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Herausforderung oder Chance? Branchen mit schwer reduzierbaren Emissionen neu denken

Für viele, die Netto-Null-Emissionen anstreben, stellen Branchen mit schwer reduzierbaren Emissionen ein Problem dar, über das sie lieber nicht nachdenken möchten. Doch Probleme lassen sich lösen und Rückfälle verhindern. Und die angewandten Methoden geben in der Tat Anlass zur Hoffnung in unserem Bestreben, Netto-Null zu erreichen.

Für viele Branchen ist das, was erforderlich ist, um Netto-Null zu erreichen, relativ offensichtlich: die Umstellung auf 100% CO2-freie Energielieferanten für den Betrieb und gegebenenfalls die Abkehr von der Herstellung von Produkten, die auf fossilen Brennstoffen basiert. Der Begriff „Branche mit schwer reduzierbaren Emissionen“ bezieht sich dagegen auf alle Sektoren, für die der Übergang alles andere als einfach ist, weil sie entweder nicht über die entsprechende Technologie verfügen oder die Kosten unerschwinglich bleiben.

Der Begriff „Branche mit schwer reduzierbaren Emissionen“ bezieht sich dagegen auf alle Sektoren, für die der Übergang alles andere als einfach ist, weil sie entweder nicht über die entsprechende Technologie verfügen oder die Kosten unerschwinglich bleiben

Dies kann aus verschiedenen Gründen der Fall sein. So werden in vielen Schwerindustrien wie der Stahl-, Zement- und Aluminiumindustrie Verfahren mit extrem hohen Temperaturen eingesetzt, die heute nur durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe kosteneffizient realisiert werden können. Einige Branchen, darunter die chemische Industrie, erzeugen auch Emissionen aus nichtenergetischen Quellen – die Herstellung von Ammoniak beispielsweise erfordert Erdgas als Ausgangsstoff. Viele dieser industriellen Prozesse sind zudem hochgradig integriert und komplex. Das macht die Suche nach neuen, CO2-freien Ansätzen ebenso kompliziert wie kostspielig – was angesichts der hohen Kosten, die bereits in die Verfeinerung dieser Prozesse geflossen sind, dazu führen kann, dass viele Industriezweige vor Veränderungen zurückschrecken. Andere Branchen können dagegen nicht elektrifiziert werden, weil sie hochverdichtete, lokale Energiequellen benötigen – ein Bedarf, der immer noch am besten durch fossile Brennstoffe gedeckt wird. Bekanntestes Beispiel hierfür ist der Schwerlastverkehr, zu dem die Schifffahrt, der LKW-Verkehr und die Luftfahrt zählen. Während ein Flugzeug mit Kerosin problemlos sehr grosse Entfernungen zurücklegen kann, waren Solarzellen oder Batterien bisher oft zu schwer oder nicht haltbar genug, um es lange in der Luft zu halten – es sei denn, es befördert praktisch keine Passagiere oder Fracht.

Wir sind der Meinung, dass es weitaus wirkungsvoller und lohnender ist, in Unternehmen in Branchen zu investieren, die sich glaubwürdig auf den Wandel in emissionsintensiven und schwer abbaubaren Sektoren einstellen, als nur in kohlenstoffarme Sektoren zu investieren


Natürlich wäre die Tatsache, dass die Emissionen in diesen Branchen so schwer zu reduzieren sind, nicht so gravierend, wenn ihr relativer Beitrag zu den globalen Emissionen gering wäre oder wir diese Industriezweige einfach ganz abschaffen könnten. Leider ist weder Ersteres der Fall, noch ist Letzteres wünschenswert oder realistisch. Die meisten Branchen mit schwer zu reduzierenden Emissionen produzieren Dinge, die wir auch in einer Netto-Null-Zukunft weiterhin brauchen werden, darunter Stahl, Zement, Aluminium, Industriechemikalien und Schwerlastverkehr. Und genau diese Branchen sind jedoch zusammen für beinahe ein Drittel der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich1. Daher können wir es uns nicht leisten, sie zu ignorieren oder auf die Zukunft zu warten, wenn wir eine Chance haben wollen, Netto-Null zu erreichen.


Die Herausforderung neu formulieren

Es ist kaum überraschend, dass so viele pessimistisch auf Branchen mit schwer reduzierbaren Emissionen blicken. Aber auch wenn es in Bezug auf Emissionen an anderen Herausforderungen nicht mangelt, so müssen wir sie doch alle angehen, wenn wir Netto-Null erreichen wollen. Und die Herausforderung der Branchen mit schwer reduzierbaren Emissionen ist eine davon.

Doch wo einige einen Grund für eine Bedrohung sehen, betrachten andere den Sektor als eine Chance. Denn wenn Branchen mit schwer reduzierbaren Emissionen für einen so bedeutenden Anteil der globalen Emissionen verantwortlich sind, wäre ihre erfolgreiche Dekarbonisierung ein ebenso bedeutender Schritt in Richtung Netto-Null. Und glücklicherweise sind die Emissionen in diesen Branchen zwar schwer zu reduzieren, doch sie sind möglich.

Wir bei Lombard Odier sind der Meinung, dass es weitaus wirkungsvoller und lohnender ist, in Unternehmen zu investieren, die sich glaubwürdig auf den Wandel in emissionsintensiven und schwer abbaubaren Sektoren einstellen, als nur in kohlenstoffarme Sektoren zu investieren.

Dank unserer internen Know-hows verfügen wir über hochentwickelte Fähigkeiten zur Bewertung der Dekarbonisierungspfade von über 23‘000 Unternehmen. Unser Ansatz ermöglicht es uns insbesondere, die sogenannten „Eiswürfel“ zu identifizieren: Unternehmen in emissionsintensiven Branchen mit schwer reduzierbaren Emissionen, die  das grösste Potenzial haben, unseren Planeten mit glaubwürdigen, radikalen Strategien zur Dekarbonisierung wieder abzukühlen.

