Staatsanleihen im Blickpunkt

Dr. Nannette Hechler-Fayd’herbe - Head of Investment Strategy, Sustainability and Research, CIO EMEA
Dr. Nannette Hechler-Fayd’herbe
Head of Investment Strategy, Sustainability and Research, CIO EMEA
Staatsanleihen im Blickpunkt

Kernpunkte.

  • Mit der Verschiebung der Korrelationen zwischen Anlageklassen verändert sich die Rolle von Staatsanleihen in Multi-Asset-Portfolios. Staatsanleihen sind in Portfolios als Instrumente zur Diversifizierung nicht mehr so verlässlich
  • Aufgrund fiskalpolitischer und politischer Risiken sind die Anleihenrenditen gestiegen, besonders in Japan. Doch Verbesserungen in Bezug auf die externe Finanzierung deuten auf ein geringes Risiko von Staatsschuldenkrisen hin
  • Wegen geopolitischer Verschiebungen passt sich die globale Nachfrage nach Staatsanleihen an. Während Notenbanken ihre Reserven in Gold diversifizieren, könnten Staatsanleihen künftig vermehrt im Inland gehalten werden und von der dortigen Nachfrage abhängig sein
  • In mehreren Ländern sind die Renditen von Staatsanleihen nun vergleichbar mit den Gewinnrenditen von Aktien. Das unterstreicht ihren Wert für Anleger mit Inlandfokus. Wir heben ausgewählte Anlagechancen hervor.

Staatsanleihen von Industrieländern haben lange als bevorzugte Instrumente zur Diversifizierung in Multi-Asset-Portfolios gegolten. Sie boten einen Schutz in unsicheren Zeiten sowie starke Renditen in ihrer goldenen Ära von 1990 bis 2010, als die globalen Renditen sanken. Zudem stabilisierten sie Portfolios dank einer negativen Korrelation mit Aktien. Heute sind die Anlegerstimmung und das Vertrauen in die Rolle dieser Papiere jedoch weniger gefestigt. Wir betrachten, wie Anlegerinnen und Anleger Kern-Staatsanleihen in Multi-Asset-Portfolios neu beurteilen und sich bietende Anlagechancen nutzen können.

Die Korrelationen zwischen Anleihen und Aktien sind nicht mehr zwingend negativ. Die Beziehung zwischen Aktien und Anleihen, die vor 2022 überwiegend negativ war, ist positiver geworden. Selbst Gold, das oft als unkorrelierter Vermögenswert angesehen wird, wies mehrheitlich eine positive Korrelation mit Aktien auf. Die Fundamentaldaten der Staatsanleihen von Industrieländern, darunter die Höhe der Budgetdefizite und der öffentlichen Verschuldung, haben in den letzten zwei Jahrzehnten nachgelassen. Und aufgrund geopolitischer Verschiebungen passt sich die globale Nachfrage nach Staatsanleihen weiter an.

Die Korrelationen zwischen Anleihen und Aktien sind nicht mehr zwingend negativ

Keine Staatsschuldenkrise in Sicht

Politische Risiken haben die Renditen französischer Staatsanleihen in die Höhe getrieben und nun auch zu einem deutlichen Renditeanstieg in Japan geführt. Doch trotz einer Verschlechterung der Fundamentaldaten sollten die Anleger weder einen Zahlungsausfall noch eine Staatsschuldenkrise befürchten. Staatsschuldenkrisen treten nicht auf, weil ein Schwellenwert beim Budgetdefizit oder bei der Schuldenquote überschritten wird. Sie entstehen, wenn Regierungen ihre Schulden nicht mehr im Inland finanzieren können. Dies hängt davon ab, wie hoch der Anteil der im Inland gehaltenen Staatsanleihen im Vergleich zu Beständen im Ausland ist, sowie von der Netto-Auslandsvermögensposition eines Landes. Die Leistungsbilanzen spielen hierbei eine wichtige Rolle; sie haben sich in den vergangenen 15 Jahren in vielen Volkswirtschaften verbessert.

