Volatile Geopolitik und Marktresilienz – die Widersprüche dieser unruhigen Zeiten in Einklang bringen

Volatile Geopolitik und Marktresilienz – die Widersprüche dieser unruhigen Zeiten in Einklang bringen

Die Vorherrschaft des Westens ist vorbei. Das globale Kräfteverhältnis verschiebt sich zugunsten aufstrebender Mächte wie China und Indien. Zugleich wenden sich die USA von Europa ab. Die längste Phase von Frieden und Wohlstand, die der „alte Kontinent“ seit dem Römischen Reich erlebt hat, könnte daher in Gefahr sein.

Wer gehofft hatte, dies sei nur der „Trump-Effekt“ und nach dem Ende seiner Amtszeit (im Januar 2029) werde die Normalität zurückkehren, droht enttäuscht zu werden. Es gibt kein Zurück – „Wir stehen am Beginn einer neuen Welt.“

Diese deutliche Warnung formulierte Gérard Araud, Frankreichs früherer Botschafter in den USA, kürzlich während seiner Rede bei unserer Veranstaltung „Rethink Perspectives“ in Zürich. Diese Konferenz fand in einer Zeit grosser geopolitischer Umbrüche statt. In Davos lieferten sich führende Politiker aus aller Welt Wortgefechte, Grönlands territoriale Integrität geriet in Gefahr, und die Zukunft der NATO wurde infrage gestellt. „Rethink Perspectives“ bot in diesem Umfeld eine Chance, den Lärm auszublenden und die grundlegenden geopolitischen und makroökonomischen Kräfte hinter den Schlagzeilen näher zu beleuchten.

Es gibt kein Zurück – wir stehen am Beginn einer neuen Welt

Neben Gérard Araud sprachen auch Frédéric Rochat, geschäftsführender Teilhaber von Lombard Odier, und Michael Strobaek, Global Chief Investment Officer. Sie schilderten die Anlegerperspektive und erläuterten, wie sich Lombard Odier für diese Welt im Wandel positioniert.

Sinkende Bedeutung der G7 – BRICS auf dem Vormarsch

Die Entstehung einer neuen Weltordnung lasse sich an einer einfachen Statistik ablesen, sagte Gérard Araud zu Beginn. In den letzten 50 Jahren sank der Anteil der G7 am weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 61% auf 30%,1 und er fällt weiter. Gleichzeitig stieg der Anteil des rivalisierenden BRICS-Bündnisses am weltweiten BIP auf 40%.2 Dieser Organisation gehören neben Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika sechs weitere Länder an, die in den letzten Jahren beitraten. „Die Zahl belegt, dass die Welt sich drastisch verändert hat, und zwar zuungunsten der westlichen Länder“, meinte Gérard Araud.

Dieser Rückgang fällt mit dem Isolationismus der USA zusammen, der den Westen noch weiter zu schwächen droht. Doch der Grund für diese Politik sei nicht Trump, erklärte Gérard Araud; es handele sich vielmehr um eine Rückkehr zur Norm. „Der Westen konnte mit den USA am Ruder ganz gut leben. Wir haben die längste Wohlstandsphase seit dem Untergang des Römischen Reichs erlebt, doch jetzt gehen die Amerikaner nach Hause.“

Wir haben die längste Wohlstandsphase seit dem Untergang des Römischen Reichs erlebt, doch jetzt gehen die Amerikaner nach Hause

„Das liegt aber nicht nur an Trump. Im Jahr 1797 sagte George Washington in einer Rede zu den Amerikanern: „Geht nicht nach Europa. Mischt euch nicht in ihre Politik und ihre Kriege ein.“ Mit wenigen Ausnahmen war genau das seither der Ansatz der USA. Im Jahr 1945 kamen die Amerikaner einfach nur aufgrund der sowjetischen Bedrohung nach Europa. Und nun ziehen sie sich seit 2020 nach und nach aus Europa zurück. Der einzige Unterschied ist, dass Kamala Harris bei einem Wahlsieg die Tür sanft geschlossen hätte. Trump dagegen schlägt sie laut zu, und wir haben unsere Finger noch dazwischen.“

Trump versetzt die Weltpolitik in Aufruhr

„In den letzten Wochen haben wir die Radikalisierung von Trumps Aussenpolitik beobachten können“, fuhr Gérard Araud fort. „Seit der Entführung von [Venezuelas Ex-Präsident] Maduro haben die USA zwei russische Schiffe in internationalen Gewässern festgesetzt. Trump hat die Erhöhung des US-Verteidigungshaushalts um 50% angekündigt, der dann 50% bis 65% der gesamten weltweiten Verteidigungsausgaben entsprechen würde. Ferner hat er den Austritt der USA aus 66 internationalen Organisationen erklärt und Mexiko, Kuba, Kolumbien und sogar Dänemark – wegen Grönland – militärisch gedroht.“ Trump hat zudem die Gründung seines internationalen „Friedensrats“ bekannt gegeben, den viele als einen Versuch der Spaltung betrachten, der die Vereinten Nationen schwächen wird.

