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Die Risiken der Klimakrise neu denken

LOcom_AuthorsAM_Minio-Paluello.png   Carolina Minio-Paluello
Global Head of Sales and Solutions 
Lombard Odier Investment Managers


Laut Jean-Claude Junker, dem Präsidenten der Europäischen Kommission, bräuchten wir etwa vier Planeten, wenn wir unseren derzeitigen Lebensstil aufrechterhalten wollen. Unglücklicherweise haben wir nur einen. Wenn man bedenkt, dass die Weltbevölkerung Prognosen zufolge in den nächsten 30 Jahren um drei Milliarden Menschen wachsen wird, dann haben wir offenbar ein sehr grosses Problem.


Mehr mit weniger

Seit den Fünfzigerjahren hat sich die Bevölkerung bereits verdreifacht. Da die Menschen gesünder und wohlhabender geworden sind, benötigen sie nicht nur mehr Nahrungsmittel, sondern auch proteinreichere Lebensmittel. Folglich ist die Fleischproduktion um 600% gestiegen1. Das US-Landwirtschaftsministerium erwartet, dass der durchschnittliche Amerikaner in diesem Jahr die Rekordmenge von 101 Kilogramm an rotem Fleisch und Geflügel verzehren wird. Das Weltwirtschaftsforum prognostiziert, dass die Fleischproduktion von 1960 bis 2050 um den Faktor 10 steigen wird.

Die Fleischproduktion hat jedoch etwas von einem Teufelskreis. Die Fleischnachfrage treibt den Planeten bereits heute weit über seine Tragfähigkeitsgrenze hinaus. Wie schaffen wir es, diese Herausforderung zu bewältigen, wenn sich die Nachfrage nach Fleisch und Proteinen wie erwartet in den nächsten 30 Jahren verdoppelt?

Seit den Achtzigerjahren hat sich die Rindfleischproduktion verlangsamt. Die Zahl der Kühe auf dem Planeten erreichte 1989 einen Spitzenwert von etwas mehr als 1,1 Milliarden. 2017 dürfte der Wert knapp unter einer Milliarde liegen2. Einer der Gründe hierfür ist, dass die Massentierhaltung, von der man annahm, dass sie effizienter als die Weidehaltung ist, in Wirklichkeit äusserst ineffizient ist.
 

Rund ein Drittel des weltweit produzierten Getreides wird an Nutzvieh verfüttert – das würde ausreichen, um vier Milliarden Menschen zu ernähren.


Die Ausweitung der Agrarflächen belastet die natürlichen Ressourcen wie Süsswasser, Wälder und Ozeane bereits jetzt massiv, da sie zur Entwaldung, Bodenerosion und Meeresverschmutzung beiträgt. Dem Grantham Centre for Sustainable Futures der University of Sheffield zufolge hat der Planet in den letzten 40 Jahren bereits ein Drittel seines Ackerlands verloren.
 

Wo werden wir also all das Getreide anpflanzen und die Tiere unterbringen, um in 30 Jahren doppelt so viel Protein zu produzieren?


Mehr noch: Die Fleischproduktion zu Lande und die entsprechende Landwirtschaft beeinträchtigt auch unsere Fähigkeit, Protein aus alternativen Quellen zu gewinnen. Der Fleischindustrie wurde bereits die Schuld für die grösste „Todeszone“ im Golf von Mexiko gegeben, da Toxine aus Kuhmist und Dünger die Wasserstrassen verschmutzen. Diese Schadstoffe sind der Nährboden für Algenteppiche, die weiten Teilen des Ozeans den Sauerstoff entziehen und Meereslebewesen töten oder sie vertreiben. Das ist ein gravierendes Problem, wenn darüber nachgedacht wird, Rindfleisch durch Fisch als potenziellen (und gesünderen) Proteinlieferanten zu ersetzen.

Hinzu kommt, dass Nutzvieh aufgrund der hohen Treibhausgasemissionen und Faktoren wie Entwaldung in erheblichem Masse zum Klimawandel beiträgt. Da im Zuge der Erderwärmung die Wasserstände steigen und die Dürreperioden immer häufiger und stärker werden, werden unsere Möglichkeiten, genug Protein zu produzieren, immer mehr eingeschränkt.
 

Im Kern geht es darum, dass unser Umgang mit Fleisch und seiner Produktion eine sich selbst erhaltende Bedrohung für die globale Nahrungsmittelsicherheit erzeugt.

Nachhaltigkeit – das Fundament langfristiger Anlagerenditen

Und was hat das alles mit Anlageportfolios zu tun?

Ganz einfach: Es ist das Risiko.
 

Der Agrarsektor wird sich ändern müssen. Die dort tätigen Unternehmen müssen ihre Effizienz massiv steigern, wenn sie ihre Kosten in den Griff bekommen, ihre Rentabilität sichern und ihren Aktionären langfristig Renditen bescheren wollen.


Gibt es ein Entkommen vor dem Agrobusiness?

