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Die Auflösung

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Eine unsichtbare Gefahr verschmutzt unsere Gewässer. Um Abhilfe zu schaffen, müssen wir eine ganze Branche hinterfragen.

2014 wurde geschätzt, dass mindestens 5,25 Milliarden Kunststoffteile, die zusammen mehr als 265'000 Tonnen wiegen, auf den Ozeanen der Welt treiben.1 Nicht eingerechnet sind Fragmente, die an Küsten angeschwemmt oder von Tieren gefressen wurden, unter der Oberfläche schwimmen oder kleiner als 0,33 mm sind. Die grössten Sorgen bereiten Kunststoffteilchen mit einer Länge von weniger als 4,75 mm. Obwohl auf sie gewichtsmässig nur 13 % der Umweltverschmutzung durch Kunststoffe entfallen, machen sie 92,4 % aller Plastikteile aus. Ferner sind es diese Teile, die am häufigsten Filtersystemen und Reinigungsbemühungen entgehen.

2014 wurde geschätzt, dass mindestens 5,25 Milliarden Kunststoffteile, die zusammen mehr als 265'000 Tonnen wiegen, auf den Ozeanen der Welt treiben.

Wahrscheinlich finden Sie diese Tatsache schockierend, aber kaum verwunderlich. Wir sind von Kunststoffen umgeben. Umweltverschmutzung durch Plastik ist bestens bekannt. Doch in den letzten Jahren kam etwas Sonderbares hinsichtlich der Umweltverschmutzung durch Mikroplastik ans Licht.

Als Sherri Mason einen Fisch aus dem Michigansee (USA) aufschnitt, machte sie eine erstaunliche Entdeckung. Er war voller synthetischer Fasern, die „mit seinem Magen-Darm-Trakt verwoben“ zu sein schienen.2 In der Region kommen solche Fische regelmässig auf den Tisch. Zudem ist das Problem nicht auf die Great Lakes beschränkt. In einer Literaturstudie aus dem Jahr 2014 stellte man fest, dass Mikrofasern zu den häufigsten Formen der Verschmutzung durch Mikroplastik zählen und dass Fische sie weltweit in grossen Mengen fressen.3 Woher kommen nun die Mikrofasern? Um dieses Geheimnis zu lüften, müssen wir uns die Entwicklung der Konfektionsindustrie in den letzten fünfzig Jahren näher ansehen.

…Mikrofasern zu den häufigsten Formen der Verschmutzung durch Mikroplastik zählen und dass Fische sie weltweit in grossen Mengen fressen.

Ein besorgniserregender Trend

Fashion 1.0: Vor den 1960er-Jahren wurde Bekleidung fast immer in ihrem Ursprungsland verkauft. Die Mode kannte nur zwei Jahreszeiten: Herbst/Winter und Frühling/Sommer. Doch die zunehmende Globalisierung gewährte den Herstellern Zugang zu billigen Arbeitskräften. Darin witterte der Einzelhandel eine Chance. Je niedriger die Kosten, desto billiger die Ware. Bekleidung wurde nicht mehr als Investition beworben, sondern als Statement eines kurzlebigen Stils. Die Anzahl der Kollektionen nahm zu, weil die Marken ihre Kunden dazu veranlassen wollten, immer öfter immer mehr Kleider zu kaufen. Schliesslich erwarteten die Kunden sogar sinkende Preise und eine ständig neue Auswahl. Dadurch entstand ein Teufelskreis, der heute als „Fashion 2.0“ oder „Fast Fashion“ bekannt ist. Tatsächlich haben wir heute jährlich 52 Jahreszeiten in der Mode, da die Marken jede Woche neue Kollektionen anbieten, um die Kunden bei Kauflaune zu halten. In den 1960er-Jahren produzierten die USA 95 % ihres Bekleidungsbedarfs im eigenen Land. 2013 waren es gerade noch 3 %.4

Tatsächlich haben wir heute jährlich 52 Jahreszeiten in der Mode, da die Marken jede Woche neue Kollektionen anbieten, um die Kunden bei Kauflaune zu halten.

Fashion 2.0 bringt Kosten mit sich, von denen einige Aspekte recht gut bekannt sind. Beispielsweise begünstigt die Suche nach immer günstigeren Preisen den unfairen Handel, der die Arbeitskräfte in den Schwellenländern trifft. Das Ergebnis sind unethische Arbeitspraktiken und sozioökonomisches Elend. Viele Auswirkungen der Wegwerfkleidung auf die Umwelt sind gut erforscht. Dies gilt etwa für die enormen Mengen an Kleidungsstücken, die jedes Jahr auf Mülldeponien landen.5 Die Verschmutzung durch Mikrofasern hat allerdings relativ wenig Beachtung gefunden – vielleicht, weil sie buchstäblich kaum sichtbar sind und man nicht wusste, woher sie kommen.


