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IPOs, US-Iran-Abkommen und Fed prägen Halbjahresausblick
Dr. Nannette Hechler-Fayd’herbe
Head of Investment Strategy, Sustainability and Research, CIO EMEA
Kernpunkte.
Weder Sorgen über die Geopolitik noch über die Inflation oder eine KI-Blase haben die Aktienmärkte dieses Jahr aus der Spur gebracht. Die neue IPO-Welle dürfte daran nichts ändern
Die Zahl der Börsengänge ist im historischen Vergleich nicht aussergewöhnlich. Wir erwarten, dass Aktienrückkäufe die Neuemissionen weitgehend ausgleichen. Dies dürfte Befürchtungen eines Überangebots am Aktienmarkt mildern
Wir gehen davon aus, dass die Fed die Leitzinsen dieses Jahr unverändert lässt, sodass die Finanzierungsbedingungen Aktien weiterhin unterstützen
Wir halten an einer Übergewichtung in Aktien via Engagements in Schwellenländern fest und beurteilen den Technologiesektor nach einer starken Performance nun neutral.
Kündigen Blockbuster-Börsengänge das Ende einer Aktienhausse an? Der S&P 500 hat 2026 neue Rekorde markiert, und das Tempo der Börsengänge hat angezogen. In der Vergangenheit fiel dies bisweilen mit Marktspitzen zusammen. Doch unseres Erachtens bieten solide Unternehmensgewinne und eine robuste Konjunktur weiterhin Unterstützung für Aktien, und wir erwarten keine Zinserhöhung in den USA. Ein mögliches Abkommen zwischen den USA und Iran sowie ein nachhaltiger Ölpreisrückgang könnten die Marktstimmung erneut heben. Wir halten daher an der Übergewichtung von Aktien und einer moderat risikoorientierten Positionierung in den Portfolios fest.
Seit Jahresbeginn folgte an den Finanzmärkten eine Sorge auf die andere, ohne dass die Aktienmarktrally letztlich gestoppt worden wäre. Nach fünf Monaten geopolitischer Bedenken sowie Ängsten vor einem möglichen Inflationsschock und einer potenziellen KI-Blase gelten die Befürchtungen nun der jüngsten Welle von Börsengängen (Initial Public Offerings, IPOs). Der IPO von SpaceX letzte Woche wurde mit USD 1,8 Bio. bewertet, und auch KI-Giganten wie Anthropic und OpenAI planen den Gang an die Börse. Nachdem der S&P 500 seit Jahresbeginn 8% zugelegt hat und der Nasdaq Index 11,5%, stellt sich die Frage: Markieren diese Börsengänge einen Wendepunkt?
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IPOs 2026 im historischen Kontext
Eine Zunahme der IPO-Aktivität wird häufig als Zeichen des Überschwangs an den Finanzmärkten interpretiert und fiel in der Vergangenheit bisweilen mit Höchstständen der Aktienbewertungen zusammen. Dies war insbesondere vor dem Platzen der Dotcom-Blase in den frühen 2000er-Jahren der Fall und in geringerem Ausmass im Jahr 2021 vor dem schwierigen Börsenjahr 2022.
Die zahlreichen Börsengänge seit Jahresbeginn folgen auf vier Jahre mit schwacher Aktivität
Die zahlreichen Börsengänge seit Jahresbeginn folgen jedoch auf vier Jahre mit schwacher Aktivität. In den USA markieren über 40 IPOs im Wert von mehr als USD 28 Mrd. in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 die höchsten Niveaus seit 2021. Dies entspricht aber dem historischen Durchschnitt der USA von jährlich rund 100 IPOs. Zugleich liegt die Zahl deutlich unter den 287 Börsengängen in den USA im Jahr 2021 oder den 388 im Jahr 1999 – beides Jahre, auf die markante Marktrückgänge folgten.