Dieses Verhalten, so Gérard Araud, ist untrennbar mit der sich verändernden Weltordnung verbunden. Das wirtschaftliche Kräfteverhältnis hat sich verschoben, und die USA erkennen: „Die Bedrohung ist China. China. China.“ Als Reaktion darauf wechselt Präsident Trump zu einem pragmatischen Ansatz für das „Machtgleichgewicht“ in den internationalen Beziehungen. Langjährige Allianzen und die regelbasierte Ordnung werden dadurch geschwächt oder vollständig zerstört.

Verstärkt werde dies durch die politische Instabilität in grossen Teilen des Westens, erklärte Gérard Araud weiter. „In gewisser Weise erleben alle liberalen Demokratien die gleiche politische Krise, und 30% bis 40% der Bürger sagen: „Es reicht!“ Zurzeit herrscht eine Identitätskrise. Das Thema Zuwanderung ist zur Besessenheit geworden. Das zeigen die Meinungsumfragen in Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich, wo rechtsextreme Parteien zulegen. Abhängig vom Umgang mit diesem Thema wird sich die Richtung der Welt verändern. Dies wird tiefgreifende politische und wirtschaftliche Folgen haben, insbesondere für die Zukunft der Europäischen Union.“

Geopolitische Risiken übertragen sich gewöhnlich über die Lieferketten und die Energiemärkte auf die Finanzmärkte

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Emotionen beim Anlegen ausklammern

Trotz dieser Bedenken können die Anlegerinnen und Anleger nach Michael Strobaeks Worten sicher sein, dass die Märkte robust sind. „Geopolitische Risiken übertragen sich gewöhnlich über die Lieferketten und die Energiemärkte auf die Finanzmärkte, häufig über den Ölpreis“, sagte er. „Die dominante Kraft in der Energieversorgung sind jedoch die USA. Und wenn es etwas gibt, woran Trump interessiert ist, dann daran sicherzustellen, dass der Ölpreis nicht steigt. Denn der spielt für die Lebenshaltungskosten eines durchschnittlichen Amerikaners eine enorm wichtige Rolle. Die Geopolitik ist zwar ein Risikofaktor. Aber die Märkte sehen über diese Dinge in der Regel hinweg, solange keine Übertragung auf die Realwirtschaft stattfindet. Momentane geopolitische Risiken können sogar Kaufgelegenheiten bieten.“

Laut Michael Strobaek war die jüngste Aufregung über Präsident Trumps Bestreben, Grönland zu „übernehmen“, eine schwierige Situation. Nach seinen Worten ist es jedoch „entscheidend, beim Anlegen die Emotionen aus dem Spiel zu lassen. Die Märkte werden durch vernunftbasierte Abzinsungsmechanismen bestimmt; sie agieren nicht emotional.“

„Und was bedeutet diese neue Weltordnung nun für die Märkte? Die Wahrheit ist: Die Wirtschaft und insbesondere die Unternehmensgewinne sind in dieser neuen geopolitischen Ordnung sehr stark. Der Grund dafür sind zwei Buchstaben: KI. Ich werde immer gefragt: „Ist KI eine Blase?“ Nun, aktuell sieht es so aus, als ob der geopolitische Wettlauf [um KI-Dominanz] die KI-Investitionen und die Gewinne im KI-Bereich unterstützt.“

Es sieht so aus, als ob das geopolitische Rennen [um KI-Dominanz] die KI-Investitionen und die Gewinne im KI-Bereich unterstützt

Gegen die USA wetten?

Es treffe aber zu, dass die US-Wirtschaft ein Wachstum unterhalb ihres Potenzials verzeichnet. Vorsichtige Unternehmen stellen weniger Arbeitskräfte ein und schieben Kapitalinvestitionen auf, und das Konsumwachstum verliert an Schwung, bemerkte Michael Strobaek. Trumps Zölle, die unseres Erachtens unabhängig vom bevorstehenden Entscheid des Obersten Gerichtshofs der USA3 in irgendeiner Form bestehen bleiben dürften, sind einer der Gründe dafür. Zölle werden die Wirtschaft zwar belasten, weil US-Unternehmen die höheren Preise von Importgütern auf die Verbraucherinnen und Verbraucher abwälzen werden. Für Präsident Trump werden sie aber wahrscheinlich ein wichtiges langfristiges Instrument bleiben.

