Mobilität nach Corona: Klimagewinn trotz Schulöffnungen bewahren

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Mobilität nach Corona: Klimagewinn trotz Schulöffnungen bewahren

Aus mehreren Ländern kommen Anzeichen für eine Rückkehr zu einer Normalität des Alltags. Kinder sind wieder in ihre Schuluniform geschlüpft und kehren – wenn auch unter veränderten Bedingungen – in den Unterricht zurück.

Ein ermutigendes Zeichen in einer Zeit, die für viele eine der schwierigsten seit Jahren war. Doch es lassen sich auch positive Effekte an dieser neuen Normalität ausmachen: die Veränderung unserer Reisegewohnheiten beispielsweise, von der das Klima profitiert. Als Folge der strikten Corona-Massnahmen sind die täglichen globalen CO2-Emissionen massiv gesunken. Doch obwohl der CO2-Ausstoss während der Pandemie so stark zurückgegangen ist wie nie zuvor in der Geschichte1, ist dies nur ein Tropfen auf den heissen Stein im Vergleich zu dem, was für den Klimawandel dringend nötig ist.

Doch obwohl der CO2-Ausstoss während der Pandemie so stark zurückgegangen ist wie nie zuvor in der Geschichte, ist dies nur ein Tropfen auf den heissen Stein im Vergleich zu dem, was für den Klimawandel dringend nötig ist

Die von den Regierungen getroffenen Massnahmen, um den Verkehr zu beschränken und die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, haben in allen Teilen der Welt grosse Auswirkungen auf den Energiebedarf und unser Mobilitätsverhalten. Die CO2-Emissionen sind dadurch vor allem in den USA und China kurzfristig zurückgegangen.

Über die langfristigen Effekte jedoch scheiden sich die Geister. Gemäss dem neuesten Bericht der Vereinten Nationen hat die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre dieses Jahr einen neuen Rekordwert erreicht. Der kurzfristige Rückgang des CO2-Ausstosses in diesem Jahr werde den Klimawandel kaum beeinflussen. Dass mehr finanzielle Mittel für eine Erholung gesprochen werden und die ökologischen Kriterien entsprechend stärker Rechnung tragen, könne dazu beitragen, den Temperaturanstieg der Erderwärmung auf unter 1,5 °C zu begrenzen.

Dass mehr finanzielle Mittel für eine Erholung gesprochen werden und die ökologischen Kriterien entsprechend stärker Rechnung tragen, könne dazu beitragen, den Temperaturanstieg der Erderwärmung auf unter 1,5 °C zu begrenzen

Eines ist klar: Weitermachen wie vor der Pandemie ist keine Option. Während die Schulen wieder öffnen und mehr Autos auf den Strassen fahren, stellt sich die Frage: Wie gelingt es uns, die CO2-Emissionen dauerhaft zu verringern und eine bessere Zukunft aufzubauen? Und welches sind die Unternehmen, die auf abgasfreie Strassen hinarbeiten?

Flexibel unterwegs mit On-Demand

Als die Menschen während dem Corona-Lockdown zu Hause blieben, fuhren die Busse, Züge und Trams, die uns jeden Tag zur Arbeit bringen, nahezu leer. London verzeichnete zu Beginn des Lockdowns2 gerade einmal 4% des üblichen Passagieraufkommens. Mit der Lockerung der Massnahmen – der Wiederöffnung von Büros und Schulen – sind naturgemäss wieder mehr Menschen im öffentlichen Verkehr unterwegs. Doch mangelt es ihnen nach wie vor an Vertrauen. Viele behaupten sogar, die öffentlichen Verkehrsmittel weniger nutzen zu wollen sobald die Beschränkungen aufgehoben sind3.

Neue Transportformen eröffnen in diesem Kontext neue Chancen. Hierzu gehört beispielsweise ViaVan, ein Joint Venture zwischen Via und Mercedes-Benz Vans, das vor etwas mehr als zwei Jahren seinen Betrieb in London aufgenommen hat. Der On-Demand-Fahrdienst, der ähnlich funktioniert wie Uber und auf dem US-Markt startete, soll bereits auf rund 20'000 Fahrer zählen können. Geteilte Mobilität ist zwar weniger umweltschonend als der öffentliche Verkehr, reduziert über die Bündelung von Fahrtanfragen jedoch die Zahl der Personenwagen auf der Strasse. Dadurch verringern sich Volker Mornhinweg von Mercedes-Benz zufolge sowohl der CO2-Ausstoss als auch das Verkehrsvolumen.

Eine ähnliche Lösung strebt der Minibus-Service Slide an, den Transport for London vergangenes Jahr zusammen mit dem Busunternehmen RATP und MOIA, einer Technologiefirma von Volkswagen, ins Leben gerufen hat. Der Service wird täglich angeboten und kann flexibel über eine Smartphone-App oder das Telefon gebucht werden. Die Tarife betragen GBP 3.50 für den ersten und GBP 2 für jeden weiteren Passagier. Diese neuen Entwicklungen im Bereich der Fahrgemeinschaften finden in einem Sektor statt, für den überaus hohe Wachstumsraten erwartet werden. Goldman Sachs prognostiziert, dass Mobility as a Service (MaaS) bis 2030 einen Umsatz von USD 285 Mrd. und damit mehr als die Taxibranche erwirtschaften wird.

