Durchdachte Family Governance

Durchdachte Family Governance

Das Vermögen und die Struktur Ihrer Familie oder Ihres Familienunternehmens entwickeln sich unter dem Einfluss wirtschaftlicher, technischer und gesellschaftlicher Veränderungen oder auch neuer Generationen, die die Geschicke in die Hand nehmen. Solche Entwicklungen haben nicht immer nur positive Auswirkungen auf Ihr Vermögen und können dessen Wert sogar verringern. Haben Sie schon einmal daran gedacht, hierzu Massnahmen zu ergreifen, wie z.B. den Prozess der Family Governance? Dieses Thema bieten wir unseren Kunden in Form eines Moduls im Rahmen des Lombard Odier Familienprogramms an. Gespräch mit Experten von Lombard Odier.


Warum sollten vermögende Familien oder Familienunternehmen heute an Family Governance denken?

Family Governance hat im 20. Jahrhundert an Bedeutung gewonnen, unter anderem durch gesellschaftliche und technologische Veränderungen. In unserer westlichen Gesellschaft finden Primogenitur und Majorat kaum mehr Anwendung, Frauen sind autonom, und es zeichnet sich ein Trend zur allgemeinen Individualisierung ab. Die neue Generation ist häufig „freier“ und „unabhängiger“ und zögert nicht, die ältere Generation in Frage zu stellen. Unser Arbeitsumfeld hat sich ebenfalls weiterentwickelt: Internet, Globalisierung und technischer Fortschritt haben den Wettbewerb verschärft und beschleunigt. Die Finanzwelt ist komplexer denn je. Die Arbeitswelt ist wesentlich anspruchsvoller geworden und stellt deutlich höhere Anforderungen an Aus- und Weiterbildung. Auch auf dem Arbeitsmarkt herrscht grosse Konkurrenz. Aus all diesen Gründen ist es für den Fortbestand und die weitere Entwicklung wichtig, dass sich eine vermögende Familie oder ein Familienunternehmen auf eine wirksame Family Governance stützen kann.


Was genau ist unter Family Governance zu verstehen?

Family Governance ist ein Lenkungs-, Kontroll- und Kommunikationsmechanismus und schafft in einer Familie einen Rahmen für Beteiligung und Entscheidungsfindung. Sie steht für Transparenz und Stabilität und setzt auf die Einheit der Familie sowie den langfristigen Erhalt des Familienerbes. Family Governance legt vor allem die Regeln für die Nachfolge und die Familienmitglieder fest, die im Unternehmen arbeiten oder das Vermögen verwalten, ferner die Kommunikation inner- und ausserhalb der Familie, insbesondere die Kommunikation zwischen dem Unternehmen bzw. dem Family Office und dem Investitionsausschuss und der Familie.


Gibt es eine Grundstruktur für Family Governance, auf die eine Familie bauen kann?

Jede Family Governance-Struktur ist einzigartig und auf die Bedürfnisse einer bestimmten Familie abgestimmt. Sie wird mittels struktureller Organe geschaffen, wie z.B. Familienrat oder Familienversammlungen, und stützt sich oft auf einen Text, der als Familienverfassung, Familienpakt oder Familien-Charta bezeichnet wird.


Wozu dienen die strukturellen Organe und die Familien-Charta?

Es gibt keine vordefinierte Terminologie in Bezug auf die geschaffenen Organe. Doch im Allgemeinen bilden Familien:

  • Eine Familienversammlung, bei der alle Familienmitglieder zusammenkommen.
  • Einen Familienrat (Entscheidungsausschuss), der aus der Familienversammlung hervorgeht und auf drei bis fünf Mitglieder begrenzt ist.
  • Familienausschüsse in Abhängigkeit von ihren Bedürfnissen Zwar können Familien eine grosse Anzahl an Ausschüssen einrichten, doch findet man in der Praxis häufig einen Anlageausschuss, der für die Verwaltung des Vermögens zuständig ist, einen Gemeinnützigkeits-ausschuss, einen Ausschuss für die neue Generation (der sich mit der Ausbildung der jüngsten und der Weiterbildung der übrigen Familienmitglieder befasst) oder einen Ausschuss für Personalentwicklung für Familienmitglieder, die im Unternehmen tätig sind.
  • Mitunter wird es auch als Familienprotokoll bezeichnet. Es handelt sich um ein kurzes Dokument, in dem die Werte oder die Geschichte der Familie dargestellt sind.

Diese Informationen werden in der Familienverfassung verankert, protokolliert und festgelegt. Die Familien-verfassung bildet ein von allen Familienmitgliedern anerkanntes Fundament der Family Governance. Sie stellt ein strategisches und emotionales Dokument dar, das die Vorschriften zur Organisation, Nachfolgeplanung oder Konfliktlösung festlegt. In puncto Vermögensverwaltung und Familienwerte dient es als Leitlinie.


Wie bestimmt man die entsprechenden Risiken in einem Familienunternehmen, in dem es unterschiedliche Interessen gibt?

