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    Elektrifizierung nimmt zu ‒ von 20% auf 70%

    Der Zugang zur Energie war lange Zeit Dreh- und Angelpunkt der menschlichen Entwicklung. Mehr als zwei Jahrhunderte lang wurde der Grossteil dieser Energie durch Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt. Im Zuge des Wirtschaftswachstums nahmen damit auch die Emissionen zu. So ist seit 1920 der Verbrauch fossiler Brennstoffe um das Zwölffache1 gestiegen. Zudem sind heute 73% aller weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas zurückzuführen2.

    Der Grossteil dieser Emissionen stammt aus Kraftwerken, die Strom für den gewerblichen und privaten Gebrauch erzeugen. Doch lediglich 20% des aktuellen Energieverbrauchs der Endverbraucher entfallen auf Elektrizität; den Löwenanteil macht noch immer die direkte Verbrennung fossiler Brennstoffe aus3.

    Fortschritte bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sowie bei Batterien und Heiztechnologien sorgen für Veränderung.

    Bis 2050 wird die Elektrifizierung der Wirtschaft von 20% auf 70% steigen. Denn einige Sektoren werden vollständig von fossilen Brennstoffen zu regenerativ erzeugtem Strom übergehen. Strassenfahrzeuge werden auf Batteriebetrieb umstellen und die Schifffahrt auf einen Mix aus kohlenstoffarmen und kohlenstofffreien Kraftstoffen, unter anderem mit Strom erzeugtem Ammoniak. In der Schwerindustrie werden die direkte Elektrifizierung sowie emissionsfreier, durch Elektrolyse erzeugter Wasserstoff an die Stelle von Öl und Kohle treten. Und in Gebäuden werden elektrische Wärmepumpen die Gasheizkessel ersetzen.

    Mehr dazu: Auf dem Weg zu einer Netto-Null-Welt.

    Geschichte schreiben.

    Die heutige WILD-Wirtschaft beruht auf einer grundlegenden Fehlannahme des Marktes: Die ökologischen Kosten von Emissionen und anderen Umweltbelastungen wurden nicht in die Bepreisung von Waren und Dienstleistungen eingerechnet. Die Rechnung für die ökologischen und sozialen Schäden wurde künftigen Generationen oder häufig der Bevölkerung in Entwicklungsländern überlassen. Bis jetzt.

    Seit dem Pariser Abkommen versuchen Regierungen, dieses Unrecht durch Vorschriften und Subventionen zu beseitigen. Inzwischen hat der Markt die Rolle der Politik als Katalysator für das Wachstum der erneuerbaren Energien übernommen. In den letzten zehn Jahren sanken die Preise für Wind- und Solarenergie im Zuge des technischen Fortschritts um mehr als 80% – Solarenergie ist heute die günstigste Form der Stromerzeugung in der Geschichte4. Im Jahr 2022 stammten 83% aller neuen Stromerzeugungskapazitäten aus erneuerbaren Energien5. Zudem fliesst erstmals mehr Kapital in erneuerbare Energien als in die vorgelagerte Öl- und Gasförderung6. Erneuerbare Energien sind auf dem Vormarsch – aus wirtschaftlichen, nicht aus ideologischen Gründen.

    In vielerlei Hinsicht ist es eine Geschichte, die sich wiederholt.

    Eine bahnbrechende Innovation jagt die nächste: die Glühbirne, das Auto, der Heimcomputer ... Wenn Innovationen mit den etablierten Technologien preislich mithalten oder sie sogar übertreffen, eine bessere Leistung bieten und weithin zugänglich werden, kommt es zu sozioökonomischen Wendepunkten. Sie bewegen sich rasch vom Nischen- zum Massenmarkt. Mit zunehmender Akzeptanz werden Investitionen getätigt und Grössenvorteile erreicht. Die Kosten sinken, und die Leistung verbessert sich weiter: Ein Nischenprodukt wird plötzlich zur Norm.

