Auswirkungen der Spannungen zwischen den USA und Iran für Anleger

Dr. Nannette Hechler-Fayd’herbe - Head of Investment Strategy, Sustainability and Research, CIO EMEA
Dr. Nannette Hechler-Fayd’herbe
Head of Investment Strategy, Sustainability and Research, CIO EMEA
Auswirkungen der Spannungen zwischen den USA und Iran für Anleger

Kernpunkte.

  • Die Spannungen zwischen den USA und Iran sind hoch, doch die diplomatischen Kanäle bleiben offen. Unser Basisszenario ist weiterhin eine Verhandlungslösung in Bezug auf Irans Atomprogramm
  • Die Ölmärkte sind ein wichtiger Übertragungsmechanismus für geopolitische Risiken. Wir analysieren die möglichen Folgen einer Eskalation der Spannungen zwischen den USA und Iran
  • Ein Risikoszenario würde zu steigenden Rohstoffpreisen führen sowie zu höherer Volatilität an den Aktienmärkten und einer Flucht in Anlagen, die als sicher gelten
  • Angesichts eines soliden Makro- und Gewinnumfelds halten wir an einem moderat risikoorientierten Ansatz in den Portfolios fest. Im Rahmen dieser taktischen Positionierung bevorzugen wir Anlagen aus Schwellenländern und Gold, während Staatsanleihen untergewichtet sind.

Die USA haben Streitkräfte in der Golfregion stationiert und üben Druck auf Iran aus, damit dieser die US-Forderungen akzeptiert. Die diplomatischen Kanäle bleiben offen, doch eine Fehleinschätzung auf einer der beiden Seiten könnte zu einer Eskalation führen. Wir erläutern, weshalb wir in unserem Basisszenario von einer Verhandlungslösung ausgehen.

Präsident Trump hat Iran aufgefordert, über Beschränkungen des Atomanreicherungsprogramms zu verhandeln, angereichertes Uran aufzugeben, die Anzahl ballistischer Raketen sowie deren Reichweite zu begrenzen und die Unterstützung für Verbündete einzudämmen. Berichte über Fortschritte bei indirekten Verhandlungen in Oman zu nuklearen Fragen sind ermutigend. Laut Donald Trump könnten die Verhandlungen bis zu einem Monat dauern. Jüngst liess er verlauten, dass ein Abkommen, das nur nukleare Themen abdeckt, akzeptabel sein könnte.

Anreize für eine Verhandlungslösung

Im Falle einer Eskalation würde für beide Länder viel auf dem Spiel stehen. Iran ist wirtschaftlich bereits stark geschwächt und scheint innenpolitisch nach den unterdrückten Demonstrationen fragil. Präsident Trump hat versprochen, die USA nicht in einen weiteren „endlosen Krieg“ hineinzuziehen. Diese Haltung dürfte angesichts der Zwischenwahlen im November an Bedeutung gewinnen. Ein Eingreifen in Iran scheint deutlich komplexer als der jüngste US‑Schlag in Venezuela. Anders als bei der amerikanischen Intervention in Venezuela Anfang Januar gibt es keinerlei Anzeichen für Überläufer aus der iranischen Regierung oder dem Militär, die einen Führungswechsel unterstützen könnten.

In unserem Basisszenario gehen wir weiterhin von einer Verhandlungslösung aus … im Einklang mit der bisher gelassenen Reaktion der Finanzmärkte

In unserem Basisszenario gehen wir daher weiterhin von einer Verhandlungslösung aus. Dieses Szenario steht auch im Einklang mit der bisher gelassenen Reaktion der Finanzmärkte. Der VIX, ein Index für die Volatilität des US‑Aktienmarkts, verharrt knapp unter seinem langfristigen Durchschnitt. Nichts deutet darauf hin, dass sich die Risikoprämien – die von Anlegerinnen und Anlegern geforderten Mehrrenditen für das Halten risikoreicherer Anlagen – wegen einer erwarteten Eskalation anpassen.

Insgesamt halten wir an unserer moderat risikoorientierten Anlagestrategie fest. Ein über Erwarten starker makroökonomischer Ausblick und solide Unternehmensgewinne stützen diese taktische Positionierung. Sie umfasst eine Präferenz für Aktien aus Schwellenländern gegenüber Aktien aus Industrieländern, eine Übergewichtung von Hartwährungsanleihen aus Emerging Markets und eine Untergewichtung von Staatsanleihen aus Industrieländern. Zudem behalten wir unsere Übergewichtung in Gold bei, die der Diversifizierung und Absicherung gegen Risiken dient.

