„Unternehmer und jüngere Kunden bestehen auf grünen Anlagen.“ ein Interview mit Frédéric Rochat, Geschäftsführender Teilhaber
Frédéric Rochat, Geschäftsführender Teilhaber

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„Unternehmer und jüngere Kunden bestehen auf grünen Anlagen.“ ein Interview mit Frédéric Rochat, Geschäftsführender Teilhaber

Artikel veröffentlicht in TheMarker am 16. Februar 2021

Wenn die Babyboomer (die Jahrgänge 1946 bis 1964), eine der zahlenmässig grössten Generationen der Menschheitsgeschichte, in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand gehen oder ihren Ruhestand planen, kommt es zum grössten Vermögenstransfer zwischen Generationen aller Zeiten. Vermögen in Höhe von USD 68 Billionen werden von den Babyboomern auf die Generationen X (1965–1980) und Y (1981–1996) übergehen. 41 Prozent dieses Vermögens werden in den USA den Besitzer wechseln, 32 Prozent entfallen auf Europa, den Nahen Osten und Afrika und 27,5% auf Asien.

Ein so gewaltiger Vermögenstransfer erfolgt nicht über Nacht, aber wie so vieles andere dürfte die Covid-19-Pandemie auch diesen Prozess beschleunigen.

Laut Frederic Rochat, Geschäftsführender Teilhaber der traditionsreichen Bank Lombard Odier, hat die Coronakrise nicht nur für die jüngeren Generationen, die das Risikoniveau ihres Anlageportfolios neu veranschlagen, die Situation verändert, sondern auch für die Babyboomer, denn sie müssen plötzlich die Art und Weise, wie sie viele Jahre lang gespart und ihr Kapital verwaltet haben, überdenken.

„Die Pandemie hat viele Prozesse beschleunigt, auch in der Kapitalverwaltung“, weiss Rochat. „Viele – auch jüngere – Menschen sorgen sich jetzt um die Gesundheit. Gleichzeitig ist ihnen klar geworden, dass Anlagen in Sicherheit und Stabilität ratsam sind. Heute verstehen die Millennials besser als früher, dass sie sich um sich und ihr Geld kümmern sollten.“

„Die jüngere Generation stellt den traditionellen Portfolioaufbau zusehends infrage – insbesondere mit grüneren Anlagen – und selbst den erfolgreichen Jungunternehmern hat Covid-19 bewusst werden lassen, dass es keine gute Idee ist, ihr Kapital aufs Spiel zu setzen.“

Viele – auch jüngere – Menschen sorgen sich jetzt um die Gesundheit. Gleichzeitig ist ihnen klar geworden, dass Anlagen in Sicherheit und Stabilität ratsam sind. Heute verstehen die Millennials besser als früher, dass sie sich um sich und ihr Geld kümmern sollten

Rochat, 44, wurde vor knapp zehn Jahren nach einer erfolgreichen Karriere bei der Investmentbank Goldman Sachs in seine jetzige Position berufen. Heute ist er für das Private Banking bei Lombard Odier, einer 1796 – also vor 225 Jahren – gegründeten Privatbank, verantwortlich. Die für ihren konservativen Ansatz bekannte Bank strebt seit einigen Jahren nach Nachhaltigkeit. Sie hat den Global Compact der Vereinten Nationen, die weltweit grösste Initiative für Unternehmensnachhaltigkeit, unterzeichnet und unterstützt die von den Vereinten Nationen in ihrer Agenda für 2030 definierten Ziele für nachhaltige Entwicklung.

„Nachhaltigkeit oder eine grüne Wirtschaft sind für uns ein wichtiges Anlagethema, das für unsere Kunden langfristig rentabel sein wird“, sagt Rochat. „Für uns ist Nachhaltigkeit eine Anlagephilosophie. Daher schlagen wir unseren Kunden vor, beim Aufbau ihres Portfolios Aspekte wie grüne Wirtschaft und Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Unseres Erachtens werden Unternehmen, die sich der Entwicklung zur Nachhaltigkeit verschliessen, nicht überleben. Da es in allen Sektoren Nachhaltigkeitsherausforderungen gibt, werden die Unternehmen, die richtig damit umgehen, mehr Gewinn für unsere Kunden erwirtschaften.“

Da es in allen Sektoren Nachhaltigkeitsherausforderungen gibt, werden die Unternehmen, die richtig damit umgehen, mehr Gewinn für unsere Kunden erwirtschaften

Die GameStop-Story: Wird sie verschwinden?