    Nun wird – erneut – Geschichte geschrieben. Dank der raschen Einführung sauberer, erneuerbarer Energien und erheblicher Effizienzsteigerungen bei Technologien wie Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen hat die Elektrifizierung ihren Wendepunkt erreicht.

    Wendepunkte.

    Im Jahr 2022 überschritten mehrere saubere Schlüsseltechnologien die wirtschaftlichen Wendepunkte:

    Plug-in-Elektrofahrzeuge

    13% aller verkauften Neuwagen

    Wind- und Solarenergie

    12% der gesamten Stromerzeugung

    Wärmepumpen

    10% des gesamten globalen Heizbedarfs

    Erfahren Sie mehr über die Elektrifizierung unserer Volkswirtschaften und die Chancen für Investoren - von unserem Head of Sustainability Research, Thomas Hohne-Sparborth:

    Wegbereiter.

    In nationalen Stromnetzen bestimmt das Merit-Order-Modell, welche Kraftwerke und Formen der Stromerzeugung zu einem bestimmten Zeitpunkt zugeschaltet sind. Dabei stehen die kostengünstigsten Energiesysteme an erster Stelle. Schon jetzt verdrängen erneuerbare Energien die konventionellen Kraftwerke. Wenn Strom benötigt wird, kommen also zuerst die erneuerbaren Energien zum Zuge.

    Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Elektrizität aufgrund der jüngsten technologischen Verbesserungen bei Endverbraucheranwendungen. Viele elektrische Lösungen sind bereits wesentlich effizienter als ihre Vorgänger, die mit fossilen Brennstoffen betrieben wurden. Da die Kosten für die Verbrennung fossiler Brennstoffe unterboten werden, steht den energieintensiven Industrien eine Revolution bei den Betriebsausgaben (Opex) bevor. Die Disruption wird sich auf die gesamte Wirtschaft disinflationär auswirken.
    So sind die Produktionskosten für Elektrofahrzeug-Batterien seit 2010 drastisch um 90% gesunken7. Das wiederum treibt die Masseneinführung von Batterien im Stromnetz voran. Immer mehr Haushalte und Unternehmen kombinieren nun kleine Batteriespeicher mit Solaranlagen auf dem Dach und werden damit zu Mini-Kraftwerken. Diese Dezentralisierung der Stromerzeugung bringt ein völlig neues Phänomen hervor – den „Prosumer“.

    Prosumer – also Verbraucher, die auch Strom produzieren, und zwar sowohl für den eigenen Bedarf als auch für den Verkauf – stellen die mehr als ein Jahrhundert alte Tradition herkömmlicher Stromnetze auf den Kopf. Wir gehen von der zentralisierten Grossproduktion zu einer Mischung aus grosser, mittlerer und kleiner dezentraler Erzeugung und Speicherung über. Gleichzeitig erhöhen wir die Netzstabilität und schaffen neue Möglichkeiten für die Regierungen, Energieunabhängigkeit zu erreichen. Prosumer-Netze werden „virtuelle Kraftwerke“ (Virtual Power Plants, VPPs) bilden, die bei Energieengpässen abrufbereit sind. In den USA könnten VPPs bis 2030 die Nachfrage in Spitzenzeiten um schätzungsweise 60 Gigawatt senken. Das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von 50 Millionen Haushalten8.

    Während Prosumer heute ihren überschüssigen Strom an das zentrale Netz verkaufen, könnte unser Energiesystem in Zukunft einen Peer-to-Peer-Handel erleben. Dabei verkaufen Nachbarn ihren selbst erzeugten Strom über lokale Mikronetze. Diese tiefgreifende Umwälzung wird Öl- und Gasversorger in Bedrängnis bringen. Denn Unternehmen und Haushalte können ihre Kosten senken, wenn sie den zum Heizen und Aufladen von Elektrofahrzeugen benötigten Strom selbst erzeugen oder vor Ort einkaufen. So könnten die etablierten Anbieter von Verkehrs- und Heizungsbrennstoffen vom Energiebedarf der Haushalte abgeschnitten werden.