Goldman Sachs prognostiziert, dass Mobility as a Service (MaaS) bis 2030 einen Umsatz von USD 285 Mrd. und damit mehr als die Taxibranche erwirtschaften wird

Mikromobilität wird erwachsen

2020 ist ein gutes Jahr für die Hersteller der sogenannten E-Scooter oder E-Roller. Die britische Regierung setzt indes auf die neue Form urbaner Mobilität und gab Ende Juni grünes Licht für Leihgeräte auf den Strassen Grossbritanniens. Was aber eine Verkehrswende angeht, sind andere Länder einen Schritt voraus. In den USA gehören elektrische Tretroller der Anbieter Lime und Bird längst zum Strassenbild, während in europäischen Städten E-Scooter der Berliner Firmen Flash und Tier fahren.

Der Grund für die steigende Nachfrage und der zunehmende Erfolg von Mikromobilität ist naheliegend: Die Menschen wollen mobil sein, persönlich entscheiden, wann sie mobil sind und nicht vom öffentlichen Verkehr abhängig sein

Der Grund für die steigende Nachfrage und der zunehmende Erfolg von Mikromobilität ist naheliegend: Die Menschen wollen mobil sein, persönlich entscheiden, wann sie mobil sind und nicht vom öffentlichen Verkehr abhängig sein. Überzeugende Geschäftsmodelle von Start-ups dürften entsprechend das Interesse von Investoren wecken. So konnte sich das irische Start-up-Unternehmen Zipp Mobility im Vorfeld verschiedener Pilotversuche mit E-Scooter-Sharing kürzlich zusätzliches Investitionskapital in Höhe von EUR 500'000 sichern.

Doch angesichts der länderspezifischen Auflagen und Regelungen werden Investoren Vorsicht walten. E-Scooter sind zwar in ganz Grossbritannien verbreitet4, ausserhalb der Verleihsysteme allerdings illegal. In Europa dürfen die Roller unter anderem in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz fahren.


E-Mobilität rechnet sich

Gesetze zwingen die Autohersteller, mehr Elektrofahrzeuge zu verkaufen. Fortschritte der Batterietechnologie verbessern nicht nur die Reichweite, sondern in den letzten zehn Jahren auch die Kosten. Heute geht man davon aus, dass die Produktion eines Elektroautos bis 2023 gleich viel kosten wird wie die Herstellung eines Benzin- oder Dieselfahrzeugs5.

Das sind vielversprechende Nachrichten für die Hersteller. Etwa ein Drittel der gesamten Fahrzeugkosten entfällt heute auf die Batterie. Sinkt dieser Preis, werden Elektrofahrzeuge für Autohersteller zunehmend rentabel. Betrachtet man die Gesamtbetriebskosten, ist es in vielen Regionen der Welt schon heute günstiger, statt eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor ein Elektroauto zu besitzen. Niedrigere Steuern und zusätzliche Anreizprogramme tragen dazu bei, die Kosten zu senken.

Etwa ein Drittel der gesamten Fahrzeugkosten entfällt heute auf die Batterie. Sinkt dieser Preis, werden Elektrofahrzeuge für Autohersteller zunehmend rentabel.

Die Wachstumsrate von Elektroautos ist geradezu spektakulär6. 2010 gab es weltweit nur 17'000. Letztes Jahr waren es ganze 7,2 Millionen – knapp die Hälfte davon fuhren auf chinesischen Strassen.

Das Verkehrskonzept der Zukunft ist ohne Elektromobilität nicht denkbar – und fördert entsprechend die Marktbedingungen für Elektrofahrzeuge. Sinkende Batteriekosten könnten dazu führen, dass Autohersteller mit Elektrofahrzeugen bald so hohe Gewinne verzeichnen wie mit Benzin- oder Dieselautos. Rechnet man zudem alle Kosten eines Autos zusammen, schneiden Elektroautos Schätzungen zufolge immer besser ab und kosten jährlich GBP 329 weniger als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Sinkende Batteriekosten könnten dazu führen, dass Autohersteller mit Elektrofahrzeugen bald so hohe Gewinne verzeichnen wie mit Benzin- oder Dieselautos

Aufbau einer besseren Zukunft

Die Pandemie hat verheerende gesellschaftliche Auswirkungen. Doch bietet sie die Chance, eine nachhaltige Zukunft zu schaffen. Wir bei Lombard Odier sind überzeugt, dass es von entscheidender Bedeutung ist, in Unternehmen zu investieren, die beim Wandel eine führende Rolle einnehmen. Unseres Erachtens eröffnen sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Elektrofahrzeugen markante Anlagechancen: von den Bereichen Mikromobilität über Mobility as a Service bis hin zur Infrastruktur, die benötigt wird, um die Nachhaltigkeitsrevolution voranzubringen. Gelingt es uns, die Menschen dazu zu bringen, von ihren Autos, die 92% der Zeit ungenutzt parkiert sind, auf geteilte Fahrzeuge oder E-Scooter umzusteigen, wäre dies ein grosser Schritt hin zu einem neuen Mobilitätsverständnis nach Corona.

1 https://www.theguardian.com/environment/2020/jul/10/coronavirus-global-emissions-study
2 https://www.theguardian.com/uk-news/2020/jun/27/what-next-for-the-uks-deserted-public-transport-network
3 http://www.passengertransport.co.uk/2020/06/confidence-in-public-transport-continues-to-decline/
4 https://www.theguardian.com/global/2020/aug/25/uk-rides-the-wave-of-micromobility-by-embracing-e-scooters
5 https://theconversation.com/the-road-to-electric-vehicles-with-lower-sticker-prices-than-gas-cars-battery-costs-explained-137196
6 https://www.iea.org/reports/global-ev-outlook-2020

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG oder einer Geschäftseinheit der Gruppe (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig wäre, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende Abgabe rechtswidrig wäre.

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