Bei Familienunternehmen sind drei Bereiche zu unterscheiden, die als 3-Kreis-Modell bezeichnet werden (siehe Abbildung: 3-Kreis-Modell, Tagiuri und Davis, 1982): die Familie, die Eigentümer und das Unternehmen selbst. Das 3-Kreis-Modell beruht auf unterschiedlichen Schwer-punkten, verschiedenen Interessen und Erwartungen, die sich insbesondere auf die Analyse der familiären Situation stützen. Jeder Bereich hat seine Beweggründe und Bedürfnisse, die sich wie folgt einstufen lassen:

  • Auf der Ebene der Familie spricht man von Zugehörigkeit, zwischenmenschlichen Beziehungen und Erwartungen jedes Familienmitglieds.
  • Auf der Ebene der Eigentümer betreffen die Interessen Themen wie Eigentum, Nachfolge und Kapitalrentabilität.
  • Auf der Ebene des Unternehmens selbst geht es um Erträge, Wertentwicklung und Gewinn.

Beispielsweise ist ein Familienmitglied, das im Familienunternehmen tätig ist, häufig mehr an den Investitionen in das Unternehmen interessiert als an grosszügig ausfallenden Dividenden, im Gegensatz zu Familienmitgliedern, die nicht im Unternehmen arbeiten. So möchte vielleicht die Frau des Vorsitzenden des Verwaltungsrats, dass ihr Sohn das Familienunternehmen leitet, doch sind möglicherweise die Cousins und der Eigentümer nicht einverstanden, weil es dem Sohn an Qualifikationen fehlt.

Der Kreis der Eigentümer deckt die Organe des Unternehmens ab, die gesetzlich vorgeschrieben sind, so z.B. die General-versammlung und der Verwaltungsrat. So haben wir bei Lombard Odier eine Neuerung eingeführt und setzen die Family Governance auch für Familien ohne Unternehmen ein. Hier umfasst der Kreis der Eigentümer anstelle der rechtlichen Organe den Anlageausschuss oder den Investitionsausschuss für die übrigen Vermögenswerte. Darüber hinaus umfasst er die Nachfolgedokumente, wie z.B. das Testament, den Ehevertrag, den Erbvertrag, das Vorsorgemandat, den Kontinuitäts- und Notfallplan im Falle eines unerwarteten Ausfalls von Familienmitgliedern, die im Unternehmen tätig sind, und schliesslich den Strategieplan, welcher die aktuellen Geschäftspraktiken abdeckt.

Das 3-Kreis-Modell kann auch für Familien gelten, die ein gemeinsames Vermögen halten. Konflikten zwischen Erben sind kaum Grenzen gesetzt, aber man kann sagen, die drei häufigsten Ursachen sind:

  • Konflikte, die in Verbindung mit Immobilien oder deren Aufteilung stehen und nicht selten zur deren Zwangsversteigerung führen.
  • Kindern, die nicht wissen, wie das Vermögen zu verwalten ist.
  • Kunstsammlungen, welche die neue Generation nicht interessieren und verkauft oder aufgeteilt werden müssen.

Um möglichen Konflikten und deren Eskalation vorzugreifen, ist es daher wichtig, die Mechanismen der Beweggründe und Positionen sämtlicher Themen in den drei Kreisen zu verstehen, da sie einen gewissen negativen oder positiven Einfluss auf die Entwicklung des Unternehmens oder des Vermögens ausüben können. Eine gute Family Governance sorgt dafür, dass eine Familie sich mithilfe von zuvor festgelegten Organen und Instrumenten auf einen strukturierten Rahmen und eine klare Organisation stützen kann. Auf diese Weise sind Familien gerüstet, die Heraus-forderungen erfolgreich zu bewältigen, mit denen sie tagtäglich und künftig konfrontiert sind.


Lombard Odier Familienprogramm

Die Bank engagiert sich stark für Familienunternehmen und pflegt den Dialog auf Augenhöhe, beispielsweise durch das Family Business Network (FBN Suisse Romande et FBN International) und den IMD-Lombard Odier Global Family Business Award.

Das Lombard Odier Familienprogramm enthält einen einzigartigen und innovativen Ansatz für die Übertragung finanzieller Vermögenswerte auf der Grundlage der Prinzipien für die Weitergabe von Familienunternehmen. Ziel des Programms ist es, Familien bei der Organisation, dem Schutz und der Übertragung ihres Vermögens zu begleiten. Es ist in zehn Module und drei Bereiche gegliedert, die auf ihre Anforderungen abgestimmt sind.

3 Bereiche die kombiniert werden können

  • Governance
    • Einführung in die Family Governance
    • Werte und Familienverfassung
    • Familienorganisation
  • Nachfolge
    • Nachfolge 1. Generation
    • Dynastische Nachfolge
    • Ausstiegsmöglichkeiten aus dem Familienunternehmen
  • Vermögensberatung
    • Verwaltung des Familienvermögens
    • Philanthropie
    • Absicherung
    • Family Office

Wichtige Hinweise.

Die vorliegende Marketingmitteilung wurde von Lombard Odier (Europe) S.A., einem in Luxemburg durch die Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF) zugelassenen und von dieser regulierten Kreditinstitut, herausgegeben. Diese Mitteilung wurde von jeder ihrer Zweigniederlassungen, die in den am Ende dieser Seite angegebenen Gebieten tätig sind (nachstehend "Lombard Odier"), zur Veröffentlichung genehmigt.

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