    Die Disruption wird nicht nur die Wirtschaft betreffen; die Abkehr von fossilen Brennstoffen wird auch den geopolitischen Schauplatz neu ordnen. Denn Länder, die von den Einnahmen aus fossilen Brennstoffen abhängig sind, sehen die Nachfrage und damit ihre Exporte immer stärker zurückgehen. In der Zwischenzeit wird der Abbau der für die Elektrifizierung benötigten Metalle auf einen wachsenden Markt stossen. Und Innovationen im Bereich des Recyclings von Batterien und anderen Materialien für die Elektrifizierung werden deutlich zunehmen und völlig neue Lieferketten und Dienstleistungen schaffen.

    Infrastruktur.

    Die Elektrifizierung geht mit umfangreichen Investitionsausgaben einher. Bis zum Jahr 2030 werden Unternehmen USD 24,5 Billionen investieren, um an der Elektrizitätswirtschaft teilzuhaben. Denn sie erkennen immer deutlicher die Wirtschaftlichkeit der Erzeugung und des Verbrauchs von kostengünstigem, kohlenstofffreiem Strom10.

    Die Infrastruktur wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Zum einen werden riesige Mengen an Kabeln und Batterien benötigt; zum anderen muss das Netz von morgen auf eine neue Funktionsweise vorbereitet werden. Angesichts der zunehmenden dezentralen Produktion müssen Netzverbindungen, die nur für eine Richtung ausgelegt sind, nun auch Energie zurück ins Netz leiten können. In einigen Teilen der Welt hat sich die Nutzung von Solarenergie in Privathaushalten so rasant ausgebreitet, dass die alternde Netzinfrastruktur die zusätzlich erzeugte Energie kaum bewältigen kann. Rasche physische und digitale Upgrades sind daher erforderlich.
     

    Ungeahnte Möglichkeiten.

    Durch die Neuverkabelung der Wirtschaft werden riesige neue Gewinnpools entstehen, häufig an unerwarteten Orten.
    In der Schifffahrt wird grünes Ammoniak – das durch Elektrolyse mittels erneuerbarer Energie hergestellt wird – den kohlenstoffarmen oder kohlenstofffreien Kraftstoffmix ergänzen. Ziel ist die Reduzierung der Emissionen. Zahlreichen Düngemittelherstellern, die Ammoniak für die Verwendung in Mineraldüngern produzieren, wird sich damit ein völlig neuer Gewinnpool bieten, der in einen Markt im Wert von USD 22 Milliarden einfliessen wird.

    Die Elektrifizierung könnte auch die Immobilienbranche verändern. Geringwertige Immobilien werden zu potenziellen Standorten für neue Solaranlagen, die eine gross angelegte städtische Stromerzeugung ermöglichen und unattraktive Gebiete neu beleben. Indessen wird der Sektor der Gebäudesanierung von USD 960 Milliarden auf USD 3,3 Billionen12 anwachsen. Millionen von Gebäuden werden mit Wärmepumpen, riesigen Mengen an Isoliermaterialien und unterschiedlichsten physischen und digitalen Energieeffizienzlösungen nachgerüstet. Hier könnten Schafzüchter einen unerwarteten neuen Markt vorfinden, denn Schafwolle wird als 100% nachhaltige Isolierung stark nachgefragt.

    In der Automobilindustrie werden die Autoverkäufe weiter steigen, da die Nachfrage der wachsenden und zunehmend wohlhabenden Weltbevölkerung zunimmt. Unternehmen, welche die Chancen der Elektrifizierung schnell nutzen, werden daher von völlig neuen Einnahmequellen profitieren. Dazu zählen die Ladeinfrastruktur im Mietmodell (Charging-as-a-Service, CaaS) und Over-the-air-Updates für Fahrerassistenzsysteme. Diese könnten unserer Einschätzung nach bis 2030 auf einen Wert von jeweils USD 240 Milliarden anwachsen13.
     

