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    Die CLIC®-Chronik : Der Baum des Lebens - Motor der Bio-Kreislaufwirtschaft

    Die CLIC®-Chronik : Der Baum des Lebens - Motor der Bio-Kreislaufwirtschaft

    Es gibt mehr als 3 Billionen Bäume auf der Erde. In Wistman's Wood, einem uralten Wald im Vereinigten Königreich, wachsen die knorrigen Eichen selten auf eine Höhe von über einem Meter heran – während die Mammutbäumen in den kalifornischen Nationalparks bis zu 100 Meter gross werden. Sämtliche Bäume erbringen uns wesentliche ökologische Dienste: Sie binden Kohlenstoff, bieten einer grossen Vielfalt von Lebewesen einen Lebensraum, filtern Wasser und nähren und stabilisieren den Boden, in dem sie verwurzelt sind. Der Amazonas, der grösste Regenwald der Welt, hat sogar Einfluss auf die Niederschlagsmuster Tausende von Kilometer über seine Grenzen hinaus.


    Entdecken Sie unsere CLIC® Shapers-Serie - sehen Sie sich unser Video mit Marc Palahi an, dem Direktor des European Forest Institute und Vorsitzenden der Circular Bioeconomy Alliance. Seiner Meinung nach sind Wälder "das Rückgrat des Lebens auf unserem Planeten" und der Schlüssel zur Schaffung einer neuen, nachhaltigen Wirtschaft, "die von der Natur gespeist wird".

    Seit Jahrtausenden dienen diese Bäume als geografische Anhaltspunkte; die langlebigste Sorte, die Borstenkiefer des Great Basins, kann bis zu 5’000 Jahre alt werden. Bäume vermitteln den in ihrer Nähe lebenden Gemeinschaften ein Gefühl der Kontinuität. Sie waren zudem sogar Zentren religiöser Riten sowie Gegenstand schamanischer Legenden.

    Einige dieser Legenden erzählen von sprechenden Bäumen.

    Wie bei anderen Mythen entdeckt die Wissenschaft nun den dahintersteckenden Funken Wahrheit: Bäume kommunizieren in der Tat miteinander. Mittels enormer, unterirdischer Pilznetzwerke, die sich über ganze Wälder erstrecken, tauschen die Bäume Wasser, Nährstoffe und Warnungen vor Dürre oder Krankheiten aus. Der Mutterbaum, der oft grösste und älteste in einem Wald, fungiert als zentraler Knotenpunkt für diese Netzwerke: Er versorgt seine Nachkommen mit den „Pilzinfektionen“, die sie zur Abwehr von Schädlingen und sogar zur Bekämpfung invasiver Bäume benötigen. Damit gewährleisten sie das Fortbestehen des eignen Familienstammes.

    Es gibt noch vieles, was wir über Bäume lernen müssen. Laut Marc Palahi Leiter des Europäischen Forstinstituts, könnte von ihnen das künftige Leben auf der Erde abhängen. „Wälder bedecken 31% der gesamten Landfläche. Sie bieten damit eine wichtige biologische Infrastruktur, das Rückgrat des Lebens auf unserem Planeten und den Schlüssel zur Schaffung einer neuen, nachhaltigen, naturbasierten Kreislaufwirtschaft.“ 

    Marc Palahi hat sich den Aufbau dieser neuen Bio-Kreislaufwirtschaft zur Lebensaufgabe gemacht. Neben seiner Funktion im Europäischen Forstinstitut ist er Vorsitzender der Circular Bioeconomy Alliance, die 2020 von Seiner Majestät King Charles III. gegründet wurde. Die Alliance will den Übergang zu einem Wirtschaftsmodell beschleunigen, bei dem „das Leben und nicht der Konsum treibende Kraft ist“.