Es überrascht nicht, dass IPOs in einem Umfeld erhöhter Marktzuversicht stattfinden. Dieser Optimismus ist aber nicht dauerhaft. Nach kurzfristigen Gewinnen unmittelbar nach dem Börsengang wird rund die Hälfte der neu notierten Aktien in den zwölf Monaten nach dem IPO unter dem Ausgabekurs gehandelt. Laut Daten des Ökonomen Jay Ritter ist seit 1980 das durchschnittliche neu notierte US-Unternehmen in den ersten drei Jahren um 21% hinter dem Markt zurückgeblieben.
Die Aufnahme von Aktien in Referenzindizes ist für Anlegerinnen und Anleger ein zweischneidiges Schwert. Einerseits garantiert sie die Nachfrage seitens passiver Anlageinstrumente, welche die Zusammensetzung eines Benchmarkindex replizieren; diese Nachfrage unterstützt die Performance neu ausgegebener Aktien. Andererseits sorgt eine rasche Indexaufnahme bei einer enttäuschenden Geschäftsentwicklung und sinkenden Bewertungen dafür, dass sich die Underperformance der neuen Titel auf den gesamten Index überträgt.
Die diesjährigen IPOs sind in ihrer Grössenordnung aussergewöhnlich. Selbst wenn der Streubesitz – die ausstehenden, frei handelbaren Aktien – unter den üblichen 10% des Unternehmenswerts liegen dürfte: Bedenken über die erwarteten Auswirkungen der Indexaufnahme im Falle von Bewertungen in Billionenhöhe sind nachvollziehbar. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Kursentwicklung hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Die zunächst geringe Indexgewichtung der Newcomer dürfte nicht lange niedrig bleiben
Zudem dürfte die zunächst geringe Indexgewichtung der Newcomer nicht lange niedrig bleiben. Der Streubesitz von SpaceX liegt mit rund 4% seiner Marktkapitalisierung deutlich unter den üblichen Niveaus, während der Wert der frei verfügbaren Aktien der grössten jemals verzeichneten Platzierung entspricht. Benchmarkorientierte institutionelle Anleger dürften nach Ablauf der für bestehende Privatanleger geltenden Sperrfristen Positionen aufbauen, die der Indexgewichtung entsprechen. Dadurch dürfte die Gewichtung in bestimmten Indizes von rund 0,10% auf etwa 1,0% bis 1,5% steigen.
Für Bedenken sorgt auch, dass die Aktienrückkäufe von Unternehmen derzeit auf dem tiefsten Stand seit 2021 liegen. Sie belaufen sich auf lediglich 1,3% der aktuellen Marktkapitalisierung des S&P 500 und 0,8% des Nasdaq Index, verglichen mit einem Fünfjahresdurchschnitt von 1,7% beziehungsweise 1,6%. Durch die Kombination aus bedeutenden Neuemissionen und wenig Aktien, die dem Markt entzogen werden, steigt die Wahrscheinlichkeit eines temporären Überangebots, falls die Anlegernachfrage nicht Schritt hält. Doch laut unseren Schätzungen dürften sich die Aktienrückkäufe der Unternehmen und die Neuemissionen 2026 ungefähr die Waage halten, selbst nach dem Auslaufen der Sperrfristen.
Damit der breitere Aktienmarkt unter Druck gerät, wäre wohl eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen … erforderlich
Fed hält Schlüssel für Aktienmärkte in der Hand
Dies führt uns zu den Liquiditätsbedingungen. Damit der breitere Aktienmarkt unter Druck gerät, wäre wohl eine Verschärfung der Finanzierungsbedingungen – insbesondere durch Zinserhöhungen – als Katalysator erforderlich. Gemessen an wichtigen Vermögenspreisen und Kreditindikatoren sind die Finanzierungsbedingungen derzeit weiterhin locker. Solange steigende Inflationserwartungen die US-Notenbank Fed nicht zu einer geldpolitischen Straffung veranlassen, bleiben die Voraussetzungen für ein solides Gewinnwachstum der Unternehmen intakt. Dies dürfte die Aktienmärkte weiter stützen. Kevin Warshs Debüt als Fed-Vorsitzender dürfte aufmerksam verfolgt werden. Als Kritiker der Forward Guidance – des regelmässigen Zinsausblicks – könnte er künftig eine weniger eindeutige geldpolitische Kommunikation verfolgen. Wir betrachten daher zumindest eine teilweise Wiederöffnung der Strasse von Hormuz, wie sie im jüngsten US-Iran-Abkommen angedeutet wird, als entscheidend für weitere Kursgewinne an den Aktienmärkten. Denn dies würde eine Zinserhöhung durch die Fed verhindern.