Bei der Suche nach einer Antwort auf das ewige Dilemma zwischen Risiko und Stabilität sowie langfristiges und kurzfristiges Anlegen denkt man unwillkürlich an den Hype um die Aktie von GameStop und Online-Handelsplattformen wie Robinhood. Wenn der neue Trend anhält und sich verstärkt, wird eine neue Generation wohlhabender Kunden, die ihr Vermögen auf diese Weise erworben hat, die traditionellere Kundschaft, die Lombard Odier schon immer betreut hat, ergänzen.

Rochat hält GameStop für eine interessante Story, welche die Dynamik der Preisbildung am Markt veranschaulicht. „Es war die Macht der Technologie, die Privatanlegern klarmachte, dass sie ungleich stärkeren Einfluss haben, wenn sie sich zusammenschliessen“, sagt er. „In letzter Zeit beobachten wir vermehrt, dass – zum Teil pandemiebedingt arbeitslose – Privatanleger ihr Geld am Kapitalmarkt anlegen.“

„Noch kann man nicht sagen, ob dieser Trend langfristig anhalten wird. Eines ist aber klar: Viele Menschen haben begonnen, an der Börse viel Geld zu verdienen. Das könnte sie motivieren, Private-Banking-Dienstleistungen zu nutzen. Vor 50 Jahren war Private Banking nur etwas für vermögende Familien alten Schlags. Heute betreuen wir eine neue Art von Kunden: junge, kreative Geister, oft aus der Hightechbranche, die Experten für die Verwaltung ihres Vermögens suchen.“


Schlüsselmarkt Israel

Rochat zufolge sind viele dieser jungen und kreativen Unternehmer in Israel ansässig. „Israel bietet in dieser Hinsicht ein wichtiges Kundenpotenzial. Denn das Land bringt viele Jungunternehmer hervor. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Strategie überdacht und bestimmte Märkte gewählt, an denen wir mehr investieren möchten. Einer davon ist Israel. Das Land verfügt über ein einzigartiges Ökosystem von Unternehmern und somit über viele potenzielle Kunden. Wir haben eine neue Geschäftsstelle in Israel eröffnet, in der das Banking-Team bereits seine Tätigkeit aufgenommen hat.“

„Der israelische Markt ist auch deswegen attraktiv, weil dort innovative Unternehmen, in die wir investieren wollen, in nachhaltigkeitsfördernden Sektoren wie etwa der intelligenten Landwirtschaft tätig sind. Diese Unternehmen tragen dazu bei, das vom Menschen gestörte Gleichgewicht in der Natur wiederherzustellen.“

Rochat erklärt, dass diese Jungunternehmer und ihre Erben diejenigen sind, die auf eine Vermögensverwaltung mit grünen und nachhaltigen Anlagen drängen. Während früher die ältere Generation das Familienvermögen verwaltete, stellt heute die jüngere Generation die Gestaltung des Anlageportfolios der Eltern infrage. Sie strebt vermehrt nach Anlagen, die Anforderungen in Bezug auf ESG, soziale Gerechtigkeit und Corporate Governance genügen.

Der israelische Markt ist auch deswegen attraktiv, weil dort innovative Unternehmen, in die wir investieren wollen, in nachhaltigkeitsfördernden Sektoren wie etwa der intelligenten Landwirtschaft tätig sind

„Zu unseren Aufgaben gehört es, unterschiedliche Anlageportfolios für die unterschiedlichen Bedürfnisse unserer Kunden zu entwerfen. Unternehmen, die den Kopf in den Sand stecken und die Klimakrise ignorieren, werden die Anleger letztlich sehr teuer zu stehen kommen. Unternehmen hingegen, die sich der Nachhaltigkeitsherausforderung in ihrem Sektor und gegenüber ihren Konkurrenten stellen, haben eine bessere Chance, zu wachsen und Gewinne für die Aktionäre zu erwirtschaften.“

In den letzten Jahren hat sich im Private Banking viel verändert. Haben sich dementsprechend auch die Menschen verändert, die das Familienvermögen verwalten? Sind es immer noch – wie früher üblich – ausschliesslich Männer?

„Eine Familie hat selten nur ein Oberhaupt, sei es ein Mann oder eine Frau, aber die heutige Generation tickt anders“, sagt Rochat. „Es gibt viele erfolgreiche Unternehmerinnen und viele weibliche Führungskräfte, sowohl bei Lombard Odier als auch bei unseren Kunden. Das hat meines Erachtens aber keine Auswirkung auf das Portfoliomanagement. Frauen investieren nicht anders als Männer. Sie wollen im Allgemeinen indes mehr über die Risiken wissen, denen das Portfolio unterliegt, und bringen sich stark in das Anlageverfahren ein.“

Unternehmen, die den Kopf in den Sand stecken und die Klimakrise ignorieren, werden die Anleger letztlich sehr teuer zu stehen kommen… Unternehmen hingegen, die sich der Nachhaltigkeitsherausforderung in ihrem Sektor und gegenüber ihren Konkurrenten stellen, haben eine bessere Chance, zu wachsen und Gewinne für die Aktionäre zu erwirtschaften


Was machen Sie im Nullzinsumfeld?