    Gewinngemeinschaften.

    Die Elektrifizierung der Wirtschaft dürfte 95% unseres Anlageuniversums betreffen. Öl- und Gasanlagen im Wert von mehr als USD 1 Billion sind vom Austausch bedroht. In allen Sektoren werden Kettenreaktionen zu spüren sein.

    Die technologischen Fortschritte und sinkenden Kosten für erneuerbare Energien und Batterien treiben diesen Wandel voran. Eine beispiellose politische Unterstützung wird jedoch weiterhin eine entscheidende Rolle spielen.

    In den USA werden im Rahmen des „Inflation Reduction Act“ USD 391 Milliarden14 für vielfältige Klimaschutzmassnahmen ausgegeben. Dazu zählt auch die Verlängerung einer beträchtlichen Steuererstattung für die Installation von Solaranlagen in Privathaushalten bis 2035. In der Zwischenzeit wird der Green Deal der EU die Einführung von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien vorantreiben. Ziel ist es, die Emissionen der EU zu reduzieren und nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine die Unabhängigkeit im Bereich der Energieversorgung zu stärken. Für Anlegerinnen und Anleger ist es von entscheidender Bedeutung, das komplexe Politiknetzwerk zu verstehen und sich darin zurechtzufinden. Denn jede politische Entscheidung könnte frühen Marktteilnehmern bahnbrechende Chancen eröffnen.

     

    Gemeinsam mit SYSTEMIQ, dem Unternehmen für Systemänderungen, und der Universität Oxford verfolgen wir einen wissenschaftlich fundierten Ansatz. Während die Märkte die Energiewende noch weitgehend linear wahrnehmen, sind wir davon überzeugt, dass sie mit einem noch nicht bewerteten exponentiellen Wachstum einhergehen wird. Beim Aufbau unseres Future-Electrification-Portfolios bevorzugen wir die Sektoren Industrie, Informationstechnologie, Werkstoffe und zyklische Konsumgüter. Dabei setzen wir eher auf Mid und Large Caps als auf Mega Caps. Unsere Strategie konzentriert sich auf die Elektrifizierung und das Management von Angebot und Nachfrage sowie auf die vielfältigen physischen und digitalen Voraussetzungen, die diese transformativen Technologien überhaupt ermöglichen.

    Der Wandel vollzieht sich bereits deutlich schneller und tiefgreifender als erwartet. Die Elektrifizierung bringt sowohl neue Risiken als auch einmalige Chancen mit sich.

    Wo wir sind.

    Unsere Wurzeln liegen in der Schweiz, unsere Perspektive und Vision sind international. Mit über 25 Geschäftsstellen weltweit sind wir für unsere Kunden auf der ganzen Welt aktiv. Dieses Leistungsversprechen entspricht den Bedürfnissen unserer internationalen Kundschaft.

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    1 Fossil Fuels – Our World in Data
    2 Daten von Lombard Odier.
    3 https://www.iea.org/reports/key-world-energy-statistics-2021/final-consumption
    4 Solar is now ‘cheapest electricity in history’, confirms IEA (carbonbrief.org)
    5 Rekordwachstum bei erneuerbaren Energien trotz Energiekrise (irena.org)
    6 Renewable projects payback time drops to under a year in some places – capital investments shoot up (rystadenergy.com)
    7 Race to Net Zero: The Pressures of the Battery Boom in Five Charts | BloombergNEF (bnef.com)
    8 Explainer: What is a virtual power plant? | Reuters
    9 Switching to renewable energy could save trillions - study - BBC News
    10 Prognosen von Lombard Odier
    11 Electric vehicle batteries alone could satisfy short-term grid storage demand by as early as 2030 | Nature Communications
    12 Prognosen von Lombard Odier
    13 Idem
    14 Wikipedia

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