    Hier erklärt Palahi, weshalb er den Übergang zu einer Bio-Kreislaufwirtschaft als unabdingbar erachtet, um künftigen Generationen einen gesunden Planeten zu hinterlassen. Und inwiefern Bäume der Schlüssel zum Erfolg sein könnten.

     

    Lebende Laboratorien

    „Als wir die Circular Bioeconomy Alliance (CBA) ins Leben riefen“, so Marc Palahi, „war das ein eher abstraktes Konzept. Wir entwickelten lebende Laboratorien (Living Labs), um zu zeigen, wie diese neue Wirtschaft in Symbiose mit der Natur und den lokalen Gemeinschaften funktioniert.“

    Eines dieser Living Labs ist die von Indigenen geführte Initiative «Amazon Sacred Headwaters» im Amazonasgebiet von Ecuador und Peru. Das Projekt erstreckt sich über eine Fläche von 35 Millionen Hektar, auf der 600’000 Menschen von über 30 indigenen Völkern leben. Ziel ist, die Wiederherstellung des Regenwaldes zu beschleunigen. Zugleich soll das Projekt neue waldbasierte Wertschöpfungsketten rund um den Anbau von Kakao, Vanille und Heilpflanzen schaffen – und auch bezüglich des Ökotourismus. Durch die Generierung von wirtschaftlichem Wert beim Schutz der Wälder und bei ihrer nachhaltigen Bewirtschaftung schaffen die Living Labs der CBA neue Anreizformen; bislang hatten Anreize allzu oft lediglich Landdegradierung, Abholzung und Waldrodung zur Folge.

    Wir müssen von den indigenen Gemeinschaften lernen, wie wir unsere Wissenschaft für klügere Entscheidungen und ein höheres Mass an Weisheit nutzen können

    Die Initiative «Amazon Sacred Headwaters» kombiniert moderne Innovation mit alten Weisheiten. „Ich hatte das Glück, mehrere Wochen bei Indigenen mitten im Amazonas leben zu dürfen“, erzählte Palahi. „Von ihrem Naturwissen habe ich viel gelernt. Und ich war beeindruckt davon, wie sie dieses Wissen in Weisheit, Respekt für die Natur und für die Umwelt umzusetzen vermögen – selbst in unserer heutigen modernen Welt. Wir müssen von den indigenen Gemeinschaften lernen, wie wir unsere Wissenschaft für klügere Entscheidungen und ein höheres Mass an Weisheit nutzen können. Denn bislang gewinnen wir aus der Wissenschaft nur Technologie, die wir dann dazu einsetzen, von uns selbst geschaffene Probleme zu lösen.“

     

    Natürliche Lösungen

    Aktuell ist die Industrie für rund 30% der jährlichen Treibhausgasemissionen1 verantwortlich, so Marc Palahi. Dabei entfalle der grösste Teil auf die Produktion von Massengütern wie Zement, Petrochemie sowie Eisen und Stahl. Die Industrie zeichne für den Ressourcenraubbau verantwortlich; hier werden viele Produkte nach einmaliger Nutzung nicht wiederverwertet und landen auf Mülldeponien. 

    Viele der Lösungen, die wir für den Übergang brauchen, sind in der Natur zu finden, erklärte Palahi. Bäume würden viele alternative Materialien bieten, die sowohl den Ressourcenabbau als auch die Treibhausgasemissionen verringern könnten. Ein Beispiel ist Spinnova®. Das ist ein baumwollähnlicher Faden, der aus Holz gesponnen wird; und zwar mittels eines Verfahrens, das mehr CO2 einspart, als es ausstösst. Oder Nanozellulose aus Zellstoff; sie ist bis zu fünfmal leichter und fünfmal stärker als Stahl. Ebenfalls erwähnenswert ist Kreuzlagenholz bzw. Brettsperrholz, das als Alternative zu Stahl und Beton für den Bau von Wolkenkratzern in Erwägung gezogen wird. So soll im Jahr 2026 ein 100 Meter hoher „Ply-Scraper“ in Winterthur, in der Schweiz, fertiggestellt werden. Zudem beabsichtigt das japanische Unternehmen Sumitomo Forestry, anlässlich seines 350-jährigen Bestehens einen 350 Meter hohen Wolkenkratzer aus Holz zu bauen. 