Zu den bedeutenden Veränderungen, mit denen die Banken und die Kunden umgehen müssen, gehört auch die Geldpolitik seit der Finanzkrise 2008. Laut Rochat beeinflusst diese Politik auch die Vermögensverwaltung, insbesondere angesichts des sehr niedrigen Zinsniveaus.

„Wir untersuchen ständig, wie wir langfristig investieren können. Die Krise 2008–2009 ist noch immer in unseren Köpfen und das Coronavirus hat den Trend nur beschleunigt. Die fiskal- und geldpolitischen Impulse sind inzwischen wesentlich grösser als 2008, was sich massiv auf die Zinssätze auswirkt. Die Ersparnisse sind während der Pandemie gestiegen, weil die Menschen die Hilfsgelder des Staates dazu nutzten, mehr zu sparen. Doch den Ersparnissen steht kein entsprechender Finanzierungsbedarf gegenüber. Die Nachfrage hat nachgelassen und ohne die expansive Politik der Zentralbanken hätten wir eine negative Inflation erlebt.“

„Das Coronavirus hat die Zinsen niedrig gehalten. Deshalb haben wir die Grundstruktur des Anlageportfolios infrage gestellt, das vor 20 Jahren in der Regel gleichgewichtet in Aktien und Anleihen investiert war (die Aktien sorgten für die langfristige Rendite und die Anleihen für die kürzerfristige Rendite, TG). Das hat uns auch veranlasst, unsere Expertise in Bezug auf die langfristigen Renditen von Infrastruktur-, Nachhaltigkeits-, Private-Debt- und Venture-Capital-Anlagen weiterzuentwickeln.“

„Wir erleben auch ein Comeback der Hedge Funds, die bis zur Finanzkrise hohe Renditen abwarfen, aber später bei vielen Anlegern aus der Gunst fielen. Doch 2020 war ein gutes Jahr für Hedge Funds. In vielen Sektoren, insbesondere im Fremdkapitalbereich, erzielten sie stattliche Renditen. Wir nutzen Hedge-Fund-Strategien, um insbesondere bei volatilem Kapitalmarkt die Balance zu wahren.“

Ausserdem glaubt Rochat, dass die neue Regierung in Washington die expansive Geldpolitik des Fed weiterhin durch massive fiskalpolitische Unterstützung ergänzen wird

Ausserdem glaubt Rochat, dass die neue Regierung in Washington die expansive Geldpolitik des Fed weiterhin durch massive fiskalpolitische Unterstützung ergänzen wird. „Schon allein der Umfang des Konjunkturpakets ist ein wichtiger Faktor sowohl für die USA als auch für die Weltwirtschaft“, sagt er. „Wir erwarten, dass sich im Zuge weiterer fiskalpolitischer Impulse, einer Abnahme der Covid-Erkrankungen und einer Erholung des Arbeitsmarkts die Konsumnachfrage im 1. Halbjahr 2021 erholen wird. Die Aktienmärkte werden sich also weiter gut entwickeln.“

„Im Dezember 2017 senkte der damalige US-Präsident Donald Trump die Unternehmenssteuersatzvon 35% auf 21%. Das kam den Aktienmärkten zugute, da die Unternehmensgewinne seither gestiegen sind. Doch in den kommenden Jahrzehnten werden sich die Folgen von vier Jahren Trump in anderer Form manifestieren: eines wachsenden Rassismus, geringeren internationalen Status der USA und einer wachsenden Polarisierung der amerikanischen Gesellschaft. Allerdings machte Präsident Joe Biden bereits an seinem ersten Tag im Weissen Haus einige der schädlichen Massnahmen von Trump rückgängig mit der Zielsetzung, das internationale Ansehen der USA wiederherzustellen.“

„Wir glauben, dass sich die Handelsbeziehungen zu China verbessern und die Gefahr eines totalen Handelskriegs abflauen wird. Dennoch rechnen wir mit anhaltenden technologischen und geopolitischen Spannungen zwischen den zwei Nationen, insbesondere im Hinblick auf die Frage, ob die USA der zentrale Wachstumsmotor der Weltwirtschaft bleiben werden.“

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG oder einer Geschäftseinheit der Gruppe (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig wäre, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende Abgabe rechtswidrig wäre.

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