Neue Fasern

Der Zugang zu Arbeitskräften in Niedriglohnländern war nicht der einzige Grund für den Preisverfall in der Bekleidungsbranche. Zur gleichen Zeit begannen die Hersteller Naturfasern, deren Herstellung relativ teuer ist, zunehmend durch preiswertere Chemiefasern zu ersetzen. Als der Fast-Fashion-Sektor wuchs, explodierte die Nachfrage nach synthetischen Fasern. Der Markt für Polyester legte beispielsweise zwischen 1980 und 2014 um das Achtfache zu und überholte die Baumwolle.6

Damals wusste noch niemand, dass synthetische Textilien schädliche Auswirkungen auf die Umwelt haben. Wenn ein Kleidungsstück aus Chemiefasern gewaschen wird, verliert es Mikrofasern, die so klein sind, dass sie vom Filter der Waschmaschine nicht aufgefangen werden. So gibt beispielsweise eine synthetische Fleece-Jacke bei jedem Waschgang im Durchschnitt 1,7 Gramm Mikrofasern ab.7 Die winzigen Fädchen landen schliesslich in unseren Flüssen, Seen und Meeren, wobei sie auf ihrem Weg häufig organische Schadstoffe aufnehmen. In den Gewässern werden sie dann von Tieren gefressen und gelangen damit in die Nahrungskette.

Damals wusste noch niemand, dass synthetische Textilien schädliche Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Stoffe, Modelle und Maschinen

Die Mikrofaserkrise ist also ein Nebenprodukt der enormen Nachfrage nach Kunstfasern, die für die Aufrechterhaltung von Fashion 2.0 notwendig ist. Dabei handelt es sich nur um eines der vielen Probleme, welche die Fast Fashion verursacht. Das gut etablierte Geschäftsmodell wird von den Kundenerwartungen getragen, welche sie, die Kunden, selbst geschaffen haben.

Doch gibt es Grund zur Hoffnung. Die Öffentlichkeit interessiert sich vermehrt für die Probleme der Fast Fashion im Allgemeinen und der Verschmutzung durch Mikrofasern im Besonderen. So entstand eine neue Marktnische, die manche Marken interessant genug finden, um sie zu bewerben und in den nächsten Jahren auszubauen.

Doch gibt es Grund zur Hoffnung. Die Öffentlichkeit interessiert sich vermehrt für die Probleme der Fast Fashion im Allgemeinen und der Verschmutzung durch Mikrofasern im Besonderen.

Beispielsweise wurde die oben angeführte Studie, die enthüllte, dass synthetische Textilien beim Waschen so viele Mikrofasern verlieren, nicht von Aktivisten in Auftrag gegeben, sondern vom Outdoor-Bekleidungshersteller Patagonia8. Seitdem erforscht das Unternehmen das Ausmass des Problems und mögliche Lösungen. Dazu zählen gewiss vor allem innovative, umweltfreundliche Textilien. Vaude ist beispielsweise die erste Outdoor-Bekleidungsmarke, die Fleece aus TENCEL herstellt, eine Hightech-Faser aus nachhaltig bewirtschaftetem Holz. Obwohl TENCEL-Fleece von Vaude weiterhin Mikrofasern verliert, sind sie natürlich und abbaubar. Sie lösen sich auf, bevor sie die Meere verschmutzen können.

Die Luxusmarken der Konfektionsindustrie beginnt ebenfalls, die Chancen nachhaltiger Angebote zu erkennen. Niemand hat sich stärker für die Verringerung der Umweltbelastung durch ihre Kollektionen eingesetzt als Stella McCartney, während andere berühmte Designer noch darüber spotteten. Nachhaltige, umweltfreundliche Fasern und eine Kreislaufwirtschaft; in der Bekleidung so entworfen wird, dass sie zu möglichst wenig Abfall führt, standen schon immer im Mittelpunkt ihrer Philosophie als Modeschöpferin. Ihr wichtigster Schritt war wohl die Forderung, der Fast Fashion ein Ende zu setzen, da sie die Marken dazu zwingt, immer mehr umweltverschmutzende, kaum recycelbare Fasern einzusetzen. Mode wird dadurch zwangsweise teurer, aber auch nachhaltiger. In Kombination mit einer Schwerpunktverlagerung von vorübergehenden Trends zu schönem, zeitlosem Design und verantwortungsbewusstem Marketing werden die Kundenerwartungen auf diese Weise möglichenfalls in die richtige Richtung gelenkt. Statt Bekleidung als Einwegprodukte zu behandeln, können Marken die Käufer dazu bringen, ihre Modelle als qualitativ hochwertige, lang haltende Investitionen zu betrachten.

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Statt Bekleidung als Einwegprodukte zu behandeln, können Marken die Käufer dazu bringen, ihre Modelle als qualitativ hochwertige, lang haltende Investitionen zu betrachten.