Für hoch verschuldete Länder sind Leistungsbilanzdefizite von mehr als 5% bis 6% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) typischerweise der Punkt, an dem die Schuldenrisiken steigen. Derzeit befindet sich kein Industrieland in dieser Gefahrenzone. Das Vereinigte Königreich hat sein Leistungsbilanzdefizit in den letzten Jahren verbessert. Frankreich weist ein kleines Leistungsbilanzdefizit auf. Viele europäische Länder sowie andere hoch verschuldete Staaten wie Japan oder China haben Leistungsbilanzüberschüsse. Unter den grossen Volkswirtschaften befinden sich einzig die USA näher an dieser Gefahrenzone, aber immer noch weit weg von einer Krise. Es fällt auf, dass rund 40% der US-Staatsanleihen von ausländischen Anlegern gehalten werden, während es bei japanischen Staatsanleihen nur etwa 13% sind.

Globaler Renditeausblick

Auch wenn das Risiko einer Staatsschuldenkrise als gering eingeschätzt wird, sind mögliche Verluste bei Staatsanleihen nicht ausgeschlossen. Japanische Staatsanleihen sind hierfür ein gutes Beispiel. Nach Jahren der Zinskurvenkontrolle als Mittel der Bank of Japan zur Deflationsbekämpfung haben die Renditen japanischer Staatsanleihen inzwischen stark aufgeholt, da die Notenbank ein reflationäres Umfeld schafft. Mit dem Anstieg der Renditen auf das heutige Niveau ist der Wert der japanischen Staatsanleihen gefallen. Dieser Trend könnte sich in den kommenden Monaten fortsetzen. Es ist nicht einfach, den fairen Wert von Staatsanleihen zu bestimmen. Ein Ansatz besteht darin, langfristige Inflationserwartungen mit dem potenziellen realen BIP-Wachstum zu kombinieren. Wenn die Inflation bei rund 2% liegt, das potenzielle Wachstum etwa 1% beträgt und die Bank of Japan die Leitzinsen weiter anhebt, könnte sich die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen bei 2,5% bis 3,0% einpendeln statt unter 2%.

Die Renditen japanischer Staatsanleihen haben stark aufgeholt, da die Notenbank ein reflationäres Umfeld schafft

In den USA ist das Bild ausgeglichener: Die aktuellen Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen entsprechen einem Wachstumsausblick von 1,9% und langfristigen Inflationserwartungen von 2,3%. Bei zehnjährigen britischen Staatsanleihen ist es ähnlich: Bei Renditen von 4,5% beträgt der Ausblick für das Wachstum 1,2% und für die Teuerung 3%. Doch auch hier besteht weiterhin das Risiko steigender Renditen. Ein Konflikt im Nahen Osten etwa würde den Ölpreis in die Höhe treiben und damit die Inflation sowie die Renditen von Staatsanleihen in den USA, im Vereinigten Königreich und in Europa anheizen. Wir sind der Ansicht, dass Realanlagen und insbesondere Gold in den meisten Risikoszenarien weiterhin bessere Diversifizierungsvorteile bieten als Staatsanleihen.

Geopolitik und veränderte Bestände an Staatsanleihen

Die Bestände an Staatsanleihen dürften sich verändern. Gründe dafür sind angespannte internationale Beziehungen und das Bestreben von Regierungen, sich ausländischem politischem Einfluss zu entziehen. Ein Beispiel hierfür ist der Rückgang der chinesischen Bestände an US-Staatsanleihen von einem Höchststand von USD 1,3 Bio. im Jahr 2013 auf ein Rekordtief von USD 680 Mrd. im November 2025. In den fünf ursprünglichen BRICS-Staaten – Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – passen die Notenbanken ihre Reservepolitik an ein weniger kooperatives geopolitisches Umfeld an, insbesondere im Verhältnis zu den USA. Die russische Notenbank hat ihre Bestände an US-Staatsanleihen vollständig abgestossen. Die geopolitischen Spannungen nehmen zu – nicht nur zwischen den USA und strategischen Konkurrenten wie China, sondern auch gegenüber traditionellen Verbündeten wie Europa oder dem Vereinigten Königreich. Daher könnten weitere Notenbanken von Industrieländern dem Beispiel der BRICS-Staaten folgen und den Goldanteil in ihren Reserven zulasten ausländischer Staatsanleihen erhöhen. Dies gilt etwa für die Europäische Zentralbank, die Bank of England oder die schwedische Riksbank. In diesem Umfeld dürften Staatsanleihen vermehrt von inländischen Anlegern gehalten werden.

