Mit Blick auf die USA hält die Schweiz ihr Schicksal in den eigenen Händen

Mit Blick auf die USA hält die Schweiz ihr Schicksal in den eigenen Händen

Artikel, veröffentlicht im Le Temps 17. August 2025.

Während der chinesische und der deutsche Markt in den letzten Jahren stark nachgegeben haben, ist es der Schweiz gelungen, ihre Exporte in die USA zu diversifizieren. Seit 2020 sind die Vereinigten Staaten dem Wert nach der wichtigste Exportmarkt der Schweiz hinter der Europäischen Union. Diese Entwicklung hat zu einer Abhängigkeit von den amerikanischen Verbraucherinnen und Verbrauchern geführt – was sich als zweischneidiges Schwert erweist.

Die erratische Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump ist Spiegelbild seiner Überzeugung: Ein Land, das mehr in die USA exportiert, als es von dort importiert, „bestiehlt“ die Amerikaner. Diese Sichtweise hat die Schweiz überrumpelt. Ein Zollsatz von 39% gegenüber unserem Land ist objektiv schwer zu rechtfertigen, vergleicht man ihn mit den 15%, welche die EU und Japan ausgehandelt haben.

Dieser Zollsatz gilt nicht für Gold und pharmazeutische Produkte – was bedeutet, dass etwas mehr als die Hälfte der Schweizer Exporte nach Amerika noch nicht betroffen ist. Mit anderen Worten: Die US-Zölle gelten aktuell für etwa 3,5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Schweiz. Ein Teil der Exporte könnte über andere Destinationen umgeleitet werden. Dies ist ein überschaubares Risiko für unser Land, drohen die USA doch für diese Art von „Transshipments“ einen geringfügig höheren Strafzoll von 40% an.

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Die Schweiz hat wenig Möglichkeiten, eine Regierung zu beschwichtigen, deren Politik herkömmlicher Wirtschaftslogik entbehrt. Und es ist unklar, was die Eidgenossenschaft noch am Verhandlungstisch vorbringen könnte. Die Zölle auf die meisten in die Schweiz importierten Produkte liegen bereits bei null. Und während die Schweiz beim nominalen BIP weltweit nur Platz 21 belegt, ist sie der siebtgrösste ausländische Investor in den USA. Zum Teil liegt das an den Investitionsausgaben der Pharmabranche. Den Ankündigungen der Unternehmen zufolge sind Finanzspritzen von knapp USD 300 Mrd. in die amerikanische Wirtschaft geplant.

Ebenso schwer ist vorstellbar, dass Zölle von 39% – mehr als das Doppelte dessen, was für die EU und Japan gilt, und die höchsten Sätze für ein Industrieland – unendlich in Kraft bleiben

Ebenso schwer ist vorstellbar, dass Zölle von 39% – mehr als das Doppelte dessen, was für die EU und Japan gilt, und die höchsten Sätze für ein Industrieland – unendlich in Kraft bleiben. In manchen Sektoren hat die Schweiz bereits einen erheblichen Anteil an den Einfuhren in die USA. 2024 importierten die Amerikaner von uns über 80% ihrer Uhren, 13% ihres Kaffees, knapp 10% ihrer Edelmetalle und fast 9% ihrer pharmazeutischen Produkte.

Wirtschaftliche Folgen

Aufgrund der am 1. August angekündigten neuen US-Zölle haben wir unsere Prognose für das Wirtschaftswachstum der Schweiz im Jahr 2025 von 1,1% auf 0,9% korrigiert. Die Gründe für diese Änderung sind die Exportabhängigkeit der Schweiz, die Bedeutung des US-Markts für unser Land sowie die Konjunkturabschwächung. Berücksichtigt haben wir auch die Deflation. Sie hat sich in der Schweiz stabilisiert, nachdem die rückläufigen Energiepreise und der starke Franken für Druck gesorgt hatten.

Muss die Schweizerische Nationalbank erneut auf Negativzinsen setzen? Der Leitzins von null ist bereits auf seinem Tiefstand in diesem Zyklus. Negativzinsen sind natürlich nicht auszuschliessen. Sie erscheinen jedoch als Ultima Ratio, sollte etwa der Franken im Verhältnis zu den wichtigsten Währungen massiv aufwerten. Zu betonen ist auch, dass Negativzinsen kaum Wirkung auf die Belebung der Inlandsnachfrage im Vergleich zu den jetzigen Nullzinsen hätten.

Wichtig: Die Schweiz verfügt über erheblichen haushaltspolitischen Spielraum. Langfristige Investitionen in Energie, Verteidigung und Infrastruktur würden die Binnennachfrage wirksamer ankurbeln als eine Rückkehr zu Negativzinsen. Andere Instrumente, wie staatliche Unterstützung für Unternehmen und Arbeitnehmende, die von den Auswirkungen der Zölle betroffen sind, kommen ebenfalls infrage, um den Schock abzufedern. Auch sie wären effizienter als Negativzinsen – bei weniger Nebenwirkungen.

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Abgesehen davon haben die Zölle Folgen für beide Seiten. Der von den USA auf ihre eigenen Einfuhren erhobene Zoll wird nämlich grösstenteils von den Importeuren und den amerikanischen Verbrauchern getragen. Bis jetzt haben die amerikanischen Unternehmen die Probleme antizipiert und Reserven angelegt. Aber dieses Polster hält nicht ewig. Die tatsächlichen Schäden werden im Laufe der nächsten Wochen und Monate immer deutlicher hervortreten.

Es gibt keinen Grund für die Annahme, das Land könne sich nicht erneut anpassen, die Fiskalkapazität zur Steigerung der Produktivität nutzen und so der amerikanischen Herausforderung begegnen

Die Verhandlungen können noch zu Zöllen führen, die mit denjenigen unserer europäischen Nachbarn vergleichbar sind. Die Frage ist nur, wie viel Zeit die Schweiz braucht, um bessere Bedingungen auszuhandeln – die sich nur aus einem direkten Gespräch mit dem US-Präsidenten ergeben können. Je länger die Zölle in Kraft sind, desto stärkere Auswirkungen haben sie auf die Schweizer Wirtschaft. Niemand weiss, ob Zugeständnisse ausreichen, um einen Zugang zum US-Markt zu günstigen Bedingungen sicherzustellen. Die Schweizer Wirtschaft hat jedoch schon wiederholt bewiesen, wie flexibel sie ist. Trotz einer starken Währung und fehlender natürlicher Ressourcen ist es der exportorientierten Wirtschaft stets gelungen, sich anzupassen. Es gibt keinen Grund für die Annahme, das Land könne sich nicht erneut anpassen, die Fiskalkapazität zur Steigerung der Produktivität nutzen und so der amerikanischen Herausforderung begegnen.

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