Nicht wirklich. Da es immer mehr globale Herausforderungen gibt, gibt es auch immer weniger Ausweichmöglichkeiten. Faktoren wie demografischer Wandel, Knappheit natürlicher Ressourcen, Klimawandel, Ungleichheit und der rasante technologische Fortschritt werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die meisten Unternehmen, Sektoren und letztlich auch Volkswirtschaften grundlegend verändern.

Und der Wandel vollzieht sich rasch.
 

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Beispielsweise fordern die Regierungen weltweit immer dringlicher eine Antwort auf die Klimakrise. Zwei Jahrzehnte mag ein langer Zeitraum sein. Doch wenn es darum geht, mehrere Branchen und nationale Infrastruktursysteme umzugestalten, ist er überhaupt nicht lang. Und je schneller sie sich verändern müssen, desto grösser ist das Risiko, dass Schocks auftreten.

Nehmen wir zum Beispiel die Entscheidung, Autos mit Verbrennungsmotor ab 2040 in Ländern wie Grossbritannien, Frankreich, Indien, Norwegen, China und dem US-Bundesstaat Kalifornien zu verbieten. Die Konsequenzen für die Autoindustrie von heute sind tiefgreifend.

Die Autohersteller haben bereits heute Schwierigkeiten, sich genug Lithium zur Produktion von Batterien für Elektrofahrzeuge zu sichern, denn das Angebot an Lithium hält nicht Schritt mit der wachsenden Nachfrage. Die Preise für Lithiumcarbonat, das in der Kathode einer Batterie verarbeitet wird, haben sich von 2015 bis 2017 verdoppelt, und Experten warnen vor einem „Superzyklus“, der die Preise noch viel stärker in die Höhe treiben könnte. Welche Autohersteller werden sich die besten Preise sichern können? Welche werden Wachstumsprobleme bekommen, wenn sie sich kein Lithium zu stabilen Terminpreisen sichern können? Wie werden sich unabhängige Hersteller im Kampf um das Lithiumangebot gegen nationale Grosskonzerne behaupten?

Doch das sind nicht die einzigen Auswirkungen dieser regulatorischen Initiative. Auch die Zulieferer der Autohersteller und die Autohändler werden davon betroffen sein, ebenso wie Tankstellen und Wohngegenden in diesen Ländern: Neue Ladestationen müssen installiert und alte Zapfsäulen für Diesel und Benzin abgebaut und entsorgt werden. Und der ganze Strom muss ja irgendwie von irgendwoher kommen.
 

Veränderungen dieser Grössenordnung schaffen Risiken und Chancen für Unternehmen in vielen Sektoren. Jene, die sich mit der Anpassung und dem Übergang schwertun, könnten von den Aktien- und Anleihemärkten bestraft werden.


Letztlich ist dies nur ein Beispiel, wie die Herausforderungen der Nachhaltigkeit die sozialökologischen Praktiken der Unternehmen mit ihrer Aktienbewertung stärker miteinander verknüpfen.


Geschäftsmodelle neu denken

Angesichts des Ausmasses der laufenden Veränderungen müssen sich die Anleger unseres Erachtens einige fundamentale Fragen stellen:

  • Bestimmen Nachhaltigkeitsfaktoren die Entwicklung der Volkswirtschaften heute und auch in der in Zukunft?
  • Wie schnell wird der Übergang vonstattengehen?
  • Bereiten sich die Unternehmen auf einen geordneten Übergang vor?
  • Was können Anleger tun, um Schocks in ihren Portfolios zu vermeiden und Chancen wahrzunehmen und nachhaltige risikobereinigte Renditen zu erzielen?

Als langfristige Anleger ist es unsere Aufgabe zu analysieren, welche Sektoren zu den Gewinnern und welche zu den Verlierern gehören werden, welche Unternehmen (und Länder) sich anpassen, Innovationen entwickeln und nachhaltig geführt werden. Die Antworten auf diese Fragen müssen wir bei der Konstruktion eines Portfolios berücksichtigen.
 

Schliesslich betrifft die Nachhaltigkeit viele Sektoren, Anlageklassen und Rechtsordnungen. Sie gehört nicht nur in eine kleine Nische eines Portfolios, sondern muss in das gesamte Anlagespektrum integriert werden.


Wir bei Lombard Odier sind davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit ein entscheidender Faktor für das Wirtschaftswachstum und langfristiges Investieren ist. Deshalb wird es immer wichtiger, Nachhaltigkeit in jeden Anlageprozess zu integrieren.

Wir nennen diesen Prozess verantwortungsvolles Investieren.

1 Earth Policy Institute
2 USDA, World Cattle Inventory

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von Lombard Odier (Europe) S.A., einem in Luxemburg durch die Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) zugelassenen und von dieser regulierten Kreditinstitut, herausgegeben. Diese Mitteilung wurde von jeder ihrer Zweigniederlassungen, die in den am Ende dieser Seite angegebenen Gebieten tätig sind (nachstehend "Lombard Odier"), zur Veröffentlichung genehmigt.

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