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Gemeinsam die technologischen Herausforderungen bewältigen

Gemeinsam die technologischen Herausforderungen bewältigen
Alexandre Zeller, Managing Partner

Artikel veröffentlicht in Le Temps am 9. März 2020

Im digitalen Zeitalter ist es für Unternehmen entscheidend, die Bedeutung technologischer Fortschritte zu begreifen und deren Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell zu antizipieren. Angesichts der immer schnelleren Weiterentwicklung der Mentalitäten und Denkweisen betrifft dies alle Sektoren, einschliesslich der Vermögensverwaltung.

Heute gibt etwa jeder vierte Schweizer an, dass er bereit ist, ein Finanzprodukt von einem Fintech-Unternehmen zu kaufen. 30% wären offen für Angebote grosser Technologiekonzerne, wie eine aktuelle Studie der Beratungsfirma Bain & Company herausfand. Fast die Hälfte der neuen Generation (18 bis 34 Jahre) würde nicht zögern, finanzielle Transaktionen über Unternehmen wie Amazon, Facebook oder Google zu tätigen.

Die Schweizer Banken sind bereits dabei, sich anzupassen. Gleichzeitig operieren sie weiterhin in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld, das von anhaltend negativen Zinssätzen und Beschränkungen des Zugangs zum europäischen Markt geprägt ist. Dies wirkt sich zusammen mit den Kosten, die mit der Regulierung und den notwendigen Technologieinvestitionen einhergehen, auf die Margen aus, die weiter sinken. Langfristig sind diese jedoch unerlässlich, um Risiken abzudecken, Eigenkapital aufzubauen und Investitionen zu finanzieren.

Heute gibt etwa jeder vierte Schweizer an, dass er bereit ist, ein Finanzprodukt von einem Fintech-Unternehmen zu kaufen, und 30% wären offen für Angebote grosser Technologiekonzerne.

Der Beitrag der künstlichen Intelligenz

Angesichts der Komplexität dieses Umfelds könnte sich der Finanzplatz Schweiz den Herausforderungen der Branche gemeinsam stellen, um seine Position als führender Vermögensverwaltungsstandort zu stärken. Um die Kosten zu senken, sind jetzt Synergien auf Finanzplatzebene denkbar. Ist es wirklich sinnvoll, dass die meisten Banken einen eigenen Zahlungsdienst unterhalten? Oder dass die Institute das Profil von Kunden, die Konten bei mehr als einer Bank haben, jedes Mal neu anlegen? Ein zentraler „Know your Customer“-Service mit Basisdaten etwa würde zu erheblichen Einsparungen führen.

Die Digitalisierung leistet einen bedeutenden Beitrag zur Produktivitätssteigerung. Künstliche Intelligenz trägt beispielsweise zur Betrugsbekämpfung bei, indem sie insbesondere die Aufdeckung verdächtiger Verhaltensmuster oder ungewöhnlicher Geldflüsse erleichtert.

Im Bereich der Zahlungsdienste veranschaulicht die Schnittstelle Twint, wie ein Bankenkonsortium eine Plattform im Interesse von Nutzern und Institutionen entwickelt hat. Obwohl das Synergiepotenzial beträchtlich ist, sind viele Initiativen bisher gescheitert. Dies ist wahrscheinlich der relativ guten Verfassung des Sektors und den Vorbehalten bestimmter Institute zuzuschreiben, gemeinsame Standards festzulegen.

Der Finanzplatz Schweiz könnte sich den Herausforderungen der Branche gemeinsam stellen, um seine Position als führender Vermögensverwaltungsstandort zu stärken.

