Die Risiken eines Lebens ausserhalb der Grenzen der Natur

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Die Risiken eines Lebens ausserhalb der Grenzen der Natur

Von Bakterien zu Blauwalen und von Pilzen zu Blumen: das Artensterben und die damit einhergehende Schädigung unserer Ökosysteme sind zusammen eine der zehn grössten Gefahren für unsere Gesellschaft. Der Global Risks Report 2020 des Weltwirtschaftsforums verdeutlicht, dass die damit verbundenen Risiken die Gesundheit von Gesellschaften gefährden, den Klimawandels beschleunigen und schwerwiegende finanzielle Folgen für die Weltwirtschaft haben könnten.

Die Gefährdung unserer biologischen Vielfalt verschärft sich zu einer Zeit, in der die Welt noch mit unzähligen Folgen der Coronavirus-Krise zu kämpfen hat. Die schädliche Wirkung des Virus auf die Lebensmittellieferketten und die Unterbrechung der Wirtschaftstätigkeit lassen erahnen, was im Falle des Artensterbens droht.

Die schädliche Wirkung des Virus auf die Lebensmittellieferketten lässt erahnen, was im Falle des Artensterbens droht

Die Zerstörung der Artenvielfalt zu ignorieren, kommt uns teuer zu stehen. Die International Union for Conservation of Nature beziffert den Wert der von natürlichen Ökosystemen bereitgestellten Güter und Dienstleistungen auf USD 33 Bio. pro Jahr. Das entspricht mehr als einem Drittel des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2019. Das Artensterben wird sich gravierend auf Branchen auswirken, die auf natürliche Ressourcen angewiesen sind. Dazu gehören die grossen Energieunternehmen, aber auch der Pharma- und der Fertigungssektor, die pflanzliche Materialien verarbeiten. Diese Auswirkungen stellen für die internationalen Märkte und Finanzinstitute erhebliche Risiken dar.

Die schätzungsweise USD 5,8 Bio. bis USD 8,8 Bio., welche die Coronavirus-Pandemie die Weltwirtschaft kostet, haben die Pläne der Politik durchkreuzt. Diese sollte die Umwelt aber nicht auf eine niedrigere Prioritätsstufe setzen. Wenn überhaupt, dann hat die Pandemie die Risiken aufgezeigt, die mit einer rücksichtslosen Haltung gegenüber der Natur verbunden sind. Die Zerstörung der Ökosysteme und die Vertreibung der Tiere aus ihren natürlichen Lebensräumen sowie die Temperaturanstiege infolge des Klimawandels zwingen Mensch und Tier zu einer engeren Nachbarschaft. Dadurch können Krankheiten leichter vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Diese miteinander zusammenhängenden Risiken erlauben keine Untätigkeit. Eine grüne Erholung von der Coronavirus-Pandemie wird nicht nur zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen – sie könnte auch das Risiko eines erneuten Ausbruchs verringern. Zudem könnte sie der International Renewable Agency zufolge durch eine aufblühende Industrie für erneuerbare Energien das globale BIP bis 2050 um USD 98 Bio. steigern.

Das Artensterben ist untrennbar mit der industriellen Landwirtschaft verbunden. Sie ist zwar lukrativ, auf breiter Front jedoch nicht nachhaltig. Die industrielle Landwirtschaft beruht auf dem grossflächigen, übermässigen oder wahllosen Einsatz von Agrochemikalien: Seien es Pestizide, die Wildtiere vergiften können, oder die langfristige Verwendung von Kunstdüngern, die den Boden versauern können und Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) und Distickstoffoxid emittieren. Gelangen diese Dünger in Seen, Flüsse und Meere, löst ihre Nährstoffkonzentration ein exzessives, doch kurzlebiges Algenwachstum aus. Bei der Zersetzung geben die Algen CO2 frei, womit sie den Wasserlebewesen Sauerstoff entziehen und den CO2-Gehalt erhöhen.

Unternehmen beginnen, Naturkapital als entscheidende Grundlage wirtschaftlicher Aktivitäten in ihre Anlagestrategien zu integrieren

Die Regierungspolitik und das zunehmende Regelwerk zur Unterstützung eines grünen Finanzwesens schaffen immer offensichtlicher Anreize für die Unternehmen, Fragen der biologischen Vielfalt nicht nur zu berücksichtigen, sondern auch zu nutzen. Richtlinien wie der EU-Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen fördern indes eine Umgestaltung der Geschäftsmodelle. Ferner hat die Europäische Kommission nach dem Ausbruch des Coronavirus bekannt gegeben, dass möglicherweise neue Anforderungen zur transparenten Berichterstattung für Unternehmen eingeführt werden, um deren Geschäfte vor dem sichtbar werdenden Zusammenhang zwischen dem Artensterben und Pandemien zu schützen. Dies hebt die Bedeutung von Naturkapital als entscheidende Grundlage wirtschaftlicher Aktivitäten in die Anlagestrategien von Unternehmen zu integrieren.

