Quarterly Investment Strategy  

07/10/2016

Das letzte Quartal ist politisch aufgeheizt

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Zwar zeigen sich hie und da Anzeichen einer Verbesserung, doch die Weltwirtschaft hat noch längst nicht die „Escape Velocity“ erreicht, also ein Wachstumsniveau, das ohne wiederholte geld- oder fiskalpolitische Spritzen aufrechterhalten werden kann.

In den USA begrenzen die Bedingungen, die für die Spätphase oder das Ende eines Konjunkturzyklus typisch sind, den Spielraum des Federal Reserve (Fed), die Leitzinsen zu erhöhen, und setzen das Finanzministerium unter Druck, die Wirtschaft stärker fiskalpolitisch zu stützen.

Die Konjunkturtrends in der Eurozone sind zugegebenermassen nicht berauschend, strafen die Untergangspropheten jedoch Lügen, denn namentlich der Konsum hat das höchste Niveau seit 2010 erreicht.

Im September wartete die Bank of Japan mit einer Überraschung auf: Sie beschloss eine Renditezielpolitik in der Hoffnung, die Fähigkeit der Banken zur Kreditvergabe zu stärken und den Mangel an Staatsanleihen zu beheben.

Die expansivere Haltung des Fed, die laufende Neuanpassung der Ölmärkte und positive Überraschungen bei den chinesischen Konjunkturdaten haben unsere positive Einschätzung der Schwellenländer bis jetzt gestützt. Die Präsidentschaftswahl in den USA stellt jedoch ein Risiko dar.

Vorerst gilt weiter die Maxime, dass die Zinsen „noch längere Zeit niedrig“ bleiben werden, sodass die Fortsetzung der Renditejagd bei Unternehmensanleihen, Sachwerten und dividendenstarken Aktien angemessen ist. Diese Anlagen sollten indes im Einklang mit der Risikobereitschaft des Portfolios angepasst und diversifiziert werden.

Wirtschaftlich und finanziell dürfte sich in den nächsten Monaten wenig ändern. Das globale Wachstum hat sich verstetigt, was die Deflationssorgen lindert, bleibt aber stark abhängig von geld- und fiskalpolitischen Stimulierungen. An der politischen Front könnte sich das letzte Quartal 2016 jedoch als explosiv erweisen, denn in Europa und natürlich in den USA werden Ereignisrisiken sichtbar.

Die jüngsten globalen Frühindikatoren fielen relativ positiv aus. Die globale Wirtschaftsleistung und das Handelswachstum scheinen sich stabilisiert zu haben, und es gibt sogar Anzeichen steigender Preise. Die Schwellenländer haben sich in den letzten Monaten definitiv erholt, und unter den Industrieregionen weisen die europäischen Länder – was vielleicht etwas überraschend ist – weiterhin die günstigste Dynamik auf.

Die sich abschwächenden Trends in den USA und Japan, den beiden grössten Volkswirtschaften unter den Industrieländern, sind natürlich ein Grund zur Sorge. Die demografische Entwicklung, die Produktivität und die Überkapazitäten bremsen nach wie vor das Wachstum der Gesamtnachfrage. Da kein dringender Bedarf an zusätzlicher Kapazität besteht, sehen die Unternehmen keinen Anlass, ihre Ausgaben zu erhöhen. Das langsamere Wachstum der Erwerbsbevölkerungen bedeutet, dass weniger Anreize bestehen, neue Fabriken, Einkaufszentren oder Bürotürme zu bauen. Ausserdem haben die rückläufigen Haushaltsgründungen die Nachfrage nach neuen Eigenheimen gebremst.

Zwar zeigen sich hie und da Anzeichen einer Verbesserung, doch die Weltwirtschaft hat noch längst nicht die „Escape Velocity“ erreicht, also ein Wachstumsniveau, das ohne wiederholte geld- oder fiskalpolitische Spritzen aufrechterhalten werden kann. Die Währungshüter auf der ganzen Welt werden an ihrer Reflationspolitik festhalten, um dem zunehmenden Populismus entgegenzuwirken und ihre Positionen zu behalten. Das billige Geld wird uns trotz einer zögerlichen Zinserhöhung, die das Fed wohl im Dezember vornehmen wird, noch einige Zeit erhalten bleiben. Die fiskalpolitischen Massnahmen, die in einer Reihe von Ländern ergriffen wurden (insbesondere in China, Japan und Grossbritannien), signalisieren, dass die geldpolitische Stimulierung nicht mehr das einzige Mittel zur Stützung der Wirtschaft ist. Die Zentralbanken scheinen anzuerkennen, dass negative Zinsen ungünstige Sekundäreffekte auf die Profitabilität des Bankensektors (und damit auf das Wirtschaftswachstum) haben, und sind offenbar entschlossen, diese Effekte abzumildern.

Für jedes Abwärtsrisiko scheint also eine entsprechende geldpolitische Gegenmassnahme bereitzustehen. Wenn wir uns die politische Agenda in diesem Quartal anschauen, gibt es von diesen Risiken mehr als genug. Die neue britische Regierung wird in ihrem „Autumn Statement“ erstmals ihr Wirtschaftsmodell, das sie sich nach dem Ausgang der Brexit-Abstimmung vorstellt, konkreter skizzieren. Davor finden die umkämpfte Präsidentschaftswahl in den USA und das Verfassungsreferendum in Italien statt, das fast so wichtig ist wie das britische Referendum vor drei Monaten. Und dann steht natürlich der Wahlkampf in Spanien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden vor der Tür, wo der Status quo unzufriedene Bürger produziert hat, die sich offenbar höhere Handelsbarrieren wünschen.

Unser Ausblick deutet eher auf Kontinuität als auf einen Neustart des Systems hin. Die politischen Risiken sind enorm, doch die Politik der Zentralbanken ausserhalb der USA wird expansiv bleiben, und die Fiskalpolitik dürfte stärker für Unterstützung sorgen. Ein solches Szenario mit einem niedrigen, doch stabilen Wachstum und reaktiven Währungshütern impliziert einen anhaltenden Abwärtsdruck auf die Kapitalkosten, was wiederum eine weitere Verteuerung von Finanzanlagen ermöglichen würde.

Hinweis: Sofern nicht anders angegeben, basieren alle in dieser Publikation aufgeführten Daten auf folgenden Quellen: Datastream, Bloomberg, Berechnung von Lombard Odier.
 

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