Unser Ansatz es uns die sogenannten „Eiswürfel“ zu identifizieren: Unternehmen in emissionsintensiven Branchen...die das grösste Potenzial haben, den Planeten mit glaubwürdigen, radikalen Strategien zur Dekarbonisierung wieder abzukühlen


In direktem Gegensatz gehören für uns die grossen CO2-Emittenten, die den Übergang offenkundig ablehnen oder keine Pläne zur Dekorbanisierung haben, in die Kategorie der „brennenden Holzscheite“. Sie sind nicht nur deshalb zu meiden, weil sie unsere Bemühungen zur Erreichung von Netto-Null und zur Eindämmung des Klimawandels behindern, sondern auch, weil sie nicht in der Lage sind, langfristig erfolgreich an dem teilzunehmen, was wir als die unvermeidliche Nachhaltigkeitsrevolution und den Übergang zu einer CLIC™-Wirtschaft ansehen – einer Wirtschaft, die kreislauforientiert, effizient, integrativ und sauber (Circular, Lean, Inclusive, Clean) ist.


Kurz gesagt: „Eiswürfel“ sind in der Regel Investitionen in die Zukunft sind, während „brennende Holzscheite“ keine sind – sowohl finanziell als auch ökologisch. Abgesehen von politischen Massnahmen, die Anreize für die Umstellung dieser Branchen auf CO2-arme oder -freie Alternativen schaffen, kommt den Investoren dabei eine entscheidende Rolle zu, die für diese Umstellung erforderlichen Innovationen voranzutreiben.

Beispielsweise hat Wasserstoff das Potenzial, Branchen mit schwer reduzierbaren Emissionen, die aus einer Vielzahl von Gründen nicht elektrifiziert werden können, den Übergang zu Netto-Null zu ermöglichen. Wasserstoffbrenner könnten in Verbindung mit Elektroheizungen eingesetzt werden, um die hohen Temperaturen zu erzeugen, die für viele Prozesse in der Schwerindustrie erforderlich sind, sodass diese ohne die Verbrennung fossiler Brennstoffe betrieben werden könnten2. Die Luftfahrt wiederum könnte eines Tages durch den Austausch von Kerosin durch Wasserstoffkraftstoff dekarbonisiert werden.

Die Luftfahrt könnte eines Tages durch den Austausch von Kerosin durch Wasserstoffkraftstoff dekarbonisiert werden


In der Zwischenzeit könnten neue Technologien zur Abscheidung, Nutzung und Speicherung von Kohlenstoff (CCUS) die Schwerindustrie, die noch keine Lösung zur Dekarbonisierung gefunden hat, in die Lage versetzen, CO2-Emissionen zu vermeiden. Zunächst könnten je nach Industrieprozess Technologien wie die chemische Kreislaufverbrennung, die Gasabscheidung mit Membranen oder die Gashydratisierung eingesetzt werden, um CO2-Emissionen abzuscheiden, bevor diese in die Atmosphäre gelangen. Anschliessend kann der Kohlenstoff beispielsweise durch mineralische oder geologische Speichermethoden gebunden oder sogar zur Herstellung von Produkten wie Kunststoffen, Beton oder Biokraftstoffen verwendet werden.

Dies sind nur zwei der Möglichkeiten, wie Branchen mit schwer reduzierbaren Emissionen in Zukunft Netto-Null erreichen könnten. Dennoch – und das beweist die Tatsache, dass nach wie vor solche Branchen existieren – ist jede dieser Methoden mit Herausforderungen verbunden. So ist beispielsweise die CO2-neutrale Wasserstofferzeugung noch immer zu teuer, um wirtschaftlich rentabel zu sein – ein Problem, das, neben der Tatsache, dass sie sich im grossen Massstab noch nicht bewährt hat, auch die CCUS-Technologien betrifft.

Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Und da das Erreichen von Netto-Null-Emissionen und die Dekarbonisierung von Branchen mit schwer reduzierbaren Emissionen Notwendigkeiten sind, fördert dies letztlich Innovationen – vorausgesetzt, die Investoren erkennen die Chancen, die von diesen Industriezweigen ausgehen, und haben die Vision, diese Innovationen zu fördern. Lombard Odier ist bestrebt, die „Eiswürfel“ zu identifizieren und in emissionsintensive Branchen mit schwer reduzierbaren Emissionen zu investieren, die konkrete Pläne zur Erreichung des Ziels Netto-Null beschliessen, sowie in Pionierunternehmen, die die dafür erforderliche Technologie schaffen.

…es liegt in unserer Verantwortung, Unternehmen zu bevorzugen, die den Wandel vorantreiben, um Renditen für unsere Kunden zu erzielen

 

Wir tun dies, weil es in unserer Verantwortung liegt, Unternehmen zu bevorzugen, die den Wandel vorantreiben, um Renditen für unsere Kunden zu erzielen. In einer Welt, die sich der Unausweichlichkeit der Nachhaltigkeitsrevolution und der Notwendigkeit, Netto-Null-Emissionen zu erreichen, bewusst wird, sind dies die Investitionen in die Zukunft.

1 Energy Transitions Commission (2018) ‘Mission Possible: Reaching Net-Zero Carbon Emissions from Harder-To-Abate Sectors by Mid-Century’.
2 Hydrogen Council (2017) ‘How hydrogen empowers the energy transition’.

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG oder einer Geschäftseinheit der Gruppe (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig wäre, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende Abgabe rechtswidrig wäre.

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