Philanthropy  

05/04/2016

INTERVIEW : YVES DACCORD, GENERALDIREKTOR DES IKRK

International Committee of the Red Cross ; copyright ICRC, Krzysiek Pawel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Suleymanieh, Zerinok. ICRC staff crosscheck a list of Syrian refugee families eligible for assistance before distributing aid.
Copyright ICRC - Photographer : KRZYSIEK, Pawel
 

Die politische und wirtschaftliche Volatilität am Anfang dieses Jahres kann sehr unterschiedlich ausgelegt werden. Klar ist jedoch, dass die globale Vernetzung sowohl Teil der Ursache als auch der Lösung ist. Die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der wir heute Informationen austauschen, erhöht die Empfindlichkeit der Märkte, die auf Ereignisse unmittelbar reagieren. Diese Dynamik der globalen Kommunikation hat neue komplexe Verflechtungen entstehen lassen, die beeinflussen, wie Staaten, Unternehmen und Märkte die Welt deuten.

„Wir leben in einer stark vernetzten und doch immer unübersichtlicheren Welt, in der Vertrauen ein seltenes Gut ist.“ Yves Daccord, Generaldirektor des IKRK

Wir haben mit Yves Daccord*, Generaldirektor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf, über die Komplexität der geopolitischen Lage und die daraus resultierenden Turbulenzen der letzten Jahre gesprochen. In unserem Gespräch gibt er seine persönliche Einschätzung und sprach sich für neue Lösungsansätze aus, die auf Zusammenarbeit beruhen.

Zunächst äusserte er seine Bedenken: „Wir leben heute in einer stark vernetzten Welt. Diese Vernetzung mag viele Vorteile bieten, doch entsteht dadurch eine Komplexität, deren gesamtes Ausmass wir gerade erst begreifen. Die Technologie hat uns näher zusammengebracht, aber diese Nähe lässt auch unsere Unterschiede deutlich hervortreten. Organisationen wie die ISIS erreichen Millionen von Menschen, weil sie die neuen Kommunikationstechniken beherrschen, die uns allen zur Verfügung stehen. Staaten, Organisationen und Privatpersonen müssen deshalb diese Instrumente beherrschen und unsere Werte verteidigen, auch wenn sich die Art und die Sprache, wie wir diese Vorstellungen übermitteln, geändert haben. Wir stehen vor einer grossen Herausforderung.“

Yves Daccord erklärte, dass sich das IKRK auch weiterhin dafür engagiert, bei einem Konflikt mit allen Parteien zu verhandeln, und dass seine Neutralität der Schlüssel ist, um die verschiedenen Gruppen in einer Krise zu erreichen. Trotz der Neutralität sei allerdings auch eine volle Konvergenz auf internationaler Ebene erforderlich, um die miteinander verflochtenen Krisen zu lösen, mit denen die Welt konfrontiert ist. „Eine vernetzte globale Lösung ist wesentlich, weil die Probleme selbst auch vernetzt sind.“

Ob es um die Auswirkungen der Spannungen zwischen Saudi Arabien und dem Iran auf den Erdölmarkt oder um die Flüchtlingskrise in Europa geht: Länder, die sich früher von den Problemen in anderen Teilen der Welt abgeschottet fühlten, haben heute nicht mehr die Möglichkeit, die Lage von der Ferne aus zu betrachten. Sämtliche Aspekte unseres Lebens, auch die Gemeinschaften, in denen wir leben, und die Märkte, in die wir investieren, werden heute stark von Ereignissen beeinflusst, die vor einigen Jahren noch als zu weit entfernt galten, um erste Sorgen auszulösen.

