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Der Wettlauf ins All ist (wieder) voll entbrannt. Doch wird die neue Grenze für private Investitionen im Weltraum auch Erträge abwerfen?

Von Andrew Pemberton
Mittwoch 21 September 2016

Elon Musk hat es dank seiner Unternehmen PayPal und Tesla zum Milliardär gebracht. Trotz jüngster Rückschläge führt er den neuen Boom um das All an. Mit unserem immer stärker werdenden Wunsch, die Geheimnisse des Weltraums zu lüften, steigt auch die Zahl der Pioniere, welche die damit verbundenen Chancen ausloten möchten.

Die gerade errichtete Startstufe thront 162 Fuß über einer Startrampe aus Beton an der Kreuzung von Crenshaw Boulevard und Jack Northrop Avenue in Hawthorne, Kalifornien.

Wen es zufällig in diese Gegend verschlägt, wird sie sicher nicht übersehen. In Reichweite ist sie allerdings auch nicht gerade.

Der Startstufe war im Dezember 2015 in Floridas Cape Canaveral eine historische Landung gelungen, nachdem sie für den Abschuss von 11 Satelliten des Kommunikationsunternehmens Orbcomm ins All verwendet worden war.

Seitdem glückte SpaceX – im vollen Wortlaut: Space Exploration Technologies Corp. – die Landung von fünf weiteren Startstufen – eine auf dem Land und vier weitere auf einem Drohnenschiff auf See.

Die Landungen haben dem Traum von Elon Musk neuen Antrieb gegeben. Der CEO von SpaceX verfolgt das Ziel, wiederverwendbare Startstufen zu bauen, wodurch die Kosten von Raketenstarts signifikant gesenkt werden können. Doch weit mehr als das ist der 162 Fuß hohe Leviathan ein greifbares, doch ebenso unfassbares Symbol des neuen Weltraum-Booms.

Denn seit dem letzten Schub fieberischer Weltraumaktivitäten in den 1990er-Jahren war die Aufregung im Wettlauf ins All nicht mehr so groß wie heute. 2011 gab es nur 100 Unternehmen im Raumfahrtsektor. Inzwischen beläuft sich ihre Zahl laut Richard Rocket auf etwa 1.000, einschließlich 700 Privatunternehmen. Der Mann mit dem passenden Namen ist Mitgründer und CEO von New Space Global, einem in Florida ansässigen Unternehmen, das den globalen, privatwirtschaftlichen Weltraumsektor für Investoren analysiert.

2011 gab es nur 100 Unternehmen im Raumfahrtsektor. Inzwischen beläuft sich ihre Zahl laut Richard Rocket auf etwa 1.000, einschließlich 700 Privatunternehmen

Die Investoren

Die Investitionen in Start-ups in der Raumfahrtbranche belaufen sich seit dem Jahre 2000 auf 13,3 Mrd. USD, einschließlich einem Rekord von 2,7 Mrd. USD in 2015. Es ist offensichtlich, dass Geld in die neue Weltraumbranche fließt, sei dies auch deutlich langsamer als in traditionellere Technologieunternehmen.

Das Geld

Laut Jeff Foust, Chefredakteur der Space Review aus Washington D.C., gibt es zwei wesentliche Gründe für das gestiegene finanzielle Interesse am Weltraumtourismus und der Erkundung der Tiefen des Alls: „Dank technologischer Fortschritte konnten die Kosten gesenkt werden. Dadurch ist es leichter, kleinere Satelliten ins All zu bekommen. Auch Raketen können für deutlich weniger Geld gestartet werden. Dies führt wiederum zu häufigeren Raketenstarts.“

SpaceX wurde bereits als eine Art EasyJet für Raketenstarts beschrieben – ebenso zuverlässig wie billig. Der zweite Faktor für den Weltraum-Boom ist die enthusiastische Beteiligung von Milliardären.

„Das Interesse wohlhabender Personen am Weltraum hat dazu geführt, dass Geld in neue Initiativen geflossen ist“, analysiert Foust. „Das ist eine nie dagewesene Situation.“

Gleichauf mit Elon Musk, dem Milliardär hinter PayPal, Tesla und nun SpaceX, liegt sein größter Kontrahent in Sachen Weltraum: Jeff Bezos von Amazon. Dieser ist Eigentümer von Blue Origin, einem Unternehmen für Raketentechnik. Bisher weigerte Bezos preiszugeben, wie viel Geld er in Blue Origin investiert hat. Nur einmal machte er gegenüber Journalisten eine Andeutung: „Sagen wir einfach, es ist eine große Summe.“

Microsoft-Gründer Paul Allen finanzierte Stratolaunch, das nach Flügelspannweite größte Flugzeug der Welt. Es wirft Raketen in einer Höhe von etwas 30.000 Fuß ab, nur wenige Augenblicke, bevor sie ins All schießen. (Laut Allen lassen sich dadurch Satelliten zuverlässiger ins All senden.) Im Januar 2015 investierte Google eine Milliarde US-Dollar in SpaceX. Sir Richard Branson zählt zu den wenigen Milliardären, die nicht aus dem digitalen oder Software-Bereich kommen und in den Boom um die Raumfahrttechnik investieren. Sein Unternehmen Virgin Galactic versucht seit mehr als 10 Jahren, das Geschäft mit dem Weltraumtourismus in Gang zu bringen.

