Investment Strategy  

21/12/2015

ANLAGESTRATEGIE – 1. QUARTAL 2016 : SCHWELLENLÄNDER

In den letzten fünf Jahren war der Konsens bezüglich der Schwellenländer überaus optimistisch gestimmt. Diese Einstellung hat sich nun vor allem infolge der Konjunkturabkühlung in China geändert. Das verlangsamte Wachstum und die Umstellung auf eine konsumorientierte Wirtschaft in China haben zu einer Neueinschätzung des Ausblicks vieler aufstrebender und vor allem rohstoffproduzierender Länder geführt.

Auf einen Blick:

  • Die von China ausgelösten Sorgen haben den optimistischen Konsenserwartungen für die Schwellenländer den Todesstoss versetzt.
  • Die Angst vor einer systemischen Krise und einem allgemeinen Zusammenbruch des Wachstums scheint jedoch unbegründet zu sein. In vielen Ländern unterstützt eine Kombination aus niedriger Inflation und lockerer Geldpolitik den Verbrauch.
  • China macht nach wie vor Fortschritte, entfallen doch heute bereits 45% bis 50% der Wirtschaftsleistung auf Dienstleistungen und den Einzelhandel.

Schwellenländer stehen vor langfristig schwachem Wachstum, einige erwartet auch eine schmerzhafte Strukturanpassung. Aber die Angst vor einer systemischen Krise und einem grossflächigen Zusammenbruch des Wachstums ist wohl übertrieben.

Den grössten Druck verzeichnen Länder, die stark vom Rohstoffexport abhängen. Die Terms of Trade sind unter das Tief der Krise 2008 gerutscht – kein gutes Omen für die Stabilität der Zahlungsbilanz und ein Hinweis auf eine potenzielle Aufzehrung der Fremdwährungsreserven, wie sie bereits in Brasilien und Kolumbien erkennbar ist.

Gleichzeitig profitieren jedoch die Konsumenten in den Schwellenländern, insbesondere in China, von der niedrigen Inflation und der lockeren Geldpolitik. Diese Trends dürften auch in den kommenden Monaten andauern. Die hohe Verschuldung der Schwellenländer wurde zum Teil abgebaut und die Last ist nun leichter zu verkraften.

China wird die Umstellung seiner Wirtschaft unseres Erachtens fortführen. Die Massnahmen dürften zu einer Abkühlung, aber nicht zu einer harten Landung führen. Das Wirtschaftswachstum könnte 2016 etwas niedriger ausfallen als 2015, aber immer noch über dem Potenzialwachstum liegen. Der sich verlangsamende Industriesektor wird vom Konsum der Haushalte überholt. Der Einzelhandelsumsatz ist hoch und der Arbeitsmarkt solide. Zudem ist Peking fest entschlossen, die Konjunktur mit haushalts- und geldpolitischen Massnahmen zu fördern. Das bedeutet allerdings nicht, dass China nicht vor vielen Herausforderungen steht. Das Land muss sich unbedingt mit der rückläufigen Tätigkeit im verarbeitenden Gewerbe befassen, der sinkenden Wettbewerbsfähigkeit infolge der Lohnerhöhungen und der aufwertenden Währung entgegenwirken sowie die hohen Überkapazitäten abbauen, die jahrelangen überhöhten Investitionen zuzuschreiben sind.

Eine Rückkehr Chinas zu seinem alten Wachstumsmodell würde wohl die grösste Gefahr darstellen und dem Land verbieten, sich in eine Industrienation zu verwandeln. Ein solches Szenario wäre denkbar, sollte der herstellende Sektor plötzlich zusammenbrechen, der Verbrauch einknicken oder die geopolitische Lage in der Region eine spürbare Änderung erfahren.

Der Arbeitsmarkt ist ebenfalls gut aufgestellt. Das Stellenangebot-Stellenbewerber-Verhältnis ist hoch. Schliesslich hat der Renminbi deutlich aufgewertet, was wohl der am besten erkennbare Hinweis auf die Umstellung der chinesischen Wirtschaft ist.

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