Investment Strategy  

21/12/2015

ANLAGESTRATEGIE – 1. QUARTAL 2016 : JAPAN

In Japan wurde soeben bekannt, dass das Land gerade noch eine „technische Rezession“ vermeiden konnte. Das reale BIP-Wachstum im 3. Quartal wurde ursprünglich auf -0,8% geschätzt, nun aber aufgrund der unerwartet erfreulichen Investitionsdaten der Unternehmen auf +1,0% korrigiert.

Auf einen Blick:

  • Im Zentrum der politischen Entscheidungen steht nun das neue Ziel von Ministerpräsident Shinzō Abe, mittelfristig das BIP auf 600 Billionen Yen anzuheben.
  • Der Massnahmenmix dürfte in den kommenden zwölf Monaten mit kurzfristigen Fiskalpaketen verbessert werden, die das laufende Lockerungsprogramm der Bank of Japan (BoJ) ergänzen sollen.
  • 2016 sind die beiden Hauptrisiken die Oberhauswahlen im Sommer und das Wachstum in China.

Das Konzept der technischen Rezession, zwei Quartale in Folge mit negativem realen BIP-Wachstum, ist allerdings für Japan ziemlich irrelevant. Ein langfristiges reales Durchschnittswachstum von beinahe Null kann aus strukturellen Gründen leicht ins Minus abrutschen. Nichtsdestoweniger bestätigt die Korrektur, dass es in Japan aufwärts geht, wie bescheiden auch immer das Plus im internationalen Vergleich aussehen mag.

Angesichts des Rückgangs der Arbeitslosigkeit dürfte die BoJ im kommenden Jahr von weiteren aggressiven Massnahmen Abstand nehmen. Dennoch sollte sie das Tempo der Anleihenkäufe aufrechterhalten, da sich die Konjunktur ganz gewiss nicht überhitzt. Vor allem fehlt ein von der Lohn-Preis-Spirale ausgehender Inflationsdruck. Der jüngste Schwächeanfall des Rohstoffmarktes stellt in der Tat ein wesentliches Risiko für die Inflationsprognose der BoJ dar.

Ob das der Regierung Abe genügt? Wahrscheinlich nicht. Das im Herbst angekündigte Wirtschaftsprogramm „Abenomics 2.0“ strebt bis 2020 ein nominales BIP von 600 Billionen Yen an, das sind 20% mehr als heute. Die Umsetzung dieser Vorgabe setzt ein jährliches nominales Wachstum von 3,5% voraus, eine unrealistische Annahme, sogar wenn optimistisch von 2% Inflation und 0,5% Potenzialwachstum ausgegangen wird. Trotz der allgemeinen Zweifel scheint das Kabinett entschlossen zu sein, viel politisches Kapital in dieses Ziel zu investieren. Vielleicht meint man so die Reflationsmassnahmen besser verkaufen zu können, mit denen die extrem hohe Staatsverschuldung, eigentlich auf Kosten der Kaufkraft der Wähler, abgebaut werden könnte. Schliesslich handelt es sich um ein nominales BIP-Wachstum, nicht ein reales.

Deshalb wird die Regierung Abe wohl erneut versuchen, den Strategiemix zu verbessern. Wenn sie sich zu stark auf die BoJ verlässt, würde sie eine weitere Abwertung des Yen auslösen. Das kann sie sich angesichts des jüngsten Handelsabkommens mit den USA nicht leisten. Höhere Staatsausgaben könnten eine Lösung darstellen, zumindest für 2016. Das Haushaltsdefizit hat sich seit 2013 leicht verbessert und lässt einen kleinen Spielraum für Konjunkturpakete. Zudem verleihen zusätzliche staatliche Ausgaben und Steuersenkungen der Regierungspartei einen politischen Vorteil bei der Oberhauswahl im Sommer 2016.

Wenn Japan an seiner Wachstumspolitik festhält, könnte das jährliche Wachstum 2016 etwas höher ausfallen als 2015. Auch die Einkäufe vor der Erhöhung der Umsatzsteuer Anfang 2017 könnten das Gesamtwachstum um einige Basispunkte steigern. Die Lage hat sich aber nicht grundlegend verändert: Japan steht vor einem langen, steinigen und ungewissen Weg, der zu einer niedrigeren Verschuldung und einer robusteren Wirtschaft führen soll.

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