Die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen beruht heute nicht mehr nur auf einem erfolgreichen Geschäftsmodell, sondern auch auf Akzeptanz bei der Gesellschaft und den Investoren. Diese erfordert in einem ersten Schritt, offen und transparent über relevante umweltbezogene, soziale und die Unternehmensführung betreffende Informationen zu berichten. Diese Transparenz ist für eine nachhaltige Entwicklung von entscheidender Bedeutung. So tragen diese Informationen zu einem besseren Verständnis bei, wie manche Branchen die Artenvielfalt belasten und ihrerseits von einer verringerten Artenvielfalt belastet würden. In diesem Zusammenhang wurde eine Reihe von Instrumenten und Datenreihen für Unternehmen entwickelt, um den Wert der Biodiversität genauer beurteilen zu können. Sektoren, die von Artenvielfalt profitieren, darunter der Tourismus, die nachhaltige Fischerei und mit Korallenriffen verbundene kommerzielle Aktivitäten, ist für Anleger interessant. Und laut einem aktuellen OECD-Bericht zur Artenvielfalt verwaltet die Branche des Impact Investing – Kapital für Projekte, die einen hohen oder besonders hohen ökologischen und sozialen Wirkungsgrad und eine finanzielle Rendite anstreben – ein geschätztes Vermögen von USD 502 Mrd.

Akteure, die bereit ist, Biodiversität in ihre Modelle zu integrieren, kann in den verschiedensten Sektoren Anlagechancen finden

Unternehmen können von gesunden Ökosystemen und einem gutem Niveau an Artenvielfalt profitieren. Weltweit hat sich in den letzten Jahren der Fokus der Anleger schrittweise verlagert. Interessierten sie sich noch vor ein paar Jahren in erster Linie dafür, was gegen die negativen Auswirkungen des Klimawandels und der Schädigung des Ökosystems getan wird, geht es ihnen heute vor allem darum, den effizienten Einsatz natürlicher Ressourcen wirtschaftlich zu nutzen. Diese Schwerpunktverlagerung hat die Einführung nachhaltiger Prozesse vorangetrieben, die nicht nur das Abfallmanagement verbessern, sondern auch der Reputation zugutekommen und das regulatorische Risiko verringern. Und Anlagemöglichkeiten zugunsten von Biodiversität sind attraktiv: Nach einem Bericht der Biodiversity Finance Initiative dürfte die nachhaltige Landwirtschaft mit einem Marktpotenzial von USD 418 Mrd. für Anleger besonders lukrativ sein, aber auch der Ökotourismus bietet ein Marktpotenzial von USD 100 Mrd.

Die Natur fördern und damit zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen, steht auf praktischer Ebene ganz oben auf der Agenda von Unternehmen, denn Umweltschäden stören industrielle Prozesse und betriebliche Tätigkeiten. Artenvielfalt ist aber auch für das Unternehmensprofil und das Invesitionsniveau von grösster Bedeutung. Unvorhergesehene Gefährdungen der Biodiversität haben das Potenzial, Geschäftsstrategien zu durchkreuzen, Investmentprojekte zu untergraben und durch die Verletzung von Standards die Reputation eines Unternehmens zu schädigen sowie rechtliche Haftungspflichten zu schaffen. Akteure, die bereit sind, Biodiversität in ihre Modelle zu integrieren, kann in den verschiedensten Sektoren Anlagechancen finden. Dazu zählen bodenschonende Landwirtschaft und Ökotourismus, Habitat Banking sowie Impact und Green Bonds.

Eine intakte Biodiversität ist also von grösstem volkswirtschaftlichem Wert und für unsere Lebensqualität unabdingbar. Die Beziehung zwischen Unternehmen und der Natur rückt entsprechend zunehmend in den Fokus. Im Zuge aktueller Ereignisse wie der Ausbreitung des Coronavirus und dem zunehmenden Nachhaltigkeitsbewusstsein der Wirtschaft erkennen Unternehmen, dass ihre betrieblichen Aktivitäten von unseren Ökosystemen abhängen, sich ihr Handeln aber auch auf die Ökosysteme und Biodiversität auswirkt und es die biologische Vielfalt entsprechend besser zu schützen gilt.

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