Quarterly Investment Strategy  

28/12/2016

Schwellenländer: Die Erholung steckt noch in den Kinderschuhen

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Ein freundlicher makroökonomischer Ausblick für die USA, Rohstoffe und China dürfte die laufende Erholung in den Schwellenländern trotz der protektionistischen Drohungen stützen.
Russland hat politische Glaubwürdigkeit zurückerlangt und dürfte mittelfristig von den verbesserten Aussichten der Ölmärkte profitieren, doch langfristig bleibt das Land anfällig.
Brasilien hat wahrscheinlich das Schlimmste seines Abwärtszyklus überstanden, doch die unpopulären bevorstehenden Haushaltsreformen bergen Risiken für die Erholung. 
Die Aussichten Indiens sind vielversprechender, da nun eine wachstumsfreundliche Geldpolitik möglich ist.

Donald Trumps überraschender Wahlsieg und sein Versprechen, protektionistische Massnahmen zu ergreifen, haben viele Anleger wieder aus den Schwellenländern verscheucht. Unserer Ansicht nach liegen diese Anleger falsch. Ein Urteil ausschliesslich von (möglichen) politischen Massnahmen der USA abhängig zu machen, ignoriert die Tatsache, dass die Entwicklungen in China für den Schwellenländerblock als Ganzes viel wichtiger sind. Die Nachfrage der chinesischen Industrie kommt nicht nur Rohstoffproduzenten wie Brasilien, Chile und Russland direkt zugute. Auch die Lieferkette befeuert Investitionen und Handel im gesamten pazifischen Raum. Damit rücken alle Volkswirtschaften der Region enger zusammen.

Ausserdem dürften die meisten Schwellenländer von einer Reflation in den USA profitieren. Selbst für Mexiko sollte aus unserer Sicht ein starkes US-Wachstum mit ein paar Handelsbarrieren dem Freihandel verbunden mit einer Rezession vorgezogen werden.

Hinzu kommen die verbesserten Fundamentaldaten mit nachlassenden inflationären Effekten starker Währungsabwertungen seit 2014 und relativ geringen Leistungsbilanzungleichgewichten in den BRIC-Staaten. Deshalb lautet unser Fazit, dass die Stabilisierung der Schwellenländer, die vor einigen Quartalen eingesetzt hat, anhalten dürfte.

Schauen wir uns nun China etwas genauer an. Das Land verfügt über ausreichende Hebel, um die kurzfristigen Wachstumsaussichten zu verbessern und eine ungeordnete Abwertung zu verhindern, zum Beispiel eine expansivere Geld- und Fiskalpolitik, aber auch private Ersparnisse. Zugegebenermassen wäre die Aktivierung dieser Hebel ein Rückschlag für die Bemühungen, strukturelle Reformen umzusetzen, insbesondere in Bezug auf Staatsunternehmen, die Internationalisierung des Yuan und das exzessive Kreditwachstum. Wenigstens befinden sich die Realzinsen nun auf einem angemesseneren Niveau. Das bedeutet, dass Investitionen eine bessere Qualität haben dürften als in der Vergangenheit. Nicht alles ist in Ordnung in China, doch die Zeit negativ auf Kapitalfehlallokationen eingestellt zu sein war in den Jahren 2011–2012, nicht heute. Die gute Nachricht aus Brasilien: Die Abwärtsspirale aus Inflation, steigenden Zinsen und langsamerem Wachstum könnte ihr Ende erreicht haben. Mit einem Haushaltsdefizit von fast 10% wird die grösste Herausforderung des Interimspräsidenten darin bestehen, die fiskalpolitische Glaubwürdigkeit wiederherzustellen – was unpopuläre Reformen beim Mindestlohn und bei den Sozialleistungen bedingt. Russland hat viel an Glaubwürdigkeit, auch in der Geldpolitik, zurückgewonnen. Damit ist das Land weniger anfällig für Kapitalabflüsse, auch wenn das Fed die Geldpolitik strafft. Es hat einen Leistungsbilanzüberschuss, das Haushaltsdefizit ist unter Kontrolle und der Wechselkurs des Rubels schwankt seit zwei Jahren frei. Allerdings ist Russland nach wie vor langfristig anfällig wegen der zu grossen Abhängigkeit vom Öl. Im Gegensatz zu anderen Schwellenländern hat Russland keine „Jugenddividende“, um seine potenzielle Wachstumsrate zu steigern.

Ein abschliessendes Wort zu Indien: Dort sendet der neue Gouverneur der Zentralbank wachstumsfreundliche Signale aus, was der erfolgreichen Inflationsbekämpfung seines Vorgängers zu verdanken ist. Die Öffnung mehrerer Branchen für ausländische Direktinvestitionen ist ebenfalls ermutigend, und die Steigerung der Steuereinnahmen über die neue Goods and Services Tax (vergleichbar mit einer Mehrwertsteuer) wird wichtig sein, um die Haushaltsziele zu erreichen.

 

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