Abkühlung bei Gold signalisiert keine Trendwende

Kiran Kowshik - Global FX Strategist
Kiran Kowshik
Global FX Strategist
Abkühlung bei Gold signalisiert keine Trendwende

Kernpunkte.

  • Der Goldpreis hat in letzter Zeit konsolidiert. Das spricht unseres Erachtens aber nicht gegen einen mittelfristig höheren Preis
  • Die strukturelle Unterstützung ist nach wie vor intakt. Die robuste Nachfrage von Notenbanken und Privatanlegern widerspiegelt die allgemeine fiskalpolitische Unsicherheit sowie Währungsbedenken
  • Zu beobachtenden Negativfaktoren wären eine Tendenz der Notenbanken zu einer restriktiveren Geldpolitik, die über einen längeren Zeitraum höhere Realrenditen zur Folge hätte, und eine Abnahme der Mittelzuflüsse in passive Fonds
  • Wir beurteilen Gold weiterhin positiv und halten an einer übergewichteten Allokation in unseren Portfolios fest. Unser Preisziel auf Sicht von zwölf Monaten belassen wir bei USD 5’400 pro Unze. 

Gold ist einer der prägenden finanziellen Vermögenswerte der letzten zwölf Monate. Nach einer starken Entwicklung, insbesondere im zweiten Halbjahr 2025, hat die Dynamik nun abgenommen, und der Preis stagniert. Das Edelmetall blieb zeitweise hinter den Erwartungen zurück, die Anlegerinnen und Anleger während einer geopolitisch schwierigen Phase in eine als sicherer Hafen geltende Anlage setzen.

Der Goldpreis hat sich bis Januar 2026 innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt und ist auf ein Rekordhoch von USD 5’595 pro Unze geklettert. Bis Mitte März sank er im Zuge des Nahostkonflikts auf einen Tiefstand von USD 4’099 pro Unze. Jüngst erholte er sich jedoch wieder auf USD 4’560 pro Unze. Verglichen mit anderen geopolitischen Krisen – etwa der iranischen Revolution 1979, dem ersten und zweiten Golfkrieg oder Russlands Invasion der Ukraine – hat Gold bei viel höherer Volatilität stärker nachgegeben. Seit Beginn des Konflikts verlor es mehr als 10% an Wert.

Dies widerspiegelt unseres Erachtens die Sorgen des Markts über die Inflation und über die hohen Anlegerpositionen Anfang 2026. Als zinslose Anlage entwickelt sich Gold am besten, wenn die Realrenditen sinken und der US-Dollar abwertet. Ein Energiepreisschock kann jedoch das Gegenteil bewirken und dazu führen, dass die Märkte höhere Leitzinserwartungen, höhere Renditen und einen stärkeren US-Dollar einpreisen. Es überrascht daher nicht, dass Gold eine starke negative Korrelation mit steigenden Energiepreisen aufweist. Bei einer Deeskalation des Nahostkonflikts und sinkenden Energiepreisen gemäss unserem Basisszenario könnte sich der Goldpreis erholen. Die Normalisierung der zuvor hohen Anlegerpositionen würde zusätzlich für Unterstützung sorgen.

Der Goldpreis hat sich bis Januar 2026 innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt und ist auf ein Rekordhoch von USD 5’595 pro Unze geklettert

Doch der Konflikt im Nahen Osten ist nicht die einzige Variable, die den Preis beeinflusst. Die mittelfristigen Aussichten hängen auch davon ab, ob sich die Nachfrage sowie allgemein das geopolitische und fundamentale gesamtwirtschaftliche Umfeld verändert haben. Wir erkennen keine solchen Veränderungen und beurteilen Gold daher weiterhin konstruktiv. Wir halten auf Sicht der nächsten zwölf Monate an unserem Preisziel von USD 5’400 pro Unze und unserer übergewichteten Allokation in den Portfolios fest.

Die Unterscheidung zwischen strukturellen und kurzfristigen Faktoren verdeutlicht, warum die Goldpreisentwicklung jüngst an Dynamik verloren hat. Auf der strukturellen Ebene bleibt die Nachfrage sowohl vonseiten der Notenbanken als auch von Privatanlegern robust. Dies erklärt, warum kurzfristige Belastungen – wie ein stärkerer US-Dollar oder höhere Anleihenrenditen – zu einer vorübergehenden Schwäche führen können, ohne die längerfristige Nachfrage zu beeinträchtigen. Mit anderen Worten: Eine schwächere Dynamik sollte nicht als strukturelle Trendwende missverstanden werden.