Dank den Initiativen verantwortungsbewusster Menschen wie Stella McCartney beginnt die Öffentlichkeit allmählich auch umzudenken. Die Konfektionsindustrie rückt die Nachhaltigkeit ebenfalls immer stärker in den Vordergrund. Unternehmen wie Eco-Age helfen bekannten Marken, die Wende zu schaffen. Eco-Age wurde von Creative Director Livia Firth gegründet. Die Nachhaltigkeits- und Kommunikationsberatungsfirma hilft Modemarken verantwortungsvollere Geschäfts- und Designpraktiken zu schaffen. Sie bietet auch einen Akkreditierungsprozess an. Marken können so das Eco-Age-Zeichen auf ihren Produkten führen, sofern sie in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der nachhaltigen Exzellenz hergestellt wurden. Solche Programme stossen einen Paradigmenwechsel an, der sich von Fashion 2.0 abwendet und aufzeigt, wie Bekleidungshersteller ihre Produkte als nachhaltig vermarkten können. Gleichzeitig sind die Kunden in der Lage, nachhaltige Produkte im Meer der Fast Fashion zu erkennen.

Solche Programme stossen einen Paradigmenwechsel an, der sich von Fashion 2.0 abwendet und aufzeigt, wie Bekleidungshersteller ihre Produkte als nachhaltig vermarkten können. Gleichzeitig sind die Kunden in der Lage, nachhaltige Produkte im Meer der Fast Fashion zu erkennen.

Neben den neuen Ansätzen in der Modebranche selbst gibt es auch Unternehmen, die das beim Waschen entstehende Problem angehen. Ganz einfach ist Guppy Friend – ein Beutel, in dem alle synthetischen Textilien verstaut werden, bevor sie in die Waschmaschine kommen, um Mikrofasern abzufangen. Etwas komplexer ist die Lösung von Xeros Technologies. Der Filter hält 99 % der Mikrofasern beim Waschen zurück und kann in Waschmaschinen bei der Fertigung ohne Konzeptionsänderungen eingebaut werden. Mark Nichols, CEO der Firma, unterbreitete den britischen Behörden im Rahmen der Untersuchung der Nachhaltigkeit in der Textilindustrie sogar einen Vorschlag. Er fordert ein Gesetz, das die werksseitige Ausstattung aller Waschmaschinen mit einem Filter vorschreibt. Diese Auflage könnte das Problem der Verschmutzung durch Mikrofasern lösen.

Fashion 3.0: Entstehungsgeschichte

Nachhaltige Investoren9, die einen nachhaltigeren Modezyklus ohne Verschmutzung durch Mikrofasern fördern wollen, sollten sich auf drei wesentliche Bereiche konzentrieren.

Erste Stufe: Waschen. Zuerst müssen wir in technologische Lösungen investieren, die Mikrofasern daran hindern, in unsere Gewässer zu gelangen.

Zweite Stufe: Fertigung. Wir wollen Unternehmen anhalten, entweder Fasern zu erforschen und zu entwickeln, die keine Mikrofasern verlieren, oder sich von Fasern abwenden, die das tun.

Dritte und wichtigste Stufe: Investitionen in umfassende Veränderungen. Die Fast Fashion führte das Wegwerf-Konzept in der Konfektionsindustrie ein und setzt den Trend fort. Deshalb brauchen wir einen Paradigmenwechsel. Viele Marken versuchen, ihr Geschäft grundlegend zu verändern. Oft haben sie dabei mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Ihr Erfolg kündigt das neue Paradigma an, das wir brauchen, aber sie schaffen es nicht ohne die Unterstützung der Anleger. Die gute Nachricht ist jedoch, dass immer mehr Marken den Wandel anstreben. So steigen auch die Chancen, in nachhaltige Unternehmen zu investieren. Mit solchen Investments muss sich die neue Feedbackschlaufe zwischen der neuen Einstellung der Konsumenten und den nachhaltigeren Geschäftspraktiken einfach beschleunigen.

Nachhaltige Investoren, die einen nachhaltigeren Modezyklus ohne Verschmutzung durch Mikrofasern fördern wollen, sollten sich auf drei wesentliche Bereiche konzentrieren.

Die Nachhaltigkeitsrevolution stellt die grösste Anlagechance der Geschichte dar. Es gibt wenige Wirtschaftszweige, in denen dies deutlicher zu erkennen ist als in der Konfektionsindustrie. Fashion 3.0 ist das neue, nachhaltige Konzept, das der Sektor braucht. Und die Anleger spielen bei dieser Trendwende eine wesentliche Rolle.

1 Journals.plos.org
2 The Guardian
3 Ivar do Sul and Costa, 2013
4 American Apparel & Footwear Association, via CNBC
5 The Guardian
6 Textile World
7 Microfiber Pollution & the Apparel Industry
8 Microfiber Pollution and the Apparel Industry
9 Lombard Odier defines “Impact” as the sum of positive and negative, direct and indirect effects that a company’s operations and products have on the environment and on society

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von Lombard Odier (Europe) S.A., einem in Luxemburg durch die Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) zugelassenen und von dieser regulierten Kreditinstitut, herausgegeben. Diese Mitteilung wurde von jeder ihrer Zweigniederlassungen, die in den am Ende dieser Seite angegebenen Gebieten tätig sind (nachstehend "Lombard Odier"), zur Veröffentlichung genehmigt.

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