Investment Strategy  

24/06/2016

BREXIT: INTERVENTIONEN WICHTIGER ZENTRALBANKEN ERWARTET

Wir erwarten – und hoffen – auf klare, schnelle Reaktionen von den Regierungen der Eurozone, mit denen sie die politische Einheit und ihr Engagement für die Integrität der Eurozone bekräftigen.

Gestern haben die Briten dafür gestimmt, die Europäische Union zu verlassen. Dies ist zweifellos ein historisch bedeutsames Ereignis. Allerdings werden die nächsten Tage und Wochen wohl genauso wichtig, da sich erst im weiteren Verlauf die Details darüber, wie der Wechsel sowohl vonseiten Grossbritanniens als auch der Europäischen Union gehandhabt werden wird, manifestieren werden.

Zuallererst sollten wir uns in Erinnerung rufen, dass dieses Referendum noch nicht rechtsverbindlich ist, da es zunächst noch von beiden Kammern des britischen Parlaments ratifiziert werden muss. Zwar steht das noch aus, es gilt jedoch als sehr wahrscheinlich, dass das Ober- und Unterhaus die demokratische Entscheidung der Bürger respektieren werden.

Der zweite wichtige Aspekt ist die Reaktion in der Eurozone selber. Tatsächlich könnte die nach der Abstimmung herrschende Unsicherheit die Integrität der Eurozone in Frage stellen und weitere euroskeptische Bewegungen in anderen EU-Staaten zur Folge haben.

Wir erwarten – und hoffen – auf klare, schnelle Reaktionen von den Regierungen der Eurozone, mit denen sie die politische Einheit und ihr Engagement für die Integrität der Eurozone bekräftigen. Sollten bei den Regierungen der Eurozone indes Unstimmigkeiten oder Uneinigkeit offenkundig werden, könnte das bei den Investoren dazu führen, dass sie die Basis der Eurozone oder sogar der Europäischen Union selber infrage stellen. All das würde zu einer politisch äusserst heiklen Zeit geschehen: Am 26. Juni finden die  Parlamentswahlen in Spanien und im Oktober das Referendum in Italien statt; die euroskeptischen Stimmen in Österreich und den Niederlanden werden lauter, und Griechenland ist weiterhin angeschlagen. In jedem Fall gehen wir davon aus, dass die wichtigen Zentralbanken konzertiert handeln werden, um Marktturbulenzen zu vermeiden.

Welche Auswirkungen auf die Märkte sind zu erwarten?
Zunächst wird der Vertrauensschock zu einer Risikoaversion führen und die US-Vermögenswerte werden besser abschneiden als die europäischen. Ohne klares politisches Bekenntnis in den nächsten Tagen wird die Risikoprämie von europäischen Vermögenswerten infolge einer langen Phase der Unsicherheit über die Zukunft der Ausgestaltung Europas steigen. An den europäischen Märkten könnte die Neubewertung der Länderrisiken zu einer stärkeren Differenzierung zwischen Nord- und Südeuropa führen und erneut zu divergierenden Zinsen führen.

Bei Aktien wird die gestiegene Risikoprämie den europäischen Indizes, allen voran jenen in der Peripherie, für geraume Zeit zusetzen. Unter Berücksichtigung der jüngsten Marktbewegungen könnte der Verkaufsdruck zu Verlusten zwischen 10% und 15% beim Euro Stoxx 50 (2600–2750) und FTSE 100 (5400–5700) sowie von 10% beim S&P 500 (rund 1880) führen.

An den Anleihenmärkten erwarten wir eine Ausweitung der Spreads von Anleihen der Peripherieländer und Titeln mit Investment-Grade-Rating um rund 50 Basispunkte. Diese Entwicklung dürfte sich aber dank der Massnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Grenzen halten.

Die Devisenmärkte signalisieren gegenwärtig Verluste des britischen Pfunds gegenüber dem US-Dollar von 8%, gegenüber dem Euro von 5% und gegenüber dem Schweizer Franken von 7%1. Wir erwarten, dass sich die britische Währung gegenüber dem US-Dollar und dem Franken um 8% bis 13% und gegenüber dem Euro um 2% bis 7% abschwächen wird. Die EM-Währungen2 könnten gegenüber dem US-Dollar leicht verlieren (-2% bis -3%), doch die reduzierten Erwartungen einer Leitzinserhöhung des Fed werden das Abwärtspotenzial begrenzen. Auch in diesem Fall werden die Zentralbanken alles tun, um die Märkte mit Liquidität zu versorgen. Ausserdem erwarten wir, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) intervenieren wird, um die Aufwertung des Schweizer Franken zu begrenzen, insbesondere gegenüber dem Euro.

Diese Entwicklungen werden voraussichtlich in den nächsten Tagen eintreten. Dennoch können wir ein Szenario nicht ausschliessen, in dem sich die Eurozone politisch einig zeigt und die Sorgen wegen ihres Überlebens nachlassen. In einem solchen Szenario sähen die Konsequenzen des Referendums für die Märkte deutlich anders aus, und die Schätzungen müssten entsprechend angepasst werden.

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts hat der Futuresmarkt des FTSE bereits einen Rückgang von 8% vorweggenommen (rund -11,5% am Euro Stoxx 50), während der Nikkei mit 8% im Minus liegt.

Wir werden jedoch abwarten müssen, wie die europäischen Märkte reagieren, bevor wir weitere Anlageentscheidungen treffen.
Wir werden die Entwicklungen in den kommenden Stunden beobachten und Sie über Veränderungen der empfohlenen Positionierung informieren.

1Daten per 24. Juni 2016. Source: Bloomberg.
2Emerging Markets

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