Strukturelle Anreize, Gold zu halten

Das überzeugendste strukturelle Argument für Gold sind die Anreize, die für private und öffentliche Anleger mit dem Halten eines Sachwerts verbunden sind. Anders als bei den meisten Währungen, bei denen die Geldmenge infolge von Lockerungen der Geld- und Fiskalpolitik steigen kann, ist das Goldangebot über die Jahre stabil geblieben. Im Laufe der Geschichte wurden laut Branchenschätzungen rund 220’000 Tonnen Gold abgebaut. Das neu gewonnene Gold beläuft sich jährlich nur auf etwas mehr als 1% der bereits geförderten Bestände.

Zudem unterliegt Gold – anders als Währungen – keinen finanziellen Sanktionen. Durch die US-Sanktionen gegen Russland stieg das Bestreben von Notenbanken, Reserven wie Gold zu halten, die gegen solche Bedrohungen geschützt und zugleich werterhaltend sind. Wenn mehr Länder allmählich andere Währungen als den US-Dollar nutzen und mit diesen Währungen Handelstransaktionen abwickeln, steigt die Nachfrage nach neutralen Reserven wie Gold.

Auf der strukturellen Ebene bleibt die Nachfrage sowohl vonseiten der Notenbanken als auch von Privatanlegern robust

Zugleich hat das gesunkene Vertrauen in einige Währungen die Nachfrage von Privatanlegern gestützt, zumal Gold zur Diversifizierung von Portfolios beiträgt. Die anhaltende fiskalpolitische Unsicherheit und die immer noch hohe Inflation verstärken diesen Trend. Wenn Anleger die langfristige Entwicklung der Staatsverschuldung, die Finanzierbarkeit von Defiziten oder die Glaubwürdigkeit der Politik hinterfragen, steigt die Nachfrage nach diversifizierten Vermögenswerten. In einem solchen Umfeld kann Gold eine Absicherung gegen schwer beherrschbare Risiken sein. Beispiele dafür sind Inflationsüberraschungen, ein schlechtes Management der Staatsfinanzen, das den geldpolitischen Spielraum einschränkt, oder schwindendes Vertrauen in Institutionen. Der Goldpreis korrelierte beispielsweise in letzter Zeit mit Befürchtungen in Bezug auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed.

Beständige Nachfragetrends tragen zu Preisanstieg bei

Im vergangenen Jahrzehnt bestand ein enger Zusammenhang zwischen dem Gesamtvolumen der Goldkäufe von Privatanlegern und Notenbanken und den realen Goldpreisen.

Eine Nachfrage in Höhe von rund 400 Tonnen pro Quartal steht im Einklang mit Preisstabilität. Je 100 Tonnen zusätzliche Nachfrage steigen die Quartalspreise um rund drei Prozentpunkte. Seit 2023 liegt die Nachfrage bei durchschnittlich etwa 620 Tonnen pro Quartal und damit deutlich über dem Durchschnitt von 450 Tonnen in den Jahren 2010 bis 2022.

Trotz eines befürchteten Nachfragerückgangs in diesem Jahr zeigen die Daten des World Gold Council eine Gesamtnachfrage von 790 Tonnen im ersten Quartal 2026 an. Davon entfielen netto 244 Tonnen auf Notenbanken – ein Anstieg um 3% gegenüber dem Vorjahr. Die Nachfrage von privater Seite lag etwa auf dem Durchschnittsniveau des Jahres 2025. Die stärkere Nachfrage nach physischem Gold, von der 40% aus China stammten, glich geringere Zuflüsse in ETFs aus.

Notenbanken können für höhere Preisuntergrenze sorgen

Von 1980 bis 2005 verringerten die Notenbanken ihre Goldreserven. Nach dem Ende des Kalten Krieges beschleunigte sich dieser Trend im Zuge der Globalisierung und aufgrund von Sicherheitsgarantien der USA für ihre weltweiten Verbündeten. In den letzten Jahren haben sich die internationalen Beziehungen allerdings gewandelt, und die Notenbanken haben ihre Goldkäufe zügig erhöht. Die Gründe dafür sind einfach: Die Goldkäufe im Zuge des Reservemanagements widerspiegeln Bedenken in Bezug auf US-Finanzsanktionen, die allgemeine geopolitische Unsicherheit und eine unberechenbare Handelspolitik.