Auch Musk hat den Trend erkannt: „Man musste so etwas wie einen Pionier-Boom haben, um das Kapital bereitzustellen, mit dem der Raketen-Boom angekurbelt werden kann. Dies passierte bisher nur mit PCs und dem Internet“, kommentierte er.

Doch meinen diese Milliardäre es ernst oder handelt es sich um nichts weiter als ein Hobby für eine Reihe wohlhabender Weltraumdilettanten um Eindruck zu schinden?

Doch meinen diese Milliardäre es ernst oder handelt es sich um nichts weiter als ein Hobby für eine Reihe wohlhabender Weltraumdilettanten um Eindruck zu schinden?

„Ich denke sie meinen es sogar verdammt ernst“, sagt Foust. „Viele von ihnen träumen seit Kindertagen von dieser Möglichkeit. Bezos investiert bereits 15 Jahre lang in Blue Origin, SpaceX gibt es seit 14 Jahren und Virgin Galactic seit mehr als einem Jahrzehnt. Sie alle mussten Rückschläge hinnehmen. Im Falle von Virgin Galactic starb sogar ein Testpilot. Sie hätten schon längst aussteigen können.“

Neben enormem Durchhaltevermögen verfügen sie über groß gefasste Ziele, wie sie sich für einen Mogul ihres Ranges eben gehören. So sind wiederverwendbare Raketen für Musk zum Beispiel nur der Anfang. Sein Ziel ist es letztlich, Menschen zum Mars zu befördern.

„Sind wir dabei, eine Spezies zu werden, die auf mehreren Planeten leben kann, oder nicht?“, fragte Musk. „Falls nicht, sieht unsere Zukunft nicht gerade rosig aus. Wir werden einfach weiter auf der Erde vor uns hinleben, bis eine Katastrophe uns auslöscht.“

Sind wir dabei, eine Spezies zu werden, die auf mehreren Planeten leben kann

Auch wenn SpaceX bis jetzt noch keine einzige Person auch nur bis zu einem niedrigen Erdorbit gebracht hat – das Unternehmen lässt verlauten, dass es 2017 seine ersten Astronauten losschicken werde –, erklärt Musk, er arbeite hart an einem Plan für einen „Mars Colonial Transporter“, also einen Transporter für Marskolonien. (Gerüchten zufolge steht das X in SpaceX für Exodus).

So bleibt Musk trotz des Rückschlags, als kürzlich eine Rakete auf der Startplattform von Cape Canaveral explodierte, voller Enthusiasmus.

Bezos ist ebenso idealistisch. Sein wiederverwendbares Raumschiff New Shephard ist bereits auf dem Weg in die äußersten Bereiche des Weltraums. Wenn die Tests erfolgreich verlaufen, könnten bereits 2018 zahlende Touristen in Sechsergruppen kurze Reisen ins All unternehmen.

Doch eigentlich ist der Weltraumtourismus bereits gestartet. Am 28. April 2001 wurde Denis Tito zum ersten zahlenden Weltraumtourist. Er war sieben Tage lang zu Gast in der Internationalen Raumstation ISS.

Ihm folgte 2002 der südafrikanische Computer-Millionär Mark Shuttleworth. 2005 reiste Gregory Olson ins All, dessen Unternehmen hochempfindliche Spezialkameras herstellte.

Seitdem gab es mehr als acht Weltraumflüge mit Zivilisten an Bord des russischen Weltraumschiffes Sojus. Sie alle wurden von Tom Shelley organisiert, dem englischen Vorsitzenden des in Washington ansässigen Unternehmens Space Adventures.

„Diese Art von Abenteuern werden immer beliebter“, erklärt er.

Die Astronauten

„Die kurzen fünf Minuten für einen Sprint zum Rande des Universums und zurück und damit das Erlebnis des unglaublichen Andrucks beim Start sowie der Schwerelosigkeit auf dem Weg zurück zu Erde werden bald die Norm sein“, fügt Shelley hinzu. Man sollte nicht überrascht sein, wenn man bereits in wenigen Jahren erste Gäste sich an den Parties der Reichen mit ihrem Weltraumtrip brüsten hört.