    Die Wälder werden auch bei der Abschwächung des Klimawandels eine wesentliche Rolle spielen. Aktuell absorbieren sie weltweit eineinhalb Mal mehr CO2 als die USA jedes Jahr ausstossen. Wenn wir die Ziele des Pariser Abkommens erreichen wollen, führt kein Weg daran vorbei, diese Kapazitäten zur Kohlenstoffbindung auszubauen. Die meisten Prognosen des Weltklimarates zu Dekarbonisierungspfaden erfordern die Wiederaufforstung verlorengegangener und geschädigter Wälder in grossem Umfang.

     

    Regenerative Mode

    Marc Palahi ist auch der führende Wissenschaftler hinter dem «Regenerative Fashion Manifesto» - eine Art Selbstverpflichtung bekannter Mode-Marken, zu einem regenerativen Modell für die Modebranche überzugehen; mit dabei sind Marken wie Brunello Cucinelli, Burberry, Giorgio Armani, Stella McCartney und Selfridges.

    Zeigen wir, wie die Notwendigkeit zur Dekarbonisierung ganzer Wirtschaftsbranchen, darunter die Modeindustrie, als eine Art Katalysator zur Wiederherstellung degradierter Landschaften dienen kann: Man transformiert sie zu regenerativen Lebensräumen, die Arbeitsplätze, Wohlstand und Hoffnung bieten

    Lesen Sie auch (Artikel in Englisch): Fashion's future is in the forest

    Gemäss Palahi führt die CBA hier konkrete Veränderungen über ein Living Lab in Tschad herbei. Zwischen 1963 und 2001 schrumpfte der Tschadsee, der grösste See im afrikanischen Tschadbecken, um 90%. Verantwortlich dafür war u. a. die Wasserentnahme für den Baumwollanbau. In Zusammenarbeit mit LVMH, einem Unternehmen, das einige der grössten Modehäuser der Welt unter seinem Dach vereint, fördert die CBA mittlerweile nachhaltige und regenerative Methoden der Baumwollproduktion in der Region.

    Mit dem gemeinsamen Projekt werden 500 Landwirte bei der Umsetzung einer regenerativen Agroforstwirtschaft unterstützt, um Baumwollmonokulturen in vielfältige „Waldfarmen“ umzustrukturieren. Dabei werden in die Baumwollfelder und rund um sie herum Obst- und Holzbäume gepflanzt, um die Bodengesundheit und die Wasserspeicherkapazitäten zu stärken. So sinkt der Bedarf an Wasserentnahmen aus dem See, während die Landwirte zugleich alternative, diversifizierte Einkommensströme erwirtschaften können. Ein Living Lab im Himalaya verfolgt einen ähnlichen Ansatz und hilft bei der Wiederherstellung von degradierten Böden; es finanziert einen regenerativen Ansatz für die Landwirtschaft, und zwar durch Kontakte mit grossen Modemarken.

    „Die Modeindustrie ist eine der grössten Umweltsünderinnen“, meinte Palahi. „Sie zeichnet für 4-8% der globalen CO2-Emissionen verantwortlich.“ [Über Living Labs] zeigen wir, wie die Notwendigkeit zur Dekarbonisierung ganzer Wirtschaftsbranchen, darunter die Modeindustrie, als eine Art Katalysator zur Wiederherstellung degradierter Landschaften dienen kann: Man transformiert sie zu regenerativen Lebensräumen, die Arbeitsplätze, Wohlstand und Hoffnung bieten.“