Eine Erholung der Transporte durch die Strasse von Hormuz um 50% bis Mitte Sommer bleibt unser Basisszenario. Nachrichten über einen Durchbruch in den Verhandlungen zwischen den USA und Iran sowie über die geplante Unterzeichnung eines Abkommens diese Woche erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios. Der Preis für Brent-Rohöl ist bereits unter USD 90 pro Barrel gefallen. Für den Sommer und darüber hinaus erwarten wir weitere Rückgänge des Ölpreises, was die Inflation sowie die Zinserwartungen verringern dürfte.
Am Kurs festhalten lohnt sich
Die Anlagehistorie zeigt, dass es sich in der Regel lohnt, trotz Unsicherheit am Kurs festzuhalten. Solange keine US-Rezession, keine durch einen Zinserhöhungszyklus ausgelösten Unternehmensausfälle, keine grösseren Korrekturen am Immobilienmarkt und keine Instabilität im Finanzsystem auftreten, lautet die beste Strategie für Anleger gewöhnlich: an den Portfolioallokationen festhalten, die auf ihre Risikotoleranz und ihre langfristigen Ziele ausgerichtet sind.
Seit den 1990er-Jahren war es deutlich lohnender, durch volatile Phasen zu navigieren, als zu versuchen, Volatilität ganz zu meiden. Anleger, die zu Jahresbeginn in kurzfristige Geldmarktinstrumente investierten und auf eine Aktienmarktkorrektur warteten, hätten schlechter abgeschnitten als Anleger, die in den S&P 500 investierten. Zudem bleibt die aktuelle Widerstandskraft der Aktienmärkte in einem soliden wirtschaftlichen Umfeld und einem robusten Gewinnwachstum der Unternehmen verankert. Ausserhalb von Rezessionen wachsen die Unternehmensgewinne tendenziell.
Die Bewertungen von Schwellenländeraktien sind deutlich attraktiver, und wir halten an einer Übergewichtung in den Portfolios fest
Bei der taktischen Aktienallokation legen wir den Fokus auf Märkte, in denen das Risiko-Ertrags-Verhältnis am attraktivsten scheint. Neben dem US-Markt und dem Technologiesektor haben 2026 vor allem Aktien aus Schwellenländern ein deutliches Comeback erlebt, unterstützt durch ausgezeichnete Gewinntrends. Aktien aus Schwellenländern bleiben sehr interessant. Da das Gewinnwachstum jenes der Industrieländer übertreffen dürfte, sind die Bewertungen von Schwellenländeraktien deutlich attraktiver, und wir halten an einer Übergewichtung in den Portfolios fest.
Wir haben indessen in unserer Aktienallokation die Sektorstrategie angepasst. Wir beurteilen globale Technologietitel nun neutral, da sie seit Jahresbeginn eine starke Performance verzeichnet haben und die Aufwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen in einigen Bereichen nachlassen. Stattdessen stehen nun Finanzwerte auf unserer Liste bevorzugter Sektoren, neben dem Gesundheitswesen und Versorgern. Finanztitel sind attraktiv bewertet, und die Gewinnerwartungen scheinen konservativ. Insgesamt halten wir an einer moderat risikoorientierten Positionierung in unseren Portfolios fest und bleiben in Aktien übergewichtet.
CIO Office Viewpoint
IPOs, US-Iran-Abkommen und Fed prägen Halbjahresausblick
Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig ist, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende.
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