Das „Unexpected Portfolio“ – ein ganzheitlicher Investitionsansatz auf dem Weg zu Netto-Null

FT Rethink

Das „Unexpected Portfolio“ – ein ganzheitlicher Investitionsansatz auf dem Weg zu Netto-Null

Viele der heute auf Nachhaltigkeit setzenden Strategien schliessen jene Unternehmen aus, die letztendlich die grössten Beiträge zur künftigen CO2-Reduktion beitragen werden.

Das Industriegelände von Nippon Steel in Wakayama an der Westküste der japanischen Halbinsel Kii erweckt beim besten Willen nicht den Eindruck eines CO2-armen Betriebs. Die ausgedehnt erbauten Gebäude, die sich über das Gelände schlängelnden Rohre und die unzähligen Schornsteine haben jahrzehntelang Stahl aus glühend heissen Hochöfen produziert. Deutlich sichtbar weisen sie auf eine der weltweit am meisten CO2 ausstossenden Branchen hin. Anfang dieses Jahres kündigte Nippon Steel, der weltweit drittgrösste Stahlproduzent, nun an, dass das Unternehmen hohe Beträge in die Wasserstoffforschung und sonstige neuste Technologien investiert, um CO2-Emissionen zu senken und bis 2050 das Netto-Null-Ziel zu erreichen.

 

„Wir nehmen die Herausforderung an, innovative Technologien wie die Massenproduktion von hochwertigem Stahl in Elektroöfen, die drastische Reduktion von CO2-Emissionen und weitere Entwicklungen im Bereich Wasserstoffreduktionsverfahren einzuführen“, kündigte das Unternehmen im März an1. „Wir wollen CO2-neutral werden, indem wir einen umfassend angelegten Ansatz wählen.“

Viele der heute auf Nachhaltigkeit setzenden Strategien schliessen jene Unternehmen aus, die letztendlich die grössten Beiträge zur künftigen CO2-Reduktion beitragen werden

Viele der aktuell verfolgten Invesitionsansätze in nachhaltige Wertschöpfungsketten und eine kohlenstoffarme Wirtschaft dürften Nippon Steel aufgrund seines historischen und derzeitigen CO2-Fussabdrucks übersehen oder sogar ausschliessen. Dazu kommt die Tatsache, dass dieses Unternehmen in einem Sektor tätig ist, der bei den zunehmend klimabewussten Anlegern von heute unbeliebt ist. 

Bei diesen Ansätzen wird jedoch häufig verkannt, dass Unternehmen, die gegenwärtig enorme Emissionen verursachen, aber aus geschäftlichen Gründen gezwungen sind, diese in Zukunft erheblich zu reduzieren und auch über die finanziellen Mittel für diesen Übergang verfügen, den grössten Beitrag zur Dekarbonisierung leisten werden.

Infolgedessen neigen die Strategien dazu, klimarelevante Sektoren zu meiden, was wiederum zu einer reduzierten Portfoliodiversifizierung und einem grösseren Konzentrationsrisiko führt. Sie verkennen auch, dass Unternehmen, die sich an den globalen Übergangstrend anpassen, neue Wettbewerbsvorteile und Chancen erhalten, ihren Marktanteil zu vergrössern. Diese Strategien riskieren letztlich, die Chance des Wandels zu verpassen. 

[Strategien] verkennen auch, dass Unternehmen, die sich an den globalen Übergangstrend anpassen, neue Wettbewerbsvorteile und Chancen erhalten, ihren Marktanteil zu vergrössern

Heute stösst die Welt jedes Jahr insgesamt 52 Mrd. Tonnen Treibhausgase aus2. Um die Erderwärmung zu begrenzen, müssen diese Emissionen auf Null reduziert werden. Spätestens 2050 müssen die CO2-Emissionen das Netto-Null-Ziel erreichen, wenn die globale Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 1,5 °C begrenzt werden soll.

Doch es genügt nicht, dieses Ziel bis 2050 zu erreichen. Um die Erderwärmung wie geplant einzudämmen, müssen wir unsere Emissionen jedes Jahrzehnt um rund die Hälfte reduzieren. Die Verringerung unserer Emissionen bis 2030 um 50% ist eine der grössten wirtschaftlichen Herausforderungen aller Zeiten und wird zweifelsohne Gewinner und Verlierer hervorbringen.

Doch um die Gewinner von den Verlierern zu unterscheiden, bedarf es einer ganzheitlichen und langfristigen Betrachtung der Unternehmen. Zudem ist es erforderlich, die Kosten, die Verfügbarkeit und das Potenzial der verschiedenen technologischen Lösungen zu verstehen. Nur durch den Zugang zu derartig detaillierten Fahrplänen können wir verstehen, wie sich der Übergang gestalten wird und welche Akteure dabei eine führende Rolle einnehmen könnten.