    Lesen Sie auch: Eine nachhaltige Zukunft der Modeindustrie entwerfen

    Jetzt ist der Zeitpunkt für Banker und Banken gekommen, als Visionäre aufzutreten und die Veränderungen anzuführen, anstatt ihnen hinterherzulaufen. Wir brauchen eine Wirtschaft, in der das Leben und nicht der Konsum die wahre Treibkraft ist

    Visionäres Finanzwesen

    Die Schaffung nachhaltiger Lebensgrundlagen für lokale und indigene Gemeinschaften wird das Herzstück der Bio-Kreislaufwirtschaft sein. „Hauptverantwortlich für die Entwaldung ist die Landwirtschaft. Dieser Ansatz ist nur auf kurze Sicht rentabel“, so Marc Palahi. „Um künftig der Entwaldung einen Riegel vorzuschieben, müssen wir hervorheben, dass auch Wälder einen wirtschaftlichen Wert haben. Dieser Wert begründet sich in ihren Diensten für das Ökosystem – sowie in neuen Materialien, neuen Technologien und einer fundierten, nachhaltigen Forstwirtschaft. Wenn hinter unseren Wäldern ein Wirtschaftssektor steht, werden wir sicherstellen, dass man ihnen Sorge trägt.“

    Lesen Sie auch: Die Zwischenstufe ausschalten: das Problem Fleisch

    Allerdings sind Investitionen nötig, um naturbasierte Alternativen zu etablieren – anstelle des bisherigen linearen Wirtschaftsmodells des Entnehmens, Verwendens und Wegwerfens. „Banker und Banken spielten schon immer eine herausragende und transformierende Rolle. So hätte es die Renaissance ohne visionäre Banker wie die Familie der Medici gar nicht gegeben“, fügte Marc Palahi an. „Es gab schon immer weitsichtige Finanziers, die in neue Geschäftsmodelle und Technologien investieren. Jetzt ist der Zeitpunkt für Banker und Banken gekommen, als Visionäre aufzutreten und die Veränderungen anzuführen, anstatt ihnen hinterherzulaufen. Wir brauchen eine Wirtschaft, in der das Leben und nicht der Konsum die wahre Treibkraft ist.“

    Wir müssen unsere Werte als Gesellschaft neu definieren. Wissenschaft in Technologie umzusetzen, reicht nicht aus. Stattdessen müssen wir sie in Weisheit ummünzen – die Weisheit, wieder für Harmonie zwischen Mensch und Natur zu sorgen

    Der „Baum des Lebens“ spielt in vielen der weltweit ältesten und langlebigsten religiösen Kulturen eine wichtige Rolle. Unsere Vorfahren hatten wohl eher nicht die Kohlenstoffbindung oder Nanozellulose-Technologien im Sinn, als sie begannen, diese Geschichten zu erzählen. Aber sie hatten eine Vorstellung von der wichtigen Rolle, die Bäume und Wälder für die Ernährung und Regulierung des Lebens spielen. Wissenschaft und Technologie werden viele der Antworten liefern, die wir zur Eindämmung und Anpassung an den Klimawandel brauchen. Aber, so Marc Palahi abschliessend, wenn wir die globale Erwärmung begrenzen und einen katastrophalen Verlust der Biodiversität verhindern wollen, müssen wir von den indigenen Gemeinschaften lernen. Sie schützen an vorderster Front die letzten verbliebenen Urwälder der Welt: „Wir müssen die Funktionsweise unserer Wirtschaft von unserer Konsumsucht entkoppeln. Wir müssen die Natur für das wertschätzen, was sie ist: die wahre Treibkraft unserer Wirtschaft. Wir müssen unsere Werte als Gesellschaft neu definieren. Wissenschaft in Technologie umzusetzen, reicht nicht aus. Stattdessen müssen wir sie in Weisheit ummünzen – die Weisheit, wieder für Harmonie zwischen Mensch und Natur zu sorgen.“

     

    Sektor für Sektor: Woher stammen die globalen Treibhausgasemissionen? – Ein Datenbild unserer Welt

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