Für zusätzliche Unsicherheit sorgen Trumps Bemühungen, die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed zu untergraben. Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell sah sich zahlreichen öffentlichen Vorwürfen ausgesetzt, gefolgt von der Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen wegen seines Vorgehens bei der Renovierung eines Bundesgebäudes. Dieser Schritt wurde allgemein als Versuch gesehen, Powell einzuschüchtern, damit er die Zinsen schneller senkt. Michael Strobaek merkte jedoch an: „Das Verfahren der Fed zur Festlegung der Zinsen ist so strukturiert, dass der Staat darüber keine Kontrolle ausüben kann. Daran wird nach unserer Einschätzung auch Trump nichts ändern können. Die Fed wird die Zinsen senken, und zwar langsamer, als Trump es sich wünscht, aber sie wird die Märkte stützen. Solange der Arbeitsmarkt – der aktuell schwach ist, aber noch keine Risse aufweist – standhält, sehen wir keine Anzeichen für eine US-Rezession am Horizont.“

Vor diesem Hintergrund verlieren die USA nach und nach ihre Ausnahmestellung, an die sich die Anlegerinnen und Anleger gewöhnt haben. In den Schwellenländern entstehen dagegen neue Chancen. „Mittlerweile entwickeln sich Schwellenländeraktien zum ersten Mal seit zehn Jahren oder länger wieder besser als US-Aktien“, sagte Michael Strobaek. „Wir beobachten eine ausgezeichnete Wertentwicklung. Die Gewinne sind stark. Die Zinsen sinken. Die Fiskalpolitik bietet Unterstützung. Die Schwellenländer zählen jetzt zu unseren Favoriten.“

Angesichts des aktuell volatilen Umfelds ist Diversifizierung für Anlegerinnen und Anleger wichtig, ergänzte er. „Wir diversifizieren weg von den USA und in die Schwellenländer – in Anleihen, Währungen und Aktien –, und festverzinsliche Anlagen stehen wieder auf der Agenda. Der US-Dollar könnte unseres Erachtens noch etwas mehr abwerten, aber nicht viel. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass ein Einbruch im Technologiesektor bevorsteht, aber einige Bewertungen werfen bei uns Fragen auf. Deshalb müssen wir auch dort diversifizieren. Zudem bleibt Gold, in dem wir unsere Allokationen erhöht haben, eine solide Absicherung in den Portfolios.“

Michael Strobaeks Fazit lautet, dass Anlegerinnen und Anleger vor allem Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit des Marktes haben sollten. „Ich empfehle, nicht zu häufig in die Zeitung zu schauen und sich nicht zu viele Sorgen über Präsident Trumps Aussagen zu machen. Wenn die Gewinne gut sind, die Zinsen sinken und die Wirtschaft positive Impulse erhält, dann muss viel geschehen, damit die Geopolitik die Märkte aus der Bahn wirft. Das ist unsere Lehre aus dem Jahr 2025.“

Wir leben in einer Welt der Paradoxa – die Unsicherheit ebenso verstärkt wie Optimismus und Chancen

Widersprüche in Einklang bringen

Am Ende von „Rethink Perspectives“ räumte Frédéric Rochat ein, dass es schwierig sein kann, die vielen offenkundigen Widersprüche von heute miteinander in Einklang zu bringen. Geopolitischer Instabilität, dem Zusammenbruch internationaler Bündnisse und der regelbasierten Ordnung sowie der schwindenden wirtschaftlichen Dominanz des Westens stehen Marktresilienz und anhaltendes Wirtschaftswachstum gegenüber.

„Wir leben in einer Welt der Paradoxa“, erklärte er. „Diese Welt befeuert in vielen Bereichen ein Gefühl von Volatilität und Unsicherheit. Gleichzeitig verstärkt sie in vielen anderen Bereichen den Optimismus und sorgt für Chancen, darunter auch zahlreiche Anlagechancen.“

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„Dabei ist jedoch zu beachten, dass wir uns auf einem schmalen Pfad bewegen. Deshalb betrachten wir bei Lombard Odier den ständigen engen Kontakt mit unseren Kundinnen und Kunden seit jeher als einen wesentlichen Teil unserer Mission. Wir beurteilen die Welt um uns herum laufend neu und helfen ihnen, mit einem Marktumfeld umzugehen, das zweifellos komplex und volatil bleiben wird. Vor allem sind wir mit unserer 230-jährigen Tradition in der Lage, den Blick für das Ganze zu behalten und kurzfristige Turbulenzen von grundlegenderen Wirkkräften zu unterscheiden. Wir treten besonnen einen Schritt zurück und investieren mit dem klaren Ziel, das Vermögen unserer Kundinnen und Kunden langfristig zu erhalten und zu mehren.“

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig ist, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende.

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