Die aktuelle globale Konjunkturschwäche ist vor allem handelsbedingt

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Die aktuelle globale Konjunkturschwäche ist vor allem handelsbedingt

Samy Chaar - Chefökonom

Samy Chaar

Chefökonom

Der gegenwärtige globale Abschwung liegt im plötzlichen und starken Handelsrückgang begründet. In der heutigen integrierten Welt mit breit diversifizierten Handelspartnern, offenen Leistungs- und Kapitalbilanzen sowie engen internationalen Finanzverflechtungen wirkt sich ein Handelsschock direkt auf die Gesamtwirtschaft aus.   

Die gute Nachricht ist, dass der Transmissionskanal auch in umgekehrter Richtung funktionieren sollte. Wenn also der Streit zwischen den USA und China beigelegt und eine Lösung für den Brexit gefunden wird, ist mit einer Erholung der Wirtschaftstätigkeit zu rechnen. Deshalb sieht unser Basisszenario für die kommenden Quartale eine globale Wachstumsstabilisierung, ja sogar eine gewisse Erholung vor. Eine Verbesserung der Aussichten für den Welthandel käme besonders Asien und Europa zugute, wo der aussenwirtschaftliche Druck die konjunkturelle Entwicklung am stärksten belastet hat (siehe Grafiken 1 und 2 – Seite 4).

Der gegenwärtige globale Abschwung liegt im plötzlichen und starken Handelsrückgang begründet. Wenn also der Streit zwischen den USA und China beigelegt und eine Lösung für den Brexit gefunden wird, ist mit einer Erholung der Wirtschaftstätigkeit zu rechnen.

Verschiedene Indikatoren deuten auf eine Verbesserung hin, die sich indes nur langsam einstellt. Trotzdem geben einige Aktivitätsindikatoren Anlass zu verhaltenem Optimismus. Der globale PMI für die Industrie gab im März nicht weiter nach und verharrte bei 50,6. Zudem liegen 75% der Länder über dem Schwellenwert von 50 (und damit im Expansionsbereich) – so viele wie seit November nicht mehr. Die Dienstleistungskomponente des globalen PMI hat sich auf 53,7 erhöht, wobei sich 77% der Länder im Expansionsbereich befinden. Die Indizes Harpex und Baltic Dry, zeitnahe Indikatoren für die Entwicklung des globalen Containerfrachtgeschäfts, scheinen die Talsohle durchschritten zu haben (siehe Grafik 3 – Seite 4). Und schliesslich beginnt insbesondere der chinesische Puls etwas schneller zu schlagen: Das Kreditwachstum hat sich beschleunigt, und der PMI für die Industrie hat eine ermutigende Erholung verzeichnet. Letzterer stieg auf 50,8 (was einem jährlichen BIP-Wachstum von rund 6% entspricht) und damit auf das höchste Niveau seit 8 Monaten. Diese Verbesserung wurde anschliessend durch den Caixin-PMI für den Dienstleistungssektor bestätigt, der überraschend hoch ausfiel und mit 54,4 seinen höchsten Stand seit Januar 2018 erreichte.

Der globale PMI für die Industrie gab im März nicht weiter nach und verharrte bei 50,6. Zudem liegen 75% der Länder über dem Schwellenwert von 50 (und damit im Expansionsbereich) – so viele wie seit November nicht mehr. Die Dienstleistungskomponente des globalen PMI hat sich auf 53,7 erhöht, wobei sich 77% der Länder im Expansionsbereich befinden.

Wir geben zu, dass dies lediglich zaghafte Hinweise auf eine Erholung sind und es eines Handelsabkommens zwischen den USA und China bedarf, damit sich diese Erholung beschleunigt. Nur eine solche Beschleunigung würde die Unsicherheiten ausräumen und einem stärkeren Vertrauenszuwachs und einer kräftigeren Konjunkturbelebung den Weg ebnen. Sollten sich die chinesischen und US-amerikanischen Unterhändler nicht einigen, würde die Dynamik der Binnennachfrage in Europa und Asien, aber auch in den USA nicht ausreichen, um die externe Schwäche zu kompensieren.

Die Diskussionen gehen vorerst in die richtige Richtung. Denn der Schaden, den der Handelskrieg bereits angerichtet hat, hat beide Seiten motiviert, nach einem gemeinsamen Nenner zu suchen. In China reagiert die Konjunktur trotz des derzeitigen Übergangs zu einer stärker binnenmarktorientierten Wirtschaft nach wie vor sehr empfindlich auf Handelsströme. In den USA wiederum hat sich die durch den Handelskrieg ausgelöste globale Abschwächung als starker Nachteil für die Unternehmen erwiesen, obwohl die Exporte einen kleineren Teil des BIP ausmachen. Dies lässt uns hoffen, dass die USA und China sich schliesslich darauf einigen können, die bestehenden Strafzölle nicht weiter anzuheben und möglicherweise einige aufzuheben. Dennoch bleiben wir angesichts der nach wie vor nicht unerheblichen Gefahr politischer Fehlentscheidungen wachsam.

Nur wenige Wochen, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) beschlossen hatte, frühestens 2020 an der Zinsschraube zu drehen, und eine neue Serie von gezielten längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (TLTROs) angekündigt hatte, schlug die Federal Reserve (Fed) einen expansiveren Kurs ein. Der geldpolitische Trend hat sich also spürbar verändert. Das kurzfristige Risiko einer Verschärfung der Finanzierungsbedingungen, die die Expansion gefährdet hätte, ist gesunken. Auch wenn die Entwicklung des Handelsstreits und des Brexit weiter beobachtet werden muss, haben sich aufgrund dieses akkommodierenderen geldpolitischen Kurses die Aussichten massgeblich verändert. Er dürfte nicht nur in nächster Zeit zu einem berechenbareren Umfeld, sondern unter Umständen auch zu einer Verlängerung des Konjunkturzyklus beitragen.

Die Aussicht auf ein langfristig geringes Wachstum in der westlichen Welt und die direkteren handelsbezogenen Gefahren haben die Zentralbanken veranlasst, weiterhin für unterstützende monetäre Bedingungen zu sorgen.

Abschliessend möchten wir bekräftigen, dass das derzeitige Investitionsumfeld in vielerlei Hinsicht beispiellos ist. Die Aussicht auf ein langfristig geringes Wachstum in der westlichen Welt und die direkteren handelsbezogenen Gefahren haben die Zentralbanken veranlasst, weiterhin für unterstützende monetäre Bedingungen zu sorgen. Das Fed hat noch vor Erreichen des neutralen Zinssatzes und trotz Vollbeschäftigung eine Straffungspause eingelegt, während es für die EZB möglicherweise schwierig werden könnte, ihre Zinspolitik je zu normalisieren. Unsere Anlagestrategie konzentriert sich weiterhin darauf, die aktuellen Rahmenbedingungen – niedriges Wachstum, aber lockeres Geld – bestmöglich zu nutzen.

Hinweis: Sofern nicht anders angegeben, basieren alle in dieser Publikation aufgeführten Daten auf folgenden Quellen: Datastream, Bloomberg, Berechnung von Lombard Odier.

Wichtige Hinweise.

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