Edward Wright des Konkurrenzunternehmens Citizens in Space ist noch optimistischer. „In zehn oder zwanzig Jahren wird sich der Preis eines Tickets für einen suborbitalen Flug auf dem Niveau eines Erste-Klasse-Fluges von den USA nach Australien bewegen.“

Für Bezos ist der Weltraumtourismus nur der Anfang, ein notwendiger Schritt, um die erforderlichen Kenntnisse in der neuen Technologie zu entwickeln, ähnlich den Anfängen von Flugzeugen oder Computerspielen. Sein endgültiges Ziel ist es, dass wir alle fernab des Planeten leben und arbeiten werden. Seiner Einschätzung nach wird die Erde zu einem riesigen Vorort, der vor allem aus Universitäten und Wohnraum besteht, während die Großindustrien abseits der Erde betrieben werden. So ist er verständlicherweise aufgeregt über die kürzliche Entdeckung von Proxima B, einer erdähnlichen Welt, die nur 4,22 Lichtjahre entfernt liegt und auf der die Voraussetzungen für Leben existieren.

Zurück auf dem Planeten Erde ist die expandierende Satellitenbranche die Investmentchance der Stunde. So dient zum Beispiel Googles Investition in SpaceX dazu, das Unternehmen beim Erreichen seines Zieles zu helfen, Internet über Satellit auch in die entlegensten Winkel der Welt zu bringen.

Doch wie bereits die New York Times feststellte: „Google springt auf einen bereits überfüllten Zug auf.“

Die Zahlen

Die Virgin Group hat gemeinsam mit dem Hersteller von Kommunikationshalbleitern Qualcomm in eine Gruppe von 648 Satelliten für Internetkonnektivität investiert. Planet Labs, ein Hersteller von Satelliten der Größe eines Schuhkartons, die Bilder von der Erde liefern, erhielt eine Finanzierung in Höhe von 95 Millionen USD.

„Risikokapitalgeber investieren in Satellitenunternehmen“, sagt Foust.

„Viele der neuen Weltraumunternehmen wird es in 10 bis 20 Jahren nicht mehr geben“, schätzte Fred Wilson von Aerojet Rocketdyne, einem Hersteller von Raketenantriebsystemen.

Foust stimmt dem zu, streicht aber gleichzeitig den Umstand hervor, der Unterschied zwischen der heutigen Situation und zum Beispiel jener in den 1990er-Jahren sei, dass alles viel billiger ist. „Die Geschäftsmodelle der neuen Weltraumunternehmen erfordern nicht mehr so viel Erfolg wie in der Vergangenheit“, sagt er.

Foust glaubt, dass es mit der Zeit zu einer Konsolidierung der erfolgreichen Unternehmen kommen wird. „Vorherzusehen, wer die Gewinner sein werden, ist keine leichte Aufgabe. Doch gleichzeitig macht diese Herausforderung es so spannend, der Entwicklung zu folgen“, sagt er. Eine Zusammenarbeit von Musk und Bezos schließt er jedoch aus: „Diese beiden Egos werden sich in naher Zukunft sicher nicht zusammentun.“

Keine dieser Entwicklungen wäre allerdings ohne die NASA überhaupt möglich gewesen. Seit das Space Shuttle 2011 ausgemustert wurde, konzentriert die Raumfahrtbehörde sich auf die Erforschung der Tiefen des Alls und sendet Messsonden zum Mars.

Gleichzeitig wurde die Finanzierung der Behörde drastisch gekürzt. Die Mittelzuweisungen für die NASA machen heute weniger als 0,5 % der bundesstaatlichen Ausgaben der USA aus. Wie ein Spötter treffend erkannte: „No bucks, no Buck Rogers“. Soll heißen: „Ohne Moos ist auch im All nichts los.“

Auch aus diesem Grunde hat die NASA sich gegenüber der Zusammenarbeit mit Privatunternehmern wie SpaceX geöffnet. Die US-Raumfahrtbehörde macht sogar den größten Teil des Geschäfts von SpaceX aus. Das Unternehmen konnte vor Kurzem einen Vertrag im Wert von 2,6 Mrd. USD abschließen, der ab 2017 den Flug von Astronauten zur Weltraumstation vorsieht. Es verfügt außerdem über Verträge zum Start kommerzieller Satelliten. NASA unterstützt sogar die langfristigsten Zukunftsvision von SpaceX: die Marslandung.

„Im Austausch für Daten zu Anflug, Abstieg und Landung von SpaceX wird die NASA technische Unterstützung für den Plan des Unternehmens anbieten, ein unbemanntes Dragon-2-Raumschiff auf dem Mars zu landen“, erklärte kürzlich eine Sprecherin. So ist Elon Musk seinem Griff zu den Sternen vielleicht schon bald ganz nah.

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