklich um alles – von den Marketinginstrumenten über das Produkt selbst bis hin zur Methodik musste alles perfekt sein.

 

Welche Strategie verfolgen Sie bei der Auswahl dieser Aktien?

Wir nutzen unsere Research-Teams. Das ist unsere Strategie. Wir verwalten Vermögen im Gesamtwert von USD 280 Mrd. Wir wenden dieselben Kriterien auf die islamischen Produkte an. Diese Kriterien beginnen bei unserem Team aus Ökonomen, die die weltweiten Trends bei Währungen sowie nach Märkten, Regionen und Sektoren ermitteln. Wir haben ein sehr starkes Team in der Schweiz, New York und London, das zum Beispiel entscheidet, ob wir die Emerging Markets übergewichten, den Euro untergewichten usw. Darauf aufbauend leiten wir aus unserer gesamten Anlagestrategie ab, wo wir investieren. Was wir jetzt tun, bedeutet, dass wir über weitere Ebenen verfügen. Unsere gesamte Asset-Allocation-Strategie erfolgt über Lombard Odier. Zusätzlich wenden wir einen weiteren Filter für islamische Anlagen an.

 

Erwarten Sie Wachstum Ihrer Ansicht nach eher von Neukunden oder Bestandskunden? Würden Sie gerne auch konventionelle Anleger im islamischen Anlagespektrum sehen?

Der erste Schritt besteht darin, dass sehr vermögende Privatpersonen (UHNWI) und Family Offices um diese Lösung und deren Einzigartigkeit wissen. Gestern traf ich einen Kunden, der eigentlich ein konventioneller Anleger ist. Als ich ihm von diesem Angebot erzählte, sagte er: „Interessant. Ich habe auch etwas Vermögen in islamische Anlagen investiert, aber es ist nicht wirklich gut verwaltet – es handelt sich nur um ein paar Sukuk statt einer richtigen Asset Allocation. Es wäre interessant, wenn ich beides hätte.“ Das ist nur ein Beispiel. Es könnte ein neuer Share of Wallet mit Bestandskunden und auch Neukunden sein. Es gibt Kunden, die die Marke Lombard Odier kennen, gerne Bankgeschäfte mit uns tätigen wollen und nicht wissen, dass wir dieses islamische Angebot haben. Jetzt haben sie die Möglichkeit. Es gibt auch Wohltätigkeitsorganisationen und Family Offices, die Interesse zeigen. Das sind neue Kundensegmente, mit denen wir noch nicht zusammengearbeitet haben. Bis jetzt haben wir in der Regel mit Familien und langjährigen UHNWIs zusammengearbeitet, für die wir Lösungen entwickelt haben. Aber nachdem wir die Stimmung getestet und noch nicht zu viel angekündigt haben, sind die Leute wirklich fasziniert, dass Lombard Odier so etwas macht, und äusserten sich etwa so: „Wie, Sie haben eine Fatwa? Toll. Sie machen keine halben Sachen! Lassen Sie uns miteinander reden.“ Das war die erste Reaktion, die wir bekamen.

 

Wie war die Performance Ihrer islamischen Anlagen im Vergleich zu Ihren konventionellen Anlagen?

Das ist sehr schwer zu sagen, da es sich derzeit im Wesentlichen um massgeschneiderte Lösungen handelt. Einige Kunden wünschen einen Anteil von 20 Prozent Sukuk, andere 70 Prozent. Sukuk schnitten in den letzten beiden Jahren unterdurchschnittlich ab, und letztes Jahr erzielten wir 18,4 Prozent bei unseren Scharia-konformen Aktien. Es gibt keine absolute Performance, und das ist der Reiz dabei – wir setzen die Komponenten für die Kunden nach deren Wünschen zusammen.

 

Sie konnten sechs Jahre beobachten, wie sich Kunden mit ihren islamischen Anlagen verhalten. Haben Sie festgestellt, dass Kunden mehr Vermögen von Sukuk in Aktien umschichten?

Ich glaube nicht, dass das ein Trend ist. Ich denke, dass die Leute eine bestimmte Performance erwarten, und sie wissen, dass ein nur aus Sukuk bestehendes Engagement ihnen nicht dabei hilft, diese Erwartungen zu erfüllen. Darum sind sie offener und wünschen mehr Aktien. Jeder Fall ist anders. Ein Kunde zum Beispiel hat USD 70 Mio. investiert, aber Performance ist für ihn nicht wichtig. Er sagte, er möchte eine positive Performance, solange ich 2,5 Prozent Zakat erreicht habe – Kapital erhalten und einen Beitrag leisten, wie er es als guter Muslim soll. Andere wiederum streben einen Anteil von fünf Prozent an. Es kommt auf den Anleger an.

 

Betrachten Ihre konventionellen Anleger Scharia-konforme Analgen als eine weitere Möglichkeit nachhaltiger oder ethischer Anlagen, zu denen sich Lombard Odier ausdrücklich bekennt?

Derzeit tendieren nur Muslime in diese Richtung. Andere verfolgen ähnliche Grundsätze von Fairness und ethischem Handeln. Scharia-Konformität ist jedoch nicht auf die Grundsätze beschränkt, sondern betrifft den gesamten Prozess. Es ist eine Vorschrift – man hält sie ein oder nicht. Für nachhaltige Anlagen ist es eine Philosophie. Sie möchten eine Wirkung erzielen, aber es ist nicht der gleiche rechtliche Prozess. Bei nachhaltigen Anlagen gibt es eine breite Auswahl, hinter vielen davon stehen die gleichen Überzeugungen und der Wunsch, Gutes zu tun.

 

Planen Sie, Ihre islamischen Angebote bei Kunden in Südostasien zu vermarkten?

Nein, noch nicht. Wir sind eine starke Bank, aber wir können nicht überall sein. Wir hatten entsprechende Anfragen von unseren Partnern dort, aber unsere Antwort lautete: Wir gehen Schritt für Schritt vor. Im Fokus bei mir stehen jetzt die Länder des Golf-Kooperationsrats, denn dort haben wir gute Verbindungen. Wir wollen erfolgreich sein. Ich bin lieber nachhaltig als dass ich überall auf einmal grosses Getöse mache.

 

Sie möchten bei Ihren islamischen Anlagen ein verwaltetes Vermögen von USD 1 Mrd. erreichen. Welchen Zeitrahmen haben Sie sich gesetzt?

Einige Jahre. Es gibt dort grosse verfügbare Vermögen. Es wird mit Sicherheit Interesse an unserem Geschäft geben, das wissen wir bereits, aber es ist schwierig abzuschätzen, wie viel wir verwalten werden. Das ist der Reiz und zugleich die Schwierigkeit – es ist neu, und es ist einzigartig. Wir wissen nicht, wie viel wir bekommen können, weil das noch keiner gemacht hat, aber es wird sehr gut angenommen.

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG oder einer Geschäftseinheit der Gruppe (nachstehend "Lombard Odier") herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig wäre, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende Abgabe rechtswidrig wäre. 

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