Schweizer Small und Mid Caps ganz oben

LOcom_AuthorsLO-Monier.png   Von Stéphane Monier
Chief Investment Officer
Lombard Odier Private Bank


Gestützt durch eine starke Gewinnentwicklung haben Schweizer Small und Mid Caps gegenüber Large Caps seit Jahresbeginn eine Outperformance von 11,8% erzielt. Diese Tendenz lässt sich auf allen Märkten Europas sowie seit Neuestem auch in den USA beobachten. Wir analysieren das Potenzial dieses wichtigen Segments der Schweizer Wirtschaft.

Eine Frage brennt den Anlegern, die sich für Aktien interessieren, auf der Zunge: Sollte man weiter in diese Anlageklasse investieren, obwohl die Märkte auf dem aktuellen Niveau teuer bewertet scheinen? Der S&P 500 weist gegenwärtig ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von ungefähr 21,8 auf. Beim Stoxx Europe 600 beträgt diese Kennzahl 21,3, beim SMI 24,7 und beim SPI 17,31. Einige Beobachter würden das KGV des SMI höher ansetzen, da seine Performance durch den Rückgang von drei Schwergewichten belastet wurde, die zusammen 60% des Index ausmachen: Novartis, Nestlé und Roche. Historisch hohe Kennzahl gleich teure Anlageklasse? Nicht unbedingt. Bei Aktien besteht die Bewertung aus zwei Teilen. Erstens: die künftige Gewinnentwicklung. Vor diesem Hintergrund tendieren kotierte Aktien solange nach oben, wie die zugrunde liegenden Unternehmen eine konstante Gewinnentwicklung aufrechterhalten können. Zweitens: die relative Bewertung. Im Vergleich zur erwarteten Rendite anderer Anlageklassen ist die erwartete Rendite von Aktien aufschlussreich. In der Schweiz beträgt die Dividendenrendite 3,2% für den SMI, 2,9% für den SPI und 2,1% für den SPI Extra2 – attraktive Niveaus, wenn man bedenkt, wie niedrig derzeit die Renditen von Vermögenswerten allgemein sind. Angesichts des aktuellen makroökonomischen Umfelds und der Aussichten der Weltwirtschaft sind die Aktienmärkte demnach nicht überhitzt, sondern haben ein Wachstum erreicht, das dem Wachstumstempo der Weltwirtschaft entspricht. Für Anleger, die sich für Schweizer Werte interessieren, ist das Segment der Small und Mid Caps besonders attraktiv.

Bei der Aufschlüsselung der Outperformance sticht die Performance der Small und Mid Caps in den Industrieländern besonders hervor. In der Schweiz überflügeln diese Werte seit Beginn des Jahres die Large Caps um 11,8%3.

Die gleiche Tendenz lässt sich in der Eurozone beobachten, wo die Performance der 200 kleinsten Unternehmen im Stoxx Europe 600 jene der 200 grössten Werte um 7,3 Prozentpunkte übertrifft4. In den USA stehen die Unternehmen, die einen Börsenwert von unter USD 2 Mrd. aufweisen, gegenwärtig am Anfang eines von einer Outperformance geprägten Zyklus. Gestützt werden sie durch die Erwartungen rund um die künftige Steuerreform, was ihnen voraussichtlich auf mittlere Sicht Rückenwind verleihen wird.

Das wirtschaftliche Gefüge der Schweiz besteht hauptsächlich aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)5. Der Grossteil der börsenkotierten Unternehmen ist exportorientiert. Ihre Gewinnaussichten werden durch das Wachstum der ausländischen Märkte beeinflusst. Diese Firmen haben derzeit allen Grund, optimistisch zu sein. Erstmals seit der Finanzkrise von 2008 sind die Volkswirtschaften dieses Jahr weltweit in eine Phase einer stabilen und synchronen Erholung eingetreten. Es handelt sich um ein Wirtschaftsumfeld namens Soft Goldilocks, das durch ein ausgeglichenes Wachstum, eine gedämpfte Inflation und erschwingliche Kapitalkosten gekennzeichnet ist. Unsere Kontakte bestätigen, dass die Performance der Small und Mid Caps tatsächlich von der wirtschaftlichen Erholung in Europa und der restlichen Welt geprägt wird. Zwar hüten sich die meisten dieser Unternehmen davor, öffentlich zu viel über die erwarteten Zahlen preiszugeben (der traditionelle Konservatismus verpflichtet), doch sind sie mit Blick auf ihre künftigen Geschäftsaktivitäten positiv gestimmt. Auf Sektorebene rechnen die Hersteller von Baumaterial vor allem mit einer wirtschaftlichen Erholung in der Eurozone und einer positiven Entwicklung in China. Automobilwerte profitieren weiterhin von der positiven Tendenz in Europa. Im Öl- und Gassektor ist zwar Vorsicht angebracht, aber die Auftragseingänge stabilisieren sich. Zuversichtlich eingestellt sind die Unternehmen im Agrarsektor. Insgesamt bringen Schweizer Unternehmen nach wie vor innovative Produkte hervor und zeichnen sich durch neuartige Geschäftsmodelle unter anderem in den Bereichen Gesundheit, Technologie, Automatisierung, Optimierung der Logistikketten aus.