…„Eiswürfel“: ein Unternehmen, das in einem CO2-intensiven Sektor tätig ist, dessen Strategien und Initiativen es jedoch in Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen und den darin gesetzten Zielen bringen können

Das Unternehmen Nippon Steel, das seine zukünftigen Investitionen in die Wasserstofftechnologie auf JPY 500 Mrd. für Forschung und Entwicklung sowie 4 bis 5 Bio. JPY in Werksanlagen geschätzt hat, ist das, was wir einen „Eiswürfel“ nennen: ein Unternehmen, das in einem CO2-intensiven Sektor tätig ist, dessen Strategien und Initiativen es jedoch in Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen und den darin gesetzten Zielen bringen können.

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Unternehmen dieser Art stehen im Gegensatz zu jenen, die wir als „brennende Holzscheite“ bezeichnen. Dies sind Unternehmen mit hohen Emissionswerten, die wahrscheinlich weiter grosse CO2-Mengen ausstossen, überproportional zur Erderwärmung beitragen und besonders anfällig für Übergangsrisiken bleiben werden. Wenn die Transformation weiter voranschreitet, könnten diese Unternehmen ihre Position an agilere Mitbewerber verlieren.

Nippon Steel ist nur einer von vielen Eiswürfeln. Ein weiteres dieser Kategorie angehörendes Unternehmen ist Volkswagen. Der deutsche Autokonzern treibt die Transformation zum Hersteller von Elektrofahrzeugen rasant voran. Im Übrigen ist es sinnvoll, einen ganzen Sektor zu transformieren, der jahrzehntelang durch die Fertigung von Benzinmotoren zur Erderwärmung beigetragen hat. 

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…„brennende Holzscheite“… sind Unternehmen mit hohen Emissionswerten, die wahrscheinlich weiter grosse CO2-Mengen ausstossen, überproportional zur Erderwärmung beitragen und besonders anfällig für Übergangsrisiken bleiben werden

Ein weniger offensichtliches Beispiel ist LafargeHolcim. Tatsächlich könnte der weltgrösste Zementhersteller bei zahlreichen beliebten Ansätzen für nachhaltige Anlagen schnell in die Kategorien der „ausgeschlossenen“ Unternehmen fallen. Bauwerke repräsentieren laut Schätzungen etwa 40% des gesamten CO2-Fussabdrucks Grossbritanniens3, und im übrigen Europa dürfte die Situation nicht viel anders aussehen.

Der Schweizer Hersteller von Zement und Zuschlagstoffen hat jedoch bereits seine öffentlich angekündigte Transformation in Richtung Netto-Null eingeleitet. Das Unternehmen prüfte zunächst umweltfreundlichere Baustoffe, CO2-Abscheidungstechnologien und die Herstellung von Brennstoffen aus Abfall. Bis 2030 soll das erste CO2-neutrale Zementwerk eingeweiht werden. Das Unternehmen hat zugesichert, ein Netto-Null-Betrieb zu werden und arbeitet zusammen mit der Initiative „Science Based Targets“ (SBT) ferner an einem Fahrplan, um dieses Ziel zu erreichen.4 Das Unternehmen ist noch nicht ganz am Ziel, aber es bewegt sich in die richtige Richtung.

„Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir die Grenzen auf unserem Weg zu Netto-Null stetig auf der Basis wissenschaftsbasierter Ziele erweitern”, sagt Jan Jenisch, CEO des Unternehmens5. „Wir beschleunigen kohlenstoffarme und zirkuläre Lösungen, um führend auf dem Gebiet des nachhaltigen Bauens zu werden.“

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Den grössten Beitrag zur künftigen Senkung der CO2-Emissionen werden jedoch die Unternehmen leisten, die den Übergang wagen und heute noch in den ungeliebten Sektoren tätig sind

Die Unternehmen, die als Gewinner und Verlierer aus dem Übergang zu Netto-Null hervorgehen werden, gehören einem breiten Spektrum an Sektoren an. Den grössten Beitrag zur künftigen Senkung der CO2-Emissionen werden jedoch die Unternehmen leisten, die den Übergang wagen und heute noch in den ungeliebten Sektoren tätig sind. Erst wenn wir den Transformationspfad verstehen, auf dem sich die Unternehmen befinden, können wir ermitteln, welche Akteure sich vermutlich an die Spitze der neuen Wirtschaft setzen werden. Und das ermöglicht es uns, sie dabei auf dem Weg in die Zukunft zu unterstützen.

 

1 https://www.nippnonsteel.com/en/ir/library/pdf/20210305_100.pdf
2 World Resources Institute
3 https://www.ukgbc.org/climate-change/
4 Die Initiative „Science Based Targets“ (SBT) ist eine Kooperation zwischen dem Carbon Disclosure Project (CDP), dem Globalen Pakt der Vereinten Nationen, dem World Resources Institute sowie dem World Wide Fund for Nature (WWF).
5 https://www.lafargeholcim.com/climate-energy

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