Der Anteil von Gold an den Gesamtreserven der Notenbanken in den Schwellenländern ist noch immer geringer als in den Industrieländern

Die Nachfrage ist in den Schwellenländern am stärksten. Eine strukturell höhere Untergrenze für die Käufe durch Notenbanken in zahlreichen Ländern kann die Stärke und Dauer von Preisrückgängen jedoch verringern. Das gilt insbesondere bei volatilen Mittelflüssen von Privatanlegern. Ein wichtiger Punkt ist, dass der Anteil von Gold an den Gesamtreserven der Notenbanken in den Schwellenländern noch immer geringer ist als in den Industrieländern. Dies deutet auf mehr Spielraum für weitere Käufe hin.

Deshalb dürfte diese Nachfrage bestehen bleiben. Jüngst haben einige Schwellenländer wie die Türkei Goldbestände verkauft oder Gold-Swapgeschäfte getätigt, um den Abwertungsdruck auf ihre Währungen im Zuge des Nahostkonflikts in den Griff zu bekommen. Wir betrachten dies als Ausnahmen von einem breiteren Trend zu Käufen durch Länder mit flexiblen Wechselkursen.

Realrenditen und Glaubwürdigkeit der Geldpolitik

Die Aussichten für die Zinsen und ihre Auswirkungen auf die Mittelflüsse von Privatanlegern werden ein weiterer entscheidender Faktor für den Goldpreis sein. Gold reagiert sensibel auf die Realrenditen: Wenn diese zurückgehen, sinken auch die Opportunitätskosten für das Halten von Goldpositionen, was die Preise unterstützt. Diese Verbindung hat sich in den letzten Monaten bestätigt.

Grundsätzlich könnte eine restriktivere Geldpolitik der Fed den Goldpreis belasten, falls sie zu beständig höheren Realrenditen führt. Wir halten dieses Risiko jedoch für begrenzt. Die Fed dürfte die Leitzinsen über den Grossteil des Jahres 2026 stabil halten, wobei eine potenzielle Zinssenkung gegen Ende Jahr wahrscheinlicher werden dürfte.

Die Zinsentwicklung wird für den Zufluss von Anlegergeldern in den Goldmarkt von Bedeutung sein. Physisch gedeckte ETFs, mit denen sich Anleger in Gold engagieren können, ohne das Edelmetall direkt zu halten, reagieren normalerweise empfindlich auf die Zinserwartungen. Selbst nach den starken Zuflüssen haben die Gesamtbestände der ETFs die historischen Hochstände noch nicht wieder erreicht. Weitgehend stabile Mittelflüsse würden die Nachfrage stützen.

Wir beurteilen Gold deshalb weiterhin konstruktiv und halten an unserer übergewichteten Allokation sowie unserem Preisziel von USD 5’400 auf Sicht von zwölf Monaten fest

Aus struktureller Sicht bleiben die Bedingungen intakt

Wir erwarten nicht, dass die jüngste Konsolidierung des Goldpreises etwas am mittelfristigen Trend ändert. Eine sich abkühlende Stimmung schwächt die strukturellen Argumente für Gold nicht. Der Fokus verschiebt sich dadurch aber wieder auf Faktoren, die sich langsamer verändern, darunter die Nachfrage der Notenbanken, die Portfolioallokation und die fiskalpolitische Unsicherheit.

Für diese Einschätzung spricht erstens die trotz Volatilität robuste Nachfrage. Zweitens begünstigt das gesamtwirtschaftliche Umfeld in Anbetracht der fiskalpolitischen Unsicherheit und des allmählichen Kaufkraftverlusts weiterhin Sachwerte. Drittens scheinen die jüngsten Belastungen weniger struktureller als kurzfristiger Art zu sein, darunter die höheren Renditen und der stärkere US-Dollar. Sie sind unseres Erachtens vorübergehend.

Risiken bestehen aber weiterhin. Folgende Negativfaktoren wären im Auge zu behalten: höhere Realrenditen über einen längeren Zeitraum, ein länger andauernder Rückgang der ETF-Nachfrage oder eine schwächere physische Nachfrage, beispielsweise nach Schmuck, wenngleich Käufe der Notenbanken dies teilweise ausgleichen würden.

Wir beurteilen Gold somit weiterhin konstruktiv und halten an unserer übergewichteten Allokation sowie unserem Preisziel von USD 5’400 auf Sicht von zwölf Monaten fest. Unsere strukturellen Argumente für das Edelmetall gründen auf der robusten Nachfrage, der fiskalpolitischen Unsicherheit sowie dem allmählichen Kaufkraftverlust beim US-Dollar.

CIO Office Viewpoint

Abkühlung bei Gold signalisiert keine Trendwende

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig ist, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende.

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