Gewiss wächst die Schweiz derzeit langsamer als Europa oder die USA. Um das Wachstum anzukurbeln, werden die wirtschaftlichen Akteure nicht ohne massgebliche Investitionen auskommen, denn der Sparüberhang droht das Binnenwachstum zu ersticken. Dennoch hat das Land bedeutende Trümpfe aufzuweisen. Die Schweiz rangiert im Global Competitiveness Index des Weltwirtschaftsforums (WEF) an erster Stelle und ist damit sehr gut positioniert, um von der vierten industriellen Revolution zu profitieren. Der Rang spiegelt einen hohen Entwicklungsstand der Wirtschaft, einen effizienten Arbeitsmarkt und Innovationsfähigkeit wider. Gemäss dem WEF ist die Schweiz eines der fruchtbarsten Innovationsökosysteme. Zudem hebt das WEF den KMU-Sektor im Bereich der Innovation als sehr aktiven Teil der Wirtschaft hervor, der für die Qualität seiner Produkte und Dienstleistungen bekannt ist6. Die Schweiz, die Firmen von Weltformat beheimatet, hat bereits in zahlreichen Branchen Marktführer hervorgebracht, und Innovationen waren Treiber des Wirtschaftswachstums. Ein Wachstum, das durch die Fortschritte im Technologiesektor – also eher durch strukturelle Kräfte als zyklische Faktoren – gestützt wird, ist besonders wünschenswert, weil es defensiven Charakter hat. Tendenziell sichert ein solches Wachstumsumfeld die Unternehmensgewinne ab, wenn die Wirtschaft in eine Baisse eintritt. Das Segment der Small und Mid Caps ist mit Blick auf den strukturellen Wandel gut positioniert: Der Technologiesektor macht heute 11% des SPI Extra aus, der Industriesektor 26%.

Weltweit sind die Volkswirtschaften und Märkte weiterhin anfällig für bestimmte Risiken. Besonders genau prüfen sollten die Anleger jene Risiken, welche die globale Konjunkturaufhellung eintrüben könnten: eine Verschlechterung der weltweiten Finanzierungsbedingungen, eine Inflation, die nicht mehr in Schach gehalten werden kann, und die geopolitischen Risiken, die zahlreiche Märkte belasten. Obwohl der Schweizer Aktienmarkt auf kurze Sicht teuer bewertet sein wird, existieren unserer Meinung nach vereinzelt Chancen im Segment der Small und Mid Caps. Dieser hochwertige Sektor ist gut aufgestellt, um von den soliden Fundamentaldaten zu profitieren, welche die Entwicklung der Weltwirtschaft als Ganzes stützen.

Performance SPI Extra versus SMI

Seit Beginn des Jahres 2017 

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Quelle: Bloomberg

1 Der SMI (Swiss Market Index) misst die Performance der 20 grössten Standardwerte der Schweiz. Der SPI (Swiss Performance Index) beinhaltet sämtliche Schweizer Gesellschaften, die an der Schweizer Börse kotiert sind, sowie einige ausländische Gesellschaften mit einer Primärkotierung in der Schweiz (Quelle: Six Swiss Exchange). Daten per 3. November 2017, Bloomberg.
2 Der SPI Extra (SPIEX) misst als Index der Schweizer Börse die Performance der Small und Mid Caps (jene Gesellschaften, die nicht im SMI vertreten sind).
3 SPIEX versus SMI. Daten vom 31. Oktober 2017, Bloomberg.
4 Die 200 kleinsten Unternehmen verzeichnen seit Jahresbeginn eine Performance von 15,57%, gegenüber 8,27% der grössten. Quelle: Bloomberg.
5 99% der Schweizer Unternehmen sind KMU. Quelle: Schweizer Eidgenossenschaft https://www.eda.admin.ch/aboutswitzerland/de/home/wirtschaft/uebersicht/wirtschaft---fakten-und-zahlen.html (letzte Aktualisierung: 18. August 2017).
6 The Global Competitiveness Report 2017–2018, K. Schwab, World Economic Forum, 26 September 2017.

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von Lombard Odier (Europe) S.A., einem in Luxemburg durch die Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) zugelassenen und von dieser regulierten Kreditinstitut, herausgegeben. Diese Mitteilung wurde von jeder ihrer Zweigniederlassungen, die in den am Ende dieser Seite angegebenen Gebieten tätig sind (nachstehend "Lombard Odier"), zur Veröffentlichung genehmigt.

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