Yves Daccord: „Die Krise im Nahen Osten verursacht nicht nur einen tief greifenden Wandel in der Region selbst, sondern auch in Europa. Die Beziehungen zwischen den Bürgern Europas und ihren Regierungen wohl die wichtigste Grundlage unserer Gemeinschaften werden von Ereignissen in Syrien und anderen Teilen der Welt beeinflusst. Die europäischen Staats- und Regierungschefs gaben sich lange Zeit der Illusion hin, diese Konflikte regional eindämmen zu können. Heute sehen wir jedoch in Syrien, wie schnell sich Probleme ausbreiten. Das Tempo, mit dem die Krise an Boden gewonnen hat, dürfte viele überrascht haben. Obwohl wir in einer hoch vernetzten Welt leben, sind unsere Reaktionen sehr unterschiedlich. So gesehen, sind wir immer noch Millionen Kilometer voneinander entfernt.“

Da eine Krise nun auf mehr Länder, Menschen, Volkswirtschaften und Märkte denn je übergreifen kann, brauchen wir eine innovative Strategie, die auf Zusammenarbeit beruht. Laut Yves Daccord kann diese Zusammenarbeit jedoch nur erfolgreich sein, wenn sie auf neuen Denkansätzen beruht. In Bezug auf Syrien erklärte Yves Daccord: „Wir müssen akzeptieren, dass die Lösung nicht darin bestehen kann, immer mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Es gilt jetzt, strategisch zu denken und zu definieren, wie wir mit den Menschen in Syrien zusammenarbeiten, sodass sie im Land bleiben können. Das bedeutet, dass Organisationen wie das Rote Kreuz eine starke Präsenz vor Ort aufrechterhalten und dazu beitragen müssen, dass Investitionen in die Infrastruktur, wie Wasserversorgung und Abwassersysteme fliessen können. Vor allem dürfen wir nicht länger warten, bis die Kriege enden, um diese Projekte in Angriff zu nehmen. Wir müssen lernen, im Krieg zu arbeiten.“

Aus diesem Grund ist das IKRK der Meinung, dass trotz der Fortschritte der Kommunikationstechniken, die aus der Welt ein Dorf gemacht haben, die Nähe im herkömmlichen Sinne heute so wichtig ist wie in der Vergangenheit. Das Komitee ist bestrebt, die Menschen, die unter einem Konflikt leiden, aus möglichst grosser Nähe zu betreuen. Yves Daccord ist der Ansicht, dass die Präsenz vor Ort auch als vertrauensbildende Massnahme von grosser Bedeutung ist. „Wie im Bankensektor ist auch in meinem Bereich Vertrauen von entscheidender Bedeutung. Aber in den letzten Jahren ist es zunehmend zu einem seltenen Gut geworden. Deshalb ist unser Engagement für vertrauensbildende Massnahmen besonders wichtig. Vertrauen ist für uns ein zentrales Anliegen und definiert, wer wir sind.“ 


*Yves Daccord ist seit 2010 Generaldirektor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf. Der ehemalige Journalist, Fernsehproduzent und Spezialist für internationale Beziehungen arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten in verschiedenen Funktionen für das IKRK und übernahm Einsätze in schwierigen Situationen, zum Beispiel in Israel und den besetzten Gebieten, im Sudan, Jemen, in Tschetschenien und Georgien. Bevor er zum Generaldirektor ernannt wurde, fungierte er als Head of Communication Division und Director of Communications. Der Politwissenschaftler ist seit Januar 2015 Vorsitzender des Steering Committee for Humanitarian Response (SCHR). Yves Daccord wurde 1964 geboren und hat drei Kinder.


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Lombard Odier und das IKRK
Die Beziehung von Lombard Odier zum IKRK geht auf das Jahr 1859 zurück. Damals wurde Alexandre Lombard, ein überzeugter Humanist, aktives Mitglied des Komitees, aus dem das Internationale Komitee vom Roten Kreuz entstand. Heute setzt die Fondation Lombard Odier  die philanthropischen Aktivitäten unseres Unternehmens und dessen Teilhaber um. Im humanitären Bereich pflegt sie privilegierte Beziehungen zu bedeutenden Institutionen wie dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz. Ausserdem unterstützt die Stiftung die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) dabei, bei der wissenschaftlichen Forschung in neue Bereiche vorzustossen. Mit dem Programm „Venture Kick“ fördert sie neue Talente und Technologien. Des Weiteren untersucht die Fondation Lombard Odier immer wieder innovative Finanzierungsmodelle, die auch dem Wohl der Gesellschaft als Ganzes dienen.





 

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