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Chinas Probleme führen zu Lockerung der Geldpolitik
John Woods
CIO Asia
Kernpunkte.
Chinas Politbüro hat die erste geldpolitische Lockerung seit 14 Jahren angekündigt. Sie soll den Inlandskonsum fördern und die Finanzmärkte stabilisieren
Die Märkte reagierten in den letzten Monaten gemischt auf die Konjunkturmassnahmen Chinas, und chinesische Aktien konnten keine neuen Hochs erreichen
Der Immobilienmarkt leidet nach wie vor unter strukturellen Problemen, und die Notwendigkeit von Reformen wirft Zweifel hinsichtlich der Wirksamkeit der aktuellen Konjunkturmassnahmen auf
Ein höheres Engagement in chinesischen Aktien setzt entschiedenere Massnahmen voraus. Angesichts des vorsichtigen Ausblicks und des begrenzten Aufwärtspotenzials behalten wir das bestehende Engagement über Schwellenländerindizes bei.
Das Politbüro der Kommunistischen Partei Chinas hat angekündigt, die Geldpolitik von „umsichtig“ auf „moderat locker“ umzustellen. Dies ist die erste derartige Lockerung seit 2011. Zusammen mit einer proaktiven Fiskalpolitik soll diese Umstellung den Inlandskonsum fördern und die Finanzmärkte stabilisieren. Es handelt sich um keine grosse Veränderung der politischen Rahmenbedingungen, und Chinas Konjunkturmassnahmen haben die Anlegerinnen und Anleger in der Vergangenheit enttäuscht.
Die Ankündigung vom 9. Dezember schliesst sich an eine Reihe von Konjunkturmassnahmen an, die China in den letzten Monaten eingeführt hat. Dazu gehörten Zinssenkungen und die Lockerung der Beschränkungen für den Kauf von Wohneigentum. Zudem sollten mittels eines Schuldenumwandlungsplans in Höhe von RMB 10 Bio. (USD 1,4 Bio.) die Lokalregierungen bei der Bewältigung ausstehender Zahlungen, unter anderem für Löhne, unterstützt werden. Der Shanghai Composite Index kletterte in den zwei Wochen Ende September und Anfang Oktober um über 30% nach oben – seine grösste Rally seit vier Jahren. Seitdem sind die Marktreaktionen jedoch gemischt ausgefallen, und chinesische Aktien haben trotz zusätzlicher Konjunkturmassnahmen keine neuen Hochs erreicht.
Die strukturellen Probleme Chinas sind nach wie vor ungelöst. Der Immobilienmarkt leidet noch immer unter einem Überangebot unverkaufter oder unfertiger Wohnungen. Dies setzt die Preise unter Druck und führt zu Dominoeffekten für Banken und Hypothekeninhaber. Der Anteil der Investitionen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist zwar rückläufig, aber immer noch höher als in anderen grossen Volkswirtschaften – ein Zeichen für anhaltende Überinvestitionen. Die Forderung der Kommunistischen Partei, mit „aussergewöhnlichen antizyklischen Anpassungen“ den Konsum und die Inlandsnachfrage zu fördern, macht deutlich, dass strukturelle Probleme angegangen werden müssen. Ob diese Ziele mit den angekündigten Massnahmen erreicht werden können, wird jedoch bezweifelt.
Die strukturellen Probleme Chinas sind nach wie vor ungelöst
Peking bereitet sich auf die jährliche Parlamentssitzung Anfang 2025 vor, und es wird erwartet, dass das angestrebte BIP-Wachstum bei etwa 5% angesetzt wird. Die kommende Regierung Trump dürfte Zölle auf chinesische Importe erheben, und die Inlandsnachfrage ist schwach. Daher muss China unseres Erachtens nun noch weiter gehen, um die Auswirkungen auf seinen Handel abzumildern, wenn das Wirtschaftswachstum auf dem aktuellen Niveau von 4,5% gehalten werden soll.
Wir erwarten seit Mitte September eine weitere Anleihenemission durch die Zentralregierung in Höhe von RMB 3 Bio. Die Central Economic Work Conference (CEWC) am 11. und 12. Dezember sollte weitere Signale zur Fiskal- und Geldpolitik liefern. Möglicherweise erhalten wir einige Hinweise auf weitere Massnahmen zur Förderung der Inlandsnachfrage, vielleicht sogar mit einem Volumen von bis RMB 1 Bio. Diese könnten die Marktstimmung und die Anlagestrategien beeinflussen.
Die Umstellung auf eine „moderat lockere“ Geldpolitik stellt keine grosse Veränderung der Rahmenbedingungen dar. Der Ausdruck „aussergewöhnliche Lockerung“ macht internationalen Anlegern Mut. In der Vergangenheit haben wir jedoch Diskrepanzen zwischen den Plänen Pekings und den Anlegererwartungen erlebt. Zudem beinhaltet die Fiskalpolitik häufig interne Finanzierungsprogramme, die sich möglicherweise nicht direkt auf das Wachstum auswirken. Dies macht unserer Ansicht nach deutlich, dass die Geldpolitik im Hinblick auf eine breite wirtschaftliche Stabilität fiskalpolitischen Massnahmen überlegen ist.
Die Umstellung auf eine „moderat lockere“ Geldpolitik stellt keine grosse Veränderung der Rahmenbedingungen dar
Anhaltende strukturelle Herausforderungen und gemischte Marktreaktionen legen für Anlagen in chinesischen Vermögenswerten einen vorsichtigen Ansatz nahe. Die Wirksamkeit der vor Kurzem angekündigten Massnahmen zur Bewältigung dieser Herausforderungen wird für die künftige Entwicklung der Wirtschaft Chinas und seiner Aktienmärkte entscheidend sein.
Angesichts des vorsichtigen Ausblicks und des begrenzten Aufwärtspotenzials behalten wir unser bestehendes Engagement in chinesischen Aktien über Schwellenländerindizes bei. Unserer Ansicht nach ist es zu früh, in China ein höheres Risiko einzugehen: Ohne entschiedenere politische Massnahmen bleibt das Gewinnpotenzial chinesischer Aktien gegenüber Titeln im MSCI Emerging Markets Index begrenzt.
CIO Office Viewpoint
Chinas Probleme führen zu Lockerung der Geldpolitik
Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig ist, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende.
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