Strategy Bulletin  

18/03/2014

Abenomics: der einfache Teil ist geschafft

Das Wirtschaftsprogramm des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe, Abenomics genannt, wurde bei seiner Auflegung im Dezember 2012 von der heimischen Wirtschaft und den Finanzmärkten zwar einhellig begrüsst. Die Frage, ob das Programm nachhaltig und erfolgreich sein wird, ist jedoch noch nicht beantwortet. So wird die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 5% auf 8%, die im April in Kraft tritt, die Tragfähigkeit der bisherigen Errungenschaften der Abenomics auf die Probe stellen. Es kann aber auch sein, dass die Dringlichkeit, den nächsten Schritt zu tun, umso stärker offenbar wird, nämlich die Umsetzung von Strukturreformen.

Um 20 Jahre Stagnation und Deflation hinter sich zu lassen, muss Abe einen konsequenten Dreistufenplan verfolgen. In der ersten Stufe muss die Geldbasis innerhalb von zwei Jahren verdoppelt werden, um den Yen zu schwächen, die Exporte anzukurbeln und Inflation zu erzeugen. Die Abwertung des Yen war zwar wirklich beeindruckend (Wertverlust von 18% gegenüber dem US-Dollar im letzten Jahr), und das Land fand aus der Deflation heraus (Kerninflation von 0,7% auf Jahresbasis und Gesamtinflation von 1,4%). Ein Ziel wurde aber bisher nicht erreicht, denn aufgrund der gestiegenen Kosten und der schwachen Auslandsnachfrage, insbesondere der wichtigsten Handelspartner (China und die restlichen asiatischen Länder), sind die Importe schneller gestiegen als die Exporte. Folglich schnellte das Aussenhandelsdefizit auf einen neuen Rekord hoch (obere Grafik). Gleichzeitig hat die zweite Stufe – fiskalpolitische Stimulierung – zugegebenermassen die Nachfrage beflügelt. Sie hat aber auch die öffentlichen Schulden in die Höhe getrieben, sodass die tiefen Haushaltslöcher natürlich nicht gestopft werden konnten (mittlere Grafik).

Vor diesem Hintergrund kommt es jetzt entscheidend darauf an, dass das Trendwachstum erhöht wird, und zwar nachhaltig. Leider scheint die jüngste Wachstumsbeschleunigung vorübergehender Natur zu sein. Der Aussenbeitrag, der das Wachstum seit Mitte 2013 belastet hat (untere Grafik), dürfte schwach bleiben, obwohl die Importe nach der Steuererhöhung sinken könnten. Derweil verhindert die niedrigere chinesische Nachfrage eine deutliche Beschleunigung der Ausfuhren. Andererseits leistete die Privatnachfrage den grössten Wachstumsbeitrag in der Periode, denn der Konsum zog in Erwartung der Steuererhöhung an. Das verspricht nichts Gutes für den zukünftigen Konsum, zumal das Verbrauchervertrauen auf einem niedrigen Niveau und das Wachstum der Realeinkommen schwach ist. Eigentlich sollte jetzt die dritte Stufe gezündet werden: Strukturreformen. Nach den Worten des japanischen Finanzministers soll damit ein positiver Kreislauf in Gang gesetzt werden, in dem höhere Anlageinvestitionen Produktivität und Gewinne steigen lassen, was wiederum zu höheren Löhnen und einer Belebung des Konsums führt. Dies wäre der Startschuss zu einem robusten inflationären Wachstum. Dieser Plan erscheint zwar ziemlich ausgeklügelt, ist aber doch in jeder wichtigen Phase mit Unwägbarkeiten behaftet. Werden die Unternehmen die Ersparnisse aus niedrigeren Steuern verwenden, um mehr zu investieren, wie der jüngste Geschäftsausblick für das 3. Quartal erwarten liess1, oder steigen die Realeinkommen, wie die Ankündigung von Lohnerhöhungen in einigen wichtigen Bereichen signalisierte? Wird dadurch eine neue Konsumwelle ausgelöst? Werden die Sozialversicherungssysteme und die Pensionskassen mit den massiven demografischen Problemen der ältesten Bevölkerung der Welt fertig?

Die ersten beiden Stufen mögen etwas Wachstum und Inflation generiert haben. Diese werden aber nur im Zusammenspiel mit der dritten – strukturellen – Stufe eine anhaltende Wirkung zeigen. Ohne den letzten Teil der Trilogie wird das Land mit einem rückläufigen Privatkonsum, einem sinkenden Aussenbeitrag und sich verschlechternden Haushaltskennzahlen konfrontiert sein, und der Staat muss Anleihen ausgeben, um die sinkenden Einnahmen auszugleichen. Wir erwarten, dass die öffentlichen Ausgaben steigen und dass die Bank of Japan japanische Staatsanleihen kauft, um das schwächere Wachstum auszugleichen. Das könnte die fair bewerteten Aktienmärkte zwar einige Quartale lang stützen. Die Anleger sollten jedoch wachsamer als letztes Jahr sein, denn die Zeit des leicht verdienten Geldes ist vorbei, und 2014 könnte das Jahr der ultimativen Bewährungsprobe für die Abenomics sein.

 

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