Die Bestände an Staatsanleihen dürften sich verändern. Gründe sind angespannte internationale Beziehungen und das Bestreben von Regierungen, sich ausländischem politischem Einfluss zu entziehen

Inländische und internationale Anlagechancen

In mehreren Ländern sind die Renditen von Staatsanleihen im Vergleich zu den inländischen Aktienrenditen jetzt deutlich attraktiver als über das vergangene Jahrzehnt. Zehnjährige britische Staatsanleihen bieten für britische Anleger aufgrund ihrer Rendite von 4,5% im Verhältnis zur Gewinnrendite von 5,4% des FTSE 100 Wert; die Aktienrisikoprämie bzw. die Mehrrendite gegenüber Staatsanleihen beträgt gerade einmal rund 1%. Auch in Japan liegt die Aktienrisikoprämie mit 3,1% auf einem Zehnjahrestief und weit unter dem Durchschnitt von 6,5% für 2016 bis 2026. Das verdeutlicht die klare Verbesserung des Werts japanischer Staatsanleihen gegenüber japanischen Aktien aus Sicht inländischer Anleger. In den USA liegt die Gewinnrendite des S&P 500 unter der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen. Dies wiederum unterstreicht den Wert, den ein Engagement in US-Treasuries heimischen Anlegern bietet.

In Japan liegt die Aktienrisikoprämie mit 3,1% auf einem Zehnjahrestief

Insgesamt bedeutet unsere zurzeit moderat risikoorientierte Positionierung in den Portfolios, dass wir in globalen Staatsanleihen untergewichtet sind. Dennoch beobachten wir bei mehreren Staatsanleihen aus Industrieländern positive Realrenditen. Britische Gilts, US-Treasuries sowie australische und zunehmend auch japanische Staatsanleihen sind aus Sicht inländischer Investoren attraktive langfristige „Kaufen und Halten“-Optionen. In unserer Staatsanleihenallokation bevorzugen wir Gilts, bei denen wir die Kombination aus Ertrag und Kapitalgewinn dieses Jahr für interessant halten. In den USA bieten inflationsindexierte Staatsanleihen (TIPS) Schutz vor Inflationsüberraschungen, etwa falls ein steigender Ölpreis den Teuerungsdruck erhöht. Für internationale Anleger und mit Blick auf kurzfristige Chancen gilt: Japanische Staatsanleihen bieten derzeit einen attraktiven Renditeaufschlag gegenüber US-Treasuries, britischen Gilts, deutschen Bundesanleihen und Schweizer Staatsanleihen bei Absicherung in US-Dollar, britischem Pfund, Euro oder Schweizer Franken.

CIO Office Viewpoint

Staatsanleihen im Blickpunkt

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig ist, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende.

Entdecken Sie mehr.

Kontaktieren Sie uns.

Bitte wählen Sie einen Wert aus.

Bitte geben Sie Ihren Vornamen ein.

Bitte geben Sie Ihren Nachnamen ein.

Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Bitte geben Sie eine gültige Rufnummer ein.

Bitte wählen Sie einen Wert aus.

Bitte wählen Sie einen Wert aus.

Bitte geben Sie eine Nachricht ein.


Etwas angehängt, Nachricht nicht gesendet.
Lombard Odier Fleuron
Sprechen wir.
teilen.
Newsletter.