Innovation und Öffnung gegenüber Fintech-Unternehmen

Für Privatbanken stellen die Investitionen in IT und Technologie nach den Personalkosten den grössten Ausgabenposten dar. Die Umfrage der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu Digitalisierung und Fintech bei Schweizer Banken 2019 offenbarte das Paradoxon, dass die Digitalisierung und die Kooperation mit Fintech-Unternehmen vor dem Hintergrund historisch niedriger Margen eine Chance für Kostensenkungen, aber auch für Innovationen darstellen. Gleichzeitig könnte ein verschärfter Wettbewerb die Margen zusätzlich unter Druck setzen. Der Wettlauf um die technologische Ausstattung geht für die grossen Akteure in die Milliarden – Investitionen, die amortisiert werden müssen. Der Aufbau extrem komplexer und verschachtelter IT-Systeme erschwert jedoch die Integration von Innovationen für neue Akteure im Fintech-Sektor.

Aus diesem Grund ist es notwendig, die IT-Systeme der Banken agiler und modularer zu gestalten. Dies ermöglicht einerseits, bestimmte externe Lösungen – wie die von Fintech-Unternehmen – zu integrieren, und andererseits, bestimmte Funktionalitäten leichter zu aktualisieren, um so den technologischen Innovationszyklen und Kundenerwartungen besser gerecht zu werden. Diese Entwicklung hin zu flexibleren und offeneren Systemen (im Sinne eines „Open Banking“) erfordert eine umfassendere Einführung von Programmierschnittstellen, den allseits bekannten „APIs“. Diese ermöglichen es verschiedenen IT-Systemen, miteinander zu kommunizieren, ohne die gesamte Infrastruktur modifizieren zu müssen. Dieser Ansatz wird es uns ermöglichen, unsere Plattformen zunehmend wie Ökosysteme aufzubauen, die interne Lösungen und Interaktionen mit externen Plattformen integrieren.

Es ist notwendig, die IT-Systeme der Banken agiler und modularer zu gestalten. Dies ermöglicht einerseits, bestimmte externe Lösungen, um so den technologischen Innovationszyklen und Kundenerwartungen besser gerecht zu werden.

Erfreulich ist, dass in unserem Land klare und pragmatische Rahmenbedingungen für Innovationen herrschen, wie die Anfang 2019 erfolgte Einführung der „Fintech-Lizenz“, einer vereinfachten Form der Banklizenz, gezeigt hat. Auch die Rahmengesetzgebung für digitale Assets wurde in Rekordzeit entwickelt und wird als äusserst pragmatisch geschätzt. Um diesen Weg fortzusetzen, ist es wichtig, weiter einen konstruktiven Dialog mit der Aufsichtsbehörde zu führen.

Schliesslich ist die Entwicklung der Kunden eine andere wichtige Herausforderung. Die neue Generation ist vielfältiger, jünger und globaler. Sie denkt in hohem Masse unternehmerisch. Und sie will überall und jederzeit Zugang zu den Produkten und Dienstleistungen haben. Gleichzeitig schätzt sie den Kontakt zu fachkundigem Personal. Vor allem die ganz jungen Kunden erwarten, dass der Zugang zum Online-Banking so einfach ist wie der Kauf eines Buches bei Amazon. Diese neue Generation erwartet ein herausragendes technologisches Erlebnis. Es liegt an den Finanzakteuren, diese neuen Bedürfnisse zu erkennen und darauf zu reagieren.

Die Herausforderungen für den Finanzplatz Schweiz sind vielfältig, doch zugleich eröffnen sich ihm viele neue Chancen. Allerdings werden nur wenige Dienstleister in der Lage sein, sich durch ihre Investitionen hervorzutun, ein globales Angebot aufzubauen und sich an das im Wandel begriffene globale Umfeld anzupassen. Die Bündelung von Synergien und Ressourcen, ein solider rechtlicher Rahmen, kluge strategische Entscheidungen und die Achtung unserer Werte – davon wird der zukünftige Erfolg des Finanzplatzes abhängen. 

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von der Bank Lombard Odier & Co AG (nachstehend “Lombard Odier”) herausgegeben. Sie ist weder für die Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung in Rechtsordnungen bestimmt, in denen eine solche Abgabe, Veröffentlichung oder Verwendung rechtswidrig ist, noch richtet sie sich an Personen oder Rechtsstrukturen, an die eine entsprechende

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