Zwei Risikoszenarien

Angesichts einer verstärkten US-Militärpräsenz in der Region bleibt ein US-Angriff aber möglich. Iran hat angekündigt, auf einen US-Schlag zu reagieren; denkbar sind Angriffe auf US-Stützpunkte in der Region, Störungen der Schifffahrt oder eine Schliessung der Strasse von Hormuz. Damit würde Iran von seinem bisherigen Muster der Zurückhaltung oder des Einlenkens abrücken. Wir betrachten daher zwei Risikoszenarien: erstens US-Angriffe ohne langfristige Störungen, und zweitens US-Angriffe gefolgt von einer deutlichen iranischen Reaktion, einschliesslich einer längeren Blockade der Strasse von Hormuz.

Während die Auswirkungen geopolitischer Spannungen auf die Finanzmärkte oft begrenzt oder vorübergehend sind, bilden die Energiemärkte hier ein direktes Bindeglied zur Weltwirtschaft und den Lieferketten.

Eine Aktion Irans in der Strasse von Hormuz wäre auch für das Land selbst riskant und teuer

Rund ein Drittel des weltweit per Schiff transportierten Rohöls passiert die Strasse von Hormuz, die auch für den Transport von Flüssigerdgas (LNG), Düngemitteln, Kupfer und Aluminium wichtig ist. Der Durchgang verengt sich auf eine 54 Kilometer (34 Meilen) schmale Schiffspassage zwischen der iranischen Küste und Omans Halbinsel Musandam. Alternativen zur Umleitung von Lieferungen gibt es nur wenige. Bei einer Schliessung der Meerenge ist ein Sprung des Ölpreises auf vorübergehend USD 100 pro Barrel oder höher denkbar; auch die globalen LNG-Preise wären betroffen.

Eine Aktion Irans in der Strasse von Hormuz wäre auch für das Land selbst riskant und teuer. Sie würde Irans eigene Ölexporte lahmlegen – die wichtigste Einnahmequelle des Regimes – und die Volkswirtschaften in Asien und Nahost treffen.

Extremrisiken und Marktauswirkungen

Vorerst sendet ein begrenzter Ölpreis weiterhin ein positives und disinflationäres Signal an die Weltwirtschaft. Zwar haben die Spannungen zwischen den USA und Iran den Brent-Rohölpreis auf ein Viermonatshoch getrieben. Ein Barrel kostet derzeit rund USD 69. Doch der jüngste Preisanstieg folgt auf eine Phase mit ausreichender Versorgung und Preisschwäche. Der Preis fiel von einem Höchststand von USD 122 pro Barrel Mitte 2022 auf USD 60 bis USD 65 pro Barrel im letzten Quartal 2025. Dank eines globalen Ölüberschusses und Reservekapazitäten der Organisation Erdöl exportierender Länder sowie weiterer wichtiger Ölproduzenten (OPEC+) hielt sich der Preis in Grenzen; und dies trotz weltweiter Spannungen mit Rohölstaaten wie Iran, Venezuela und Russland.

Der Ölpreis sendet weiterhin ein positives und disinflationäres Signal an die Weltwirtschaft

Iran steht für rund 4% der weltweiten Rohölversorgung und liefert grösstenteils in asiatische Märkte. Obwohl Sanktionen Irans Ölförderung erheblich geschwächt haben, schätzte die OPEC die Produktion im Jahr 2025 auf rund 3,5 Millionen Barrel pro Tag. Dabei ist China der grösste Abnehmer.

Wenn der Rohölpreis nachhaltig um 20% bis 30% steigt, würde dies unseres Erachtens das globale Wachstum um 0,5% bis 1,0% schmälern. Die weltweite Gesamt-Verbraucherpreisinflation würde sich in ähnlichem Umfang erhöhen. Zwar löste das Ölembargo in den 1970er-Jahren eine tiefe Rezession aus. Aber die Weltwirtschaft ist heute deutlich weniger ölabhängig, und die USA haben sich von einem grossen Ölimporteur zum weltweit grössten Produzenten entwickelt.

In einem Risikoszenario wären ein Anstieg der Rohstoffpreise, so auch von Gold, und volatilere Aktienmärkte zu erwarten, während sich der Energiesektor anpasst. Wir würden zudem von einer hohen Nachfrage nach als sicher geltenden Anlagen ausgehen. Auch wäre mit einer Versteilerung der Renditekurven von Staatsanleihen zu rechnen, während die Inflationserwartungen steigen und die Notenbanken die Aussichten auf ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum einschätzen. In diesem Umfeld würden der Schweizer Franken und der japanische Yen als traditionelle Zufluchtswährungen aufwerten, wobei Interventionen der Schweizerischen Nationalbank einen Anstieg des Schweizer Frankens eindämmen könnten. Die längerfristigen Marktreaktionen würden von der Dauer und der Schwere der Krise abhängen.

CIO Office Viewpoint

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